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Herchlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 151.
Donnerstag, den 23. Dezember
1909.
Admmnk-NMW
auf das ßersfelder Kreisblatt.
Das „Hersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über
Politik des In- und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen rc. fortsetzungsweise zum Abdruck.
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M* «. WoMr.
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Amtlicher teil.
HerSfeld, den . 17. Dezember 1909.
In Friedewald ist der Schweinerotlaus amtlich sestgestellt worden.
I. 13011. Der Königliche Landrat.
I. B.:
Wessel, Kreissekretär.
Die Madonna mit dem Thristuskinde.
Weihnachtsnovelle von R. Hofmann.
(Nachdruck verboten.)
In der prächtigen Villa deS Kommerzienrates Sello in der großen Residenzstadt herrschte acht Tage vor Weihnachten daS emsige Treiben, wie eS die Vorbereitungen für das hohe Weih- nachtSsest fast in jedem deutschen Hause mit sich bringen. Die große Villa war in allen Zimmern und Vorsälen bereits aus das gründlichste gesäubert worden, und nun wurden die schönsten Räume der Villa auch noch besonders für das WeihnachtS- fest von dem Hosdekorateur geschmückt, denn der Kommerzien- rat Wilhelm Sello, ein Großkaufmann und mehrfacher Millionär, konnte sich diesen LuxuS leisten. Es schien, alS ob eine Prinzessin in diesem Hause zu Weihnachten ihren Einzug halten wollte, so prächtig wurde alles geschmückt, und doch galten diese ganzen großartigen Vorbereitungen aus daS WeihnachtS- fest nur dem erst neunjährigen Töchterchen Gerda, dem verwöhnten Lieblinge des Kommerzienrates und seiner Gemahlin Albertine. Alle nur erdenklichen Geschenke sollten Gerda zu Weihnachten von den Eltern gespendet werden, denn da Gerda als einziges Kind schon seit Jahren mit Weihnachtsgeschenken förmlich überschüttet worden war, hielten eS die Eltern für notwendig, jedes Jahr zu Weihnachten immer größere und schönere Geschenke ihrem Lieblinge zu machen, damit Gerda sich zu Weihnachten recht freue. Natürlich wurden dem Töchterchen zu Ehren in der Weihnachtszeit in der Eello'schen Villa auch zwei glänzende Kinderseste gegeben, zu denen die Töchter befreundeter Familien nebst ihren Müttern eingcladen wurden, und bei welchen Festen sogar Weihnachtsmärchen und Weih- nachttbilder in reicher Ausstattung zur Aufführung gelangten. Daher mußten schon jetzt die großartigen Vorbereitungen für das Fest in der Villa getroffen werden. Und trotz der vielen Geschenke, die der Herr Kommerzienrat und die Frau Kom- merzicnrat bereits für ihre Tochter bestellt hatten, wollten die Eltern jedes heimlich dem Kinde doch noch eine besondere Ueberraschung bereiten, die Frau Kommerzienrat hatte dazu
Hersseld, den 20. Dezember 1909.
Die unter dem Schweincbestande deS Georg Roßbach in Mecklar auSgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 13078. Der Königliche Landrat.
I. V.: Wessel, Kreissekretär.
Hersseld, den 18. Dezember 1909.
In Niederaula ist der Schweinerotlaus amtlich sestgestellt worden.
I. 13039. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher Ceil.
Jie -MW Sogt zur Weihnachtszeit.
