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herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 14.
Dienstag, den 1. Februar
1910.
Amtlicher teil.
HerSseld, den 26. Januar 1910.
AuS gegebener Veranlassung bringe ich die Vorschriften über die Anzeigepflicht bei übertragbaren Krankheiten wiederholt in Erinnerung. Die Ortspolizeibehörden kommen der Verpflichtung zur ungesäumten Weitergabe der Anzeigen an den Königlichen Kreisarzt nicht immer und überall pünktlich nach.
Indem ich auf § 6 der allgemeinen Aussührungsbestimmun- gen zu dem Gesetze betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten vom 15. September 1906, Beilage zum Amtsblatt Nr. 47 pro 1906, und auf meine Verfügung vom 12. November 1908 I. Nr. 11245a, Kreisblatt Nr. 135, erneut Hinweise, spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß sich die Ortspolizeibehörden im Hinblick aus die Wichtigkeit der Angelegenheit in Zukunft die genaue Besolgung der Bestimmungen angelegen sein lassen.
I. 668. Der Landrat von Grunelius.
Hersseld, den 26. Januar 1910.
In Mecklar ist der Schweinerotlaus amtlich festgestellt worden.
I. 750. Der Landrat.
I V.:
W e s s el, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Der Reichstag nahm am Freitag die am letzten Mittwoch abgebrochene Beratung deS Militäretats wieder aus. Zunächst wurde die allgemeine Militärdebatte, die sich an den Ausgabeposten „Gehalt des Kriegsministers" anknüpft, weitergeführt, sie zeitigte von den verschiedensten Seiten des Hauses fernere Wünsche und Beschwerden militärischer Natur. So kamen in der Freitagsdiskussion, an welcher die Abgeordneten v. Byern (kons.), Dr. Mugdan (fr. Volksp.), Liebermann v. Sonnenberg (Wirtsch. Verein.), Korsanty (Pole), Werner (Resormp.), Erz- berger (Zentrum) und Noske (Soz.), sowie regierungsseitig wiederholt Kriegsminister von Heeringen und Oberst Wandel teilnahmen, der Luxus im OsfizierskorpS, die Duellsrage im Heere, die behauptete Bevorzugung des Adels, die Munitionsvergeudung, die Frage der Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei der Kavallerie, die Konkurrenz zwischen Militärmusikern und Zivilmusikern, der Selbstmord in der Armee unb noch vieles andere aufs Tapet. Eine Abstimmung zum Mllitäretat fand auch in der Freitagssitzung noch nicht statt.
Der Liebe Sieg.
Novelle von F. Stöckert.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Koser mußte notwendiger Geschäfte wegen etwas früher abreifen als seine Braut und Schwiegermutter. Es hätte sich £ wohl cinrichten lasten, daß sie beide mit ihm reiften, aber Fsau Geheumot wünschte sehr, mit Ellinore noch einige Wochen in dem schönen, ihnen beiden lieb gewordenen Bade- °" allein zu verbringen; war es doch - voraussichtlich , letzte Mal, daß sie ihr Kind noch ganz allein besitzen ~ die Hochzeit EllinoreS schon aus den Herbst s-stge- n,„.^ Abmd vor seiner Abreise stand Otto Koser, der Bräutigam, doch nachdenklich und wie sich auf sich LJ1 ^u?nend in seinem bescheidenen Zimmer, das er in den Wochen allerdings nur noch zum Schlafen benutzt
?”c^.en kühnen Plänen und Entwürfen neuer Werke .„c J\^ eingezogen, und heute konnte er sich kaum noch n«>ckii^-. besinnen, als wäre alles verflogen in dieser Zeit neckischen heiteren Liebesspiels.
