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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt' und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 133.
Donnerstag, den 11. November
1909,
Amtlicher Ceil.
HerSfeld, den 3. November 1909.
Nach § 6 der Anweisung zur Ausführung des Kranken- VersicherungS-GesetzcS vom 10. Juli 1892 soll die Festsetzung deS ortsüblichen Tagelohnes von Zeit zu Zeit namentlich bei Eintritt erheblicher Veränderung der Lohnsätze einer Nachprüfung unterzogen werden.
Durch die infolge Hebung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse eingetretene nicht unerhebliche Lohnsteigerung erscheint mir eine Nachprüfung der Lohnsätze angezeigt.
Die Herren OrtS- bezw. GutSvorstände deS Kreises ersuche ich, eine Uebersicht nach dem hierunter abgedruckten Muster über die am Orte gezahlten durchschnittlichen Tagelohnsätze gewöhnlicher Arbeiter aufzustellen und mir biS zum 1. Dezember d. IS. einzureichen.
Hierbei ersuche ich, die in meiner Verfügung vom 23. Juni 1892, I. 3994 — Kreisblatt Nr. 75 — ausgesprochenen Grundsätze zu beachten.
I. I. Nr. 11227. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
HerSfeld, den 8. November 1909.
Unter der Schafherde 11 zu Großenbach (Kreis Hünseld) ist die Räude auSgebrochen.
I. 11639. Der Königliche Landrat.
I. V.:
W es sei, KreiSsekretär.
Gemeinde
Uebersicht
der durchschnittlichen Tagelohnsätze gewöhnlicher Arbeiter.
Der derzeitige ortsübliche bare Tagelohn beträgt für:
HerSfeld, den 5. November 1909.
Mit der Erledigung meiner Verfügung vom 14. August d. JS., I. Nr. 2001, KreiSblatt Nr. 99 — ist noch ein Teil der Herren Bürgermeister im Rückstände.
Ich erwarte, daß die Erledigung nunmehr binnen 3 Tagen stattfindet.
I. Nr. 2653. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
erwachsene erwachsene
männliche Arbeiter weiblich« Arbeiter
jugendliche unter 16 Jahre alte
Männlich« Arbeiter
Mk. | Pf.
jugendliche unter 16 Jahre alte
weiblich« Arbeiter
Mk. | Pf.
Der Wert der freien Kost rc. beträgt pro Tag
3.
4.
zu 1. . . M. . . . Pf.
zu 2. . . M. . . . Ps.
zu 3. . . M. . . . Pf.
zu 4. . . M. . . . Pf,
Gefundene Gegenstände.
Ein langer Peitschenstiel. Meldung des EigentümerS bei dem Ort-vorstand zu SchenklengSfeld.
nichtamtlicher teil.
3« Schillers
........den . . November 1909.
Der Orts- (Guts-) Vorsteher.
Gekrtsiaz.
Hersseld, den 9. November 1909.
Den Herren Vorsitzenden der VoreinschätzungS-Kommissionen teile ich nachstehend die Termine für die Sitzungen in ihren Bezirken mit.
Ich ersuche, die Mitglieder rechtzeitig und ordnungsmäßig vorzuladen und dafür zu sorgen, daß die sämtlichen Listen der zu den VoreinschätzungSbezirken gehörigen Ortschaften rechtzeitig bei den Vorsitzenden eingehen.
Bei Aufstellung der Forderung-nachweise ist folgende Reihenfolge einzuhalten:
Vorsitzender, ernannte Mitglieder, gewählte Mitglieder. Die Unterschriften sind in der Reihenfolge deS Nachweises zu leisten.
Gleichzeitige Quittung-leistung ist nicht statthaft.
ES ist daraus zu halten, daß die vorgelegten Listen so vollständig sind, wie eS sich gehört.
Sollten über den einen oder den andern Steuerpflichtigen noch keine vollständigen Nachrichten (Lohnnachweisungen pp.) vorgelegt werden können, so sind, wenn nicht Veränderungen bekannt geworden sind, die vorigjährigen Verdienst- oder Gehaltssätze einzutragen.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-
Veranlagungs-Kommission:
von GruneliuS.
Der Sonntagsjäger.
Roman von Fritz Skowronnek.
(Fortsetzung.)
An einem der nächsten Tage erschien ein alter Förster aus dem LandratSamt. Erich brächte ihn selbst herein: „Hier stelle ich Ihnen unsern alten Freund Lerche vor. In ganz Ostpreußen unter dem Namen „der alte Adam" alS vorzüglicher Schütze mit Flinte und Büchse bekannt. Er hat mir eben er- zählt, daß aus den Neudörfer Wiesen noch Pfuhlschnepfen zu finden seien. DaS ist ein leichter Schuß."
