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Hersfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 34.
Sonnabend, den 19. März
1910.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 12. März 1910.
Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Versügung vom 28. Juni 1898 I. A. Nr. 422 — Kreisblatt Nr. 76 — betreffend Einreichung des Gemeindevoranschlages für das Rechnungsjahr 1910 noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Ich sehe der Erledigung nunmehr binnen bestimmt 10 Tagen entgegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
A. 1912. von Grunelius.
Die Maurerlehrlinge des Kreises Hersseld, welche ihre ©efenenprüfung' machen müssen, werden aufgesordcrt, sich bis zum 26. März d. Js. bei dem Unterzeichneten zu melden und nachstehende Schriftstücke einzusenden:
1. Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung. 2. Einen eigenhändig geschriebenen Lebenslauf. 3. Ein Zeugnis des Lehrmeisters. 4. Ein Zeugnis der Volksschule. 5. Ein Zeugnis der Fortbildungsschule, wenn dieselben eine solche besucht haben. 6. Den Lehrvertrag.
Der PrüsungStermin wird den Betreffenden schriftlich mitgeteilt werden.
Hersseld, den 14. März 1910.
Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses: H. Schulz, Maurermst. * *
Hersseld, den 16. März 1910. Wird veröffentlicht.
I. 2745. Der Landrat.
V.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil
Politischer Wochenbericht.
Die Plenarberatungen über die preußische Wahlrechts-Vorlage im Abgeordnetenhause haben das Ergebnis der Kommissions-Verhandlungen im wesentlichen bestätigt. Die wichtigsten Aenderungen gegenüber der Regierungsvorlage bleiben nach wie vor die Wiedereinführung der indirekten Wahl und die Annahme der Heimlichkeit des Stimmverfahrens für die Wahlmänner-Wahlen. Von den Maßstäben, die neben Besitz und Einkommen für die Abmessung des Wahlrechts in Vorschlag gebracht worden sind, hat nur das Aditurientenzeugnis Gnade vor den Augen des Abgeordnetenhauses gefunden. Die Inhaber dieses Zeugnisses sollen künftig aus jeden Fall berechtigt fein, in der zweiten Klasse zu wählen. Höchst bedauerlich ist, daß die Mittelparteien, Nationalliberale und Frcikonscrvative, nicht mitgetan haben, sondern bei ihrer ablehnenden Stellung geblieben sind, obwohl ihnen mit der Erhöhung der Marimie- rungsgrenze von 5000 auf 10 000 Mk. ein nicht unwesentliches Zugeständnis gemacht worden ist. Wie sich das weitere Schicksal der Vorlage gestalten wird, ist noch ungewiß Der Ministerpräsident hat erklärt, daß die Regierung auf den Boden der Beschlüsse des Hauses treten wolle, falls diese eine große Mehrheit finden sollten. Von einer solchen kann aber zurzeit noch keine Rede sein. Ungewiß ist endlich auch das Schicks der Vorlage im Herrenhaus, wo wahrscheinlich an ihr sachllye Aenderungen vorgenommen werden dürsten In welcher Richtung sich diese Aenderungen bewegen dürften darüber lassen sich im Augenblicke höchstens Vermutungen an- stellen, an denen wir uns ohne Not nicht beteiligen möchten
In unserm verbündeten Nachbarrciche Oesterreich- Ungarn ist nach langem, unsäglich schwerem Leiden der Wiener Oberbürgermeister Dr. Karl Lueger dahinqe- fchicden. Lueger gehört zweifelsohne zu den hervorragendsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Donaureiches. Er war gleich groß als Volksredner, Organisator, Kommunal- und Sozialpolitiker, Parlamentarier und Staatsmann. Fast Ueber- menschliches hat er geleistet, indem es ihm gelang, Wien aus
^ liberalen Phrase zu befreien und den For- s?rüisrmg, der das Rathaus der österreichischen Reichshaupt- von dort aus ganz Niedcrösterreich umklammert .» «»^ sprengen. Als kommunales Oberhaupt Wiens hat Sozialreformer größten Stils betätigt. Die Kommunalisierung der für das Gemeinwohl un- 11 Gewerbebetriebe, wie Gas und Elektrizität, und A^Mig eines umfassenden Wald- und Wicsengürtels L„lc , encr Bevölkerung sind unsterbliche Verdienste Luegers.
