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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt' und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 5L

Sonnabend, den 30. April

1010.

Amtlicher teil.

Berlin, den 30. März 1910.

Zusolge Beschlusses des Bundesrats, vom 3. März 1910, wird der Runderlaß vom 30. Juni 1887 M. 5152 betreffend die gegenseitige Zulassung der in der Nähe der Grenzen der Bundesstaaten wohnhaften Hebammen zur Aus­übung ihres Gewerbes in den benachbarten Bundesstaaten hiermit dahin ergänzt, daß diesen Hebammen im Falle der Verletzung der nach dem genannten Erlaß (Abs. 1 Satz 2) ihnen obliegenden Verpflichtungen von der höheren Verwal­tungsbehörde deS benachbarten Staates die Befugnis zur ferneren Ausübung ihrer Berufstätigkeit in diesem Staate ent­zogen werden kann.

EuereHochwohlgeboren, Hochgeboren, Durch- l a u ch t ersuche ich ergebenst, wegen der Bekanntgabe dieser Zusatzbestimmung nach Maßgabe des Erlasses vom 30. Juni 1887 daS Geeignete zu veranlassen. (M. Nr. 5727.) Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-

Angelegenheiten. I. A.: gez. Förster, * *

Hersseld, den 22. April 1910.

Vorstehender Ministerialerlaß wird hiermit im Anschluß an meine Verfügung vom 5. August 1887 P. Nr. 7755 Kreisblatt Nr. 93 veröffentlicht.

Die Herren Bürgermeister deS Kreises wollen die in Frage kommenden Hebammen entsprechend verständigen.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 3186. von GruneliuS.

Der Vorsitzende des Seklionsvorstandes.

Zu A. 2210.

HerSfeld, den 26. April 1910.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher deS hiesigen Kreises, deren Gemeinde- rc. Kassen noch mit Ein- zahlung der landwirtschaftlichen Unfallversicherungsbeiträge für das Kalenderjahr 1909 im Rückstände sind, werden ersucht, dafür Sorge zu tragen, daß die Einzahlung noch bis spätestens zum 2. Mai d. Js. bei der Kreiskommunal- kasse hier erfolgt.

von GruneliuS.

Der Saatenstand Mitte April 1910. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersseld.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = Mittel, 4 = gering, 5 = sehr gering

' Vergleiche den Runderlatz der Herren Minister für Landwirt, schaff rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I d 3646 M. d. I.)

Fruchtarten usw.

Kartoffeln . Zuckerrüben Winterweizen . Winterspelz (Dinkel) . Winterroggen . Winterraps u. -Rübsen Klee .

Luzerne

Wiesen mit-künstlicher Be- (Ent-) Wässerung

Andere Wiesen .

Durchschnitts­noten für den

Staat

2,3

2,2

2,5

2,3

2,4

2,5

2,7

2,9

Anzahl der von den Vertrauensmännern ab

Reg.-Bez. Cassel

gegebenen Noten

<N

«5

«5

£2.

2,2

2,3

2,4

2,3

2,4

2,5

2,8

1

3

3

1

3

1

2

3

1

I

1

1

Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.

1

1

1

2

2

1

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Die Verhandlungen der Kommission der Herrrenhauses haben die preußische W a h l r e f o r m augenscheinlich nicht so weit gefördert, daß eine sichere Basis für eine Einigung zwischen der Regierung und dem Landtage schon gegeben wäre. Jeden- falls wird die StaatSregierung sich noch weiter bemühen, ein annehmbares Ergebnis der zweiten Lesung im Herrenhause her. beizuführen. Dabei wird sie sich wie bisher nur von dem sachlichen Interesse leiten lassen, daS darin besteht, die Reform in einer Gestalt zu verwirklichen, die offenbare Mängel der Dreiklassenwahl beseitigt oder mildert und die daher eine neu befestigte haltbare Stellung gegen den Ansturm der Feinde des DreiklassenwahlrechtS und somit Dauer verspricht. Dieser Standpunkt ist in allen Aussührungcn, die Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg im Laufe der Beratungen gemacht hat, klar und deutlich erkennbar gewesen. In keinem Stadium hat er die Wahlresorm als Parteifrage behandelt, und sie wird auch zu einem guten Ende nur dann geführt werden können, wenn eS gelingt, die Parteiinteressen hinter die sachlichen Ueberlegungen zurückzudrängen und Herrenhaus und Abge-

ordnetenhaus auf der Grundlage zusammenzusühren, die der Ministerpräsident bezeichnet hat.

