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Herzselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 43.

Dienstag, den 12. April

1910.

Amtlicher Ceil.

Um die Kenntnis der zur Errettung Ertrinkender und zur Wiederbelebung anscheinend Ertrunkener geeigneten Maßregeln in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten, läßt der deutsche Samariter-Verein in Kiel Blechtafeln mit entsprechenden An- Weisungen herstellen. An Königliche Behörden werden die Tafeln kostenlos unter der Voraussetzung abgegeben, daß mitgeteilt wird, für welche Orte oder Stellen sie bestimmt sind, und daß nur die unbedingt nötige Anzahl von Tafeln bestellt wird. An Private werden die Tafeln gegen Erstattung deS Selbstkostenpreises geliesert.

Anträge aus unentgeltliche Ueberweisung solcher Tafeln, die sich aus die Fälle eines unmittelbaren Bedürfnisses zu beschränken haben, sind an den Königlichen Polizeipräsidenten hier, die Königlichen Polizeidirektoren in Hanau und Fulda und die Landräte des Bezirks zu richten. (A. II. 1903.) Cassel, den 10. März 1910.

Der Regierungspräsident.

gez. I. V.: Rieß von Scheurnschloß.

* *

Hersseld, den 7. April 1910.

' Wird veröffentlicht.

J. I. Nr. 2816a. Der Landrat.

I. V.:

Wessel, Kreitsekretär.

Hersfeld, den 8. April 1910.

An die sämtlichen Schulvorstände deS Kreises.

Nach § 17 deS VolkSschulunterhaltungSgefetzeS vom 28. Juli 1906 erstattet der Staat den Schulverbänden mit nicht mehr als sieben Schulstellen ein Drittel desjenigen Teil­betrages der durch notwendige Bauten für Volksschulzwecke ausschließlich des Grunderwerbs entstandenen Kosten, welcher im Rechnungsjahre 500 Mk. für die Schulst eile überstiegen hat.

Die Schulverbände des Kreises werden ausgefordert, etwaige Ansprüche auf Gewährung des staatlichen BaubeitrageS für das Rechnungsjahr 1909, soweit noch nicht geschehen, u n» verzüglich bei mir geltend zu machen.

Ich betone nochmals, daß die Baukosten den Betrag von 500 Mk. übersteigen müssen; bei geringeren Baukosten wird ein staatlicher Baubeitrag nicht gewährt.

I. 3306. Der Landrat

von GruneliuS.

HerSfeld, den 6. April 1910.

Herr Ober-Präsident in Kassel hat dem Prämien- markt-Komitee hier zu der gelegentlich deS Pferde-, Rindvieh- und Krammarktes am 20. Juli d. Js. hier beabsichtigten Verlosung von Pferden, Rindvieh, Geflügelstämmen, Fahr- und Reitutensilien, landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten

Die Menschenfaile.

Von Guy Thorne.

(Fortsetzung.)

Ein sehr hervorragender Gelehrter sogar", versetzte der Amerikaner,obgleich sein Name der Oeffentlichkeit nicht be- konnt ist. Sennor Ramon de Toror ist ein enorm reicher Mann. Er stammt auS Argentinien und hat ungeheuren Grund- besitz in Buenes Aires. Trotzdem hat eS ihn nie befriedigt, nur seinem Vergnügen zu leben. Er hat sich der Wissenschaft mit Leib und Seele ergeben und ist seit etwa zwei Jahren in gc- wiffem Sinne ein Mitarbeiter von mir, daS heißt, ich fand einen Beistand unschätzbar, seine Intelligenz hervorragend und seine Kenntnis der weniger erforschten Erscheinungen der elek­trischen Wellen unübertroffen. Er ist ein ungewöhnlich inter- essanter Mensch."

Himmel!" rief Oberst Harrop.WaS find wir in Moor- chestcr zurzeit für bevorzugte Leute! Doch, ich glaube, da kommt Sennor de ToroS."

