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Hersfelder Kreisblatt
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 153. Dienstag, den 28. Dezember 1909»
Amtlicher teil.
Hnsseld, den 22. Dezember 1909.
Nachstehend veröffentliche ich daS für den ForstgutSbezirk Niederaula erlassene Statut über die Unterverteilung der von ihm aus Grund des Gesetzes vom 28. Juli 1906, betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen aufzubringenden Schulunterhaltungskosten.
Ein gleiches Statut ist auch für die Ortsbezirke Heringen, Hersseld, HerSfeld-WiPperShain und Lautenhauscn am selben Tage erlassen worden.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 8789. von GruneliuS.
Statut über die Unterverteilung der auf Grund des Gesetzes, betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen vom 28. Juli 1906 vom Forstgutsbezirke Niederaula aufzubringenden Schullasten.
§ 1. Die aus den Gutsbezirk Niederaula als Mitglied des GesamtschulverbandeS Asbach entfallenden Schullasten werden gemäß der für die direkten Gemeindesteuern geltenden Bestimmungen des KommunalabgabengesetzeS [mit Ausschluß des § 49 Abs. II und deS § 50 Abs. I Satz 2 — sowie des Gesetzes wegen Aushebung direkter Staatssteuern vom 14. Juli 1893 (Gesetz-Sammlung Seite 119)] durch Veranlagung der innerhalb des Gutsbezirks wohnhaften oder mit Grundbesitz oder Erbbaurecht angesessenen oder ein Gewerbe treibenden Steuerpflichtigen unterverteilt.
Die Veranlagung erfolgt in der Form von Zuschlägen zur Einkommensteuer und den staatlich veranlagten Realsteuern einschließlich der Betriebssteuer, wobei unter prozentual gleichmäßiger Belastung aller Steuerarten (die Grund- und Gebäudesteuern nur zur Hälfte ihrer umlagesähigen Höhe), die fingierten Normalsteuerjätze voll in Anrechnung gebracht werden. Von denjenigen Steuerpflichtigen, welche dabei nach dem Maßstabe einer fingierten Einkommensteuer von einem Einkommen von nicht mehr als 900 Mk. veranlagt sind oder deren bei der Veranlagung zu Grunde zu legenden Grund-, Gebäude- oder Gewerbesteuer in ihrer staatlich veranlagten Höhe den Betrag von 6 Mark nicht übersteigt, werden die veranlagten Beiträge nicht erhoben.
§ 2. Maßgebend für die Veranlagung ist daS Steuersoll am Beginn deS Rechnungsjahres. Abgänge gegen diese Veranlagung hat zunächst der Gutsbesitzer zu tragen; jedoch erfolgt die Erstattung durch Hinzurechnung zu den Schullasten deS nächsten Rechnungsjahres.
Zugänge werden zunächst zur Deckung von Abgängen verwendet. Darüber hinaus hat sie der Gutsvorsteher zu der- einnahmen und demnächst von den Schullasten deS nächsten Rechnungsjahres abzuziehen.
§ 3. Die Veranlagung erfolgt durch den Gutsvorsteher
Die Madonna mit dem Lhristuskinde.
Weihnachtsnovelle von R. Hosmann.
(9lad)bruct verboten.)
(Fortsetzung.)
Als der Kommerzienrat zu Hause anlangte, war die Bescherung der Armen vorbei. In der Villa herrschte große Stille, und er fand seine Frau in einer ernsten Stimmung in ihrem Zimmer.
„Entschuldige, meine liebe Frau, daß ich so spät komme", sagte er freundlich bei seinem Eintreten, „ich habe lange nach einem schönen passenden Weihnachtsgeschenke für Dich gesucht und habe es endlich gefunden."
Mit einem schmerzlichen Lächeln blickte die Frau Kommerzienrat ihren Gatten an, als wolle sie sagen, daß ihr keinerlei Weihnachtsgeschenk eine große Freude bereiten könnte, und da kam auch schon der Diener uud stellte das prachtvolle Madonnenbild vor den Augen seiner Herrin aus.