'"" « ^ damals am Tischchen zum Ä-h"9^ denn einen besonderen Schreibtisch hatte ^? ch .dene G-mach nicht auszuweisen, lag ein ganzer 82 »S^^ Manuskriptbogen. Beim Anblick der- ' * ein l-is-s Mißbehagen. Wieviel schöne tost- ?ML!Z “ doch vergeudet, lächelnd suchte er dann ?^anken von sich abzuschütteln, eS waren die Nachwehen seiner sorgenvollen, dornenreichen Schriftstellerlaufbahn, “h“ glaubt .hatte, ^° Minute Zeit müsse auSgenutzt «m«irt^^ da sein Hirn erbarmungslos
' ^ ^denkend, daß alles geistige Schaffen die r-chteEt.mm"Ng und Weihe beansprucht und abhängig da-
Freilich auch diese Zeit hatte trotz aller Sorgen und Snt-
Aus > and Aasland.
Berlin, den 30. Januar 1910.
Ihre K aiserlichen Majestäten besuchten heute abend eine Ballsestlichkeit bei dem Prinzen und der Prinzessin Eitel-Friedrich im Schloß Bellevue.
Dem Reichstage ist wiederum wie alljährlich eine Ueber- sicht über die Ergebnisse des Heeresergänzungs- gcschäftes sowie eine Nachweisung über die Herkunft und Beschäftigung der Militärpflichtigen zugegangen. Danach waren von den aus dem Lande geborenen und in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Stellungspflichtigen fast 59 v. H. zum Militärdienste tauglich. Bei den zwar aus dem Lande geborenen, aber nicht in der Landwirtschaft beschäftigten Stellungspflichtigen sank diese Verhältniszahl aus rund 57. Was die in der Stadt geborenen, aber in der Land- und Forst- wirtschast beschäftigten Stellungspflichtigen anlangt, so waren von ihnen immerhin noch 56 v. H. tauglich. Dagegen ist die Verhältniszahl bei den in der Stadt geborenen und nicht in der Landwirtschaft beschäftigten Stellungspflichtigen aus unter 50 gesunken. Die Ergebnisse der Statistik würden noch ganz anders sein, wenn man nicht nur die Geburt und die Beschäftigung der Stellungspflichtigen, sondern die Herkunft und Beschäftigung der Eltern berücksichtigen wollte. Immerhin beweist auch die an sich noch unvollkommene Statistik, daß das Land und die Landwirtschaft verhältnismäßig weit mehr Wehr- fähige liefert als die Stadt und die städtischen Gewerbe.
Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochen-Rundschau: ES wäre zu verwundern, wenn nicht von Zeit zu Zeit Versuche gemacht würden, die innigen B e - ziehungen zwischen Berlin und Wien von außen her zu lockern, und man wird auch nicht erwarten, daß die immer wieder erkannte Vergeblichkeit solcher Versuche von ihrer Wiederholung obschrecken wird. Neuerdings bemüht man sich, aus einem in der Nowoje Wremja veröffentlichten Interview eine Unfreundlichkeit des Grafen Achrenthal gegen Deutschland herauszulesen und aus dieser Grundlage Verstimmungen zu erzeugen. Gleichzeitig arbeitet man mit Erfindungen, die in das gesellschaftliche Gebiet hinübergreifen und die persönlichen Beziehungen zwischen dem österreichisch-ungarischen Minister des Auswärtigen und dem Kaiserlichen Botschafter in Wien als getiübt erscheinen lasten sollen. Mit diesem letzteren böswilligen Klatsch ist bereits von Wien aus aufgeräumt worden, und wir wollen kein Wort mehr darüber verlieren. Hinsichtlich des Interviews in der Nowoje Wremja ist durch die Politische Correspondenz sestgestellt worden, daß sich Herr Wesselitzky bei der Wiedergabe der Worte des Grafen Achrenthal weitgehende Freiheiten erlaubt hat. Gegen den sachlichen Inhalt des berichtigten Interviews ist vom Standpunkt der deutschen Politik nicht das mindeste einzuwenden, und es ist eine seltsame Vorstellung, zu meinen, daß man in Berlin scheel sieht, wenn vonWicn oder von Petersburg aus für eine Verbesserung der Beziehungen
behrungen Stunden hoher Befriedigung auszuweisen, in der er das Glück künstlerischen Schaffens voll und ganz empfunden, solche Stunden aber kehrten ihm sicher wieder und ihren vollen Zauber würde er dann erst ganz empfinden, wo keine Schatten materieller Sorge je sein Denken mehr trüben konnten, war er doch durch das goldene Tor geschritten und hatte festen Fuß gefaßt im Märchenlande des Reichtums. Heute freilich herrschte eine fast beängstigende Leere da oben in seinem Hirnkasten. Sollte diese schöne Zeit hier so ganz unfruchtbar gewesen sein? Das war doch kaum anzunchmen, es bedurfte wohl nur der Großstadtluft, der wilden und stürmenden Wogen des LebenSstromes dort, die schlafenden Keime zu erwecken. FürS erste konnte er sich der Arbeit allerdings nicht hingeben, er wollte ja Hochzeit machen, aber dann! dann! Wenn er die Villa feiner Schwiegermutter, in der das erste Stock für das junge Paar eingerichtet werden sollte, bezogen hatte, dann würde eine schöne schaffensreiche Zeit beginnen.
