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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Kernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 16.

Sonnabend, den 5. Februar

1910,

Amtlicher teil.

Hersseld, den 1. Februar 1910.

Diejenigen Herren Bürgermeister bezw. Berbandsvorsteher der Gesamtschulverbände des Kreises, welche meine Versügung vom 7. Januar 1909, I. 271, betreffend die Einreichung deS Protokolles über die am 31. Dezember v. Js. erfolgte Revision der Schulkasse noch nicht erledigt haben, werden er­innert, und sehe ich der Einsendung binnen 8 Tagen bestimmt entgegen.

I. 324. Der Landrat.

I. V>:

W e s s e l, Kreissekretär.

Hersfeld, den 2. Februar 1910.

Im Monat Januar d. Js. sind von mir den nach­bezeichneten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

1. entgeltliche:

am 3/1. dem Gastwirt Heinrich Eichmann in Mengshausen,

3/1. Königlichen Hauptmann Beyer hier,

7/1. Oekonomen Fritz Zobel hier,

14/1. Lehrer Ackert hier,

2. unentgeltliche:

6/1. von Baumbach'schen Untersörster Johannes Kegelmann in Frielingen,

6/1. Königlichen Förster Herterich in Hersa,

* 22/1. Kurth in Bengendors,

B. Tagesjagdschcine:

6/1. , Landwirt Heinrich Sippel in Schenklengsseld.

Der Landrat

von Grunelius.

HerSfeld, den 1. Februar 1910.

Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Versügung vom 17. v. MtS. A. Nr. 186 KreiSblatt Nr. 8 betreffend Ziegenbockhaltung in den Gemeinden noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert. Ich sehe der Erledigung bestimmt innerhalb 3 Tagen entgegen.

A. 186 II. Der Landrat von Grunelius.

HerSfeld, den 1. Februar 1910.

Die unter dem Schweinebestande des Johannes Gerlach in Niederaula ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 1062. Der Landrat.

I. V.:

Wejsel, Kreissekretär.

HerSseld, den 1. Februar 1910.

Die unter der Schafherde des Landwirts Kranz zu Rückershausen, KreiS Ziegenhain, auSgebrochene Räude ist erloschen. I. 996. Der Landrat.

I. V.:

W e f s e l, Kreissekretär.

Eine furchtbare nacht.

Skizze von A. T s ch e ch o f s.

Frei aus dem Russischen übersetzt von H. v. Sandt.

Iwan Jwanowitsch Pinichidin schraubte den Docht der Tischlampe herunter und hob an:In einer stockfinsteren Mmternacht im Jahre 1883 ging ich von einer spiritistischen ®i|ung, die bei einem nunmehr verewigten Freunde stattgc- sunden hatte, nach Hause. Mühsam tappte ich mich durch dlc dunklen Nebengäßchen, durch welche mein Weg lief.Dein teben neigt sich seinem Ende zu bereue!" Diese Geister- worte, die ich vernommen hatte, verfolgen mich. Besonders der Nachsatz:noch heute Nacht". Ich bin kein gläubiger «ptruist, allein jeder Hinweis aus den Tod macht mich ver- ^gt, wie denn überhaupt jeder Gedanke an das unvermeidliche «terben von den meisten als etwas höchst Unangenehmes empfunden wird. Als undurchdringliche Finsternis mich um= soo, als kalter Regen auf mich herabriesclte und über meinem Wind klagend stöhnte, als ich so mutterjeelen- dahinschritt, da wurde ich von einer unbestimmten, .^chreiblichen Furcht erfaßt. Ich schaute mich nicht um, " *schliche hinter mir der Tod . . ."

