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Hersfel-eNtteiMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Kernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 35.

Dienstag, den 22. März

1910.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 15. März 1910.

Am 9. April d. Js., Vormittags von 10 Uhr ab, findet im Sitzungszimmer des landrätlichen Dienstge­bäudes eine Kreistagssttzung mit nachfolgender Tages­ordnung statt:

1. Prüfung der Verhandlungen über die Wiederwahl des Amtsrats Freise in Bingartes als Kreistags­abgeordneter hinsichtlich der Gültigkeit dieser Wahl (§ 71 der Kreisordnung und § 2 der Geschäfts­ordnung).

2. Genehmigung einer Gehaltsordnung für die Kreis­beamten.

3. Feststellung des Kreishaushalts-Etats für das Rechnungsjahr 1910 (§ 84 der K. O.).

4. Beauftragung einer Kommission aus den Mitgliedern des Kreistages mit Prüfung der demnächst zur Vorlage kommenden Kreiskommunalkassenrechnung für das Rechnungsjahr 1909 (§ 87 der Kreisord­nung).

5. Bewilligung eines Kostenbeitrages für die Gemeinde Niederaula zur hochwassersreien Herstellung des Verbindungsweges NiederaulaMengshausen.

6. Wahl zweier Kreisausschußmitglieder an Stelle der am 1. Juli d. Js. ausscheidenden Herren Fabrikant F. Rechberg hier und A. Reinhard in Landershausen, für die Zeit bis zum 1. Juli 1916 (§ 91 der Kreisordnung).

7. Wahl eines weiteren Kreisausschußmitgliedes an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters a. D. Ruhn in Asbach für die Zeit bis zum 1. Juli 1912.

8. Wahl zweier Kreisdeputierten an Stelle der am 1. Juli 1910 ausscheidenden Herren F. Rechberg hier und A. Reinhard in Landershausen, für die Zeit bis zum 1. Juli 1916 (§ 25 der Kreisordnung).

9. Neuwahl der Mitglieder zum Kommunallandtage für einen weiteren sechsjährigen Zeitraum (§ 11 u. 16 der Provinzialordnung).

10. Neuwahl der Mitglieder für die Landwirtschafts­kammer für einen weiteren sechsjährigen Zeitraum (§ 5 der Satzungen der Landwirtschastskammer für den Regierungsbezirk Cassel bezw. § 6 u. 8 des Ges. vom 30. 6. 1894 Ges. S. S. 126).

11. Neuwahl der Taxatoren und Stellvertreter zum An­kauf der Pferde im Mobilmachungsfalle für die Zeit bis zum 1. 4. 1916 (§ 15 des Pferde-Aus- hebungs-Reglements vom 3. Februar 1900).

12. Wahl eines Mitgliedes der Kommission zur Unter- verterlung der Landlieserungen im Mobilmachungs- tQüe an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters a. D. Ruhn in Asbach für die Jahre 1910, 1911

Die Menschenfalle.

Von Guy Thornc.

(Fortsetzung.)

Gilbert erschrack heftig. Er glaubte, sein Vater spräche im Fieber, denn die Stimme klang tonlos und matt.

Nicht doch, lieber Vater", sagte er,du bist heute nervös aufgeregt. Komm, hier ist deine Suppe, sie und geh' zu Bett, und wenn du ausgeschlasen hast, wollen wir weiter darüber sprechen.

Gilbert saß einsam bei seinem Frühstück in dem herrlich getäfelten Speiftsaal, allein der Appetit zum Essen fehlte.

Seine Unruhe nahm zu, als er die wunderbaren Ereig- jussc des Tages durchdachte. Was konnte der Vater meinen? Welches Gewicht durste er seinen Worten beilegen? Waren es Wahnvorstellungen eines Kranken, oder verbarg sich wirklich em büfteieS Geheimnis dahinter?