„Ermnert dieses Bild nicht an die sixtinische Madonna Rafaels", rief der Kommerzienrat begeistert aus, „dieser Seelenadel und diese Reinheit in den Zügen und der wunderschöne Kops des Christuskindes, dieses reine, hohe Mutterglück!"
Ganz starr und unbeweglich blickte die Frau Kom- mer^ienrat auf das schöne Bild, sie konnte sich von dem Anblick gar nicht trennen.
Ein krampfhaftes Zittern ging dann auf einmal durch chren ganzen Körper, geisterhaft hauchte sie die Worte: »Ja, Mrüterglück ist es", und dann stürzte sie ohnmächtig zusammen.
Der Kommerzienrat hob mit starken Händen seine Gemahlin rasch wieder empor und legte sie auf ein Sofa. Durch die Einreibung mit einer Essenz unb einen Schluck Wein kam sie auch bald wieder zu Kräften, aber
und ist den Beitragspflichtigen durch besondere Mitteilung unter Angabe der zuständigen Zahlung« stelle bekannt zu machen.
Die veranlagten Beiträge sind innerhalb 8 Wochen nach der Mitteilung für das ganze Jahr zu zahlen.
§ 4. Für die Verteilung steuerpflichtigen EinkommenS aus eine Mehrzahl von Gemeinden oder Gutsbezirken finden die §§ 71 bis 74, für die Nachsorderung und Verjährung die §§ 83 bis 88, für die Rechtsmittel die §§ 69, 70 und 75, für die Kosten und die Zwangsvollstreckung die §§ 89 und 90 deS KommunalabgabengesetzeS entsprechende Anwendung.
Der Gutsvorsteher hat die Befugnisse deS Gemeindevorstandes.
§ 5. Die Vertreter deS Gutsbezirkes im Schulvorstande werden mit Rücksicht auf das überwiegende Beitragsverhältnis bei ForstfiSkuS von der Königlichen Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten B ernannt.
§ 6. Dieses Statut ist nach erfolgter Bestätigung im KreiSblatt für den Kreis Hersseld zu veröffentlichen.
Er tritt vom Beginne deS Rechnungsjahres 1909 ab in Wirksamkeit.
Hersseld, den 30. März 1909.
Der Kreisausschutz des Kreises Hersseld.
Der Vorsitzende:
I. V.: Fellinger, RegierungS-Referendar.
Vorstehendes Statut wird auf Grund deS § 8 Absatz 2 des Gesetzes betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen vom 28. Juli 1906 (G. S. S. 335) mit der Maßgabe bestätigt, daß
1. im § 1 Absatz 1 des Statuts die Worte von „mit Ausschluß" bis „(Gesetz-Sammlung Seite 119)" und Absatz 2 die Worte von „die Grund- und Gebäudesteuern nur zur Hälfte ihrer umlagesähigen Höhe" gestrichen worden und
2. daß an Stelle des Absatzes 2 des 8 6 zu setzen ist: ES tritt mit dem Tage der Veröffentlichung in Kraft. Cassel, den 16. Dezember 1909.
NamenS deS Bezirksausschusses.
,Dcr Vorsitzende. I. V.: P i u t t i.
nichtamtlicher Ceil.
Näheres über Dammköhlers Tod.
Ueber die näheren Umstände der Ermordung des Reisenden Dammköhler macht im Amtsblatt für das Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea Herr Oldörp folgende nähere Angaben:
Wir machten 10 Uhr 30 Min. vormittags Lager am Flußufer. Dammköhler kochte Reis, ich schlug dicht am Lagerplatz Bäume für das Zelt. Da hörte ich, wie Dammköhler
ihr Gemüt verfiel in einen schweren Tiefsinn, der eine ärztliche Behandlung notwendig machte und leider unheilbar zu bleiben schien.