„Ja, daraus habe ich schon manchen Anfänger ab- geführt", meinte der Förster treuherzig. „Ich bitte, Herr Assessor, versorgen Sie sich mit ganz feinem Schrot, am besten Vogeldunst. Für die neuen Hinterlader genügt es Also,^ wenn ich bitten darf, morgen früh um sechs Uhr bei _ Mit der Zusage pünktlichen Erscheinens entfernte sich der t Raum hatte sich hinter ihm die Tür geschloffen, als Korridor ein fürchterlicher Lärm erhob. Man hörte jemanb ganz erregt rufen: „Adam, du verrückter Kerl h^ du mir für Geschichten eingebrockt I"
Der Vorwurf schien den alten Förster ganz kalt zu lassen. Statt gärte ihn ruhig erwidern: „Alter Klotz, sei doch nicht so un8 lieber bei einem Schoppen Frieden schließen.
„ Man vernahm noch ein paar heftige Worte, dann wurde eS still. Die Gegner schienen sich geeinigt zu haben. AuS der Nebentür kam Erich laut lachend herein.
„Das ist ja köstlich! Wieder ein Stückchen vom „alten Adam", das alle anderen übertrifft. Hören Sie zu I Wir neulich bei Kelterborn auf der Veranda, als der Förster vorübergeht. Wir rufen ihm zu; er kommt heran und läßt .k'n Glas Bier geben. In demselben Augenblick sehen wir Klotzkowski aus der Straße. Sie wissen doch, wen ich mein,, den Sekretär mit der surchtbaren Nase. Der arme »«u kann wirklich nichts für dieses Monstrum. Er trinkt
Verzeichnis
der im Kreise HerSfeld stattfindenden BoreiuschStzungs- termine zur Beraulagung der Emlommeusteuer für 1910. Hattenbach 15.11.09, 9 Uhr B. Bürgermeisteramt Niederjoffa- Mccklar 16. 11. 09, 9 Uhr Borm. desgleichen Mecklar- Unterhaun 18. 11. 09, 9 Uhr Vorm. desgleichen Unterhaun- MengShausen 19. 11. 09, 8V2 Uhr V. dgl. MengShausen.' Niederaula 20. 11. 09, 8V2 Uhr Vorm. deSgl. Niederaula. ObergeiS 22. 11. 09, 10 Uhr Vorm. desgleichen Obergeis. Kirchheim 23. 11. 09, 8Va Uhr Vorm. desgl. Kirchheim. ASbach 24. 11. 09, 9 Uhr Vormittags, desgleichen ASbach. Rohrbach 25. 11. 09, 9 Uhr VormitttagS, deSgl. Rohrbach. GerShausen 26.11. 09, 9 Uhr Vorm. deSgl. ReimboldShausen. RanSbach 27. 11. 09, 9Va Uhr Vorm. deSgl. RanSbach, LengerS 29. 11. 09, 9 Uhr Vorm. deSgl. WölserShausen. KalkobeS 30. 11. 09, 9 Uhr Vorm. desgleichen KalkobeS. WillingShain 30. 11. 09, 9 Uhr Vorm. deSgl. WillingShain. SchenklengSfeld 2.12. 09, 9 Uhr V. Gastw. Stöppler inSchenkl. Eitra 3. 12. 09, 9 Uhr Vormittag- Gastwirtschaft Eitra. Landershausen 4. 12. 09, 9 Uhr V. Bürgerm. Landershausen. Sorga 4. 12. 09, 9 Uhr Vormittags, dergleichen Sorga. Heringen 6. 12. 09, 9 Uhr Vormittagr, deSgl. Heringen. Philippsthal 7. 12. 09. 9 Uhr Vorm. deSgl. Philippsthal. Friedewald 8. 12. 09, 8V2 Uhr Vorm. desgl. Friedewald.
nicht mehr, als hierzulande üblich ist. Alr Klotzkowski vorübergeht, fragt jemand von der Tafelrunde — ich glaube, eS war der Major — was mit dem Manne vorgegangen fei; feine Nase habe ja ein beinahe menschliches Aussehen erhalten. Sie hätten ihn vor sechs Wochen sehen müssen, um diese Frage würdigen zu können: die Nase war nämlich damals doppelt so groß und mit einem Dutzend Auswüchsen be« hastet.
Ehe ich sagen konnte, daß der Mann vor einigen Wochen in Königsberg gewesen sei und sich die Nase habe operieren lassen, fragt der Förster ganz harmlos: „DaS missen Sie nicht, Herr Major? Vor vierzehn Tagen, nach dem Forst- gerichtStag, sitzen wir drei, Klotzkowski, ich und der Förster Neureiter, bei Grinda am Markte vor der Tür und spielen unsern Merine. Nun müssen Sie missen, meine Herren, daß der Klotzkowski nicht nur stark raucht, sondern noch stärker schnupft. Plötzlich ist ihm der Tabak ausgegangen. Er schickt den Stift in den KausmannSladen nebenan, um die Dose srisch füllen zu lassen. Die jungen Leute dort mögen sich wohl vergriffen, oder einen schlechten Scherz gemacht haben; denn Klotzkowski schimpfte über den merkwürdigen Schniefte. Dabei raucht er immerfort 'weiter. Mit einem Male gibt'- einen Knall — Klotzkowski fällt vom Stuhl, wir heben ihn aus, die Nase ist in mehrere Teile zerrissen. Er hatte Schieß- Pulver geschnupft, und dieses hatte sich an der tief Herabgebrannten Zigarre entzündet. Zum Glück ging eben der Kreis- physikuS über den Markt."
