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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 140
Sonnabend, den 27. November
1909.
Erstes Statt.
sinnlicher teil
HerSseld, den 22. November 1909.
Denjenigen Gcsamtschulvcrbändrn, welchen sorst- oder domänenfiSkalische GutSbezirke angehören, werden künftig nach einem zwischen der Königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, und der Regierung-abteilung für Domänen und Forsten getroffenen Uebereinkommen die fiskalischen Schulkostenanteil« auf gründ der von mir von SchulaussichtSwegen festgesetzten SchulhauShaltSanschläge und der zugehörigen Verteilung-pläne vierteljährlich im Voraus mit der Maßgabe gezahlt werden, daß die Zahlungen nicht vorschußweise erfolgen, sondern als endgültig anzusehen sind.
Damit hinsichtlich der Verteilung der SchulunterhaltungS- kosten auf die Verbandsmitglieder in ollen Echulverbänden da- gleiche Verfahren geübt wird, hebe ich den Schlußabsatz der Verfügung vom 5. August 6. I-., I. I. Nr. 7946 I. Ang. (Kreisblatt Nr. 94, vom 12. August d. J-.) aus und bestimme stattdessen folgende-:
Die Verteilung der SchulunterhaltungSkosten in den Gesamtschulverbänden erfolgt endgültig aus Grund deS zu Beginn der Rechnungsjahres ausgestellten und von mir genehmigten VerteilungSplauS.
Ergibt sich im Laufe deS Rechnungsjahre- ein Mehrbedarf gegen den HauShalttanschlag, so ist dieser tunlichst in demselben Rechnungsjahr durch einen Nachtrag-etat anzu- fordern.
Ein bei Abschluß der Echulkassenrechnung vorhandener Ueberschuß oder Fehlbetrag dagegen ist in den Voranschlag deS bei Fertigstellung der Rechnung laufenden Rechnungsjahre- durch einen Etat-nachtrag einzustellen, welcher auch den Einnahmetitel VIII deS für SchulhauShaltSanschläge vor- geschriebenen Muster- entsprechend der Mehrausgabe oder dem Minderbedarf berichtigt.
Dementsprechend ist die aus Grund dct HauShalt-anschlageS vorgenommene Verteilung zu ändern.
Sollten sich diesem Versahren Schwierigkeiten entgegen- stellen, so ist mir zu berichten.
I. 9906. Der Königliche Landrat
von Gruneliu -.
HerSseld, den 23. November 1909.
Die Herren Bürgermeister, die noch mit der Einsendung der Berichte über daS StaatSsteuersoll der in ihren Bezirken wohnenden Katholiken im Rückstände sind — m. vgl. meine Verfügungen vom 14. 8. d. Jr. Nr. 2001, Kreisblatt Nr. 99 und vom 5. d. MtS. Nr. 2653, Kreisblatt Nr. 133 — haben die geforderten Berichte oder Fehlanzeigen nunmehr
Der Sonntagsjäger.
Roman von Fritz Skowronnek.
(Fortsetzung.)
„Sie haben leider recht, Herr Assessor! Und wenn eS mir als altem Manne nicht so schwer fiele, meine Füße unter sremder Leute Tisch zu stecken, dann möchte ich fast sagen: WaS soll ich mich noch lange aus dem verschuldeten Besitze quälen? Der, für den ich gearbeitet habe mein Leben lang, ist um die Ecke gegangen, und die beiden MädelS werden heiraten, oder auch nicht . . . Auf jeden Fall kommt daS Gut nach meinem Tode, vielleicht noch srüher, in fremde Hände."
„Haben Sie denn gar keine Nachricht von Ihrem Sohn« ?“
Der milde Ausdruck, der aus dem Gesichte deS alten Herrn lag, verschwand und machte einem harten, abweisenden Zuge Platz.
„Nein, Herr Assessor, und ich will auch keine haben! Man soll nichts halb tun. Die Lehre habe ich nun wirklich begriffen. Ich habe die Existenz meiner ganzen Familie dran- gesetzt, dem Jungen zu helfen. Er wußte genau, daß ich an der Grenze meiner Kräfte stand, und daß der nächste Tropfen daS Maß zum Ueberfließen bringen mußte. Und missen Sie, waS ihn auS der Karriere geworfen hat? DaS Jeu, daS verfluchte 3eu!“
„Ich weiß «S, Herr von Rirsa. Ich habe Ihren Sohn in Berlin gekannt."
„WaS? Sie haben meinen Jungen, den Ernst, ge- sannt
„Ja, und noch mehr! Ich bin in fein Schicksal vcr- flockten. Wollen Sie mir einen Augenblick Gehör schenken? -Wir waren uns in der kurzen Zeit unserer Bekanntschaft etwas näher getreten, weil wir aneinander Gefallen fanden. Jetzt werden Sie auch den Grund kennen lernen, der mich bewogen
Anen ja bereitwillig meine Hülse anzubieten. Ich hatte vor Gefühl, daß ich dazu verpflichtet war — nicht etwa auS
bestimmt binnen 24 Stunden an daS katholische Curatieamt HerSseld einzusenden.
