Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, na

r ver Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer em« gespaltenen Seile 10 Psg., im amtlichen teile 20 Pfg. , Reklamen die Seile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.«^«»

herrfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 132.

Dienstag, den 9. November

1909,

nichtamtlicher teil.

Jas Lmtnschisf Nassau.

Ueber S. M. S. Nassau, den ersten deutschen Dreadnought, bringen die Kieler Neuesten Nachrichten eine Betrachtung, der wir die folgenden Angaben entnehmen: S. M. S. Nassau befindet sich zurzeit noch im Probefahrtsverhältnis und lag die letzten Tage in Kiel, um im Trockendock der Kaiserlichen Werft eine Umstellung der Propeller vorzunehmen, die dem Riesen­schiffe eine noch größere Geschwindigkeit verleihen soll. Der vorläufig kurze Aufenthalt deS Schiffe» in Kiel ist von den hier weilenden Mitgliedern der Admiralität und den höheren Stabsoffizieren nach Kräften benutzt worden, um den ersten deutschen Dreadnought kennen zu lernen, dessen massiger Bau ihm gestattete, im Trockendock ungestützt zu stehen. Im Dock, dessen Bassin der Panzer völlig aussüllte, kam die Größe und Wucht deS Schiffes nicht so zur Geltung wie aus dem Strom, wo die Vergleichsmöglichkeit mit anderen Schiffen der Flotte gegeben war. Darüber herrschte bei allen, die Gelegenheit hatten, den ersten deutschen Dreadnought aus dem Wasser zu sehen, kein Zweifel, daß unsere Hochseeflotte mit diesem Erzeug­nis der Wilhelmshavener Werft um einen Bau bereichert ist, auf den wir stolz fehl können. Nachstehend wollen wir noch einige Angaben machen, die heute nicht mehr zum besten der Landesverteidigung gehrimgehaltcn zu werden brauchen.

Wenn man sich dem Schiffe nähert, fällt eS, abgesehen von der Größe, zuerst durch die mächtigen Panzertürme für die schwerste Artillerie und die Masten aus. Letztere sind im Gegensatz zu den bisher üblichen Gesechtsmasten Psahlmasten, wie sie neuerdings auch die neugebauten und umgebauten Linienschiffe der Kaiser-Klasse an Bord erhalten haben. Die Pfahlmasten der Nassau dienen nur noch dem Signalverkehr und der Anbringung der Apparate für die drahtlose Telegraphie. Mithin sind die Marse nicht mehr bewaffnet, noch sind in ihnen Scheinwerfer ausgestellt worden. Letzere haben vielmehr ihre Standorte aus den Ausbauten unmittelbar vor und hinter den beiden Schornsteinen gefunden, und zwar derart, daß die Scheinwerfer unterhalb der Schlotmündungen liegen, so daß sie bei der Verwendung nicht von der Rauchentwickelung be­hindert werden.

Das Auffälligste an dem neuen Schiffe sind die Panzer- drehtürme für die 28=cm Geschütze, von denen vorn und hin­ten je 1 Turm und an beiden Seiten in der Mitte je 2 Tür­me mit je 2 Geschützen stehen. Die Nassau kann also vor- aus und achteraus mit je 6 Geschützen ihrer schwersten Ar­tillerie feuern, während bei der vollen Breitseite 8 Geschütze in Tätigkeit treten. Die Panzerdrchtürme unterscheiden sich von den bisherigen Panzertürmen durch ihre äußere Gestalt. Während auf den älteren Schiffen die Türme rund sind und starke Kuppen haben, hat man ihnen jetzt eine fast quadratische Form mit geraden Seitenflächen und fllachem Deckel gegeben.

Der Sonntagsjäger.

Roman von Fritz Skowronnek.

(Fortsetzung.)

Zieh die Sache nicht in- Lächerliche, Lotte! Ich will mich nicht in euer Geheimnis eindrängen; aber alS Freundin sage ich dir, du wirst einen schweren Stand haben. Bur- Meister wird Jsnoten taufen, und euer Nachbar werden. Kannst du mir wirklich nicht sagen, waS zwischen euch beiden vorge- sallen ist, daß ihr nicht frei und offen eure frühere Bekannt- schaft eingesteht?"

