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Herzfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt' undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage Zernsprech-Snschlutz Nr. 8

Nr. 9. Donnerstag, den 20. Januar 1910.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 14. Januar 1910.

DaS in Gemäßheit des § 2 des Gesetzes zur Verhütung von Hochwassergefahren vom 16. August 1905 (®ef. S. S. 342) für die Fulda ausgestellte Verzeichnis über das nicht hochwasserfreie eingedeichte Ueberschwemmungsgebiet, welches den Bestimmungen des gedachten Gesetzes unterliegen soll, ist unterm 23. November 1909 von dem Herrn Oberpräsidenten endgültig sestgestellt worden.

Die bezügliche Bekanntmachung ist in Nr. 49 des Rcgier- ungs-Amtsblattes erfolgt.

Das vorbezeichnete Gesetz hat nach § 12 für das oben­bezeichnete Flußgebiet nunmehr Geltung erlangt.

Mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 7. Juni 1909 I. Nr. 5704 Kreisblatt Nr. 67 werden die in Betracht kommenden Ortspolizeibehörden angewiesen, für die Folge nach Maßgabe dieses Gesetzes zu verjähren.

I. 13550. Der Landrat

von GruneliuS.

Hersseld, den 15. Januar 1910.

In letzter Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß von den Gemeinden und Bullenhaltern Zuchtbullen angekaust und zur Ankörung vorgestellt worden sind, über die eine ordnungs­mäßige Zuchtbescheinigung nicht hat vorgelegt werden können.

Die Käufer setzen sich dadurch der Gefahr aus, daß solche Bullen von der Körungskommission nicht angckört werden.

Ich nehme deshalb Veranlassung, auf mein nachstehend wiederholt abgedrucktes Ausschreiben dringend aufmerksam zu machen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. 369. von GruneliuS.

* * *

Hersfeld, den 25. März 1908.

Gelegentlich der diesjährigen Frühjahrskörung sind ver­schiedentlich Zuchtbescheinigungen vorgelegt worden, die den von der Körungskommission gestellten Bedingungen nicht entsprochen haben.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises mache ich daraus aufmerksam, daß künstig nur solche Bescheinigungen als Zuchtnachweise für genügend befunden werden, die von einer Züchter- Vereinigung (Zuchtgenossen­schaft) nicht aber solche, die von Ortsvorständen oder Privaten ausgestellt sind.

Die Bullenhalter sind hiernach zu bescheiden.

Hersfeld, den 14. Januar 1910.

Im Anschluß an meine Verfügung vom 3. Januar 1910 J. M. Nr. 1 (im Kreisblatt Nr. 3, 4 und 7) die Aufstellung der Rckrutierungs-Stammrollcn betreffend, mache ich die Orts­polizeibehörden des Kreises daraus aufmerksam, daß aus die

Der Reformbauer.

Eine schlichte Dorfgeschichte

von Hans Win deck.

(Schluß statt Fortsetzung.)

DaS änderte sich mit einem Schlage, als eS Wunderlich gelang, die Gründung eines Raiffeisenvereins durchzusetzcn. Zuerst kam einer heimlich angeschlichen mit der schüchternen Frage, ob er nicht ein Darlehn erhalten könne, um die Schuld bei Zähne zu bezahlen.

Natürlich konnte er es erhalten, denn der Verein war ja dazu gegründet, seine Mitglieder von solchen persönlichen Schulden, die immer schwerer drücken, als jede Hypothek zu befreien. Zähne erhielt in kurzer Frist von allen Schuldnern sein Geld zurück.

Jetzt sah er endlich ein, daß er in dem Kampfe mit Äunderlich unterlegen war. Er stellte seine Besitzung samt Gastwirtschaft zum Verkauf. Das Land mit den Wirt- fchastsgebäuden erwarb der Reformbauer. Er trat allerdings erst bei der Auflassung, als Jähne nicht mehr zurücktreten konnte, als Käufer hervor.

Der Krug wurde von einem jungen Kaufmann erworben, der wfort einen Laden einrichtete, so daß die Dorfbe- wohmr nicht mehr jede Kleinigkeit aus der Stadt zu holen brauchten.

Zähne hatte weit weg, in Jnsterburg, wo ihn niemand E""e, ein Hotel gepachtet. Die Frau kam, obwohl ihr Mann sich darüber ärgerte, zu Wunderlichs, Abschied zu nehmen. Ihr fiel der Abschied von dem Dorfe, wo sie den größten Teil ihres Lebens zugebracht hatte, sehr schwer. Vor dem Stadt­leben graute ihr, sie war ein einfaches Landkind gewesen und hatte eine tiefe Liebe zum Lande. DaS gute Einvernehmen mit ihrem Manne war schon lange zerstört, denn sie mußte M ?T Ä^ fr« das starrköpfige Verhalten ihres Mannes mißbilligen. Man möge es ihm nicht nachtragen, bat

Ausfüllung der Spalte 10 der Stammrollen zur Stamm­rolle gemeldet besonders geachtet werden muß. Es ist in dieser Spalte bei jedem Militärpflichtigen, welcher in die Re- krutierungs-Stammrolle ausgenommen worden ist, in allen Fällen durch Eintragung vonJa" oder Nein" ersichtlich zu machen, ob die Anmel­dung zur Stammrolle erfolgt ist oder nicht.