Die Angelegenheit ist dringend.
Die inzwischen hier eingegangenen Fehlanzeigen habe ich an die genannte Stelle abgegeben.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission: von Grunrliur.
HerSseld, den 24. November 1909.
In MalkomeS ist der Schweinerotlauf amtlich sestgestellt worden.
I. 12167. Der Königliche Landrat.
I. SB.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 24. November 1909.
Die unter dem Schweinebestande deS Konrad Naumann in HedderSdorf au-gebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 12184. Der Königliche Landrat.
3. SB.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSseld, den 22. November 1909.
In Friedewald ist der Echweinerotlaus amtlich sestgestellt worden.
I. 12108. Der Königlich« Landrat.
I. SB.:
SB es sei, KreiSsekretär.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
BeiderReichstags-Stichwahl in Landsberg-Sold in hat der konservative Kandidat mit geringer Mehrheit über seinen sozialdemokratischen Gegner gesiegt. Ob konservative Reserven, über welche die Partei zweifellos noch in ziemlich ausgedehntem Maße verfügte, oder die Unterstützung der nationalliberalen oder freisinnigen Stimmen für diesen Ausgang entscheidend gewesen sind, wird sich kaum feststellen lassen. Höchst bedauerlich aber ist es jedenfalls, daß die Stimmenzahl des sozialdemokratischen Kandidaten von 7555 in der Hauptwahl auf 11 226 in der Stichwahl angewachsen ist. Da die Sozialdemokratie ohne Frage ihre gesamten Kräfte gleich im ersten Gange fast restlos an die Wahlurne gebracht hat, so ist das Mehr der in der Stichwahl abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen auf Helfer aus dem freisinnigen Lager zurück- zuführen.
einem Gefühl von Schuld heraus. Davon kann nicht die Rede fein, obwohl ich jetzt etwas milder urteile als damals. Entschuldigen Sie, wenn ich jetzt einen Punkt berühre, der Sie schmerzen muß; aber eS geht nicht anders!"
„Sprechen Sie sich ruhig aus, Herr Assessor. Die Sachen sind für mich abgetan. Oder, noch besser, sprechen Sie nicht mehr davon. Ich glaube Ihnen aufs Wort, daß Sie so gehandelt haben, wie eS Ihnen Ihr Pflichtgefühl vor- schrieb."
„Nein, diesmal müssen Sie mich schon anhören. Ihr Sohn hatte gespielt. Wie eS der sogenannte Ehrenkodex in solchen Fällen vorschreibt, hatte er, da die Summe nicht gering war, zweimal vierundzwanzig Stunden Zeit, die Schuld zu tilgen. Er kam zu mir und offenbarte sich mir. Ich sagte ihm meine Hülse gegen einen einfachen Schuldschein zu, dessen Einlösung für spätere Zeit in Aussicht genommen war. Ich machte meine Hilf« nur von der Bedingung abhängig, daß Ernst keine Karte mehr anrühre. Das wird man begreiflich finden."
Der alte Herr hatte die Hand über die Augen gedeckt und nickte traurig.
Dann stöhnte er tief und sprach leise vor sich hin: „Der Junge hat sein Ehrenwort gebrochen — daS habe ich nicht gewußt — dar ist bitter!"
„Nein, Herr von Riesa, darin tun Sie ihm unrecht. Ich habe mich ausdrücklich geweigert, sein Ehrenwort, das er mir anbot, entgegenzunehmen. Ich entsinne mich ganz genau der Szene, sie liegt ja kaum drei Jahre zurück, und solche Augenblicke graben sich tief in daS Gedächtnis ein. Aber ich hatte ihm auf mein Wort versichert, daß ich die Hilse, die erst am andern Vormittag erfolgen konnte, nur in der festen Voraus- ficht gäbe, daß er nie mehr eine Karte anrühre. Der Unglück- selige erlag noch in derselben Nacht, wie ich genau weiß, in nicht ganz nüchternem Zustande von neuem der Versuchung, wohl in dem törichten Wahn, der alle Spieler beherrscht, da» verlortne Geld wiedergewinnen zu können. Wie Sie ja selbst wissen, verlor er wieder. Damit war für mich die Sache erledigt. Ich zog mein Versprechen zurück. Meine Ent
Unter den auswärtigen Vorgängen lenken zurzeit zweifelsohne die heftigen innern Kämpfe in England das Hauptinteresse auf sich. Das Oberhaus mit seiner konservativen Mehrheit sucht auf einem Umwege die Verwerfung der vom Unterhause angenommenen Finanzbill zu erreichen, indem es verlangt, daß das Volk durch Neuwahlen sein Urteil über die Bill abgebe. Ein diesbezüglicher Antrag des Lord Landsdowne wird gegenwärtig im Hause der Peers beraten. Es handelt sich hierbei nicht bloß um das Schicksal der Finanzbill, sondern um eine Kraftprobe zwischen den beiden Häusern des englischen Parlaments und um einen Kompetenzkonflikt von dem das Verfassungsleben Großbritanniens in 'einem innersten Kerne ergriffen und erschüttert wird. Daß derartige Dinge bei jedem historisch und politisch interessierten Menschen auch im Auslande hohes Interesse hervorrufen, ist durchaus verständlich, nicht im geringsten aber zu billigen ist es, wenn sich dieses Interesse in leidenschaftlicher Parteinahme für oder wieder äußert, wie dies bei einem Teile unserer liberalen Presse mit ihrem unbedingten Eintreten für das Unterhaus und die Liberalen Englands leider der Fall ist. Es offenbart sich hier wieder einmal ein bedauerlicher Mangel an politischem Takt und Verantwortlichkeits- gesüh'l. Mögen sich die britischen Konservativen bisher Deutschland gegenüber auch weniger freundlich gezeigt haben als die Liberalen, so wird doch die Stimmung der ersteren gegen uns jedenfalls dadurch nicht besser, daß wir in Angelegenheiten ihres eigenen Landes, die uns nichts angehen, aufs heftigste Partei gegen sie nehmen. Ein solches £r:iv»> ;< r erscheint um fo unverantwortlicher, als doch mit der vatdigen Wiederkehr eines konservativen Regiments in England stark gerechnet werden muß.
