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Herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernfprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 40.
Dienstag, den 5. April
1910.
Stellungen
auf das
Bersfelder Kreisblatt
werden für das
2. Quartal 1910 von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Ctil.
Berlin, den 5. März 1910.
Es ist neuerdings wiederholt darüber Klage geführt worden, daß Gemeindevorstände, besonders in den Landgemeinden, in der Erledigung der an sie gerichteten Ersuchen um Bekanntmachung von Eheausgeboten häufig säumig sind und die Aufgebote nicht sofort nach Ablauf der Aushangsfrist an die betreffenden Standesämter zurücksenden.
Mit Rücksicht aus die sehr unliebsamen Folgen, welche aus derartigen Verzögerungen entstehen können, ersuche ich Euere Hochwohlgeboren rc., den Vorständen der Gemeindebehörden Ihres Bezirks zur Pflicht zu machen, die ihnen zur Veröffentlichung zugehenden Ausgebote alsbald nach ihrem Eingang auszuhängen und nach Ablauf der Aushangssrist unverzüglich an die ersuchenden Standesbeamten zurückgelangen zu lassen, die Standesbeamten aber anzuweisen, Verzögerungen in Rücksendung der Aufgebote, namentlich wenn den Beteiligten dadurch Nachteile entstehen, zur Kenntnis der Aussichtsbehörde des betreffenden Gemeindevorstandes zu bringen, um der Wiederholung gleicher Vorkommnisse vorzu» beugen. (I. a. 205h
Der Minister des Innern.
I. A.: gez. von K i tz i n g.
An die sämtlichen Regierungs-Präsidenten. An den Herrn Regierungs-Präsidenten zu Casfel.
* *
Cassel, den 15. März 1910.
Abschrift zur Kenntnisnahme und mit dem Ersuchen, die Gemeindebehörden und die Standesbeamten in den Landgemeinden Ihres Kreises mit entsprechender Anweisung zu versehen. (A. IV. 1159.)
Der Regierungs-Präsident. J. V.: (Unterschrift.)
An die Herren Landräte der Bezirks.
Die menschenfalle.
Von Guy Thorne.
(Fortsetzung.)
Der Spanier stieß eine dicke Wolke blauen Rauches zwischen feinen schmutzfarbenen Lippen hervor.
„O, welch ein Egoist Sie sind!" rief er. „Die eine alles verschlingende Leidenschaft hat Sie für die Wünsche anderer blind gemacht. Ist Ihnen niemals der Gedanke gekommen, daß ich einen bestimmten Zweck versolge, indem ich Ihnen beistehe? Julius, Sie sind wahnsinnig."
Den Amerikaner überlief ein unbehaglicher Schauder.
„Sprechen Sie nicht in dieser Weise zu mir!" suhr er ärgerlich auf. „Worauf wollen Sie hinaus? War meinen Sie?"
„Nun, dies!" versetzte der Spanier. „Ich bin bereit, mich ganz in Ihren Dienst zu stellen — mit Seele und Leib. Ist Ihnen meine Hilse etwas wert?"
„Sie ist unschätzbar für mich!" antwortete Wilshire, sich vorneigend, mit sprühenden Augen. „Ich kann in dieser Sache nicht ohne Sie sertig werden, Ramon! Sie wissen, wie sehr ich barin von Ihrer List und Geschicklichkeit ab. Hänge."
"^ut!" antwortete de Toros. „Dann ist der Weg klar. ^rde Ihnen, wie ich schon vorhin sagte, in jeder Weise
^'"; ich werde jede Gesahr und jedes Risiko mit dhnen teilen, aber ich fordere eine Belohnung — einen Preis."
SBilfhite stieß ein kaltes, verächtliche- Lachen aus.
„Ah, ich verstehe", antwortet» er. „Nun, fordern Sie, ich wußte nichts, was ich Ihnen nicht geben würde. Sie find zwar e . Y "ich wie ich, Ramon, wir erwarben unser Geld ja ge- mich keine Roll"" ^ solchen Angelegenheit spielt Geld für , .f{"W’!" machte der Spanier. „Was ist Geld! Sie ,>Jh,ä ^bc niemals viel danach gefragt. Es gibt noch etwas Schter'!^ E geben müssen, und das ist — Ihre
HerSfeld, den 30. März 1910.
Vorstehender bringe ich zur Kenntnis der Gemeindevorstände und der Standesbeamten des Kreises.
Die Bekanntmachung der Eheaufgebote ist mit größter Beschleunigung vorzunehmen. Ueber Verzögerungen in der Rücksendung von Aufgeboten ist mir seitens der Herren Standesbeamten zu berichten.
A. 2354. Der Landrat von Grunelius.
Hersfeld, den 31. März 1910.