Der Spanier gab in dieser Gesellschaft englischer Männer und Frauen eine nicht wenig auffallende Erscheinung ab.

Er war in fleckenloses Weiß gekleidet. Aus dem Kopfe ein echter Panamahut, und um den Hals hatte er eine hellrote Krawatte geschlungen. Man war versucht, zu glauben, daß er geradeweg« von einer Plantage Süd­amerikas kam, mit feinem auffallenden Anzug, seinem raben- b?^ HE und Bart, den dunklen Augen und der gelben Gesichtssarbe.

Auch Sir William Atherton und Oberst Harrop be- rachteten den neuen Ankömmling mit Interesse. WaS sie soeben über ihn vernommen hatten, war ungewöhnlich genug, und seine Beziehungen zu Julius Wilshire «schienen durch den Bericht des Amerikaners nicht genügend aufgeklärt.

Ellgllsch.wcichcr und wohlklingender als der nörd- X .^ent bet bethen Magnaten von Moorchester. war fließend Jfh Es lag eine gewisse Grazie in seiner Ausdruck«. Weise, und wenn die weißen Zähne bet einem Lächeln der An­

zum Besten der Hebung der Viehzucht im hiesigen Kreise die Genehmigung erteilt.

Der Vertrieb der Lose findet in den Kreisen Hersfeld, Hünseld, Rotenburg, Homberg und Zi genhain statt.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises werden angewiesen, dafür zu sorgen, daß dem Vertriebe der Lose hier im Kreise keine Hindernisse bereitet werden.

I. 3223. Der Landrat.

I. B.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Zur Wahlrechtsvorlage

Am 12. April soll im Abgeordnetenhause die von der Verfassung vorgeschriebene Wiederholung der dritten Lesung über die Wahlrechtsvorlage stattfinden. Es ist nicht wahr- scheinlich, daß dabei noch Aenderungen an der Vorlage, wie sie sich nach den bisherigen Mehrheitsbeschlüssen gestaltet hat, vorgenommen werden, und auch die Mehrheitsbildung wird voraussichtlich dieselbe bleiben wie bisher. Bekanntlich war eS nicht gelungen, die beiden MittelstandSparteien, Freikonser- vative und Nationalliberale, zum Anschluß an daS Kompromiß zwischen Konservativen und Zentrum zu bewegen, sie stimmten vielmehr gegen daS Kompromiß, weil über bestimmte von ihnen erhobene Forderungen, namentlich die der Drittelung der Steuerbeträge nach Gemeinden statt nach Urwahlbezirken, eine Einigung nicht zu erzicl-n war.

Der Ministerpräsident hatte namenS des StaatsmimsteriumS erklärt, daß die Regierung zwar die Vorschläge des Entwurfs (direkte und öffentliche Wahl) für besser halte als die Abän­derung der Mehrheit (indirekte und für die Urwähler geheime Wahl), aber doch mit der letzteren grundsätzlich einverstanden sein wolle, zumal wenn sich eine erhebliche Mehrheit dafür ergäbe. Nun ist die Mehrheit von Konservativen und Zentrum an und für sich schon beträchtlich, aber es bleibt doch auch vom allgemein konservativen Standpunkte auS höchst wünschens­wert, daß die Mittelparteien nicht abseits stehen bleiben. Denn wenn diese in Opposition verharren, wird auch die durch die ganze Wahlsrage in weiten und nicht bloß preußischen Volks­kreisen erzeugte Aufregung in verstärktem Maße fortdauern und der Zweck, auf diesem viel umstrittenen Gebiete sür längere Zeit Ruhe wenigstens unter den bürgerlichen Parteien zu schaffen, verfehlt.