Aus Marokko sind letzthin mehrfach Nachrichten eingetroffen, die infolge angeblich erfolgreicher Aktionen von Nebenbuhlern und Thronprätendenten die Stellung Mulay Hafids als stark erschüttert darstellen. Diese Darstellungen dürften im wesentlichen auf tendenziöser Mache beruhen und die wirkliche Sachlage in durchaus falscher Beleuchtung zeigen. Soeben erst hat der beste lebende Kenner marokkanischer Verhältnisse, der bekannte Marburger Geograph Sßrofeffor Theobald Fischer, der Regierung Mulay Hafids uneingeschränktes Lob gespendet. Er sagt: „Seit vielen Jahren herrscht zum erstenmal in Marokko Ruhe, Ordnung, Sicherheit des Verkehrs. Die Ruhe und Ordnung, welche die in Algesiras vertretenen Staaten herbeiführen wollten, die hat Mulay Hafid allen Hindernissen zum Trotz wirklich hergestellt. Er hat auch die Fähigkeit und den festen Willen, sein Land und Volk aus die Bahn des Fortschritts zu leiten und europäischer Gesittung zu erschließen." Daß ein mit derartig guten und zweckdien-
scheidung in dieser Sache fiel mir um so schwerer, als sie mich bei einer Person, an deren Achtung mir sehr viel gelegen war, in einen kränkenden Verdacht brächte, den ich selbst durch eine offene Erklärung nicht habe zerstreuen können."
„Da hat mein Sohn also doppelte Schuld auf sich geladen I Hat noch eine andere Person in sein Unglück verflochten oder gar zwei; denn ich irre wohl nicht, wenn ich an- nehme, daß diese Person, von der Sie sprechen, eine junge Dame war, der Sie Ihre Neigung widmeten."
„Ich kann Ihre Vermutung nur bestätigen, Herr von Riesa. Ich bemerke aber dazu, daß dies« Seite der Angelegenheit mir keine Schmerzen mehr bereitet. Im Gegenteil, ich hoffe, daß diese Dame daS Band werden wird, daS Ihren Sohn wieder zu einer geordneten Existenz zurück- führt!"
Der Vater schüttelte heftig den Kops.
„DaS hoffen Sie noch? Der Junge ist verschollen und am besten: er bleibt verschollen."
„Urteilen Sie nicht so scharf über Ihr Kind, alter Herr! Er ist bis auf die eine Schwäche, die ja so viele Menschen nicht überwinden können, ein „guter Kerl", wie man hier sagt, gewesen. Und wenn man, wie eS neuerdings geschieht, den freien Willen leugnet, dann darf man diese Schwäche verzeihlich finden."
„Sie wollen dem Menschen daS köstlichste Gut, die Freiheit der Selbstbestimmung, absprechen?"
„Nein, Herr von Riesa; dann wäre ja jede Hoffnung auf eine Sinnesänderung ausgeschlossen. Ich gebe bet keinem Menschen die Hoffnung aus, am wenigsten bei Ihrem Sohne, von dem ich weiß, daß er eine liess, starke Liebe zu einem ganz prächtigen Mädchen in die weite Welt mitge- nommen hat. Die läßt einen jungen Menschen, der etwa» Fonds in sich hat, nicht untersinken, zumal wenn er hoffen darf, daß ihm daheim die Treue bewahrt wird, bi» zum Tode."
Riesa wiederholte mechanisch die letzten Worte: „Bis zum Tode, ja . . . und ich habe ihn fallen lassen . . ."