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Hersfelder Kreisblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 8.
Dienstag, den 18. Januar
1910.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 11. Januar 1910.
Durch Gesetz vom 12. Juni 1909 ist den Gemeinden in der Provinz Hessen-Nassau die Verpflichtung auserlegt worden, eine dem Bedürsnis entsprechende Anzahl von Ziegenböcke» an- zuschaffen und zu unterhalten.
Um die zur Aussührung dieses Gesetzes erforderlichen Unter- lagen zu erhalten, haben die Herren Ortsvorstände des Kreises alsbald sestzustellen
a. wieviel deckfähige Ziegen und
b. wieviel Ziegenböcke in jeder Gemeinde vorhanden sind.
Das Ergebnis der Feststellung ist mir sodann bis spätestens zum 1. Februar d. J S. zu berichten.
Wenn in einer Gemeinde die Anzahl der zur Deckung gehaltenen Ziegenböcke eine ungenügende ist, oder überhaupt keine vorhanden sind (vergl. § 1 Abs. 2 des Gesetzes), ist zugleich ein Beschluß der Gemeindevertretung bezw. Gemeindeversammlung darüber herbeizusühren und vorzulegen, in welcher Weise den Bestimmungen des Gesetzes entsprochen werden soll. Es kann dies dadurch geschehen, daß entweder die Gemeinde die Ziegenbockhaltung selbst übernimmt oder aber, daß sie einen Privatziegenbock durch Vertrag sichert. Jedenfalls haben die Gemeinden, soweit Ziegenböcke zu beschaffen sind, für die Anschaffung zu sorgen. Dabei ist zu erwägen, ob eine Vereinigung mit benachbarten Gemeinden zu einem Ziegenbockhaltungsverband anzustreben sein wird. Im zutreffenden Falle müßte dann auch gleichzeitig die Aus- bringung der Kosten sowie die Art der Aufstellung der Ziegenböcke mitgeregelt werden. Die Kosten-Deckung regelt sich nach den Bestimmungen des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 (§ 4 Abs. 2 p. 3, § 8 unb § 77). Sofern die Beschaffung und Unterhaltung der Ziegenböcke die Gemeinden bezw. die ZiegenbockhaltungSverbände übernehmen, können zu den AnschaffungSkosten Beihülfen von der Land- wirtschastskammer gewährt werden. Entsprechende Anträge sind mir ebenfalls bei Erledigung dieser Versügung mit vorzulegen.
Ferner mache ich daraus aufmerksam, daß nach § 4 des Gesetzes nur angekörte Ziegenböcke zur Verwendung kommen dürfen. Ueber die Vornahme der Körung ergeht demnächst noch weitere Verfügung.
Zum Schlüsse spreche ich die Erwartung auS, daß die vorstehende Versügung allseitig auf das Genaueste erledigt wird.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
J. A. Nr. 186. vo n Grunelius.
Hersseld, den 12. Januar 1910.
Die Ortspolizeibehörden des KreiseS ersuche ich, künftig bei Vorlage von Bauanträgen, bei welchen die beabsichtigten Neubauten an Wegen errichtet werden sollen, mir in allen Fällen darüber Mitteilungen zu machen, welcher Art (Charakter) und
Der Reformbauer.
Eine schlichte Dorfgeschichte
von Hans Windeck.
(Fortsetzung.)
Wunderlich wußte aus Erfahrung, daß das eine lange schwierige Arbeit erforderte, denn Bauern sind schwer zu be- handeln und noch schwerer zu gewinnen, wenn es sich um eine Neuerung handelt, deren Vorteile nicht sosort mit beiden Händen zu greifen sind. Bei den Gutsbesitzern hatte er ein besseres Entgegenkommen gesunden. Sie prüften den Kostenanschlag, den er von einem bei dem Bau der Kleinbahn beschäftigten Ingenieur hatte ausstellen lassen und erklärten, daß sie nicht abgeneigt wären, dem Plane näher zu treten, wenn die dazwischen liegenden Gemeinden sich zur Uebernahme eines entsprechenden Anteils der Kosten bereiterklären würden. Ziemlich bcsriedigt von dem Erfolge dieser Bemühungen kehrten die beiden Reisenden nach Hause zurück.