„Ich merkte wohl", fuhr Erich fort, „wie der alte Spaßvogel dem Arzt, der zwischen unS saß, einen schnellen Blick zuwarf. Und nun begann dieser, der auch kein Spaßverderber ist, zu berichten, daß er sofort sein Besteck aus der nahen Wohnung geholt und Klotzkowski, der noch in Ohnmacht lag, die Nase operiert und genäht habe. DaS Eingreifen deS ArzteS zerstreute wohl den Argwohn, der bei einigen gegen die Geschichte deS alten Försters aufgestiegen war und die Sache wurde tatsächlich geglaubt. Nun ist Klotzkowski wohl schon reichlich mit der Explosion seiner Nase geneckt worden und hat sich weidlich darüber geärgert. ES scheint aber, als ob die alten Freunde sich bereits wieder versöhnt haben;
Eo weit die deutsche Zunge klingt, wird man am 10. November 1909 der 150jährigen Geburtstages Friedrich von Schiller- gedenken, der von allen deutschen Dichtern die Herzen seines Volkes am meisten erobert hat. Der große Dichter Schiller hat vor allen anderen berühmten Dichtern hauptsächlich die glänzende Gabe deS Heldentums des Geiste- und der größten Begeistern ^ deS Herzens voraus, sodaß Schiller unstreitbar der volkstümlichste und gefeiertste aller deutschen Dichter geworden ist. Wunderbar ist auch der Werdegang dieses genialen Geiste- gewesen. Am 10. November 1759 zu Marbach in Württemberg geboren und zwar als Sohn deS Wundärzte- Schiller in Marbach. Schiller- Vater war früher Feldscherer in bayerschen Diensten und hatte sich später in Marbach alS Wundarzt niedergelassen, wo er Elisabeth Dorothea Kodweiß, die Tochter des Bäcker- und Löwenwirtes Kodweiß heiratete. Schiller stammt also von einsachen bürgerlichen Eltern ab. Aber welche edeln und hohen Tugenden dc- Herzen- müssen Schiller- Eltern besessen haben, um einen so großen Sohn zu erzeugen I Seinen ersten besseren Unterricht erhielt Schiller von dem Psarrer Moser, und später wurde Schiller, dessen Vater wieder in den Militärdienst getreten war, Zögling der Strengen Karlschule, welche der Herzog Karl von Württemberg aus der Solitude gestiftet hatte. Auf dieser strengen Schule hat der junge Schiller sich offenbar eine große freie Geistesbildung erworben und einen riesigen Fleiß anzuwenden gelernt. Schon als Schüler der Karlschule zeigte Schiller seine Begabung für die Dichtkunst,
denn dort steuern sie einträchtig über den Platz zur nächsten Kneipe."
Der Assessor hatte sich vor Lachen geschüttelt.
„Und diesen Spaßvogel haben Sie mir als Lehrmeister ausgesucht. Der wird mir morgen einen gewaltigen Bären aufbinden."
„Ich wüßte einen Lehrmeister für Sie oder vielmehr eine Lehrmeisterin", hätte Erich gern gesagt, aber er biß sich auf die Zunge und schwieg. Da- hätte ja so au-ge» sehen, alS ob er für die Schwester auf den Freund Jagd machte.
V.
Der Tag graute kaum, als der Assessor mit seinem Wagen vor der Försterei hielt. DaS HauS lag nur wenige Kilometer Den der Kreisstadt entfernt. Von stiller BergeShöhe sah man über den großen See die Gebäude und Türme der Stadt ausragen.
Der Förster stand vor der Tür und nötigte den Gast in» HauS zu einer Tasse Kaffee und einem kleinen Imbiß, der schon auf dem Tische bereit stand. Burmeister nahm die Ein- ladung mit Dank an.
In dem von einer Lampe traulich erhellten Vorderzimmer fand er eine freundliche ältere Frau, die Gattin deS Grün- rockS und einen Jüngling, den ein paar Schmisse aus der Wange als Studenten kennzeichneten.
„DaS ist mein Dritter, Herr Assessor, der soll Pastor werden", sagte die Frau Förster. „Die beiden Aelteren sind aus dem Gehege der vier geheiligten Fakultäten auSgebrochen und zur fünften übergegangen.*
„Wie darf ich das verstehen, verehrte Frau?'
„Sie sind beide Schriftsteller geworden. Da" — sie wie- mit der Hand anf ein Paneelbrett — „da- sind alle- Bücher, die meine Jungen geschrieben haben."
Er trat näher und griff eins heran-. Herrgott, wo hatte er bloß feine Gedanken gehabt! Die beiden kannte er ja I In Berlin hatte er mit ihnen so manchen tiefen Trunk getan. Und hier in diesem abgelegenen Srdcnwinkel lebten“ ihre Eltern.