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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 26.
Dienstag, den 1. März
1910.
Amtlicher Ceil.
Hersseld, den 24. Februar 1910.
In Lautenhausen ist der Schweinerotlauf amtlich festgestellt worden.
I 2042. Der Landrat.
I. V:
W e s s e l, Kreissekretär.
Hersseld, den 24. Februar 1910.
Die aus Donnerstag den 3. und 17. März d. JS. in der Stadt Fulda angesetzten Viehmärkte werden unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Austrieb dars um 7V1 und 7 Uhr morgens begonnen werden.
Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und daS Mustern von Vieh zwecks HandelnS innerhalb des Stadtbezirks vor und während der Dauer des Marktes verboten.
I. 1907. Der Landrat.
I. V:
Wessel, KreiSsekretär.
Bekanntmachung.
Einstellung von Dreijährig-Freiwilligen für das III. Seebataillon (Marine-Infanterie) in Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1910, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1911, Heimreise: Frühjahr 1913. Bedingungen: Mindestens 1,65 m groß, krästig, vor dem 1. Oktober 1891 geboren (jüngere Leute nur bei blonder- guter körperlicher Entwicklung). Es werden junge Leute aller Berussarten eingestellt, Handwerker erhalten jedoch den Vorzug.
In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mk. Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines vom Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission ausgestellten Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt aus drei Jahre zu richten an:
Kommando des III. StammseebataillonS, Wilhelmshaven.
Bekanntmachung.
Einstellung von Drei- und Vierjährig- Freiwilligen für die Matrosenartillerie-Abteilung Kiautschou (Küstenartillerie) in Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1910, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1911 bzw. 1912, Heimreise: Frühjahr 1913 bezw. 1914. Bedingungen: Mindestens 1,64 m groß, kräftig, vor
Der Liebe Sieg.
Novelle von F. S t ö ck er t.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Aber Otto, ich bitte Dich, sprich nicht so laut und so seltsam. Man achtet schon aus unS", sagte Ellinore und suchte ihn nach dem AuSgang des Parke« hinzudrängen. Hatte sie den Ausgang erst erreicht, dann konnte sie in eine Droschke steigen und heimsahren.
Wie erleichtert atmete sie auf, alS sie dieser Ziel erreicht und den Park mit seinem Menschengewühl, dem elektrischen Licht und der schmetternden Militärmusik hinter sich hatte und sie beide ihrer Wohnung zusuhren. Für ein bedrückte« Herz können gerade solche Stätten zu einer wahren Qual werden und EllinoreS Herz war sehr bedrückt. Wie sollte das noch enden? Wenn diese Gereiztheit ihres Mannes sich noch steigerte, dann konnte sie ja noch aus schreckliche Szenen gefaßt sein.
Die kurze Fahrt war bald zurückgelegt. Kos« hatte unterwegs wenig gesprochen, erst jetzt, alS sie beide allein im Salon waren, gab er seiner gereizten Stimmung wieder Worte.
„All' dieser weibliche, weibische Luxus, mit dem ihr mich hier umgeben habt, hat auch dazu beigetragen, meine Phantasie zu erschlaffen!" brach er plötzlich loS, während er wie rasend in dem eleganten Raum auf und ab lief. „O, ich wollte, ich säße wieder allein in meiner Junggesellenklause, aller Fesseln ledig, und meine Phantasie trüge mich weit hinweg über all die Erbärmlichkeiten deS Menschenleben-, über da« ganze nichtige Dasein. Solch« Befreiung für sich und seme Zeitgenossen, daS ist der höchste Triumph deS Schriftstellers, «löfend, befreiend muß er wirken, aber daS kann er nur, wenn er selbst frei ist und ohne Fesseln dasteht."
^Ottv. klang es jetzt in dem Salon.
mit hLtoyaIb '7.^ut der Schmerzes, halb des Zorne-, mit dem Ellinore seinen Namen jetzt rief. Er sprach von
dem 1. Oktober 1891 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung).
In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mk. Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eine- vom Zivilvorsitzenden der Ersatzkommiflion ausgestellten Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt aus drei bezw. vier Jahre zu richten an:
Kommando der Stammabteilung der Matrosenartillerie Kiautschou, Cuxhaven.
HerSseld, den 24. Februar 1910.
Die unter dem Schweincbestande des JohS. Friedrich Läpp in Mecklar auSgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 1993. Der Landrat.
J. V.:
Wessel, KreiSsekretär.
nichtamtlicher Cell.
Wo - 25 tot Nische Arm.
Am 27. Februar war ein Vierteljahrhundert verflossen, seitdem Kaiser und König Wilhelm I. auf Befürwortung des Altreichskanzlers Fürsten BiSmarck durch einen Allerhöchsten Erlaß, den sogenannten Schutzbries, die in den Monaten November 1884 bis Januar 1885 von einer Anzahl tatkräftiger, junger deutscher Männer an der Ostküste AsrikaS gemachten Erwerbungen unter die Oberhoheit deS Reichs stellte.