Ellinore hatte schon von einem kühlen stillen Gemach ge- sprachen, wo vor den Fenstern Bäume rauschten. Dies sollte fein Arbeitszimmer werden, da würde seine Muse mit ihm einziehen und Geisteswerke dann ihren Lauf in die Welt nehmen, die sicher ganz andere Erfolge haben würden, wie alles, waS er bisher geleistet, nun er nicht mehr um das tägliche Brot zu schreiben nötig hatte.
DaS schrille Pfeifen der Lokomotive ertönte, eine schlanke Männerhand winkte noch einmal grüßend heraus aus dem Coupeefenster und nun brauste der Zug davon. Ellinore stand mit ihrer Mutter fast ganz allein auf dem Bahnsteige, mit ihrem Taschentuche winkend, bis nur noch einige Rauchwolken zwischen dem Grün der Blätter zu erkennen waren.
„Nun gehörst Du mir noch eine kurze Zeit ganz allein, Ellinore", jagte Frau Straten, als sie den Rückweg antraten.
„Ich bleibe doch immer dein, mein Mütterchen, auch wenn ich verheiratet bin", versetzte Elliuor.
beider Reiche gearbeitet wird. Das Ergebnis dieser jüngsten Kampagne zur Störung der Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn kann daher auch diesmal nur da« sein, daß unseren Gegnern die unerschütterliche Festigkeit unseres Bundesverhältnisses und die Unfruchtbarkeit ihrer kleinlichen Minierarbeit vor die Augen tritt.
Die jetzt sestgestellt- Uebersicht der Reichseinnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren für die Zeit vom 1. April bis zum 31. Dezember 1909 ergibt eine Mehreinnahme von 185 Millionen Mark gegenüber dem gleichen Zeitraum bei Vorjahres. Wenngleich der bereits mehrfach hervorgehobene Umstand, daß die Ergebnisfe des Jahres 1908 beträchtlich hinter der Schätzung zurückblieben, auch für die Bewertung deS obigen Mehrbetrages sür 1909 von Einfluß ist, so zeigt doch die Ziffer jedenfalls eine erfreuliche Bestätigung der Annahme, daß unser wirtschaftliches Leben in fortschreitender Aus- wärtsbewcgung begriffen ist. Von den neuen Steuern haben eine besonders bemerkenswerte Entwicklung auszuweisen die Stempelabgabe von Grundstücks-Uebertragungen und dieLeucht- mittelsteuer. Bei den übrigen Steuern läßt sich ein festes Bild noch nicht gewinnen, doch lassen die Uebersichten auch keinerlei Momente erkennen, welche gegen eine normale Entwicklung sprächen.