Fast schien es, als sollte bei der R e i ch s t a g s st i ch w a h l in Posen den Deutschen ein sonst kaum vorauszusehender Gewinn auS der polnischen Uneinigkeit erwachsen und es mag auch den polnischen Führern ein gutes Stück Selbstüberwindung gekostet haben. Aber der ihnen unangenehme Kandidat Nowicki ist doch noch Sieger geblieben, und der schon programmmäßig festgesetzte Zank innerhalb der Polenfraktion kann beginnen. Der deutschen Wählerschaft hingegen gebührt die freudige An- erkennung, daß sie sich wacker gehalten und den Gegnern zu imponieren gewußt hat. Auch in Zukunft wird der Marsch aller Ostmarkendeutschen, vorab in der Stadt Posen, geschlossen vorwärts führen.

In Anwesenheit des belgischen KönigSpaares ist in der Berichtswoche die feierliche Eröffnung der Brüsseler Weltausstellung erfolgt, an der Deutschland hervorragen­den Anteil hat. König Albert war von der großen Leistung Deutschlands sichtlich überrascht und erfreut und äußerte dem deutschen Reichskommissar gegenüber wörtlich:Das ist die Macht Deutschlands, die sich hier entfaltet." Auch die belgifchen Minister betonten bei einem Rundzange durch die deutsche Ab­teilung wiederholt, daß daS deutsche Organisationstalent einen glänzenden Sieg gefeiert habe, und daß die deutsche Abteilung als geschlossener Ganzes sich zum Glanzpunkt der Weltaus­stellung entwickeln müsse. Ueber solche rückhaltslose Anerken­nung deutschen Fleißes und Könnens dürfen wir uns gewiß aufrichtig freuen.

Mit der Wahl Dr. N eu ma y er s zum Bürger­meister von Wien ist der Streit um die Nachfolgerschaft LaegerS zu einem vorläufigen «vschluß gebracht. Lueger hatte in seinem politischen Testament den jetzigen HandelSminister Dr. WeiSkirchner zu seinem Nachfolger auf dem Bürgermeister­stuhl bestimmt. Dr. WeiSkirchner hatte jedoch schon gleich nach dem Ableben LuegerS an den Bürgerklub, der die christ- lichsoziale Majorität des Wiener Gemeinderates umfaßt, ein Schreiben gerichtet, in welchem er sich zwar bereit erklärte, das politische Testament des verstorbenen Parteihauptes zu erfüllen, aber zugleich darauf Hinwics, daß er zurzeit im Interesse der Partei sich noch weiter der Mission im Rate der Krone widmen müsse. DaS Programm des neuen Bürgermeisters, das er bei der Ausstellung feiner Kandidatur im Bürgerklub vor einigen Wochen kurz barlegte, besteht in der Fortsetzung der Lueger- schen Tradition. Wirtschaftliche Fragen und die Konsolidierung der städtischen Betriebe nehmen darin den ersten Platz ein. Indes will er nach seinen eigenen Worten große Aktionen im Luegerschen Stil nicht einleiten, sondern sich damit begnügen, die Gemeinde im Sinne seiner großen Vorgängers weiter zu verwalten.

Der Ausgang der Wahlen zur sranzösischenDe- putiertenkammer bedeutet einen erdrückenden Sieg der Republikanerparteien, der fast kampflos errungen wurde. Alles in allem kann man schon jetzt mit voller Bestimmtheit vorauSsehen, daß an der allgemeinen Orientierung der inneren Politik Frankreichs durch die diesmaligen Wahlen nichts wesentliches geändert werden wird. Wie sich die nächste Zu­kunft gestalten wird, hängt in erster Linie von der Frage ab, wie lange sich, nicht daS gegenwärtige Kabinett, sondern Ministerpräsident Briand selbst noch am Ruder erhält. Die Aussichten scheinen günstiger denn je; aber vor unlieb- samen Ueberraschungen ist man in Frankreich nie sicher. Im übrigen heißt es auch fernerhin für Deutschland: Ton- jours en vedette I und ebenso: Aus der Wacht an den Vogesen!