Ich hoffe, Sie sühlen sich nicht auch unwohl, Mr. Gil- vert tz sagte der alte Diener vertraulich.DaS fehlte noch, daß Die auch krank würden. Der Herr hat sich überarbeitet und 'ch wollte. Sie sägten ihm das)-

k 'Ä wir fehlt nichts, Parker", antwortete der junge Mann Mündlich.Ich bin natürlich Sir Williams wegen etwas in ®orge, und Sie wissen, wenn ich in der Fabrik bin, srühstückc Ä n.,c* ^ch habe keinen Hunger und will lieber einen ^"^rgang auf dem Moor machen, während Sir William

Gilbert nahm einen Stock zur Hand und verließ das Haus, e L-onne stand jetzt mehr im Westen, und ein leichter breitet""^ 0011 Schwermut hatte sich auf dem Moor ausgc-

lwM Mann schritt über die dürre, knisternde Heide, hnhn ""gesprengte Glasflächen, auf denen die langen GraS- .fcine h°he" Reitstiefel schlugen und die wilden Die n h!"^' "' "l'ger Flucht das Weite suchten. Über . m s£ U^".^"ß eingestellt; es lag tiefer Friede Moor der Friede der Abendruhe, wenn alles

u. 1912 (§ 33 des Reichsgesetzes v. 13. Juni 1873).

13. Wahl eines Mitgliedes der Kreisvermittlungsbe­hörde an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters a. D. Nutzn in Asbach.

14. Wahl eines Schiedsmannsstellvertreters für den Schiedsmannsbezirk Sorga-Oberrode (§ 3 Abs. 2 u. § 11 der Schiedsmannsordnung).

15. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Aus- schuß bei den Amtsgerichten des Kreises zur Mit­wirkung bei der in 1910 stattsindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1910 (§ 40 des Gerichtsversaff. Ges. vom 27. 1. 1877, R. G. Bl. S. 49 u. § 35 des Ausf. Ges. vom 24. 4. 1878 G. S. S. 237).

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. 2001. von Grunelius.

Hersfeld, den 17. März 1910.

Nach Maßgabe der Bestimmungen in der Ausjührungs- Anweisung für die Ordnung für die Erhebung einer Hunde­steuer im Kreise Hersfeld vom 5. Februar 1909 A. 747 im Extrablatt Nr. 16 des Kreisblattes vom Jahre 1909 sind anfangs April d. Js. die in den Stadt- und Landge- gemeinden sowie in den Gutsbezirken des hiesigen Kreises vorhandenen Hunde auszunehmen, die für das Rechnungsjahr 1/4. 1910/11 der Kreisbesteuerung unterliegen.

Bei dieser Aufnahme hat das in meiner Verfügung vom 20. November 1909 J. Nr. A. 7872, im Kreisblatt Nr. 141, vorgeschriebene veränderte Formular (Muster A), daS in der L. Funk's Buchdruckern hie. vorrätig gehalten wird, Ver­wendung zu finden.

Alle Spalten dieses Formulars sind vollständig auszu- süllen.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises, mit der Veranlagung der am 1. April 1910 vorhandenen Hunde zeitig vorzugehen und sie so zu be­schleunigen, daß die Kreishundesteuerhebelisten spätestens am 1. Mai d. Js. in meine Hände gelangen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

I. A. 2088. von Grunelius.

Bekanntmachung, betreffend die baldige Geltendmachung aller dem Etatsjahre 1909 angehörigen Forderungen an die Staatskasse sowie die Förderung der Finalabschlußarbeiten überhaupt.

Zur Erhaltung einer geordneten Kassenverwaltung ist eS erforderlich, daß die den fiskalischen Kassen obliegenden Zahlungen möglichst in demselben Etatsjahre erfolgen und zur Verrechnung gelangen, für welches sie zu leisten sind.

Es werden daher alle diejenigen, welche etwa noch für das jetzt ablausende Etatsjahr vom 1. April 1909 bis Ende März 1910 seststchende Beträge an Gehalt, Pensionen oder

Getier sich verkrochen hat und daS Herannahen der Nacht er­mattet.