Wenn man geneigt ist, die hohen Empfindungen des Wcih- nachtssestes mit den Beziehungen der Völker zu einander in Einklang zu bringen, so ist man in dieser Weihnachtszeit in einer ganz besonders glücklichen Lage, denn vor aller Welt sichtbar hat die FriedenSlendenz in der hohen Politik in einer Weise die Oberhand gewonnen, daß nirgends zwischen den Völkern eine Feindschaft in der Weise besteht, daß man den Ausbruch eines Krieges befürchten könnte. Es ist der hauptsächlichste Zweck aller Regierungen, den Frieden ausrecht zu erhalten und trotz mancher Gegensätze und Konflikte hat die Friedenspolitik und der aufrichtige Wunsch der Souveräne und leitenden Minister, den Frieden aufrecht zu erhalten, gerade im Jahre 1909 geradezu Triumphe gefeiert. Man kann dies zumal an drei großen politischen Erfahrungen erkennen. Die schwere Orientkrisis wurde durch den festen Willen der Großmächte, den Frieden trotz aller Jnteressenkonflitre zu eryalten, überwunden, ferner ist den schroffen Gegensätzen zwischen Deutschland und Frankreich in der Marokkofrage durch ein gegenseitiges Entgegenkommen die Spitze abgebrochen worden, und viele deutsche und sranzösische Staatsmänner und Politiker glauben sogar, daß zwischen Deutschland und Frankreich eine Periode der politischen Annäherung langsam herbeigekommen sei. Auch das Verhältnis Deutschlands zu England hat sich entschieden gebessert, denn an die Stelle des gegenseitigen Miß- trauenS und Argwohns ist zumal auch in England die Erkenntnis getreten, daß beide Großmächte viel zu gemeinsame Interessen wahrzunehmen haben, als daß sie etwa durch einen Krieg ihre Rechte und Interessen besser wahrnehmen könnten. Vor allen Dingen ist ober auch das üble politische Ränkespiel mit der angeblichen Isolierung Deutschlands auS der europäischen Politik verschwunden, denn wenn es wirklich vor einigen Jahren stattgesunden haben sollte, so hat inzwischen der Dreibund Deutschlands, Oesterreichs und Italiens undganz besonders daS seste Zusammenhalten Deutschlands und Oesterreichs
ein goldflimmerndes Kleid gewählt, mit welchem sie Gerda überraschen und ihr damit zugleich das märchenhafte Gewand für die Darstellung in einem Weihnachtsbilde schenken wollte, und der Kommerzienrat hatte heimlich ein prächtiges Ponny- gespann für seinen Liebling getauft, das am Weihnachtsabend nach der eigentlichen Bescherung im geräumigen Hofe der Villa noch Vorfahren und sich nebst zwerghastem Kutscher und Diener der Tochter des Hauses zur Verfügung stellen sollte. Das Geld wurde in diesen Tagen im Hause des Kommerzienrates mit vollen Händen ausgegeben, Goldstücke, Hundertmarkscheine und selbst Tausendmarkscheine wurden anstandslos und fast ununterbrochen von dem Kommerzienrate bezahlt, denn die Zahl der ankommenden Pakete, Kisten, Kasten und Schachteln wollte fast kein Ende nehmen.
Naturgemäß befand sich Gerda Sello in dieser Zeit auch in einer großen, fast fieberhaften Aufregung, denn wenn sie angeblich auch nichts von der Ankunft der vielen Geschenke und den übrigen glänzenden Vorbereitungen aus das Weih- nachtSsest ersahren sollte, und während der Woche vor Weihnachten mit ihrer Gouvernante meistens oben in den Zimmern der zweiten Etage der Villa bleiben mußte, so war Gerda doch ein viel zu klugeS Kind, um in unbewachten Augenblicken nicht so viel von den Vorgängen im Hause zu erlauschen und zu erspähen, daß sie schon ganz bestimmt erkannt hatte, daß dieser Mal daS Weihnachtssest und die Weihnachtsgeschenke die vorjährigen bedeutend übertreffen sollten, und sie wußte auch auS den Erfahrungen der früheren Jahre ganz genau, daß alle diese großen Vorbereitungen und Geschenke in der Hauptsache ihr galten. Die Aufregung vor dekn Feste stieg bei dem hübschen neunjährigen Mädchen deshalb dieses Mal ganz besonders hoch, und Gerda konnte in den letzten Tagen vor Weihnachten kaum noch ruhig schlafen. Fast jede Nacht wurde sie von seltsamen Träumen beunruhigt, sie wähnte sich in ein Märchenland versetzt, wo es nur Prinzessinnen und Königinnen gab, oder sie träumte, sie weile im Paradiese, wo nur Lust und Freude herrschte, wo sie mit den Holdseligen Engeln spielte. Und in einer folgenden dunklen Nacht klopfte auch ein Engel an die Pforten der Villa Sello an, aber es war ein finsterer Engel und niemand vermochte ihm den Ein
in der letzten Orienlkrisis bewiesen, daß Deutschland nicht allein in der politischen Welt steht, sondern noch treue und erprobte Freunde besitzt, und eS ist auch der Welt gezeigt worden, daß Deutschland seinen Bundesgenossen ein treuer und mächtiger Freund ist. Diese Tatsache wird auch durch die Kundgebungen des neuen italienischen Ministerpräsidenten Eonnino be- kräftigt, denn Sonnino hat in seiner Programmrede vor der italienischen Deputiertenkammer erklärt, daß der Dreibund Deutschlands, Oesterreichs und Italiens ein mächtiger Faktor im Dienste des Friedens sei. Die italienische Volksvertretung selbst hat sich auch in großer Mehrheit für die Aufrechterhaltung und Fortsetzung der bisherigen auswärtigen Politik Italiens ausgesprochen, und die freundschaftlichen Beziehungen, welche Italien mit England, Frankreich und Rußland unterhält, stehen mit dieser Politik in keinem Widersprüche. So kann für Europa der Friede für lange Zeit als gesichert betrachtet werden. Etwas unsicher und unklar sind nur die Verhältnisse in Ostasien und die Beziehungen zwischen Ruß- land und Japan. Obwohl Rußland erklärt hat, daß es sich mit Japan in gutem Einvernehmen befände, so find doch Nachrichten über die Verstärkungen der japanischen Truppen in der Mandschurei eingetroffen, und Rußland soll in Ostasien, zumal an den Grenzen der Mandschurei, seinen Truppen- bestand aus 250 000 Mann erhöht haben. Sollten beide große Gegner wegen Koreas in Konflikt geraten? —Da nach den Siegen der Japaner Japans Stellung als ostasiatische Großmacht anerkannt worden ist, und die Japaner in der Mandschurei und in Korea schon lange die Herren spielen, kann man nicht recht an einen unmittelbar bevorstehenden neuen Kriegsausbruch zwischen Rußland und Japan glauben.