♦ * ♦
Durch welche Ursachen war wohl dieses neue Unglück in das Haus des Kommerzienrates Sello gekommen ? Hatte sich seine Frau an dem verhängnisvollen Weihnachtsabend und während der großen Vorbereitungen für die Armenbescherung überangestrengt? Oder hatte sie sich über das Fernbleiben ihres Gatten von der Weihnachtsbescherung so erregt und hinterher über sein großmütiges Geschenk wieder so sehr gefreut, daß ihren Nerven die doppelten und entgegengesetzten Erregungen [o nachteilig geworden waren?' Oder spielte gar ein anderes, noch unergründetes Moment eine Rolle bei der Gemütskrankheit der Frau Kommerzienrat? — Niemand wußte es zu ergründen, und der Kommerzienrat selbst gab sich mit Hilfe tüchtiger Nervenärzte die größte Mühe, den Zustand feiner Gattin zu bessern.
Alle bisher angewandten Mittel hatten aber noch keinen rechten Erfolg gebracht, und die Frau Kommerzienrat war nun fast ein Jahr gemütskrank. Ihr ganzer Zustand blieb den Aerzten ein Rätsel, denn die schwere Nervenkrankheit war bei der Frau Kommerzienrat nicht sestzustellen, es schien also kein körperliches sondern ein seelisches Leiden zu sein, das die unglückliche Frau ergriffen hatte.
Diese Art der Beurteilung der Krankheit seiner Frau durch hervorragende Aerzte beunruhigte den Kom- merzienrat Sello sehr, denn er befürchtete nun, daß seine gemütskranke Frau allmählich dem Wahnsinne verfallen würde, und in dieser Sorge hatte er sich schon von einem der Aerzte die Anzeichen beschreiben lassen, die auf eine Verschlimmerung der Krankheit seiner Frau in der befürchteten Art hindeuten konnten. Aber keins der geschilderten Symptome trat bei der Frau Kommerzienrat ein, nur liebte sie immer Mehr die Ruhe und
E »geborene anries und gleich daraus schoß. Ich lief hinzu und sah fünf Leute im Flußbett davoneilen. Dammköhler hatte, mit ReiSkochen beschäftigt, hinter sich sprechen hören und sich umdrehend die fünf Leute im Flußbett erblickt. Auf sein Rufen hatten zwei von ihnen sofort Pfeile aus die Bogen gelegt. Dammköhler hatte sich gedeckt, zum Gewehr gegriffen und in die Luft geschossen. Auf den Schuß waren die Leute davongelaufen und hatten unterwegs einen Netzsack, Speere, Pfeile und Bogen und ein Paket Dams weggeworfen. Wir machten nunmehr unser Zelt fertig, die Tür nach dem Fluß zu und erörterten, ob die Eingeborenen wohl zurückkommen würden, nachdem sie sich Hilfe geholt. Dammköhler glaubte dies nicht, meinte vielmehr, der nie gehöcke Knall deS Gewehrs würde ihnen einen abcrgläubigen Schrecken eingejagt haben. AbendS kurz vor 5 Uhr wurden wir, während wir im Zelt faßen, plötzlich von 30 Schwarzen mit höllischem Geheul hinterrücks Überfällen. Speere und Pfeile fausten durch dir Rückwand deS ZelteS, wir griffen zu den Waffen und traten heraus, da sahen wir den Trupp stehen, alle mit mannlangen Schilden, Speeren, Pfeil und Bogen bewaffnet, und nun begann ein verzweifelter Kamps. Nachdem wir unsere Waffen leer geschossen, gingen wir zurück inS Zelt, die übrigen Schwarzen, immer noch die Mehrzahl, sprangen in den Fluß, und während ich lud, zischte Pfeil aus Pfeil inS Zelt. Damm- köhler war schon schwer verwundet, daß er nicht mehr schießen konnte, aber mir gelang, indem ich mich mit einem starken Packplan deckte, eine Handvoll Patronen zu kriegen und ein wirksames Feuer zu eröffne». Endlich zog sich der Rest der Schwarzen zurück, der Angriff war