Ich erwarte, daß die Anordnung genau beachtet wird, da­mit unnötige Rückfragen vermieden werden.

M. 61. Der Landrat

von GruneliuS.

Hersfeld, den 14. Januar 1910.

Das in Gemäßheit deS § 2 des Gesetzes zur Verhütung von Hochwassergefahren vom 16. August 1905 (Ges. S. S. 342) für die flößbare W e r r a aufgestellte Verzeichnis, über das nicht hochwasfersreie eingedeichte Ueberschwemmungsgebiet, welches den Bestimmungen des gedachten Gesetzes unterliegen soll, ist unterm 28. Oktober 1909 von dem Herrn Oberpräsi­denten endgültig sestgestellt worden.

Die bezügliche Bekanntmachung ist in Nr. 46 des Regie- rungs-Amtsblatts erfolgt. Das vorbezeichnete Gesetz hat nach § 12 für das oben bezeichnete Flußgebiet nunmehr Geltung erlangt.

Mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 12. Januar v. Js. I. 192 Kreisblatt Nr. 6 werden die in Betracht kommenden Ortspolizeibehörden angewiesen, für die Folge nach Maßgabe dieses Gesetzes zu versahren.

I. 282. Der Landrat

von GruneliuS.

Hersseld, den 14. Januar 1910.

DaS in Gemäßheit des § 2 des GesetzeS zur Verhütung von Hochwassergefahren vom 16. August 1905 (Ges. G. S. 342) für die Haune ausgestellte Verzeichnis über das nicht hochwasserfreie eingedeichte Ueberschwemmungsgebiet, welches den Bestimmungen des gedachten Gesetzes unterliegen soll, ist unterm 28. Oktober 1909 von dem Herrn Oberpräsidenten end­gültig sestgestellt worden.

Die bezügliche Bekanntmachung ist in Nr. 46 des Regie- rungs-Amtsblattes erfolgt. Das vorbezeichnete Gesetz hat nach § 12 für das obenbezeichnete Flußgebiet nunmehr Geltung er­langt.

Mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 10. Juli v. Js. I. 4544 Kreisblatt Nr. 81 werden die in Betracht kommenden Ortspolizcibehörden angewiesen, für die Folge nach Maßgabe dieses Gesetzes zu verfahren.

I. 283. Der Landrat

von GruneliuS.

Hersfeld, den 17. Januar 1910.

Diejenigen Herren Vorsitzenden der Schulvorstände des Kreises, welche meine Verfügung vom 10. d. Mts. I. 316,

sie. Hoffentlich werde es ihr mit Gottes Hilfe gelingen, seinen verstockten Trotz zu überwinden.

Nach Jähnes Abzug ging es mit Wunderlichs Verbesic- rungsplänen rasch vorwärts. Zuerst wurde eine Herdbuch- gesellschaft gegründet, der sich sofort zahlreiche Besitzer aus den benachbarten Dörfern anschlossen. Eine gute Rind- und Schweinerasse wurde unter dem Beistande der deutschen Land- wirtschasts-Gesellschast, die alle solche Vereine unter ihre Fittiche nimmt, ausgewählt und zuerst in einigen Stücken angeschafft. Denn Wunderlich war klug genug, jede Hast und Ueberstürzung zu vermeiden.

Aber von da bis zur Gründung einer Genoffenschafts- Meierei war nur ein kurzer Schritt. Sie war noch nicht im Betrieb, als in Königsberg, der Hauptstadt der Provinz, die Wanderausstellung der Landwirtschasts-Gescllschast statt- fand.

Sie zu beschicken, hatten die Bauern von Liffewo noch kein Material, aber wer eS irgend ermöglichen konnte, fuhr mit Wunderlich hin. Da gab eS waS zu sehen und zu staunen!

Als sie mitsammen nach Hause fuhren und in lebhafter Unterredung ihre Beobachtungen und Eindrücke austauschten, saß ihr Schulze allein, wie in Gedanken versunken, unter ihnen. Endlich nahm er das Wort.

Wenn wir nach Hause kommen, finden wir einige Zentner eines neuen Futtermittels, daS ich wir können es auch gemeinsam tun erproben will. Es sind nichts weiter als getrocknete Kartoffelschnitzel. Lacht nicht! Diese Erfindung hat eine sehr weittragende Bedeutung! Sie wird, wenn sie sich bewährt, nicht nur den Ueberschuß der Kartoffelernte aus. nehmen, sondern auch einen vorzüglichen Nährstoff für unser Vieh abgeben, der all daS teure Kraftsutter überflüssig macht! Held, mein lieber Freund, was schließen wir da­raus ?"

Der alte Mann hatte so nachdenklich auSgesehen, als wenn er gar nicht zuhörte. Er war mit dem Schulzen so befreundet, daß er scherzhaft von den Dorfbewohnern sein Adjutant genannt wurde.

