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Illustrierte

ollandwirl schaftücheAeilage

MNHersfelder Kreisblatt."

Nr. 1 Hersfeld 1910

Jnhalts-VcrzcichniS r Arbeitskale,idsr. Kalk auf Schnee. Kulturpflanzen. Feldsalat. Sellerie. Ackergeräte. Drainieren. Feldmäuse. Krippensetzen. Hufe. Zitzen der Kühe. Tränken. Hackfrüchte. Absatzkälber. Reine Luft. Trächtige Sauen. Lakenfelder. Sultanhuhn. Entenmast. Zuchtgänse. Rheumatismus bei jungen Vögeln. Einwirkungen. Baumschnitt. Wurzelbildung. Stachelbeersträucher Weißkoblsamen. Gemüse. Kohlherine. Jerichorose. Ausbewahrung. Erdkrebse. Zimmerpflanzen. Schnitt der Weiden. Holzhauerbetrieb. Wildverbiß. Jagd im Januar. Zehrung. Bienenstiche. Mooskiffen. Bettdecken. Renffgungsarten. Herstellung. Hausgeflügel. Nehlebern. Schweinsohrenfrikassee. Kräutersuppe. Mocktourtle-Nagout. Heringsauce. Eier mit Rahm. Fürstenkoch.

Pickelsteiner Fleisch. Grießklößchcn. Nudelflecken. Kalbsbrust.

(Nachdruck verboten.) Ardeitsküleuder für den Monat Januar.

Von M. D a n k l e r.

Der Januar gehört in der Landwirtschaft noch zu den stillen Monaten, doch bringt er auch Arbeiten, die sonst schwer fallen, und vor allem sehr schwer nachzuholen sind. Der Januar ist nämlich der kälteste Monat des Jahres und bringt er bei normalem Verlaufe auch den stärksten Frost. Diese Frostzeit benutzte man nun in allererster Linie, um die Felder mit Dünger, die Wiesen mit Kom­post und Mergel zu versorgen, die sonst für Fuhrwerke schwer zu erreichen sind. Bei dieser Gelegenheit mag denn auch einmal eine Frage angeschnitten werden, die ge­rade in den letzten Jahren brennend wird. Es ist dieses die Frage: Sollen wir unsere Grundstücke zusammenlegen oder nicht. Manche Gemeinden sind ja heute vorgegan­gen, andere stehen im Begriff nachzufolgen, die meisten aber wehren sich und wollen nichts davon wissen. Es sei nun zuerst klar gesagt, daß die Zusammenlegung viele und große Vorteile mit sich bringt. Die zusammengeleg­ten Stücke sind leicht zu erreichen und vor allem wird auch viel Zeit gespart, die sonst durch das Hin- und Her­schaffen der Geräte von einer Flur zur anderen verloren geht. Nichtsdestoweniger aber sprechen auch manche Gründe gegen das Zusammenlegen, und zwar besonders in Gegenden, wo der Kleinbesitz vorherrscht. Der Land­wirt liebt die Felder, die er von seinen Vätern geerbt und von Jugend auf bearbeitet hat. Er liebt auch die selbst neu erworbenen, deren Kaufpreis er mühsam zusammen- sparte. Dazu kommt, daß seine Stücke gerade für seinen Betrieb passen. Ihm sind seine drei Morgen schlechteres Land lieber, als die zwei Morgen besseres, die er bei der Zusammenlegung erhält. Endlich wird die Zusammen­legung in Gegenden mit Weinbesitz durch Vererben, Tei­lung und Kauf wieder rasch aufgehoben und aufs neue auseinandergerissen. Also lasse man in dieser Hinsicht dem Landwirt vollständig freien Willen und quäle ihm nichts an, was für eine Gegend nun einmal nicht paßt.

Der Dünger soll nach dem Ausfahren direkt ausge­breitet werden. Bleiben die Düngerhaufen liegen, so findet während des Frostes ja keine weitere Zersetzung statt, aber beim Auftauen entweichen doch manche Pflan- zennährstoffe, besonders Ammoniak. Ein anderer Teil dringt in den Boden ein, der nun an dieser Stelle zu stark gedüngt wird. Bei Mergel und Kompost hat das Aus- breiten noch den weiteren Vorteil, daß sie durch den Frost zerwittern und zerfallen und so noch besser wirken. Ist der Drusch noch nicht beendet, so wird hier weiter gear­beitet. Die zur Saat bestimmten Sämereien werden gründlich gereinigt und sortiert.