Der alb ane fische Ausstand, der schon beendet schien, ist jetzt mit erneuter Kraft wieder aufgeflammt: etwa 40 000 Rebellen sollen zum Kampfe bereit unter den Waffen stehen. Die Albanesen haben von jeher der türkischen Regie- rung viel zu schaffen gemacht. Bei dem gegenwärtigen Aus­stande spielt die Besorgnis eine Rolle, daß sich das jungtür­kische Regiment zu tief mit den beiden slavischen Königreichen Bulgarien und Serbien einlassen könne. Namentlich die von Serbien betriebene Donau-Adriabahn ist den Albanesen ein Dorn im Auge. Einen weiteren Grund zur Empörung hat die Absicht der Pforte geliefert, den Albanesen den Gebrauch der arabischen Schriftzeichen auszunötigen. Der Aufstand wird natürlich schließlich niedergeschlagen werden, einstweilen aber bildet er eine große Verlegenheit für die türkische Regierung, und ob die ewig unzufriedenen Albanesen sich nach ihrer Niederwerfung doch nicht bald von neuem erheben werden, ist eine andere Frage.

Aenderung des GesetzeS über daS Reichsschuldbuch, sowie mehrere Rechnungsübersichten ebenfalls in dritter Lesung gut­geheißen. Zuletzt beschäftigte sich der Reichstag noch mit den von den Nationalliberalen, der Reichspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung eingebrachten Gesetzentwürfen, welche sich auf die Gewährung einer ReichSbeihilfe für die bedürftigen Veteranen von 1866 und 1870 beziehen. Ledig­lich über diesen Gegenstand entwickelte sich eine längere De­batte, in welcher die Deckungsfrage wiederum die Hauptrolle spielte, während über die Notwendigkeit eines finanziellen Eingreifens des Reiches zugunsten der Veteranen Ueberein­stimmung zwischen den Rednern der verschiedenen Parteien herrschte. Die ausgedehnte Auseinandersetzung über die Frage, aus welche Weise die Kosten der Subvention an die alten Krieger eigentlich zu decken fei, zeitigte jedoch auch diesmal noch kein definitives Resultat, und so hatte denn die dritte Lesung der genannten Entwürfe das nämliche Ergebnis, wie schon in der zweiten Lesung: Sie wurden en bloc einstimmig angenommen, womit also die Vcteranenbeihilse im Prinzip ge­sichert ist, während die Deckungsfrage vorläufig ungelöst bleibt. Am Donnerstag pausierte der Reichstag.

Aus Jn- und Ausland.

Reichstag.

Der Reichstag schlug in seinen Arbeiten ein sehr schnelles Tempo ein, denn er erledigte am Mittwoch ein halb Dutzend Gesetz­entwürfe sozusagen im Geschwindschritt. Zunächst wurde in dritter Lesung die Vorlage betreffs der Verlängerung des deutsch-schwedischen Handelsvertrages genehmigt, woraus der Gesetzentwurf, welcher sich aus die Haftpflicht des Reiches für seine Beamten bezieht, in dritter Lesung Annahme fand. Die Debatte über diese Materien war nur eine kurze. Ueber« Haupt debattelos wurden dann der Gesetzentwurf, betr. die

Berlin, den 28. April 1910.