Dielange Baroneb", wie sie von den Freundinnen allgemein genannt wurde, hatte die Hand an dir Stirn gelegt und sah sehr ernst, beinahe traurig aus.

Nein, liebe Dora, das kann ich nicht und möchte ich auch nicht."

Da hat die Tante doch recht gehabt, alS sie mir riet, den burschikosen Ton mit abzugewöhnen. Jetzt nimmst du mich nicht ernst!"

Lotte streckte ihr die Hand entgegen.

*®ei '"ir nicht böse, Herzchen! Jetzt in diesem Augen- bltae kann ich wirklich nicht sprechen; aber du sollst die erste ftui, die daS Geheimnis erfährt, wenn es so weit ist, daß ich darüber sprechen kann. Bist du nun zusrieden?"

»Ja, Lotte I Und nun will ich dir noch einen guten Rat geben. Bleib heute abend nicht zu Hause, sondern komm zu uns und suche den Schein zu vermeiden, als wenn dir die Begegnung na sagen wir mal ein wenig pein- . lich ist. Aus Wiedersehen I"

Aus Wiedersehen!"

Zu Hause sand Dora die Stille eines SonntagnachmittagS. Mutter hatte sich in ihr Schlafzimmer zurückgezogen; der & auf der Veranda, unter deren dichtem Blättergrün « Kühlung gefunden hatte, im Lehnstuhl und machte ein . ^İn- Leise schlich sie sich zu ihm, setzte sich neben ihn , feuchte die Fliegen, die ihn umsummten und sich dreist aus seinen kahlen Kopf setzten. Geduldig waltete sie ihre«

Bon den zwölf 15-enr-Geschützen in den Panzer-Einzeldreh- türmen deS Batteriedecks können je vier gerade voraus und achteraus feuern; in der Breitseite dagegen je 6. Im Vor- schiff hat man außerdem noch vier Geschütze der 8,8-cm-Ka- liberS in geschützten Schwalbennestern eingebaut, während sich die übrigen zwölf auf das gesamte Schiff verteilen.

Entsprechend der Größe deS Schiffes ist auch die Besatz- ungSzahl. Während der 11 150 t große Kaiser Barbarossa, an dessen Stelle die Nassau tritt, 658 Mann an Bord hatte, zählt die Besatzung der Nassau bekanntlich 860. Die Mann- schastsfürsorge hat aus diesem Schiffe weitere Fortschritte ae- macht, jedoch ist alle- unterblieben, waS die Gefechtsbereit- schast irgendwie hindern könnte. Aus diesem Grunde sind auch die Hängemattenkasten vom Deck verschwunden. Die Hängematten werden in besonderen kleinen Kammern unter« gebracht. Im Verhältnis zu den Offizieren sind die Leute aber noch am bequemsten untergebracht. Bei der Raumbe- Messung und Ausstattung der Kammern hat man nämlich die altbewährte preußische Einfachheit und Sparsamkeit besonders walten lassen und alles auf daS unbedingt notwendige Maß herabgedrückt; dasselbe gilt auch von den verschiedenen Messen, die sehr einfach gehalten sind.

Aus ]n- und Ausland

Berlin, den 6. November 1909.

Heute abend um 7 Uhr wurde im MarmorpalaiS bei Potsdam der dritte Sohn deS Kronprinzen und der Kronprinzessin getauft. Die Taujhandlung vollzog Oberhosprediger I) Dryander in dem sogenannten Grottensaal deS Palais. Hier fanden sich außer dem Kron­prinzen und der Kronprinzessin und deren Hof mit dem Hof- marschall, Grafen v. Bismarck-Bohlen, und dem General­leutnant v. Schenck an der Spitze die hier anwesenden Mit- glieder der kaiserlichen Familie und die geladenen Gäste ein. Der Täufling erhielt die Namen HubertuS, Karl, Wilhelm. An die Taushandlung schloß sich die Gratulation bei der hohen Mutter des Täuflings. ES folgte ein Souper. Zu diesem sührte der Kaiser die Großherzogin-Mutter von Meck­lenburg-Schwerin, der Kronprinz die Kaiserin.