^nmchidin seuszte tief und suhr dann fort:Diese wahn- L$e »n*cht beherrschte mich auch dann noch, als ich mein Zimmer betrat. Ich wohnte damals in dem vierten Slock- , e^cS Mietshauses in einer weitabgelegenen Vorstadt In meinen vier Wänden herrschte natürlich tiefste -vunrelheit. Im Rauchfang winselte der Wind und pochte an vas Menturd)en.

man Spinozas Geist Glauben schenken darf, so «nutzte ich noch in der heutigen Nacht meine Rechnung mit ? ~"cn abschließend dachte ich und zog ein Streichholz *tn tosender Windstoß fegte über das Dach deS Hauses, ^as sanfte Gewinsel war zu einem wütenden Gebrüll ge- . Irgendwo klapperte eine schadhafte Fensterlade. "W^ch tme döse Nacht für Obdachlose I" sagte ich mir. Im

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

Am Beginn der Berichtswoche feierte die deutsche Nation ihren größten weltlichen Festtag, den Geburtstag des Kaisers. Hoch gingen die Wogen patriotischer Begeisterung, und Millionen spontaner Festkundgebungen bezeugten aufs neue, in welchem hohen Maße der Monarch die Herzen seines Volkes besitzt. Umso inniger und herzlicher aber war diesmal die Festesfreude, als die Novembernebel des Jahres 1908, die sich eine Weile hindurch zwischen Thron und Volk zu lagern drohten, wieder bis aus den letzten Rest getilgt sind. Möge dieses Verhältnis ungetrübtesten Vertrauens zwischen Kaiser und Volk stetig andauern, und mögen die Bande, die Kaiser Wil­helm II. und seine getreuen Untertanen miteinander verknüpfen, für alle Zukunft unzerreißbar bleiben!

In England haben die Wahlen nunmehr ihren Ab­schluß erreicht. Gegen das Ende der Wahlen hat der Siegeszug der Konservativen eine gewisse Hemmung erfahren, und so schneiden die regierenden Liberalen nicht ganz so schlecht ab, als man anfänglich annehmen zu müssen glaubte. Ohne die Vertreter der Arbeiterpartei stehen Liberale und Unionisten ungefähr gleich da, mit der Arbeiterpartei aber haben die Liberalen vierzig Stimmen Mehrheit über die Unionisten, wenn man die unzuverlässigen Iren außer Berechnung läßt. So sehr ist die gewaltige liberale Mehrheit zusammengeschmolzen. Es ergibt sich daraus die prekäre Lage der Regierung, und man wird wohl nicht schlgehen, wenn man mit der Wahr­scheinlichkeit einer baldigen Wiederholung des englischen Wahl- kampfeS rechnet. Zum zweite: ^nc.1 Loet dürste der Liberalismus dem Ansturm der unter dem Zeichen deS Schutzzolls und des Imperialismus kämpsenden Unionisten kaum mehr Stand halten.

Auf dem Balkan sieht es zurzeit wieder sehr bedenklich aus. In Mazedonien gärt eS, und durch den von Krone und Parlament in Griechenland gefaßten Beschluß, die Nationalversammlung einzuberufen, droht die k r e t i s ch e F r a g e wieder akut zu werden. Die Kreter werden nämlich wahr­scheinlich daraus bestehen, auch ihrerseits die Nationalversamm­lung zu beschicken, während das anderseits für die Türkei einen Kriegsfall bedeuten müßte. Hoffentlich gelingt es den Schutzmächten noch rechtzeitig, die heraufziehende Gefahr zu beseitigen.

Die Bedrohung des Valkanfriedenr.

Die Revolution in Griechenland denn was dort vor- geht, ist in der Tat eine, wenn auch bisher noch unblutige Revolution hat einen Erfolg davongetragen, der die ganze Lage im näheren Orient unheilvoll beeinflußt. Unter dem unverhüllten Zwange der Militärliga ist nicht nur ein neues Ministerium in Athen eingesetzt, sondern der König auch nach

selben Augenblick leuchtete die Streichholzflamme auf, und mir bot sich ein entsetzlicher Anblick. . . Ich stieß einen Schrei aus, machte ein paar Schritte nach der Tür und schloß dann, gleichsam wie gelähmt vor Grauen, meine Augen: inmitten meiner Stube stand ein Sarg. . . Er war mit kostbarem Hellen Stoff ausgeschlagen und schien für die Leiche eines jungen Mädchens bestimmt zu sein.