Se. Majestät der Kaiser begab sich heute morgen im Automobil von Schloß Urville nach Metz, wo er im General­kommando um 9 Uhr eintraf und den Vortrag deS hier ein- getroffenen Kriegsministers Hörff. Der Kaiser fuhr dann, wiederum im Automobil, nach Dem Exerzierplatz FreScaty und stieg bei dem Fort Württemberg zu Pferde. Das Wetter ist schön. Um 10 Uhr begann die Besichtigung des KönigS-Jn- fanterieregiments (6. Lothringisches) Nr. 145 durch Se. Ma­jestät. Der Kaiser ritt die Front deS Regiments ab und nahm einen Vorbeimarsch des Regiments in Kompagniesronten entgegen. Hieraus sah der Kaiser die drei Bataillone nach einander. Während der Besichtigung begrüßte der Kaiser auch die Kriegsschule Metz, welche im DivisionSwäldchen Ausstellung genommen hatte. Um 11 Uhr trafen die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise im Automobil von Schloß Urville aus beim Fort Württemberg ein und bestiegen einen vier­spännigen & la Daumont bespannten Wagen, welchen der Kammerherr v. Winterseld zu Pferde eskortierte. Die Kaiserin begrüßte eine Anzahl Mannschaften der Garnison Metz, welche beim Mühlheimer Eisenbahnunglück verletzt worden waren und die schon wieder hergestellt sind. Ihre Majestät befragte jeden einzelnen von den Mannschaften aus das freundlichste nach der Art seines Unfalls. Major Kirchner, Adjutant im General­kommando, hatte diese Mannschaften begleitet.

Wie verlautet, dürsten die Ueberreste deS zerstörten Luft­schiffesZ. 2, soweit dieS bis jetzt übersehbar ist, bei dem Bau eines neuen Zeppelin-Luftschiffes, wegen dessen Lieferung die Militärverwaltung gegenwärtig mit der Zeppelin-Luftschiffahrt-Gesellschaft" verhandelt, Verwendung finden, so daß wenigstens einzelne Teile des zerstörten Luft- schiffeS nicht als verloren gelten können. ES handelt sich um die dem Zeppelintyp eigenen 17 Gasjäcke mit Ventilen, die Benzintanks, die Gondel und deren Ausrüstung, die Motoren Und sonstigen inneren Einrichtungen und organische Bestand­teile, die nicht so gelitten haben, daß ihre Wiederverwendung ausgeschlossen erscheint. Ein direkter Ersatz für das verloren gegangene Luftschiff ist nicht geplant. Die Verhandlungen der Heeresverwaltung mit derZeppelin-Luftschiffahrt-Gcjellschaft" begannen bereit- vor Eintritt der Katastrophe, die denZ. 2" zum Scheitern brächte. Dr. Eckener, einer der Vertrauensleute des Grafen Zeppelin, hat sich dahingehend ausgesprochen, daß auf der Fahrt deSZ. 2" nach Köln zurück technische Fehler gemacht worden sind. Auch Dr. Eckener ist der Ansicht, daß der Landungsplatz bei Limburg durchaus ungeeignet war und wirst die Frage auf, weshalb man nicht lieber in der Luft geblieben ist, da die Betriebsmittel ja noch lange nicht erschöpft waren. Ein Luftschiff sei bei Sturm in der Lust immer besser ausgehoben als aus ebener Erde. Man hätte sich abtreiben und einen geschützten Landungsplatz im Schatten des Taunus aussuchen können. Nicht ganz glücklich scheint eS Dr. Eckener auch zu sein, wenn das vielleicht in ein Unwetter steuernde Fahrzeug an Bord der Vordergondel außer dem Führer und dem Fahringenieur und zwei Chauffeuren nur zwei General- stabsoffiziere alS Passagiere, aber keine mit dem Schiff ver­trauten Steuerleute hatte, wie e§ sonst doch üblich ist. Auch bei der Verankerung bei Limburg sind Fehler begangen worden. Während man sonst die Verankerungsleine, ein 10 Millimeter starkes Stahldrahtseil, möglichst kurz hielt, hat man hier dem Lusischiff einen größeren Spielraum an einem 20 Meter langen Seil gelassen, das schließlich brach. Es verdient nachttäglich hervorgehoben zu werden, daß nicht, wie mehrfach berichtet wurde, auchganze Teile des Laufsteges" hierbei brachen, daß vielmehr alle wesentlichen Stücke, welche zu halten haben, intakt blieben.

Zur Frage der Schisfahrtsabgaben verlautet neuerdings, daß der Bundesrat seine endgültige Entscheidung