Ein Bulle:
1. des Landwirts I. Bornemann in Reimboldshausen, 15 Monate alt, Falbschäck mit weißem Kopfe, Simmentaler,
2. der Gemeinde Kruspis, 16 Monate alt, Falbschäck, mit weißem Köpfe und gelben Flecken Simmentaler, sind von der Körung-kommission besichtigt und zu Zuchtzwecken für tauglich besunden worden.
A. 2364. Der Landrat von Grunelius.
Hersseld, den 1. April 1910.
Im Monat März d. I s. find diesseits den nachbenannten
Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 3./3. dem Hauptmann a. D. Otto Bötticher in Philippsthal,
„ 29./3. „ Tuchfabrikant^ Hermann Braun in HerSfeld
„ „ , Kaufmann Georg Möller daselbst,
b. unentgeltliche: Keine I
B. Tagesjagdscheine:
Keine!
Der Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil.
Glücklich« Frühlingstag«.
Eine Erinnerung an Preußens Erhebung im Frühjahr 1813.
Alt die Trümmer des französischen Heeres im Winter 1812 von den Schneefeldern Rußlands her über die preußische Grenze zurückfluteten und der heldenmütige General von Aork, der Besehlrhaber de- den Franzosen vom Könige Friedrich Wilhelm III. gezwungenermaßen gestellten Hilstkorps, mit dem russischen General von Diebitsch einen NeutralitätSvertrag ab- schloß, ging ein Jubelruf durch unser Vaterland. Ucberall
Oberst Harrop, der Bürgermeister von Moorchester, gab jedes Jahr zwei große Gartenseste. DaS erste wurde für Freunde seine- Hauses und die Magnaten des Distriktes veranstaltet, das zweite, um die große Masse der Bürger von Moorchester zu amüsieren, die als Gemeindemitglieder zwar bedeutend waren, gesellschaftlich indessen keinen Anspruch erheben konnten, zur Aristokratie der Stadt gerechnet zu werden.
Es war an einem Nachmittag im Hochsommer, als Oberst Harrop und seine Tochter den Park von Moor Lodge betraten, um die letzten Vorbereitungen zu dem ersten Gartenfest diese» Jahres zu überwachen.
Die Sonne bestrahlte mit beinahe tropischer Glut die weiten, saftigen Glasflächen, die schattigen Bäume und die Blumenbeete, die in ihrer Farbenpracht gemalten Glassenstern glichen, durch welche die Abendsonne scheint.
Oberst Harrop war ein reicher Mann. Sein Vater hatte als einer der Pioniere im industriellen Leben Moorchester« ein namhaftes Vermögen erworben, und sein Sohn, der sehr jung in die Armee eingetreten war, nahm schon mit vierzig Jahren seinen Abschied.
Er kehrte, auS dem Heer mit dem Range eines Obersten entlassen, in feine Vaterstadt zurück. Moorchester hatte ihn zu dem gemacht, was er war, und wenn sein Vater auch als kleiner Kausmann angefangen hatte, so war er doch als reicher Mann und Bürgermeister der lebhaften kleinen Handelsstadt gestorben. Deshalb suchte der Oberst als Privatmann seine GeburtSstadt wieder aus, bezeigte für alle lokalen Angelegenheiten ein tatkräftiges Interesse und wurde dreimal nacheinander zum Bürgermeister der OrteS erwählt.
Der schmucke grauhaarige Mann schritt Arm in Arin mit seiner hübschen blonden Tochter durch den herrlichen Garten. DaS junge Mädchen trug ein elfenbeinfarbenes Crepe-de-Chinc- Rleib mit mattblauem Gürtel, und ein schmales Band von gleicher Farbe schwang sich um den weißen Panamahut. Sie sah srisch, lieblich und einfach aus. Eine Erscheinung ohne besonderen Charakter, aber anmutig wie eine Blume ihres Garten».
Diener eilten geschäftig hin und her und Männer in
begrüßte man IorckS Tat als den ersten Schritt zur Erhebung Preußens und zur Besreiung von dem verhaßten Joche der Fremdherrschaft, die seit sechs Jahren aus dem Lande lastete, seine Kräfte aussog und schier unerträglich zu werden drohte. Man fühlte, daß der friedliebende König nun nicht mehr zögern könne, sondern daß er dem ersten kühnen Schritt seines getreuen Dieners den zweiten und die weiteren folgen lassen würde, um im Bunde mit Rußland den Kamps gegen den übermütigen Unterdrücker auszunehmen.