Gilbert war als Geschäftsmann daran gewöhnt, scharf und logisch zu denken, sorgsältig den Wert und Zeitpunkt jeder Chance abzuwägen, und so machte er sich auch heute daran, trotz seiner inneren Unruhe und Niedergeschlagenheit, die Er­eignisse des TageS zu durchdenken.

Was bedeutete das alles?

Als er sich der Worte erinnerte, die er soeben von seinem Vater vernommen hatte, gewann die Ueberzeugung immer mehr Oberhand in ihm, daß irgend ein Unglück sich vorbe- reitete, um das ruhige Leben von Abnash Crojt zu stören. Da sah er im Geiste plötzlich, als wäre es vor ihm hingezeichnet, das breite, verschlossene Gesicht deS Amerikaners, der heute morgen der Fabrik einen Besuch abgestattet hatte. Seine Gedanken waren so sehr mit Miß Wilshire beschäftigt ge­wesen, daß er ihrem Vater nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte.

Aber jetzt, als er in Gedanken die Züge deS Amerikaners einer Kritik unterzog, erinnerte er sich wohl des bösen, übel­wollenden Ausdrucks in dem harten Gesicht, bei dessen Anblick sein Vater schnell und lautlos zu Boden gefallen war, wie jemand, den eine tödliche Kugel getroffen hat.

Ja, das war es. Dieser Mann, wer oder was er auch sein mochte, war gekommen, das Unglück in seines Vaters Leben zu tragen.

Gilbert beschloß, der Sache aus den Grund zu gehen. Sir William sollte ihm die ganze Wahrheit der traurigen Geschichte erzählen, auf die er angespielt hatte. Er sollte ihm die Möglich­keit geben, den Mann, welchen er vor allen andern in der Welt liebte und verehrte, zu verteidigen.

Ich bin ihm bisher nicht genug mit Trost und Hilfe zur Seite gewesen", spann er seine Gedanken weiter,wenn meine teure Mutter noch lebte, so würde sie seine Sorgen teilen und ihn beruhigen, wie kein Mann, auch nicht der eigene Sohn es tun kann."

Und wie er über das Moor dahinschritt, wurde ihm das Herz immer schwerer. Er dachte daran, daß vor kurzer Zeit die holde Gestalt seiner Mutter noch bei ihnen geweilt und sie

sonstigen Bezügen zu empfangen haben, ersucht, solche un gesäumt bei den betreffenden Kassen zu erheben. Alle anderen dem Etatsjahre 1909 angehörigen Forderungen an die der Königlichen Regierung unterstellten Kassen für Leistungen rc. ersuche ich soweit irgend möglich und sofern nicht in ein­zelnen Geschäftszweigen durch besondere Bestimmungen srühere Termine festgesetzt sind spätestens bis zum 15. April d. J. hier zur Vorlage zu bringen.

Insbesondere werden die der diesseitigen Verwaltung unterstellten Beamten (Landräte, Bau- und Forstbeamten, Kreisärzte, Kreistierärzte, Bürgermeister rc.) und Kassen daran erinnert, die von ihnen für ihre eigene Person und für andere auszustellenden oder zu bescheinigenden und weiterzugebenden derartigen Forderungsnachweise unter allen Umständen zu be­schleunigen.

Weiter ersuche ich die vorbezeichneten Stellen, auch sonst die in Frage stehenden Abschlußarbeiten dergestalt sördern zu helsen und in jeder Weise dabei mitzuwirken, daß für das ablausende Rechnungsjahr keine anrechnungssähigen Posten zurückbleiben, mithin sHe dessallsigen Einnahmen und Aus­gaben in den Büchern und Rechnungen des beregten Zeit­raumes zum Nachweise gelangen und Einnahme- und Aus­gabereste tunlichst vei mieden werden.

Ich darf erwarten, daß der bezeichnete Termin 15. April d. Js. nur in seltenen, wirklich unvermeidlichen Aus- nahmesällen überschritten werden wird. (K. 269.)