Er fuhr auf:WaS ich denke? Daß ich nur eine füns-

Krcisblatt Nr. 6 betreffend die Auszahlung der erhöhten Gehaltsbezüge an die Volksschullehrer noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.

Erledigung erwarte ich nunmehr binnen bestimmt 48 Stunden.

I. 316. II. Der Landrat

von GruneliuS.

Hersseld, den 15. Januar 1910.

Die unter dem Schweinebestande deS Adam Ritz in PeterS- berg auSgebrochene Schweineseuche ist erloschen.

I. 233. Der Landrat.

von GruneliuS.

In Gethsemane ist eine Telegraphenanstalt mit Unfall- meldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Caffel, den 13. Januar 1910.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hosfmann.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Im Reichstage gab es am Montag wieder JnterpellationS- debatten. Zunächst kamen die Interpellationen des ZentrumS und der Nationalliberalen über den Stand der Frage der Pensionsversicherung der Privatbeamten an die Reihe. Im Namen des ZentrumS sprach Abgeordneter Sittart, in jenem der Nationalliberalen Abgeordneter Dr. Stresemann zur Be­gründung dieser Ansragen. Beide Redner hielten mit ihrer Enttäuschung darüber, daß die Vorarbeiten zu dem immerhin wichtigen gesetzgeberischen Weck der staatlichen Versicherung der Privatbeamten noch nicht über daS Anfang-stadium hinaus feien, keineswegs zurück und forschten nach den Gründen, welche die Reichsregierung zu ihrer zögernden Haltung in dieser Angelegenheit bestimmen. Regierungsseitig beant­wortete der Staatssekretär des Reichsamtes des Innern die Interpellationen dahin, daß die technischen Schwierigkeiten in der Frage der Pensionsversicherung der Privatangestellten besonders große seien. Er, der Staatssekretär, habe schon eine ganze Reihe möglicher Lösungen erwogen, aber gefunden, daß sie alle nicht als befriedigend erachtet werden könnten. Herr Dellbrück erklärte schließlich, daß ihn daher ein solcher Stand der Dinge einstweilen nötige, den Gesetzentwurf betreffs der Privatangestellten noch zurückzustellen. In der Debatte sprachen sich sämtliche Redner aus dem Hause, die Abge­ordneten Dröscher (kons.), Hormann (sr. Volksp.), Heine (soz.), Linz (Reichsp.), Dr. Burckhardt (Wirtsch. Verein.) und Nacken (Zentr.), trotz der ablehnenden Stellungnahme bei Staatssekretärs, dahin aus, daß ein Gesetzentwurf über die staatliche Versicherung der Privatbeamten mit möglichster Be­schleunigung ausgearbeitet und an den Reichstag gebracht

undzwanzig Jährchcn jünger fein möchte, um mit dir so zu wirken und zu schaffen. . . . Freunde, wenn wir unseren Reformbauer so ein Menschenalter srüher hier gehabt hätten! Herr Gott! Was kann doch so ein einzelner Mensch Gute- stiften."

Alterchen, du sollst hier nicht Volksreden halten, sondern von den Kartoffelnschnitzeln berichten."

DaS ist nicht nötig. Ich beschwöre vorher, waS du da­rüber sagst. Und daß du erst mit einer kleinen Anlage einen Versuch machst, ist überflüssige Vorsicht. Wir bauen die An­lage sofort als Eigentum einer Genossenschaft. Und im nächsten Jahre setzen wir die Zuckerfabrik auf den Pfropfen. Wißt ihr, Kinder, ich bin aus die Fabrik mit Groll geloben, wie eine Strandhaubitze mit Granaten. Daß unsere Rüben weniger Zuckergehalt haben, als die anderen, ist gar nicht wahr. Und wie hat man uns unter diesem Vorwande mit den Preisen gedrückt."

Es dauerte nicht ein halbes Jahr, da stand nicht nur die Anlage fertig, nein, sie arbeitete schon fleißig. Von weit her kamen Bauern, um sich den Betrieb anzusehen und einige Zentner des neuen Futtermittel- als Probe zu erstehen. Für den ersten Sonntag im November war die feierliche Ein­weihung geplant. Auch so bezeichnend für Wunderlichs Den- kungsart.

Ich habe ja keine Angst, daß der Bettieb nicht laufen wird. Aber wir gehen ' doch sicherer, wenn wir erst wissen, daß auf hochtrabende Reden nicht ein Katzenjammer folgt."

Der Kriegerverein, die Eange-brüder, ja selbst der aus jungen Bauernsöhnen bestehende Radlerklub hatten sich zur Beteiligung an der Festfeicr gemeldet. Pünktlich erschien der Landrat. Mit wirklich bewegten Worten hielt er die Festrede. Liffewo war ihm in den letzten beiden Jahren anS Herz ge­wachsen, sozusagen sein Renommierdors. Da gab eS keinen Sirbeitermangel, keinen Dorfarmen, da gab eS seinen Zank und Streit. Rüstig, aber besonnen schritten die Bauern in ihrem Erwerbe vom Schlechten zum Guten, vom Guten zum Besseren und Besten fort. Diese Anlage war