Wie mitgeteilt wird, hat sich die Z a h l der Frauen in Deutsch-Südwestajrika im Verhältnis zu der der Männer erfreulicherweise erheblich vermehrt. Am 1. Januar 1906 gab es im Schutzgebiete nach bet damaligen Statistik 530 weiße Ehepaare. Am 1. Januar 1909 war die Zahl schon auf 1320 gestiegen. Im Schutzgebiete selbst haben im Jahre 1906 67, im darauffolgenden Jahre 137 und im Jahre 1908 163 Ehepaare geheiratet. DaS Jahr 1906 war noch zum Teil KriegSjahr. Man erwartet, daß im Jahr 1909 die Zahl noch wesentlich höher gewesen sein wird. Außer den oben genannten 1320 Ehepaaren waren am 1. Januar 1909 noch 204 Ehemänner vorhanden, deren Ehefrauen nicht im Schutzgebiete anwesend waren. Die Gesamtzahl der weißen weiblichen Bevölkerung im Schutzgebiete betrug am 1. Januar 1906 737 erwachsene und 410 unerwachsene, zusammen also 1147 Personen. Am 1. Januar 1909 befanden sich im Schutzgebiete 1826 erwachsene und 1005 unerwachsene, also zusammen 2831 weibliche Personen. Die Bevölkerung hat also in den drei Jahren um 1684 Frauen und Mädchen zu- genommen. Die Gesamtzahl der männlichen Bevölkerung betrug am 1. Januar 1906 5005 und am 1. Januar bei vorigen JahreS 8960. Somit hat sich das Verhältnis der weiblichen Bevölkerung zur männlichen erheblich verbessert. Am
1. Januar 1906 kamen auf 4 männliche Personen nur eine weibliche, während am 1. Januar 1909 schon auf drei männliche Personen eine weibliche entfiel. Das ist mit besonderer Befriedigung zu begrüßen. Es steht zu hoffen, daß sich daS Verhältnis in dem zu Ende gegangenen Jahre 1909 noch besser gestalten wird, und daS Gouvernement wird sicher da-
„Aeußerlich wohl, aber wie steht eS innerlich, ist da noch Platz für mich in deinem Herzen? Füllt nicht daS Bild deine« Gatten dann dein ganzes Innere aus? Beherrscht nicht dein ganzes Denken nur er allein?"
Ellinore errötete.
„Muß eS nicht so sein?" fragte sie leise. „Und ist er eS nicht auch wert, so geliebt zu werden? Jetzt erst beglückt mich unser Reichtum, wo ich sein Leben damit verschönern darf. Welch eine herrliche Aufgabe für eine Frau, dem Genie bei Mannes die Wege zu ebnen. Du weißt gar nicht, wie sauer er es sich hat werden lassen, wie er hat arbeiten müssen um seine Existenz."
„Ja, liebes Kind, das müssen schließlich doch die meisten Menschen, nicht nur Männer, auch zahllose Frauen, bie wenigsten sind so glücklich situiert wie wir."
„Talenten aber müßte das erspart bleiben, dafür könnte der Staat wohl sorgen, es brauchte ja nur ein Fond gegründet zu werden für alle kunstbegabten Menschen, die Geld bedürfen. Wie so manches Talent mag untergehen im Kamps umS Dasein."
„Du würdest einen ausgezeichneten Finanzminister gerade für unsere realistische Zeit abgeben", meinte die Frau Geheimrat lächelnd. „Wirkliche Größe ringt sich doch wohl meisten« durch, erhebt sich über daS Elend des Daseins und findet schließlich auch Anerkennung und reichen Lohn, bafür gibt eS tausend Beispiele."
„Und Otto, Mama? Du zweifelst wohl gar an seinem großen Talent!" rief Ellinore erregt.
„Darüber mäße ich mir jetzt noch kein Urteil an. Auf der Höhe steht er jedenfalls noch nicht; vielleicht gehört sein Talent zu denen, die des hellen Sonnenglanzes bei Dasein« bedürfen, um sich voll und ganz zu entfallen; die wahre Größe aber, meine ich, bewährt sich, wo das Talent der Not und Sorge zu trotzen vermag, sich nie vom Schicksal über- winden läßt."
„Und Du glaubst, Otto vermöchte daS nicht?" unterbrach sie Ellinore, „meinst vielleicht gar, daß er mich nur des Gelder wegen gewählt, um all solcher niederdrückenden Sorgen enthoben zu sein."