i eben her ging seine weitausgreifende und erfolgreiche Tätiq- tMft E'kannter Führer der christlich-sozialen Partei, der £t und mächtigsten Partei Oesterreichs, in Staat und £ “ eine Note klang in seinem Wesen nicht das nJr /^^ "nd entschieden, wie wir es gern gesehen hätten: er deutschnationale. Aber auch diesen Mangel hat Jabren ^ “^ £ ^lf'tigen gewußt, und in den letzten
durste man ihn mit Recht zu den wärmsten Anhän
gern einer nationaldeutschen Gemeinbürgschaft zählen, dessen klugen und entschiedenem Austreten ihr Fortbestand mehr als einmal zu danken gewesen ist. So legen wir denn dankbaren Herzens auf seinem Grabe einen Ehrenkranz pietätvollen Gedenkens nieder. Ruhm und Ehre seinem Andenken!
In Frankreich steht gegenwärtig die Affäre D u e z im Vordergründe des Interesses. Duez hatte die Liquidierung des Verkaufes der eingezogenen Immobilien der Kirchen und Klöster zu besorgen und hat dabei, wie sich jetzt herausstellt, 10 Millionen unterschlagen und verausgabt. Man hat bei ihm eine Liste von 150 Namen gefunden, bei denen die Beträge verzeichnet waren, durch die er ihr Schweigen erkauft hat. Diese Namen sind aber fingiert, und Duez erklärt frech, er werde die wirklichen Namen nicht nennen. Offenbar rechnet er daraus, daß die große Zahl der Mitschuldigen ihm als Schild dienen werde. Er dürste sich hierin aber wohl täuschen, da die Untersuchung dank der Entschiedenheit des Ministerpräsidenten Briand mit großer Energie betrieben wird. Ein Teil der französischen Presse ergeht sich anläßlich dieser Affäre in bitteren Betrachtungen über den Niedergang des sittlichen Niveaus der vierten Republik und zieht Vergleiche zwischen den Regierungsformen des demokratischen Parlamentarismus und einer starken konstitutionellen Monarchie, die durchaus zugunsten der letzteren ausfallen. Wir empfehlen den offenen und heimlichen Verehrern der Republik bei uns zu Lande diese Darlegungen zu angelegentlicher Beachtung.
In der Mannesman».Angelegenheit hat sich unser Auswärtiges Amt nicht zu einer Haltung bewegen lassen können, die mit den unter seiner Mitwirkung und zum Teil aus seine Anregung abgeschlossenen internationalen Abmachungen hätte in Widerspruch geraten müst. r. Zu hoffen ist, daß die Angelegenheit in Zukunft von allen Beteiligten vor der Oeffentlichkeit ohne Leidenschaftlichkeit erörtert werden wird. Das würde der sachlichen Förderung der in Frage stehenden Interessen nur zugute kommen.
Reichstag.
Der Reichstag ist am Donnerstag in die Osterserien gegangen, nachdem er vorher den Reichshaushaltsetat für 1910 definitiv erledigt hatte. Am Mittwoch war in ausgedehnter Sitzung zunächst die zweite Lesung des Etats zu Ende geführt worden, wobei die fortgesetzte Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes den größten Teil der Sitzung beanspruchte. In dieser Debatte verbreitete sich der Reichskanzler v. Beth- mann Hollweg in längerer Rede über die bekannte Angelegenheit der Gebrüder Mannesmann. Er betonte hieran, daß die marokkanischen Minenkonzessionen der Gebrüder Mannesman» keine Lebensfrage für Deutschland bildeten. Deutschland müsse an den Beschlüssen des diplomatischen Korps von Tanger vom 20. August 1908 sesthalten. Energisch wies der Reichskanzler die auf das Auswärtige Amt in dieser Angelegenheit von den verschiedensten Seiten gerichteten Angriffe zurück, verteidigte die auswärtige Politik Deutschlands überhaupt und schloß mit einem Appell an den Reichstag zur Einigkeit in allen die Weltstellung Deutschlands betreffenden Fragen. Nochmals ergriff bald darauf der Kanzler das Wort, um Angriffe des Abgeordneten Liebermann v. Sonnen- berg aus den Staatssekretär des Auswärtigen, v. Schoen, entrüstet zurückzuweisen. Herr v. Echoen verteidigte sich dann selber gegenüber den Ausfällen des genannten Abgeordneten und gab' im übrigen zu, daß eine gewisse Reform des Auswärtigen Amtes nötig sei. Schließlich wurde der Etat deS Auswärtigen Amtes genehmigt, in beschleunigtem Tempo wurden hieraus die übrigen noch restierenden Spezialetats durch- beraten und genehmigt. Am Donnerstag erledigte der Reichstag der Reichshaushaltsetat in dritter Lesung.