Von namenlosem Entsetzen gepackt, stürzte ich aus dem Zimmer und raste über die dunkle Treppe aus die Straße hinab, dabei über meinen langen Pelz stolpernd, so daß ich eS noch heute als ein Wunder betrachte, daß ich mir nicht den Hals gebrochen habe.

Aus der öden, menschenleeren Straße lehnte ich mich er- schöpst gegen einen Laternenpsahl. Die Kehle war mir wie zugeschnürt, mein Herz pochte zum Zerspringen. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn ich in meiner Wohnung einen Einbrecher oder tollen Hund vorgesunden hätte. . . Oder wenn bei meiner Rückkehr das Haus in Flammen gestanden hätte. . . Aber ein Sarg in meinem Zimmer. . . Es war einfach unbegreiflich. . . War er leer oder lag ein entseelter Körper unter dem mit einem vergoldeten Kreuz geschmückten Deckel? Wenn sich kein Wunder ereignet hatte, so war am Ende gar ein Verbrechen verübt worden. Ich erschöpste mich in sruchtlosen Vermutungen. Der Platz unter der Treppe, aus dem mein Zimmerschlüssel gewöhnlich lag, war nur meinen nächsten Freunden bekannt.Die Geister haben mir ja meinen Tod vorausgesagt," dachte ich schließlich.Vielleicht haben sie mich auch voller Umsicht mit dem nötigen Sarg versorgt."Es ist ja weiter nichts, als eine optische Täu­schung, durch meine erregte Gemütsstimmung hervorgeruscn," beschwichtigte ich mich dann selber. Der Regen schlug mir inS Antlitz, der Wind zerrte wütend an meinem Pelz. Mich fror hestig ich konnte unmöglich länger anf der Straße stehen und entschloß mich nach kurzer Ueberlegung, meinen Freund Upokojew, der in einem möblierten Zimmer in dem sogenanntentoten Gäßchen" wohnte, auszusuchen.

Mein Freund war nicht zu Hause, denn auf mein Läuten

mehrtägigem Widerstreben genötigt worden, die Einberufung einer Nationalversammlung, d. h. wie die Dinge dort liegen, dem Bruch der Verfassung zuzustimmen. König Georg ist kaum noch der Schatten eines KönigS, der wirkliche Herrscher ist der ausrührische General Zorhas, der nun auch selbst als KriegSminister in das neue Ministerium eingetreten ist. Wie der Gedanke der Einberufung einer Nationalversammlung von dem kretischen Agitator VenezeloS eingegeben worden ist, so liegt dieser Maßregel die Absicht zu Grunde, kretijche Ab­geordnete zu der Versammlung zuzulassen.

Das jungtürfifdie Regiment in Konstantinopel hat diesen neuen Schritt zur völligen Beseitigung der türkischen Oberhoheit über Kreta nicht ruhig hingenommen und konnte dies auch nicht tun, ohne sich selbst aufzugeben. ES ist noch zu wenig fest im Volke begründet, als daß es den Sturm der Ent­rüstung in der muselmanischen Welt aushalten könnte, wenn es sich nicht entschlossen zeigte, die völlige Lostrennung der Insel vom osmanischen Reiche mit allen Mitteln zu ver­hindern. Ein Teil der europäischen Regimenter wird bereits durch Einberufung der Reserven auf Kriegsfuß gesetzt, um alsbald in Thessalien einrücken zu können. Damit entsteht aber zugleich die Gcsahr, daß auch andere Balkanmächte in Bewegung gegen die Türkei geraten; insbesondere hat ei schon seit einiger Zeit wieder bulgarisch-türkische Reibungen wegen des Bandenunwesens in Mazedonien gegeben, und wenn auch in Sofia jetzt friedliche Versicherungen abgegeben werden und König Ferdinand auch wirklich einer kriegerischen Politik abgeneigt ist, so bleibt doch die Verlockung groß, die günstige Gelegenheit eines türkischen Aufmarsches gegen Griechenland zur Verwirklichung bulgarischer Anjprüche auf Mazedonien wahr­zunehmen.