Nicht weit vom Dorfe holten sie Frischbier ein, der mit gewohnter Regelmäßigkeit seinen täglichen Spaziergang machte. Sie nahmen ihn auf den Wagen, und Wunderlich fragte halb im Scherz und halb im Ernst, was sich in Lissewo während ihrer Abwesenheit an wichtigen Neuigkeiten zugetragen
Der junge Mann, der die Wirkung seiner Worte noch immer n:cht genau abzuwägen wußte, berichtete ausführlich, was er wußte. Er konnte noch hinzufügen, daß Zähne am Übend vorher mehrere Bauern zu sich eingeladen und in großartiger Weise bewirtet habe, dabei habe er mächtig gegen Wunderlich losgezogen, daß er ihn beim Landrat habe anschwärzen wollen, um selbst Schulze zu werden.
Haltes ^ b""' Wirtshause vorüberkamen, ließ Wunderlich
haben^""""^ @k ""' Ik6et N^bm, ich möchte einen Zeugen
Beschaffenheit die in Betracht kommenden Wege sind. Es ist insbesondere stets anzugeben, ob es sich um einen öffentlichen Weg handelt, sowie in welcher Weise der Weg ausgebaut bezw. besestigt ist. Auf den Zeichnungen ist in den Lagerplänen die Breite des Weges einzutragen und außerdem ersichtlich zu machen, in welcher Entfernung von dem Wege der Neubau errichtet werden soll.
I. B. 98. Der Landrat
von Grunelius.
An der Königlichen Fachschule für die Kleineisen- und Stahlwaren - Industrie in Schmalkalden beginnt zu Ostern 1910 ein neuer Unterrichtskursus. Die Anstalt nimmt hierzu neue Schüler aus.
Sie bietet befähigten jungen Leuten Gelegenheit in den mit neuzeitlichen technischen Hilfsmitteln reich ausgestatteten Musterwerkstätten eine sorgfältige und vielseitige, aus der Grundlage neuzeitlicher Technik süßende praktische Ausbildung in der Eisen- und Stahlverarbeitung, besonders in der Werkzeugtechnik, zu erlangen, und jene zeichnerischen fachtheoretischen und wirtschaftlichen Kenntnisse zu erwerben, welche unter den heutigen Anforderungen des Gewerbebetriebes für künftige Vorarbeiter und Werkmeister oder für selbständige Gewerbetreibende in der Kleineisen-, Werkzeug- und Metallwaren-Jn- dustrie unbedingt erforderlich find.
Aufnahmefähig sind junge Leute mit guter Elementar- fchulbildung nach erfüllter Schulpflicht. Vorherige praktische Tätigkeit ist erwünscht, aber nicht Bedingung.
Die Kursusdauer beträgt je nach Fähigkeiten 2 bis 3 Jahre, das Schulgeld für preußische Schüler 60 Mark, sür solche aus dem nichtpreußischen Deutschland 160 Mark jährlich.
Absolventen, welche die Reifeprüfung abgelegt haben, sind von der Gesellenprüfung befreit.
Minder bemittelten und würdigen Schülern preußischer Staatsangehörigkeit können Stipendien und Schulgelderlasse gewährt werden.
Nähere Auskunft aus Anfrage durch den Unterzeichneten. Anmeldungen werden baldigst erbeten.
Der Direktor der Königlichen Fachschule gcz. Beil.
Hersfeld, den 12. Januar 1910.
Wird veröffentlicht.
J. I. 13463. Der Landrat.
I. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
Hersfeld, den 12. Januar 1910.
Die unter dem Schwemebestande des Kaufmanns Heinrich Volkenand in Friedewald ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 287. Der Landrat.