Der Entschlossenheit und dem weiten Blick von Bremer und Hamburger Kaufleuten war eS im Jahre 1884 schon gelungen, daS Deutsche Reich zu veranlassen, ihre Ansiedlungen in Südwestafrika, Semerun u S Togo unter seine Schutzhoheit zu stellen und damit die ersten deutschen Kolonien im schwarzen Erdteil zu gründen. Inzwischen hatte sich auch eine Anzahl patriotischer Männer in Berlin vereinigt und am 3. April 1884 die „Gesellschaft für deutsche Kolonisation" gebildet. AlS ihr Streben hatte diese Gesellschaft kundgegeben, darauf hinzuwirken, daß daS deutsche Volk, bis die Reichsregierung die Entschließung fasse, selbst in eine tätige Kolonialpolitik ein« zutreten. für sich mit Gebiet-erwerbungen in Afrika vorginge. Die hervorragendsten, die hierbei mitwirkten, waren Dr. Carl PeterS, Dr. Joachim Graf von Pfeil, der damalige Herausgeber der „Täglichen Rundschau" Dr. Fr. Lange und der schon bejahrte Kammerherr Felix Graf Behr-Bandclin. Leicht war daS Unternehmen nicht, welchem sich diese Männer unterzogen, denn die neu gegründete Gesellschaft bestand aus verschieden gearteten Mitgliedern. Neben einigen Männern der Tat standen viele, denen bei aller Begeisterung für das neue Vorhaben der Gedanke an ein eigenmächtiges Vorgehen doch einen gewissen Schrecken einjagte, weil sie vor der mit der AuSsührung solcher Pläne verbundenen Verantwortung zurück- scheuten. Hier aber galt eS, kraftvoll zu handeln, wenn etwa- erreicht werden sollte.
Besreiung und kannte selbst nicht einmal die wirklichen Fesseln, welche die Schwingen seiner Phantasie lähmten und immer lähmen würden, wenn er sie selbst nicht energisch ab» schüttelte.
KoserS grenzenlose Eitelkeit, seine oberflächliche Genußsucht, die ganze leichte Art und Weise, wie er daS Leben jetzt auf- faßte, und die Angst, mit der er alle Tiefen und Kämpfe des Daseins zu vermeiden suchte, das waren die Fesseln, dagegen galt e« zu kämpfen. Doch der Zeitpunkt war wohl nun gekommen, um den RettungSweg einzuschlagen, auf den Berner hingewiesen hatte.
‘ Ein fester Entschluß leuchtete in EllinoreS Augen auf. O, den verirrten Mann retten, ihn seiner hohen Bestimmung wieder zuführen dürfen, welch schöne beglückende Mission war da» für sie und dafür dünkte ihr kein Opfer zu groß! Es war ein fast strahlender Blick, den Ellinore jetzt auf ihren Gatten richtete, der an einem Marmortisch lehnte und gedankenlos auf einige Bilder und Photographien großer Künstler starrte. Sein Blick ruhte jetzt auf dem geheimnisvollen Bilde der SchickfalSgöttinnen, die da so gelassen an den Schicksal«» fäden der Menschen spannen.
„Besinne Dich doch aus Dein besseres Ich, Otto", sagte Ellinore jetzt, indem sie zu ihm herantrat, „an Dir allein liegt es, daß solch ein Tag wie der heutige kommen mußte. Denke an die einsame Mühle, wo wir beide eine kurze Zeit so glücklich waren — bis . .
„Frau Melitta kam und Deinen schwachen Mann wieder in ihre Kreise lockte, da- wolltest Du doch sagen", fiel Kos« höhnisch ein, und dann suhr er fort: «Ich bin eben ein Schwächling in Deinen Augen, mir fehlt die Ausdauer, die echte dichterische Kraft. Du hättest Dir einen andern Gatten erwählen sollen, Lichtenow hätte jedenfalls besser für Dich gepaßt als ich. Eine Dichterseele wie die meine zu begreifen, da« ist nur wenigen Frauen gegeben und Dir, scheint mir, wohnt diese Fähigkeit am allerwenigsten inne."
Ellinore wandte sich mit Zorn und Empörung ab, sie fühlte er plötzlich heiß aussteigen in ihren Kops und die rettende Mission, die ihr vorhin so beglückend «schienen, dünkte sie jetzt unüberwindbar riesengroß. Ohne ein Wort weiter zu verlieren,
Zwei Vorbedingungen waren zunächst zu erledigen: die Beschaffung der für eine Expedition erforderlichen Geldmittel und der Entschluß, gegen welchen Teil des afrikanischen Festlandes daS Unternehmen sich richten solle. Dem Grasen Joachim Pfeil, der bereits über eine lange afrikanische Erfahrung verfügte, gebührt daS Verdienst, trotz mancher harten Gegnerschaft unverwandt dafür eingetreten zu sein, daß die Küste Zanzibar gegenüber zum Ausgangspunkte des Vorgehens gemacht würde. Im Herbst 1884 waren die Verhandlungen und Vorbereitungen bereits so weit gediehen, daß die erste Expedition nach Zanzibar abgehcn konnte. Sie bestand außer Dr. Peters und Graf Pfeil aus einem Dr. Jühlke und einem Kaufmann Otto, langte Anfang November bort an und ermöglichte es, nach Ueberwindung unendlicher Schwierigkeiten, bereits am 10. November ^ie Ueberfahrt nach dem afrikanischen Festlande durchzuführen und damit ihre eigentliche Tätigkeit zu beginnen. Innerhalb sechs anstrengenden Wochen erwarb sie durch Verträge in den Landschaften Usegua, Nguru, Usagara und Ukami Hoheits- und eine Reihe von Privatrechten von zehn eingeborenen Häuptlingen (Jumben genannt), hißte die deutsche Flagge und bestimmte verschiedene Plätze für die Anlegung von Stationen.