ES kommt nun darauf an, wie sich daS Herrenhaus ver­halten wird, und insbesondere ob dieses Aenderungen an den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses unter Beibehaltung ihrer Grundlage annehmen wird, die eS ermöglichen, daß die Regierung ihre Autorität für daS Ganze in allen Einzel­heiten einsetzcn kann. Bei der jetzigen Gestalt deS Entwurfes ist daS noch nicht der Fall, wie die Erklärungen des Minister­

erkennung oder der Schmeichelei blitzten, so waren Sir William und sein Wirt gezwungen, zuzugeben, daß er ein sehr saszi- liierender Mann war.

De ToroS tot entzückt von allem, was er sah.

Die« Hier ist wirklich neu für mich, Sennor!" rief er be­geistert.ES macht mir in der Tat eine große Freude, den Vorzug zu haben, einem englischen Gartensest beizuwohnen. Wie ist England doch verschieden von unserm sonnigen Süden so viel grünet und angenehmer! Selbst die Sommerluft ist von einer Frische, die wir in Südamerika erst kennen, wenn die Sonne längst verschwunden ist und die Leuchtkäfer in den Büschen schwirren."

Er ist mir sehr interessant, das von Ihnen zu hören, Sennor", erwiderte Oberst Harrop.Wenn Sie die Szenerie auS der Vogelschau betrachten wollen, so können Sie dar leicht haben."

Er zeigte aus einen erhöhten Punkt deS Gartens, auf dem sich eine Art Pavillon befand.

Ich schlage vor, daß wir dort hinausgehen", sagte er. Von oben können Sie den ganzen Garten übersehen. Ich pflege dort nach dem Diner mit meiner Gattin den Kaffee zu trinken. Wir sehen dann über das Moor und beobachten den Sonnenuntergang."

De ToroS machte eine Verbeugung.

Wilshire erhob sich und schob feinen Arm abermals in den Sir William«. ES schien, als fürchtete er in feiner neuen Freundschaft, den Baronet von seiner Seite zu lassen, als habe er von dem Freunde seiner Jugend vollständig Besitz er- griffen.

Die Anhöhe war mit einem großen Tempel gekrönt, in dem sich eine Anzahl Stühle befanden und als Wirt und Gäste sich gesetzt hatten, trat der ganze Garten deutlich vor ihren Blick.

Aus den smaragdgrünen Rasenflächen flatterten farbige Frauengewänder, huschten leuchtende Sonnenschirme und Männergestalten in hellen TenniSanzügcn. Die Musik klang leise herüber, und hinter der hohen eseubesponnenen Garten- mauer dehnte sich daS weite Moor in purpurne Ferne. ES war ein wundervoller Bild.

präsidenten und deS MinisterS des Innern im Abgeordneten­hause erkennen ließen

Abgeordnetenhaus.

DaS preußische Abgeordnetenhaus nahm am Donnerstag seine Arbeiten nach den Osterserien wieder aus und überwieS zunächst die Novelle zum Staatsschuldbuchgesetz an die Budget- kommission. Dann wurde in die zweite Lesung des BauetatS eingetreten. Elsenbahnminister von Breitenbach ergriff sofort die Gelegenheit, um sich vor dem Parlament über die ver­hängnisvolle Mülheimer Ersenbahn-Katastrophe auszusprechen. Er gab seinem schmerzlichen Empfinden Ausdruck über die be­klagenswerten Folgen deS schweren Unglücks, erörterte kurz die Schuldfrage und versicherte, daß die Eisenbahnverwaltung alles tun werde, um die Sicherheit des Betriebe- zu gewährleisten. Eine längere Debatte entspann sich über die Einführung von SchiffahrtSabgaben, die der Abg. v. Pappenheim (kons.) eifrig befürwortete. Am Freitag wurde die allgemeine Debatte über den Bauetat beendet. Sie verlor sich in der Hauptsache in Einzelwünsche, und auch in der Spezialdebatte wurden lediglich lokale Anregungen gegeben. Zu einer längeren Er­örterung gab nur noch die Petition eines Majors v. Donat in Breslau Veranlassung, der große Projekte zur Verhütung der Hochwassergefahren im Odergebiet ausgearbeitet hat und sich über eine allzu bureaukratische Behandlung seiner Pläne beklagte. Die Petition wurde schließlich einer besonderen Kom­mission überwiesen.