I. B.:
Wessel, KrciSsckretär.
„Um Gottes willen", rief Frischbier auS und faßte den Bauern am Arm, „Sie werden doch nicht —'
„Jawohl, werde ich, wenn das wahr ist, was Sie erzählt haben, Herrn Zähne . . ."
Er machte eine wohlberechnete kleine Pause, „sagen", fügte er lächelnd hinzu, „daß er mich in einem falschen Verdacht hat."
Der junge Lehrer atmete erleichtert auf. Er hatte etwas viel Schlimmeres befürchtet.
Die beiden Bauern traten in die Gaststube, wo Anneliese hinter dem Schanktische stand.
„Mein Kind, gib uns erst mal ein gutes GlaS Bier und dann bitt deinen Vater hierher."
„Um Gottes willen, Onkel, was willst du?"
„Habe keine Angst, mein Kind, es wäre mir aber lieb, wenn auch deine Mutter mitkäme. Ich hoffe, eS wird zum Guten ausschlagen."
Einige Minuten später erschien daS Ehepaar Zähne in der Gaststube. Die Frau trat auf die Gäste zu und reichte ihnen die Hand. Der Mann blieb mit finsterer Miene an der Tür stehen.
„Was wünschen Sie von mir, Herr Wunderlich?"
„Ich komme, Ihnen die Hand zur Versöhnung zu bieten. Sie haben, wie man mir gesagt hat, geäußert, ich habe Sie beim Landrat angeschwärzt, um Sie aus ihrem Amte zu ver- drängen. Das ist unrichtig. Wenn wir in sachliche Mein- ungSverfchiedcnheiten geraten sind, dann brauchen wir uns deswegen nicht gram zu sein."
„Geben Sie sich keine Mühe", erwiderte Zähne rauh, „ich lasse mich nicht durch glatte Worte dumm machen."
„Mann, Friedrich, wie kannst du so hart sprechen, wenn Wunderlich als der ältere dir die Hand zur Versöhnung
„Weib, misch dich nicht in Männersachen. WaS Sie wollen. Wunderlich, weiß ich. Die Gemeinde soll nach Ihrer Pseise tanzen und ich soll die Arbeit leisten und nebenbei noch Gemeindevorsteher heißen."
„Wie können Sie nur so sprechen", erwiderte Wunderlich mit sanftem Vorwurf im Tone. „Doch das ist Ihre Sache,
Hersseld, den 17. Januar 1910.
Zum Zwecke der Feststellung des Kreissteuersolls sür das Etatsjahr 1910 haben die Herren Bürgermeister im Anschluß an meine Versügung vom 2. Dez. 1909, I. A. 8133 — Kreisblatt Nr. 145 — noch festzustellen und mir bis spätestens zum 25. Januar d. JS. anzuzeigen, welche Personen und mit welchen Steuerbeträgen während der Zeit vom 1. Januar 1909 bis 31. März 1909 des SteuerjahreS 1908 in Abgang und in Zugang gekommen sind.
Die ab- und zugegangenen Personen sind in der Anzeige mit den inAb- und Zugang gestellten Steuersätzen namentlich auszuführen. In Frage kommen nur die Staatssteuer^(Steuersatz von 6 M. u.m.> und die Gemeindesteuer (Steuersatz von 4 M. und weniger). Falls Ab- und Zugänge während der angegebenen Zeiten nicht vorgekommen sind, ist Fehlanzeige zu erstatten.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 389. von Grunelius,
Landrat.
nichtamtlicher teil.
Des Deutschen Reichs Geburtstag.