Hiermit war in jenen Gegenden fester Fuß gefaßt, und eS kam nun darauf an, daß die deutsche Reichsregierung diesen bisher nur im Namen der Gesellschaft für deutsche Kolonisation gemachten Erwerbungen ihre Schutzhoheit zuerkanntc. Zu diesem Zweck eilte Dr. PeterS, der inzwischen einen eingehenden Bericht über die Ersolge der Expedition dem Fürsten BiSmarck unterbreitet hatte, Mitte Januar nach Berlin, wo er am 5. Februar eintras und dem Altreichskanzler die politische Trag- weite der bereit- gemachten und noch zu erhoffenden Erwer- bungen darlegte. Die Folge hiervon war, daß der Kaiser am 27. Februar 1885 für jene Gebiete die Schutzherrschaft der Reichs auSsprach. Einige Tage später wurde Dr. PeterS vom damaligen Prinzen Wilhelm, dem jetzigen Kaiser empfangen, der für die Sache die lebhafteste Teilnahme an den Tag legte und hierbei die ermunternden Worte autries: „Immer höher mit der deutschen Flagge!"
Seit 25 Jahren ist Ostafrika eine deutsche Kolonie. Welcher Wandel hat sich in dieser Zeit mit dem Lande vollzogen. AlS es von unS erworben wurde, war es nicht viel mehr alS eine Wildnis, und heute ist eS von Verkehrswegen durchzogen, weist eS emporblühende Städte auf, darunter die Hauptstadt Dar- essalam mit etwa 30 000 Einwohner, in denen man so bequem lebt wie in Europa. Mit der Heimat ist es durch eine stän- dige Schiffahrtslinie verbunden, sein Handel ernährt Tausende im Mutterlande und ebenso viele, die fern von letzterem ihren Erwerb suchen. Mit hoher Befriedigung kann Deutschland schon jetzt aus seine dort vollbrachte Kulturarbeit zurückblicken.
verließ sie den Salon. Kos« schaute der leise Entschwebenden mit irren Blicken nach.
Nun war er allein, ganz allein, nun mochte er Zwiesprache halten mit seiner Muse, und die Schwingen seiner Phantasie ihn hoch empor tragen über die Welt mit all ihrer Erbärmlichkeit. In dieses stille vornehme Gemach drang ja nun nichts mehr hinein von den Sorgen und Mühen deS Alltagsleben, hier vernahm man nicht den Stundenschlag deS WerkeltagcS, der tönte nur an die Ohren derer, für welche die Zeit Geldwert hat, die sie ausnutzen müssen in rastloser Tätigkeit.
Für Kos« aber hatte die Zeit schon seit Monden keinen Wert mehr. Dieser Gedanke packte ihn plötzlich. DaS war es, die Wertlosigkeit der Zeit, seines Lebens und daS unheimliche Gespenst deS trügerischen Reichtums, den er durch seine Heirat gleichsam erlistet hatte und der ihm nun zum Fluche geworden war, das hielt auch ihn umklammert und lahmte seine Kräste.
Der Mensch muß schaffen, ringen, für irgend ein hohes Ziel sein ganzer Können einsetzen, daS allein heißt leben! So klang es furchtbar mahnend in feinem Gewissen. Die süße Gewohnheit des Daseins, des seichten Genießen und trägen DahinlebenS aber ist eine Macht, der man so leicht nicht Herr wird, besonders nicht ein Charakter wie derjenige Kosers, der für die Sireuenstimmen auS der Welt des Genusses der gewöhnlichen DaseinSsrcuden stets ein offenes Ohr gehabt.
Sie tönten am folgenden Tage wieder verlockender denn je. Besuche kamen, Einladungen folgten und Arbeit, die Zeit wohl auSnützende Tätigkeit schien in diesen Gesellschaftskreisen nicht zu existieren. Kosers elastische und im Grunde genommen recht leichtsinnig und oberflächlich gewordene Natur hatte die Verstimmung deS vergangenen Abends denn auch sehr bald überwunden und vergessen.
Am andern Abend hatte sich ein kleiner KreiS von Bekannten zufällig in den eleganten Räumen bei KoserS zusammengefundcn, und Kos« machte den liebenswürdigen Wirt, seine Laune war so heiter, so übersprudelnd, daß Ellinor ihn einige Male verwundert anschaute. Welch ein Wechsel