abgeschlagen, aber wir waren beide schwer verwundet. Dammköhler hatte vier Pfeile, davon zwei Widerhakenpieile, durch die beiden Oberarme, zwei davon hatten die Schlagadern zerrissen, einen in die rechte Brust, einen in den Unterleib, drei im rechten und zwei im linken Beine; ich hatte drei in der linken Schulter, einen mitten in die Brust, einen nahe der linken Leiste und einen mitten im rechten Unterschenkel, alles nur glatte Pfeile. Drei Wider- Hakenpfeile waren in dem starken Packplan stecken geblieben, und die Treffer waren, durch die Deckung geschwächt, nicht allzu tief gegangen, nur die Brust- und die Leistenwunde waren tiefer; erstere war sehr schmerzhast, letztere verursachte viel Blutverlust. DammköhlerS Wunden hatte ich, so gut ich es bei der inzwischen eingetretenen Dunkelheit vermochte, verbunden ; er bekam aber auch Husten mit blutigem AuSwurs und sagte mir, daß er nach seinem Gefühl innerlich verblute. Ich wurde dann ohnmächtig und hatte beim Erwachen starker Erbrechen; indes war ich bemüht, Dammköhler seine letzten Augenblicke zu erleichtern, indem ich ihn mit Kops und Brust hoch bettete und ihm Wasser gab, wonach er häufig verlangte. ES war einviertel acht Uhr, alS er zum letztenmal nach Wasser verlangte und dann von mir Abschied nahm. Gegen einhalb acht Uhr hörte fein Herz auf zu schlagen; er hatte auSgerungen.
Einsamkeit, sie wollte fast keinen Menschen mehr um sich sehen, und in diesem krankhaften Einsamkeitsdrang kam es sogar vor, daß sie oft wie aus der Villa verschwunden schien um dann nach langen Stunden wieder irgendwo aus einem versteckten Winkel des großen Hauses oder des ausgedehnten Gartens auszutauchen. Etwas Beängstigendes hatte dieses Verschwinden der Frau Kommerzienrat bisher nicht gehabt, da sie nach einiger Zeit doch immer wieder sichtbar wurde und auch noch regelmäßig mit ihrem Gatten das Mittags- und Abendessen einzunehmen pflegte.
Aber eines Tages erschien sie zu dem immer erst spät stattfindenden Mittagsessen doch nicht, und als der Kommerzienrat nach seiner Frau fragte, erfuhr er, daß niemand wisse, wo sie sich befinde, sie sei bereits seit drei Stunden wieder aus dem Hause verschwunden und man habe sie schon vergeblich gesucht.
Da gab sich nun der Kommerzienrat selbst alle Mühe, seine Gattin zu finden, denn er selbst hatte ja überall Zutritt in seinem Hause und seine Frau konnte sich ja irgendwo eingeschlossen haben. Er selbst besaß ja auch für jedes Zimmer einen zweiten Schlüssel, bannt er sich jeder Zeit Zutritt verschaffen konnte, und nachdem er alle Räume nach seiner Frau durchforscht und sie nirgends gesehen hatte, blieb er plötzlich in der zwecken Etage vor dem verschlossenen kleinen Turmzimmer stehen. Dieses Zimmer war ja immer verschlossen und er hatte es seit Jahr und Tag dazu benutzt, um dort die Bilder und Andenken an Gerda aufzubewahren, die seine Frau auf den Rat- eines berühmten Nervenarztes jetzt nicht mehr sehen sollte, weil man vermutete, daß der Anblick der Bilder der verstorbenen einzigen Tochter Gerda den Zustand der gemütskranken Frau verschlimmern könne. Sogar das herrliche Madonnenbild mit dem Christus- kinde hatte der Kommerzienrat in dem Turmzimmer verborgen, weil der Anblick desselben die Gemütskrank- heit seiner Frau erregt zu haben schien.
Mit klopfendem Herzen horchte der Kommerzienrat vor dem Turmzimmer. Er hatte sehr scharfe Ohren,