Der Gedenktag der Wiederausrichtung des Deutschen Reichs soll nimmer vergessen werden. Als an jenem denkwürdigen 18. Januar 1871 der erlauchte Herrscher auS dem Hohen- zollernhausc im Spiegelfaale des KönigsschlosseS zu Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen und das neue Deutsche Reich an einer Stätte errichtet wurde, die trübe Erinnerungen an eine Zeit tiefer Erniedrigung Deutschlands birgt, an daSZeit- alttr des französischen KönigS Ludwig XIV. und an die von ihm gebrochenen Burgen am Rhein, da war'S wie eint Erlösung, wie eine endliche Erfüllung längst gehegter deutscher Einheitswünsche. Nicht schwärmerische Reden und allerlei Festbegeisterung, sondern Blut und Eisen hatten die deutschen Stämme im Schlachtendonner zusammengeschmiedet. ES erscheint wie ein Akt der rächenden Nemesis, daß gerade in dem stolzen französischen Königsschloste das deutsche Kaiserreich erstanden und im Gefolge der Ereignisse, die dem neuen Reiche eine gegen den westlichen Nachbar gesicherte Grenze schufen, daS Wort vom Rhein als Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze zur Wahrheit geworden ist.
Dies alles zu erreichen, war dem herrlichen Heldengreise Wilhelm I. beschieden, und wenn wir an des Deutschen ReichS Geburtstag, wie es sich geziemt, dankbar seiner gedenken, da taucht auch die Gestalt deS unvergeßlichen Mannes vor der Seele auf, der in so wunderbarer Weise einen höchsten deutschen Idealismus mit einem ruhigen realpolitischen Blicke verband : Otto von Bismarck. Er hat einmal in seiner schlichten Weise geäußert: „Es war stets ein Fehler der Deutschen, alles erreichen zu wollen oder nichts und sich eigensinnig auf eine bestimmte Methode zu steifen. Ich war dagegen stets
wie Sie das auffassen wollen, mir liegt es nur daran, sestzustellen, daß ich nie daran gedacht habe, Sie durch eine Beschwerde oder mißgünstige Aeußerung beim Landrat auS Ihrem Amte zu verdrängen. Ich habe Zeugen dafür, daß Sie sich in dieser Art und Weise geäußert haben. Ich will Sie deshalb ersuchen, hier in Gegenwart von Held und Ihrer Frau diese Aeußerung als unrichtig zurückzu. nehmen."
„Da sind Sie an den Unrechten gekommen", erwiderte Zähne mit rauher Stimme. „Was ich gesagt habe, habe ich gesagt, und das bleibt bestehen."
„Jähnc", bat Wunderlich in ganz ruhigem Tone, „seien Sie doch nicht so halsstarrig. Sie haben mich durch Ihre Aeußerung so schwer beleidigt, daß ich Ursache hätte, Sie vor Gericht zu belangen. Das liegt mir aber völlig fern. Ich werde Sie durch den Herrn Landrat zu einer Unterredung vor Zeugen auffordern lassen. Er wird Ihnen dann bestätigen, daß ich nie das geringste Wort gegen Sie gesprochen, geschweige denn Sie verleumdet habe, um Sie aus dem Amte zu drängen."
„Und was tun Sie jetzt?" schrie Zähne, besten Aerger durch die ruhige Art Wunderlichs nur noch gesteigert wurde, je mehr er sich im Unrecht fühlte. „Sie drohen mir hier mit dem Landrat. Da siehst du, Frau, was du von seinen Worten zu halten hast. Ich weiß ganz genau, wie Sie das angestellt haben. Sie loben, aber in jedem Worte liegt eine versteckte Gehässigkeit."
Auch jetzt blieb Wunderlich völlig ruhig. Er wandte sich zu der Frau.
„Johanna, ich habe deinem Manne in ehrlicher Absicht die Hand zur Versöhnung geboten. Er hat sie nicht nur zurückgestoßen, sondern mich aufs neue beleidigt. DaS kann Ich mir vor Zeugen nicht bieten lassen. Ich muß wenigstens durch den Herrn Landrat feststellen lasten, daß ich gegen deinen Mann weder offen noch versteckt gewirkt habe."
Die Frau begleitete weinend die beiden Männer.
„Vetter". bat sie, „geht nicht zu hart mit meinem Manne inS Gericht. DaS liegt in seiner unglücklichen Natur.