Seit voriger Woche weilen Kronprinz Konstantin von Griechenland und feine Gemahlin nebst dem Prinzen Alexander und der Prinzessin Helene als Gäste des Kaisers im Neuen PalaiS bei PotSdam. Wie man vernimmt, ist der Besuch der griechischen Herrschaften im Neuen PalaiS in seiner Dauer noch unbestimmt, seine Beendigung bürste von der Wiederherstellung der Ruhe und geordneten Zustände in Griechenland abhängen. In PotSdam hat zurzeit auch Prinz Georg, der älteste Sohn des griechischen Kronprinzenpaares, Ausenthalt genommen. Er dient alS Leutnant im 1. Garde- regiment und wohnt mit dem Prinzen OSkar von Preußen in einer Villa zusammen.

Amte-, bis der Vater erwachte und sie mit freundlichem Kopf, neigen begrüßte.

Nun, alles in Ordnung? Kommen die Signoter?"

Selbstverständlich, Väterchen! Ich habe eS schon in der Küche angesagt, und drei Neuigkeiten bring ich mit. Große Neuigkeiten! Denk dir bloß, der blonde Fuchshengst, der nächstes Jahr im Rennen laufen soll du kennst ihn, er stammt auS einer guten Familie, von Galopin aus der Vedette ist zum Verbrecher geworden."

Nanu!"

Ja Vater, er kriegt den Spat. Onkel Braun will eS nicht gelten lassen; aber wenn ich e« sage, dann stimmt'-. Glaubst du mir oder dem Onkel?"

Natürlich glaube ich dir."

DaS freut mich, Väterchen! Nun hör weiter: der Assessor ich kein Jäger, empfindet auch gar kein Vergnügen an der Jagd."

Na, dann wird er'- hier lernen!"

Mit ernsthafter Miene streckte Dora die Hand auS: Las- ciate ogni speranza I An dem ist Hopsen und Malz ver­loren! Onkel Braun hat ihm schon eine Standpauke ge- halten, wie mir scheint, ohne Ersolg. WaS meinst du dazu, Väterchen?"

Dernburg lächelte, belustigt von dem Eiser der Tochter. Dann hätten wir zur Abwechselung mal einen Landrat, der nur dem Echüsseltreibcn Verständnis entgegenbringt."

Und nun kommt daS Wichtigste: Herr Burmeister kaust JSnoten."

Sie hatte jedes Wort langsam, mit scharfer Betonung gesprochen. Der alte Herr fuhr auf:Alle Wetter! DaS interessiert mich in der Tat. Ist der Kaus schon perfekt?"

Nein, de-halb soll die Mitteilung noch alS vertraulich gelten. Nur dir darf ich sie erzählen. ES scheinen sich noch Schwierigkeiten ergeben zu haben. Ich glaubt, die Erben haben ganz richtig erkannt, welchen Wert daS Gut für einen Menschen hat, der als Landrat deS Kreise- Grundbesitzer werden will. Dicht an der Stadt, bisher musterhaft ver­waltet"

Am letzten dieses Monates tritt bekanntlich der Reichs­tag zu seiner neuen Session zusammen, welche im Zeichen einer ganz veränderten politischen Konstellation stehen wird. Anstelle der durch die Reichsfinanzreform noch im Au-gange der letzten Session zertrümmerten Koalition der Rechten mit den liberalen Gruppen präsentiert sich derschwarz-blaue" Block, die Verbindung deS Zentrums mit den Konservativen und deren Anhängseln, während sich der Reichstag auch einem neuen Reichskanzler gegenüber sieht. Vorerst bleibt eS indessen noch völlig abzuwarten, welche Entwicklung die neue ReichS- tagSseflion angesichts der veränderten politisch-parlamentarischen Lage nehmen wird. Doch scheint eS einstweilen nicht, als ob der Reichstag in seiner bevorstehenden Sitzungsperiode zu be­sonders wichtigen Entscheidungen berufen sein sollte.