Am 3a« und Ausland.

Berlin, den 10. April 1910.

Ihre Kaiserlichen Majestäten machten gestern vormittag in Homburg v. d. H. einen Spaziergang durch den Kurpark. Nachmittags unternahmen die Majestäten mit der Prinzessin und dem Gefolge in Automobilen einen Ausflug nach Pfaffenwiesbach und gingen von da zu Fuß bis in die Gegend von Köppern, von wo sie im Automobil nach Hom­burg zurückkehrten. Heute vormittag hörte Ee. Majestät der Kaiser den Vortrag deS Chefs des Militärkabinett-.

AuS Jerusalem, 9. April, wird gemeldet: Festliche, Glockengeläute verkündigte den Beginn der E i n w e i h u n g S seier. Pünktlich um 9 Uhr erfolgte der feierliche Einzug vom Festsaal der Oelberg-Stiftung über die Freitteppe deS TurmeS durch daS untere Portal der Kirche und sodann durch den Mittelgang der Kirche nach dem Altarraum. An der Spitze des ZugeS schritt die gesamte Geistlichkeit mit den kirch­lichen Geräten und den vom Kaiser und der Kaiserin gestif- teten Bibeln. Die von dem bekannten Orgelbauer Sauer her­rührende, außerordentlich schön klingende Orgel, die von der Organistin der englischen Kirche Miß Gardener gespielt wurde stimmte zunächst die Melodie deS ResormationSliedeS: .Eine

Ramon de ToroS fing an, nach diesem und jenem zu fragen, was ihm in der Landschaft auffiel, und der Bürger­meister, entzückt von dem Interesse deS Fremden, nannte bereit­willig die Namen der verschiedenen Dörfer und Landhäuser, die in großen Zwischenräumen verstreut sich aus der weiten Fläche im Sonnenschein zu baden schienen.

Und daS, Sennor", fragte der Spanier, mit dem schlanken braunen Finger aus ein große« Gebäude zeigend, welches wie ein Gefängnis aussah und keinen Baum oder Strauch auf- wies, der die große schwarze Silhoutte auf dem Moor unter­brach,was ist das dort für ein Hau«. ES muß etwa sechs Meilen entfernt liegen."

Oh, daS", antwortete Oberst Harrop lebhaft,nun, da haben Sie mir eine Gelegenheit gegeben, Ihnen eine ebenso interessante als romantische Geschichte zu erzählen."

Er nahn, die Zigarre aus dem Munde und blicS eine dicke Rauchwolke in die Lust, ehe er fortfuhr. Dann sagte er in einem etwas weniger angeregtem Tone:DaS ist nämlich die Menschensalle."

*

AlS der Bürgermeister den merkwürdigen Namen Menschensalle" auSsprach, fuhren Ramon de ToroS und Wil- shire sichtlich zusammen.

WaS in aller Welt bedeutet dieser Name, Oberst?" fragte der Amerikaner.Es klingt ja wie der Titel eine« RomanS."

Ja", versetzte der Oberst,daS ist eine lange Geschichte, und noch dazu eine recht romantische; allerdings etwa« grausig."

O, erzählen Sie doch!" rief Wilshire,ich brenne darauf, den Spaß zu hören."

Ich weiß nicht", meinte der Oberst,ob Sie Spaß daran finden werden. Ich bin kein großer Geschichtenerzähler. Aber unser verehrter Domherr hier kennt alle Details der Begeben­heit. Er ist, solange ich denken kann, Geistlicher in Moorchester und er hat ein Buch über die Altertümer und Legenden von Aorkshire geschrieben. Er ist der gegebene Mann zum Erzählen der Geschichte."