Unter den europäischen Kabinetten find die der vier kretischen Schutzmächte, England, Rußland, Frankreich und Italien, die Nächsten dazu, Maßregeln gegen die Bedrohung des Balkanfriedens zu ergreifen, und zwar an der Stelle, von der die Bedrohung ausgegangen ist. Die türkische Regierung hat sich bereit erklärt, auf eigenes Vorgehen gegen Griechen­land zu verzichten, wenn die vier Schutzmächte den Fehler der Zurückziehung ihrer Besatzungen von der Insel wieder gut machen und selbst verhindern, daß die Kreter abgeordnete zur Nationalversammlung nach Athen schicken. Greisen die Schutzmächte in dieser Weise ein, so wird sich vielleicht in Griechenland selbst auch ein Rückschlag gegen das revolutionäre Treiben der Zorbas und Venczellos vollziehen.

Reichstag.

Der durch den konservativen Abgeordneten v. Oldenburg herbeigeführte bekannte Zwischenfall im Reichstage gilt nun­mehr als einstweilen erledigt, er dürste vorerst keine weiteren Folgen nach sich ziehen. Namentlich dürste sich die vielgehegte Annahme, der 2. Vizepräsident des Reichstags, Erbprinz zu Hohenlohe, werde wegen der Affäre Oldenburg von seinem parlamentarischen Amte zurücktreten, alS unzutreffend erweisen. Im übrigen hat sich die Reichstagsmehrheit in dem mit dieser

an seiner Tür wurde mir nicht geöffnet. Ich tastete in der Finsternis nach dem Wohnungsschlüssel, der, wie ich wußte, in einem Mauervorsprung versteckt war, öffnete die Tür, be­trat das Zimmer und ließ meinen regennassen Pelz von meinen Schultern gleiten. Dann tappte ich bis zum Divan, auf den ich erschöpst niedersank. Auch hier tobte der Wind ungestüm und rüttelte am Fenster.

Ich teeilte mich, ein Streichholz in Brand zu setzen. Als das Licht hell aufflammte, schrie ich laut auf und stürzte sinnlos vor Schrecken hinaus: im Zimmer meines Freundes bot sich mir dasselbe Bild, daS mich aus meiner Wohnung vertrieben hatte. Allein der Sarg, der hier mitten im Gemach stand, war größer. Seine dunkelbraune Stoffbckleidung verlieh ihm ein ganz besonders düsteres Aussehen. Meine Nerven waren überreizt ich sah lauter Visionen . . . Ich war einfach krank und erblickte auS diesem Grunde überall Särge. Ich war von einer Sargmanie ergriffen. Spinozas Geist, den wir zitiert hatten, trug die Schuld daran.

Ich verliere meinen Verstand," murmelte ich fassungslos und griff nach meinem Kopf. Was nun? Meine Füße ver­sagten mir den Dienst, meine Gedanken verwirrten sich. DaS namenlose Grauen umklammerte mich immer fester und eisiger. Ich war in Verzweiflung, mein Haar sträubte sich, ich fürchtete zudem, mich im Regen und Winde zu erkälten. Zum Glück fiel mir ein, daß ein Freund von mir, ein junger Arzt, der heute ebenfalls der spiritistischen Sitzung beigewohnt hatte, in der Nähe wohnte. Ich stieg also bis in den fünften Stock zu meinem Freunde Pogostow empor. Droben vernahm ich einen furchtbaren Lärm:Hausknecht hierher zu Hilfe," schrie jemand und eine Tür flog krachend ins Schloß. Gleich daraus rannte mich eine Gestalt im Pelz und zerdrücktem Zylinderhut säst um.

Pogostow," rief ich erschrocken,was ist geschehen?" Er umkrampfte meine Hände.

Panischidin," fprach er zitternd und keuchendSie sind es? Aber sind Sie eS auch wirklich? Vielleicht find