Abgeordnetenhaus.
Noch vor dem Reichstage hat das preußische Abgeordnetenhaus seine Osterserien angetreten, am Mittwoch. In dieser letzten Sitzung vor Ostern beriet das Haus die Wahl- reform-Vorlage in dritter Lesung, die durchweg die Beschlüsse zweiter Lesung in der Fassung deS Kompromisses zwischen der Rechten und dem Zentrum bestätigte. In der vorliegenden Gestalt wurde dann das Wahlresormgesetz im ganzen in namentlicher Abstimmung mit 238 gegen 108 Stimmen angenommen, wobei die Freikonservativen, bis auf zwei, die Nationalliberalen, die Fortschrittler, die Polen und die Sozialdemokraten, sowie 6 dissentierende Deutschkonservative die Minderheit bildeten. In der vorangegangenen Debatte Hftte der Ministeipräfident v. Bcthmann Hollweg erklärt, falls das neue Wahlgesetz in der jetzigen Fassung eine erhebliche Mehrheit finden würde, so würde die Regierung die Mehr- Heitsbeschlüsse ancrkcnnen. Man darf wohl annehmen, daß die Regierung die für das Gesetz abgegebenen 238 Stimmen als eine »erhebliche" Mehrheit betrachten und darum den Abänderungsbeschlüssen der Mehrheit zustimmen wird. Das neue preußische LandtagSwahlgesetz behält also, waS seine Kernpunkte anbelangt, die indirekte Wahl, daS Wahlmännersystem bei, bestimmt die geheime Wahl der Wahlmänner, aber die öffentliche Wahl der Abgeordneten selbst. Die bis-
he.ige Dreiklasseneinteilung wird ebenfalls beibehalten. Wähler, welche auf Grund ihrer Steuerleistung in die dritte Wählerklasse gehören würden, wählen trotzdem in der zweiten Ab- teilung, wenn sie die Abituricntenprüsung bestanden haben.
Kenfitmatien.
Wieder ist die Zeit gekommen, da Hunderte von Knaben und Mädchen an den Altar treten, und sich mit feierlichem Gelübde zum Glauben der evangelischen Christenheit bekennen. Eltern, Paten, Angehörige nehmen besondern Anteil. Wie könnte das auch anders sein! Ist eS doch ein wichtiger Markstein im Leben dieser jungen Menschenkinder. Sie gelten von jetzt ab in einem gewissen Sinne als Erwachsene, daS heißt, allmählich müssen sie es nun merken, welche Pflichten und Ausgaben an einen Menschen herantreten, der ein nütz- lichcs Glied der Gesellschaft sein und bleiben will. Ja, noch mehr: der Konfirmationstag mit seinem freudigen Glaubensbekenntnis soll eine lebendige Mahnung sein, die Ersüllung aller Lebensaufgaben im christlich-evangelischen Sinne anzu- streben. Kein bloßes Wort- und Mundchristentum, auch keine bloße Sonntags- und Taufscheinreligion kann da genügen; die ganze Persönlichkeit muß es sein mit einem ganzen Christentum im ganzen Leben. Darauf kommt es an.