Auf den Wiesen werden die Entwässerungsarbeiten fortgesetzt, hinderliche Sträuche und Bäume werden ge­fällt und ausgegraben. Es ist aber sehr davor zu war­nen, alle Feld- und Wiesengehölze zu entfernen und selbst die Böschungen kahl zu scheren. In diesen Gehölzen wohnt nämlich die Feldpolizei, hier wohnen Wiesel und Igel, und die Bäume dienen dem lauernden Mäusebussard als Warte. Alle diese Tiere aber und noch viele andere sind unermüdliche Mäusevertilger und ihr Vertreiben wird sich sicher rächen. Der Nutzen, den diese Tiere stiften, wird immer noch viel zu gering angeschlagen. Ich kann hier nur noch einmal auf das Werk Hinweisen, welches das Leben und Treiben unserer kleinen Raub- und Nagetiere, sowie der nützlichen und schädlichen Vögel in Wort und Bild in allgemein verständlicher Weise schildert. Für den Landwirt, der zugleich Jäger ist, dürften die Kapitel über Hirsch, Luchs und Kaninchen ein Hochgenuß sein.

Äw Garten schneide man die Beerensträucher, beson­ders die Himbeeren, sehe die Neuanlagen des letzten Herb­stes durch und trete durch den Frost gehobene oder locker geworden Sträucher wieder fest. Bei mildem Wetter muß das im Freien eingeschlagene Gemüse regelmäßig nachge­sehen und gereinigt ewrden. Das Deckmaterial aber lasse

man stets in der Nähe liegen, damit es bei eintretendem Froste schnell zur Hand ist. Neue Treibanlagen für Ra­dieschen, Salat, Karotten, Blumenkohl und Gurken kön­nen angelegt werden. Die Herrichtung ist bekannt. Je frischer und reiner der verwandte Pferdedung ist, desto größer ist die Wirkung. Alle Mistbeete werden ausge­leert, damit ihr alter Inhalt noch gut dürchfrieren kann; diese Komposterde ist dann im Garten noch von größter Wirksamkeit. Das Beschneiden von Sträuchern und Hecken wird fortgesetzt. Im Blumengarten ruht die Arbeit fast ganz. Bei offenem Wetter können noch Hyazinthen, Tul­pen, Ranunkel und Anemonenbeete angelegt werden. Sollen Ziersträucher, wie z. B. Spanischer Flieder, betrie­ben werden, so müssen sie jetzt eingepflanzt werden.

Im Obstgarten werden die Arbeiten des letzten Mo­nats fortgesetzt. In den Baumschulen werden Edelreiser geschnitten und frostfrei eingeschlagen. Ebenso ist es jetzt Zeit, die Bindeweiden zu schneiden und einzu- schlagen.

Dem Viehstande muß jetzt große Aufmerksamkeit ge­widmet werden. Die Stallungen des Rindviehes sollen etwa 1012 Grad Wärme haben, müssen aber doch tüch­tig gelüftet werden. Mit gefrorenen Futtermitteln ist große Vorsicht zu empfehlen; das Wasser zum Tränken soll nie eisig kalt sein. Man vergesse nicht, den Tieren von Zeit zu Zeit etwas Salz zu geben, es befördert Ge­sundheit und Freßlust des Viehes. ' Das Mastvieh wird stets rein und blank erhalten und der Masterfolg durch öfteres Wiegen festgestellt. Vernachlässigte Hautpflege rächt sich durch Krankheiten, Ausschlag und Ungeziefer, dessen Beseitigung dann viel größere Mühe und Kosten verursacht . Der Januar ist auch einer der ersten Haupt­kalbemonate und sind Januarkälber mit Recht beliebt, weil sie die Sommerweide gut ausnutzen und stark in den Winter kommen. Selbstverständlich ist es nun bei kalter Witterung eine Hauptaufgabe, Kalb und Muttertier vor Kälte zu schützen. Hat das Tier sich nach dem Geburts­akt etwas erholt, so wird das Euter vorsichtig rein aus­gemolken. Wartet man hierqnit zu lange, so entstehen leicht bösartige Euterentzündungen. Die so gewonnene Milch gibt man am besten der Kuh selbst zu saufen, da ihre abführende Eigenschaft dieser sehr gesund ist. Vor allem aber, unb dies sei dreimal unterstrichen, füttere man die trächtige Kuh tn den letzten Wochen nicht zu stark. Sie soll absolut nicht gemästet erscheinen. Sie erhalte nicht so viel Kraftfutter, !vie die milchgebenden Kühe, eher etwas mehr Heu. Ueberfütterte Kühe bekommen am ersten das Kalbfieber und fallen ihm zuerst zum Opfer. Und über- haupt, je fetter das Muttertier ist, um so schwerer ist der Geburtsakt.

Auch im Schweinestall trifft im Januar vielfach Ju­gend ein und hier wird noch viel gesündigt. Da bei den Schweinen mehr als bei anderem Nutzvieh feuchte Nieder- schläge im Stalle entstehen, so muß viel und trockene Einstreu in den Stall gebracht werden. Für die jungen Ferkel ist ein naßkalter Stall das reine Gift. Ganze Würfe gehen dadurch zu Grunde, und andere holen sich hier den Keim zum Rheumatismus, der jede erdenkliche Mast verhindert und die Tiere direkt minderwertig macht. In kleineren Wirtschaften wird der Sau mit den Fer­keln wohl im warmen Kuhstall ein Plätzchen bereitet. Das ist zwar nicht nach den neuesten Zuchtregeln, aber ganz außerordentlich praktisch und das ist auch etwas teert

Im Schafstalle geht die Winterlammung vor sich und der Bocksprung zur Sommerlammung ist zu veranlassen. Es ist darauf zu achten, daß die trächtigen Schafe genü­gend Platz an den Raufen finden, da sie sonst leicht Scha­den nehmen. Am besten ist es, wenn man die trächtigen Schafe in eine besondere Abteilung deS Stalles von den anderen abhalten kann. Auch ist anznratcn, den trächti­gen Schafen vor der Lammung die um das Euter befind- liehe Wolle soweit abzuscheren. daß die saugenden Läm­mer keine Wolle verschlucken.

