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herrfelder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 66.

nichtamtlicher teil.

Abgeordnetenhaus.

Das Abgeordnetenhaus schied sich am Sonnabend bei der Erörterung über die Feuerbestattung, die durch einen Antrag Aronsohn (Vp.) veranlaßt wurde, wieder in die beiden feind­lichen Lager. Zu den Anhängern der Einäscherung zählten die Redner der fortschrittlichen VolkSpartei, die Nationalliberalen und die Sozialdemokraten. Sie betonten hauptsächlich die Rückständigkeit Preußens in dieser Frage gegenüber anderen deutschen BundeSstaaten, ferner bestritten sie, daß die Verbren­nung gegen die christliche Religion verstoße, und wiesen aus die Schwierigkeit der Bestattung in den großen Städten hin; dabei ließen sie er nicht an Angriffen aus die letzthin im Herrenhause von Herrn v. Köll« gemachten Ausführungen fehlen. Auch Hen v. Zedlitz (frkons.) betonte, daß diese Frage endlich einmal gesetzlich geregelt werden müsse, und auch er empfahl deshalb die Annahme deS Antrages. Die schärfsten Gegner der Feuerbestattung waren die Redner des Zentrums und der Polen. Sie sehen in ihr einen Verstoß gegen das christliche Empfinden. Hierin stimmten ihnen der konservative Abg. Gaigalat bei, doch nicht mit derselben Schroffheit. Auch schien er nicht für die gesamte Fraktion zu sprechen, denn bei der nun folgenden Abstimmung votierten einzelne Mitglieder der Rechten für den fortschrittlichen Antrag. So kam es, daß dieser in diesem Jahre endlich, wenn auch mit schwacher Mehrheit, angenommen wurde.

Sehr lange unterhielt sich das Haus über einen Antrag Hammer (konj.), der den Schutz der Handwerker gegen die Gefängnisarbrit forberte. Die Erörterung dieser Frage nimmt ja alljährlich schon bei den EtatSbnatungen einen breiten Raum ein. Wesentlich Neues wurde auch diesmal nicht gesagt. Be­merkenswert waren die Ausführungen deS Dezernenten für das GefängniSwefen. An Lieferungen für Behörden seien die Ge­fängnisse nur zu geringem Prozentsatz beteiligt. Er lud die Abgeordneten ein, sich die Gefängnisse anzusehen.Wir haben dort nichts zu verbergen", so sagte Geh. Rat Krohne, der im übrigen auch warme Worte für die sozialen Pflichten gegen die Gefangenen fand. So ereignete sich daS Merkwürdige, daß selbst Herr Liebknecht (Sozd.) einmal mit der Regierung einverstanden war. Der Antrag Hammer wurde schließlich, ebenso wie der über die SozietätSschulen angenommen.

$m ier ärmsten SreMt

Die unbestreitbaren politischen und militärischen Erfolge Japans, sowie die großen Fortschritte bet gebildeten Japaner auf dem Gebiete der Wissenschaft und der Technik haben ohne Zweisel dem japanischen Staat-wesen den Rang einer Groß­macht gegeben, aber wie eS sich jetzt immer mehr herausstellt, hat Japan diese großen Errungenschaften nur aus Kosten seiner

Der lsestsjlene Ruhm.

Roman von F. Sutau.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Allein konnten die Damen aber auch nicht am bleiben.

See

Irma sah ihren Brud« fragend an, da mußte sie wohl das Opfer bringen und der Cousine Gesellschaft leisten, denn Mich, der den Rudersport leidenschaftlich liebte, würde aus keinen Fall verzichten.

Herr Krause warf einen wehmutsvollen Blick aus den See, auf welchem die zierlichen Boote kreisten. Fräulein Anna aber war die Tochter feinet ChesS, und die Frau Chef war ja Qu$ da, auch er fühlte sich verpflichtet, der Bootfahrt, wenn au$ schweren Herzens, zu entsagen.

Felix, der weder für Ruder, noch für anderen Sport schwärmte, lehnte sich behaglich in seinen Stuhl zurück und blieb auch bei den Damen.

-Ich finde auch, man genießt den See hin bequemer, als wenn man sich mit Rudern anfirengt", meinte er, indem er langsam seine Zigarre in Brand setzte.

Anna blickte triumphierend aus Ulrich.Nun wird er es voch wohl auch ausgeben, daS Rudern", dachte sie.