Cassel, den 5. März 1910.

Der Rcgierungs-Präsident.

I. V.: Rieß von Scheurnschloß.

HerSfeld, den 17. März 1910

Die unterm 10. Februar d. Js. I. Nr. 1311 Kreis- blatt Nr. 20veröffentlichten Bedingungen über die Benutzung der Beschäler des Hessen-Nassauischen Landgestüts haben eine Aenderung erfahren.

Die 4 ersten Sätze des § 10 erhalten folgende Fassung:

An Deckgeld sind vor der ersten Deckung öVs Mk. zu er­legen. Kaltbluthengste dürfen alle Arten Stuten außer Warm- blut-Stutbuchstuten decken.

Stuten, die vom Kaltbluthengst und einer Warmblutstute abstammen, dürfen weiter nur mit Kaltbluthengsten gedeckt werden.

Warmbluthengste sollen aber keine Kaltblutstuten decken.

Soll eine Warmblutstutbuchstute von einem Kaltbluthcngste gedeckt werden, so wird sie aus dem Stutbuch gestrichen.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises werden angewiesen, die Züchter auf vorstehende Abänderung der erwähnten Be­stimmungen hinzuweisen.

I. 2770. Der Landrat

von GruneliuS.

Bekanntmachung.

Die Zustellung der Kriegsbeorderungen und Paßnotizen

mit Liebe umgeben hatte, und wie nun das große Haus durch ihr Scheiden so einsam und leer geworden war. Wie lange war es her? Vor kaum achtzehn Monaten hatte sich der lange Zug über das Moor nach der alten Kirche aus dem Hügel in Moorchestn zu bewegt.

In diese traurigen Erinnerungen versunken und niederge­drückt durch trübe Vorahnungen, verfolgte er seinen Weg, als er plötzlich durch das Geräusch von Pferdehufen auS seinen Träumereien ausgeschreckt wurde. Er drehte sich um und sah hundert Schritt entfernt eine Dame zu Pserde. In der nächsten Minute hatte die Reiterin ihn eingeholt und als sie an ihm Vorbeigaloppierte, erkannte er Miß Wilshire, die auf dem Moor einen einsamen Spazierritt machte. Sie trug einen kleidsamen Reitanzug und einen kleinen Filzhut. Ihr Antlitz glühte von der Erregung des Reitens, und die tiefen Amelystaugen leuchteten vor Vergnügen. Ein Teil ihres roten Haares jenes Haares, wie es Tizian zu malen liebte hatte sich gelöst und wehte ihr um das Gesicht.

Sie erkannte Gilbert sofort, als er den Hut zog und zwang ihr Pserd in eine ruhigere Gangart. Dann wendete sie und kam langsam zurück.

Guten Abend, Mr. Atherton!" rief sie atemlos.Wie drollig, daß ich Ihnen so bald wieder begegnen muß, und noch dazu auf diesem wilden Moor. Wie geht es dem armen Sir William? Fühlt er sich besser?"

Gilberts Herz schlug heftig. Die Ueberrajchung und der Schreck, die Tochter gerade desjenigen Mannes vor sich zu sehen, mit dem seine Gedanken sich eben noch so eingehend bc- schäftiqt hatten, raubten ihm einen Augenblick die Sprache. Und noch etwas anderes, das er nicht zu definieren vermochte, gewann Macht über ihn, bis er zu dem strahlenden Antlitz des Mädchens hinaufsah.

Der Arzt meint, daß es nur eine Ohnmacht gewesen ist. Miß Wilshire", sagte er.Ich bin sehr glücklich, Ihnen sagen zu können, daß nichts Ernsteres vorliegt."

Nun, das freut mich wirklich zu hören", antwortete das Mädchen mit sonnigem Lächeln.Der arme Sir William! Es tat mir so furchtbar leid, als ich ihn plötzlich Umfallen sah. Und Papa auch. Er schien ganz melancholisch, und beim