Für die Pferde gilt bezüglich der Stallbaltung das für das Rindvieh Gesagte, sie müssen aber, wenn keine Ar­

beit vorhanden, über den anderen Tag aus dem Stalle gebracht und bewegt werden. e

Im Geflügelstall beginnt es sich zur Freude ses Züch­ters wieder zu regen. Die Hühner beginnen wieder stär­ker zu legen, Enten und Gänse sich zu paaren. Wer bei den Hühnern Frühbruten haben will, muß im Januar die Stämme zusammenstellen. Da die Hühner bei stren­ger Kälte wenig herauskommen, richte man ihnen im Stalle ein größeres Aschenbad ein. Durch das Baden in der Asche werden die Tiere vor Ungeziefer und auch vor mancherlei Unarten, wie Feder- und Eierfresser br- wahrt. Auch die Schalenbildung der Eier wird durch das Fressen von Aschenteilen befördert.

Die Tauben beginnen zu brüten. In allen Zweigen der Landwirtschaft aber bereite man nach Kräften zu­künftige Arbeiten vor, denn schon der Februar wird eine größere Fülle von Arbeiten bringen, die hierdurch sehr erleichtert werden.

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Kalk auf Schnee auszustreuen und über Winter obenauf liegen zu lassen, empfiehlt sich nicht. Er sollte womöglich immer in den Boden einge­bracht, zum mindestens eingeeggt werden.

Die verschiedenen Kulturpflanzen nehmen von den verschiedenen Pflanzennährstoffen ver­schieden viel auf, verlangen aber, um sich üppig entwickeln zu können, um eine volle, gute Ernte zu geben, von je­dem einzelnen Nährstoff eine bestimmte Mindestnienge. so daß sie, wenn diese Mindestmenge nicht vorhanden ist, auch von den anderen im Ueberfluß vorhandenen Nähr­stoffen nur im Verhältnis dieses im Mindestmaß vorhan­denen aufzunehmen vermögen. Mit anderen Worten: wenn sämtliche wesentliche Pflanzennährstoffe bis auf einen im Ueberschuß, ja in doppelter und dreifacher Menge vorhanden sind, dieser eine aber nur in der Hälfte der zu einer guten, vollen Ernte erforderlichen Menge den Pflanzen zur Verfügung steht, so nehmen die Pflanzen von sämtlichen übrigen Nährstoffen nur die halben Men­gen auf und geben nur einen halben Ertrag.

Feldsalat im Winter.

Obgleich der Feldsalat sehr gut ohne eine Schutzdecke durch den Winter sammt, ist es dennoch nötig, um den schönen, stets grün bleibenden Salat unbehindert zu jeder Zeit trotz Schnee und hartem Frost schneiden zu können einen Teil desselben mit Laub zu bedecken. Diese Laub- decke hält den Boden mürbe und man kann, wenn man mit einem Besen das Laub zur Seite schiebt, zu jeder Zeit Salat stechen, was ohne eine Laubdecke wegen des ge­frorenen Bodens nicht möglich ist. Ist der Boden aber unerwartet schnell fest gefroren, so muß ein Teil mit war­mem Wasser aufgeweicht werden.

Um Sellerie in Massen mit gutem Erfolge heranzuzichen, ist schweres Land (Weizenboden), das ein Jähr zuvor gut mit Stalldünger am besten Rinderdünger, versehen wurde, am geeignetsten. Im Winter wird der Boden mehrere Male mit Latrine oder Jauche überfahren, hierauf aber nicht wieder mit Strohdünger gedüngt. Ist das für die Selleriekultur bestimmte Land kalkarm, so ist es auch für den Sellerie von Vorteil, wenn vor dem Pflügen im Frühjahr eine Kalkdüngung gegeben wird.

Das Rosten der Ackergeräte usw.

kann durch einen einfachen Ueberzug von Speck und Harz leicht vermieden werden. Man schmilzt drei Teile Speck mit einem Teil Harz zusammen und trägt die Mischung mit einer Bürste oder einem Lappen auf. Die feinsten wie die gröbsten Gegenstände aus Stahl und Eisen kön­nen damit geschützt werden. Die Salbe sollte stets in Bereitschaft sein und besonders vor Eintritt des Winters, bevor die Geräte aufgehoben werden, in Anwendung kom­men. Das Verhüten des Rostes bestellt bekanntlich darin.