Aus Jn- und Ausland.
Berlin, 21. Dezember 1909.
S e. Majestät der Kaiser nahm heute vormittag im Neuen Palais bei Potsdam die Vorträge des ChesS deS Militärkabinetts, General der Infanterie Freiherrn v. Lyncker und deS Chefs des Admiralstabs der Marine, Admirals v. Fischel, entgegen.
Aus Cannes kommt die Kunde von dem Tod d e S Großvaters der deutschen Kronprinzessin, des Großfürsten Michael von Rußland. Großfürst Michael Nikolajewitsch, ein Sohn des Zaren Nikolaus I. und der Zarin Alexandra Feodorowna, geborenen Prinzessin Charlotte von Preußen, hat ein Alter von über 77 Jahren erreicht. Er bekleidete in der russischen Armee, in die er schon in jungen Jahren als Artillerieoffizier eintrat, zuletzt den Rang eine! Generalfeldmarschalls und Generaladjutanten des Zaren. Im russisch-lürkischen Kriege 1877 führte er den Oberbefehl über die Okkupationsarmee in Armenien und wurde nach dem Friedensschlüsse zum Statthalter in Kaukasus ernannt
tritt zu verwehren. Während alle Bewohner der Villa im tiefen Schlafe lagen, erscholl auf einmal in der Villa Sello ein gräßlicher, krähenartiger Schrei und bald daraus ein zweiter. Entsetzt sprang der Kommerzienrat aus dem Bette, drehte die elektrische Beleuchtung des Hauses aus, kleidete sich so rasch als möglich an und eilte aus der ersten Etage hinaus in die zweite, wo Gerda und die Gouvernante in zwei nebeneinander liegenden und durch eine Tür verbundenen Zimmern schliefen.
„Ist Gerda etwas passiert?" frug der Kommerzienrat erregt durch die verschlossene Türe.
„Ja, sie klagt über Halsschmerzen, sie ist plötzlich heiser geworden, sie kann nicht mehr sprechen", antwortete die Gouvernante und öffnete bald daraus die Türe.
Inzwischen war in ihrer Angst auch die Frau Kommer- zienrat rasch herbeigekommen, und die Eltern betraten dat Schlafzimmer deS so plötzlich erkrankten KindeS.
„Vielleicht ist eS nur eine Heiserkeit mit starker Verschleim- ung", meinte die Frau Kommerzienrat, „Gerda ist gestern bei dem rauhen Winde auf der Eisbahn gewesen und hat sich vermutlich erkältet."
„Mag Gott geben, daß eS nur ein harmloses Leiden ist", emgegnete der Kommerzienrat und trat mit feinet Frau an Gerdas Bett, um sich nach dem Befinden der Patientin zu erkundigen.
Gerda lag jetzt ruhig da, aber ihre hochgeröteten Wangen, ihr kurzer hastiger Atem, ihr rascher Puls und ihre seltsam blickenden Augen zeigten, daß Gerda hohes Fieber hatte. Und jetzt bekam sie auch wieder eine Art ErstrckungSansall, ein Würgen und Husten zeigte sich bei ihr und dann erklang wieder der gräßliche, krähenartige Ton auS ihrem Halse.
„Da ist schnelle ärztliche Hilse notwendig", rief der Kom- mcrzienrat, und er gab seinem inzwischen herbeigeeilten Diener Karl den Befehl, sofort den HauSarzt, EanitätSrat Dr. Werner, herbeizuholen.
Soweit eS möglich war, suchten inzwischm der Kommer- zienrat und seine Gemahlin, sowie die Gouvernante und die Dienerschaft daS Leiden der lieben Patientin zu lindern, aber es war dieses Bestreben von geringem Erfolge. Die Husten- und ErstickungSansälle traten bei Gerda in kurzen Pausen