Wenn man sie aber so sieht, diese sreudestrahlenden Kindergesichter — wird ihnen der KonfirmationStag auch immer wie ein leuchtender Wegweiser vor der Seele schweben? Ach leider vergessen unzählige nur allzu rasch, waS sie in solcher Stunde freudigen Herzens bekannt und gelobt haben; denn eS ist traurig, aber wahr: die Jugend stellt einen erschreckend hohen PrLM.sa^ zur Verbrecherstatistik, und die Klagen über Verrohung, Widersetzlichkeit und Großmäu^gkeit wollen nicht aufhören. Umso selbstverständlicher ist eS, daß gerade die Neukonfirmierten vor allem Unreinen und Un- christlichen sorgsam zu bewahren sind. Meister und Lehrherren werden erst dann ihrer Pflicht voll genügen, wenn sie sich auch um daS sittliche Wohl und Wehe der ihnen Anvertrauten gründlich kümmern.
Am Konfirmationstage, wie gehen da die Gedanken von Vater und Mutter in längst entschwundene Zeiten zurück! Und so rasch scheint alles vergangen zu sein! Die ersten Kind- heitSspiele, die vielen Schuljahre, die kranken und die frohen gesunden Tage, so manches und so viele an Erinnerungen steigt wie von selber auf. Vorbei, vorbei! Was wird nun die Zukunft bringen? Die innigsten SegenSwünfche eilen ihr voraus. »Die Hoffnungen guter Menschen find Prophe- zeiungen," sagt Börne. Wer aber kann es bester meinen als die Eltern! Und wo die nicht mehr sind, oder wo ein Kind trotz Vater und Mutter noch nie den Segen eines christlichen Hauses gespürt hätte, nun da soll eS erst recht trösten und vorwärts geleiten das schöne und schlichte Bekenntnis: An Gottes Segen ist alles gelegen. Leider muß es ja gesagt sein, daß im Hause oft viel verdorben wird, nicht selten auS Leichtsinn oder infolge einer kirchlichen Gleichgültigkeit, die von den Kindern natürlich gar bald als solche erkannt wird. Wie leicht fällt hier und da ein unbedachtes Wort der Kritik gegenüber dem kirchlichen Wesen, daS für die Konfirmanden- ohren keineswegs taugt. Nun denn, so möge der Konfirmationstag für alle, die es angeht, nicht bloß eine rührende Stimmung, sondern vor allem eine religiös-sittliche Ver- Pflichtung bedeuten! Den Konfirmanden aber möge jetzt und in ihrem ganzen ferneren Leben die schöne Mahnung des Dichters Gerok vor Augen stehen:
Seid eingedenkt, wenn die Versuchung naht Und Welt und Sünde lockt,
Wenn ungewiß auf blumenreichem Pfad Der Fuß des PilgerS stockt!
Dann denkt, was ihr so fest gelobet, Dann sorgt, daß ihr die Treu' erprobet,
Seid eingedenkt!
Auf dem Wege zur Autonomie der Reichslande.
Obgleich in Frankreich die große Sensation der Millionen- Unterschlagungen bei Verwaltung der eingezogenen Kirchengüter daS öffentliche Interesse beherrscht, hat doch die Sitzung des deutschen Reichstags vom 14. März starken Eindruck in Paris gemacht. Die Blätter brachten fpaltenlange Berichte über den Verlauf der Sitzung im deutschen Reichstage, in der daS Thema Elsaß-Lothringen zur Beratung stand. So geschickt auch die französische Presse darin ist, bei Erörterung der Verhältnisse des deutschen ReichSlandeS ihre wahre Gesinnung zwischen den Zeilen zu verbergen, so tritt doch unverkennbar aus ihren Kommentaren die Enttäuschung darüber hervor, daß einerseits sämtliche elsaß-lothringischen Abgeordneten, die am 14. März das Wort ergriffen, sich unzweideutig für die unabänderliche Zugehörigkeit Elsaß-Lothringens zum Reiche erklärten, und daß anderseits der Reichskanzler v. Bcthmann Hollweg einen Gesetzentwurf in Aussicht stellte, der dem ReichSlande eine größere Selbständigkeit verleihen soll.
Der Grund zu dieser Enttäuschung liegt darin, daß dir