In der Tat war der König entschlossen zum entscheidenden Waffengange mit Frankreich, nur wollte er ihn erst nach gründlicher Vorbereitung und Rüstung beginnen, da er erkannte, daß ein solcher Krieg bei einem vorzeitigen LoSbruch den völligen Untergärig deS Staates zur Folge haben konnte. Um fern von den feindlichen Machthabern und frei in seinen Entschließungen zu sein, verließ der König am 22. Januar Berlin und begab sich nach Breslau. Hier ging der König, beraten von seinen Getreuen: Scharnhorst, Blücher, Gneisenau, Knese- beck, an das Werk, Preußens Rüstung zu vervollständigen, denn nur 42000 Mann durfte das Land nach Napoleons Befehl unter Waffen halten. Am 3. Februar erging der Aufruf zur Budung freiwilliger Jägerdetachement-, von denen jedes Jnfanteriebataillon und jedes Kavallerieregiment eins erhalten sollten. Diese Verordnung betraf die wohlhabenderen Stände, denn diese freiwilligen Jäger hatten sich selbst zu bekleiden, auSzurüsten und zu bewaffnen, wofür ihnen die Wahl des Truppenteils frei stand. Wenige Tage später, am 9. Februar, erschien ein königlicher Befehl, durch den für die Dauer des bevorstehenden KriegeS alle Befreiungen von der Wehrpflicht aufgehoben wurden. Noch war der Feind auS politischen Rücksichten nicht genannt, aber jeder kannte ihn und verstand den Sinn der Erlasse, die einem Frühling-sturm gleich allerorts heilige Begeisterung erzeugten. Tausende von jungen Leuten strömten zusammen, die Landstraßen waren mit freiwilligen Jägern bedeckt, die zu ihren Truppenteilen eilten, bald war kein grünes Tuch mehr zu haben, keine Büchse im Lande mehr aufzutreiben. Am 22. Februar verordnete der König das Anlegen einer Nationalkokarde, die einen jeden an die strenge Ersüllung seiner VaterlandSpflichten erinnern sollte. Bei jedem Vergehen, das von einer niedrigen Gesinnung zeugte, war von den Gerichten aus den Verlust der Kokarde zu erkennen, so daß sie nur von unbescholtenen Männern getragen wurde. Neben den zwölf Jnfanterieregimentern, aus denen die damalige preußische Armee bestand, konnten in kürzester Frist zwölf neue errichtet werden, die den Namen Referve- regimenter erhielten.
Noch immer blieben die Franzosen ungewiß, wohin diese Rüstungen sich richteten, bis der Monat März die Entscheidung brächte. Am 10. März, dem Geburtstage der verewigten Königin Luise, vollzog der König die Stiftung-urkunde de- eisernen Kreuzes, des Zeichens, welches gleichzeitig zu kühnem Heldenmut wie zu christlicher Demut aufforbert — und von Eisen mußte es sein, denn nur mit Eisen konnte die sechs
Hemdärmeln mit Gesichtern, die von Hitze und Bicrdurst erzählten, legten die letzte Hand bei der Errichtung deS Mufik- tempelS an.
Vater und Tochter gingen von Ort zu Ort, überall die Vorbereitungen mit befriedigten Blicken überschauend.
Der Haushofmeister, ein großer, stattlicher Mann mit hängenden Backen, beaufsichtigte die Arbeiten, und Oberst Harrop trat zu ihm.
„Nun, Dalton, geht es munter vorwärts?" redete er ihn an.
„Jawohl, Herr Oberst, eS geht alles vortrefflich. In einer Stunde werden wir fertig sein."
„Schön!" sagte der alte Herr und schritt mit seiner Tochter davon.
„Vergiß nicht, Lucie", wandte er sich an diese, „dich besonders um Sir William Atherton zu kümmern. Du weißt, er ist feit zehn Tagen krank und hat zeitweise sogar daS Bett hüten müssen. Ich glaubte gar nicht, daß er kommen würde, und rechne es ihm sehr hoch an, daß er mir schreiben ließ, Gilbert würde ihn herbegleiten. Daher möchte ich, daß Du besonders für ihn sorgtest. Willst Du, mein Liebling?"
„Ja, Papi, natürlich will ich!" antwortete das Mädchen. „Er ist der netteste alte Herr, der mir je begegnet ist. Aber ich glaube, Gilbert Atherton wird selbst für ihn sorgen, so gut es überhaupt möglich ist. Er ist ein furchtbar guter Sohn."
Sie wandte im Sprechen den Kops zur Seite, aber ihr Vater, der bei der Nennung von Gilberts Namen nach ihr hingeblickt hatte, sah, wie ein zartes Rot ihre runden Wangen särbte.
Oberst Harrop war ein fcharssichtiger Mann und daS soeben Gesehene erfüllte ihn mit einer plötzlichen großen Freude. Er betete seine Tochter an und war sich wohl bewußt, daß eS in der ganzen Umgegend keinen begehrenswerteren jungen Mann geben könne als Gilbert Atherton; man mochte ihn als vornehmen Charakter, als reichen Mann oder alS Schwiegersohn betrachten.
„Wieviel Personen find es denn, die wir heute zu er»