Von den zuständigen preußischen Ministerien ist eine Ein- gäbe deS BundeS H e i m a t s ch u tz, betreffend den Schutz beachtenswerter Bäume und Alleen, den Nachgeordneten Re­gierungen zur geeigneten weiteren Veranlassung übermittelt worden. In dieser Eingabe wird darauf hingewiesen, daß der Sinn und die Liebe für die Eigenart und Schönheit alter und schmückender Bäume weiten Kreisen abhanden gekommen zu sein scheint, außer den Alleen wären «S einzeln stehende beachtenswerte Bäume, die neuerdings besonder- bedroht sind. So beseitige man oft die für daS Landschaft-bild so charakteristischen Pyramidenpappeln, an manchen Orten habe man sogar die alten Dorflinden nicht geschont. Der Bund Heimatschutz bittet daher, den Gemeinden den Schutz der Dorflinden und weiter den Schutz der Alleen und der einzeln stehenden beachtenswerten Bäume, insbesondere der Pyramiden­pappeln, dringend anzueu-psehlen.

Die letzten Fahrten der Militärlustschiffe vor der Prüfungskommission in Köln haben gestern stattgesunden und die weiteren Ausstiege sollen nur noch Aus­bildung-- und Uebung-zwecken dienen. Die Abnahme der hier stationierten Luftschiffe vor den Mitgliedern der militär­ischen Prüfungskommission sand am Sonnabend mittag mit einer Fahrt aller drei Schiffe unter Beteiligung vonP.III - über die Stadt hinweg ihren Abschluß. Die Mitglieder der Prüsung-kommission verlassen abends Köln. Die Fahrten werden allerdings, so lange eS da- Wetter und die Gassül- lung zuläßt, noch ausgedehnt werden zwecks Ausbildung deS Personals. Schiff-führer und Steuerleute sollen sich möglichst in mehreren Systemen au-bilden.P. IH " wird sich an die- fen Fahrten nicht mehr beteiligen, da er bei nächster Gelegen- Heit nach Bitterseld zurückgeht. Die weiteren Uebungen der Luftschiffe unterstehen der Leitung deS Majors Sperling. Heu- te und morgen finden keine Fahrten statt. Die gestrige Fahrt nach Koblenz sollte eine längere Fahrt mit Zwischenlandung im Freien darstellen, ein Plan, der ausgezeichnet gelang. Zu der heutigen Fahrt in Anwesenheit der militärischen Kom- Mission wurden von 11 Uhr 30 Minuten ab alle Schiffe, auchP. HP, umittelbar hintereinander in Fahrt gesetzt. Sie umkreisten zunächst die Halle und fuhren dann in Kiellinie in

Sieh, sieh, Kleine, du kannst ja ernsthaft sprechen. Und du hast recht."

Weißt du, Väterchen", sie hielt an und sah ihm for­schend in» Gesichtkannst du reinen Mund hatten, wenn ich dir etwa- sage?"

Mit ernsthafter Miene hob der alte Herr die rechte Hand: Grand parole dhonneur!"

Nun, dann hör zu: Der schwere Reiter sucht eine Walküre. Hast du mich verstanden?"

Vater Dernburg machte eine Miene, als wenn ihm ein ganz helle- Licht aufgegangen wäre. Aber er hob den Zeige- finget und drohte:Dora, Kind, fei vorsichtig mit solchen Aeußerungen I Nur nicht die Nase in zarte Fäden stecken, die eben anfangen, sich anzuspinnen. Eigentlich wäre es sehr schnell gegangen."

Ach wo, Vater! Die beiden"

Sie schlug sich mit der Hand auf den geöffneten Mund, daß eS klatschte.

Hast recht, mein Kind! Sprich nicht aus, was du nicht ganz genau weißt."

Schönen Dank, Väterchen, für die gute Lehre; ich will'- mir merken. Und nun gib mir Urlaub, ich will noch schnell nach dem Kaffeetische sehen und mich dann umkleiden; ich muß doch heute als Tochter de- Hause» repräsentieren

Leichtsüßig sprang sie davon. Der Vater sah ihr mit einer Anwandlung von Rührung nach.

Ein erwachsenes Mädchen mit dem Herzen eines naiven Kindes und der Klugheit eine- Philosophen. Der Mann ist zu beneiden, der mir mal daS Kleinod entführt. Wird wohl der Schlingel fein, der Erich. Alte Geschichte: Nach- barSkinder."

Er erhob sich und ging ins Hau-, um seinen äußeren Menschen in eine würdige Verfassung zu setzen.

IV.

Die beiden Assessoren hatten sich ziemlich frühe verab- schiedet. Der Abend im Dernburgschen Hause war sehr der- gnügt verlausen, und doch schien eS Erich, a» hätte sein