Kommen Sie, Fräulein Eva, wenn die andern keine Lust haben, dann rudern wir eben allein I" sagte aber plötzlich Ulrich und erhob sich.

Eva zögerte einen Moment, dann aber rückte sie sich dem^e ^t<n ®Ut ^* d<w" gingen beide hinunter nach

allerdings im höchsten Grade unpassend an dieser Eva Fehrle, allein mit einem jungen Manne solche «ootsahrt zu unternehmen; aber so sind sie, diese Musen- Scheu We U "$ $ ,a 9etn nennt, ohne Furcht und

"J??s lvaS für Kreisen stammt denn eigentlich Deine Freundin, diese« Fräulein Fehrle?" fragte plötzlich Anna

Dienstag, den? Juni

wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse erreichen können. Japan ist die ärmste Großmacht und die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse für daS japanische Volk sind die traurigsten. Die Staatsschulden Japans haben sich in den letzten sünszehn Jahren verfünffacht und betragen jetzt fast zwei und eine halbe Milliarde Den. Dabei ist das japanische Volk ganz außer Stande, durch direkte Steuern die laufenden Staatsausgaben und die Zinsen für die riesigen Schulden aufzubringen, des­halb müssen in Japan die Staatseinnahmen vorzugsweise von Zöllen und indirekten Steuern ausgebracht werden. Aus fast allen Gebrauchsartikeln liegen deshalb sehr hohe Zölle und Verbrauchsabgaben, säst alle Bedürfnisse des Lebens sind in Japan mit Zöllen belegt, sogar die Arzneien werden mit einer hohen Steuer verabreicht. Ferner müssen aus Mietwohnungen, Bäder- und Theaterbesuche hohe Steuern bezahlt werden. Dabei gibt es ausserdem noch ein Tabak- und Salzmonopol, welches ohne weiteres die japanische Regierung ermächtigt, aus die Tabak- und Salzverbrauch die Preise so hoch zu schrauben, wie sie es sür nötig findet. Da in Japan Männer, Frauen und Kind« in allen Volkskreisen viel rauchen, so bringt das Tabaksmonopol allein jährlich dem Staate gegen 50 Millionen Den. Für das wirtschaftliche Leben Japans ist es nun ferner ein groß« Nachteil, daß die japanische Industrie kein Eisen und keine Wolle im Jnlande erzeugen kann. Das ganze soziale und wirtschaftliche Leben der Japaner beruht nur daraus, daß alle Arbeiten und Arbeiterinnen zu wahren Hungerlöhnen arbeiten und daß sie fast nur von Weizen, Gerste, Hafer und minderwertigen, sür uns Europäer ungenießbaren, Pflanzen- stoffen leben. Für den armen Japaner ist sogar der Reis und ein billiger Fisch ein Leckerbissen, den er sich nur an Festtagen oder in Krankheitsfällen leistet. Dazu kommt noch der ungeheuerliche Brauch, daß in Japan die Arbeitszeit in den Fabriken und Werkstätten meistens täglich sechszehn bis siebzehn Stunden beträgt, und daß die Japaner keinen Sonn- tag kennen. In vielen Fabriken werden der billigen Löhne wegen in Japan Kinder beschästigt, die man dort förmlich wie in Gefängnissen hält. Auch kann man in Japan es sehen, wie in Zündholzfabriken und in der Holzindustrie schon drei­jährige Kinder sich abmühen, eine kleine Arbeitsleistung scrtig- zubringen. Von irgendeiner staatlichen Schutzeinrichtung sür den Arbeiter ist in Japan nichts zu spüren, und jeder Arbeit­geber kann dort die Arbeiter wie Sklaven ausnutzen. Am schlimmsten geschieht dies auch in Bezug aus die Ausnutzung der armen japanischen Frauen und Mädchen, die nach den Schilderungen europäischer Beobachter überhaupt nur Sklavin­nen der Arbeitgeber und überhaupt der Männer sind. Von einer gelben Gefahr sür die große europäische Kulturwelt kann seitens der Japaner nach diesen Verhältnissen natürlich keine Rede sein, denn ein solches Volk kann sich nicht auf eine wahre Kulturhöhe so ohne weiteres erheben. Es entsteht nun aber doch immer und immer wieder die Aufgabe für das arme und übervölkerte Japan, sich für den Ueberschuß seiner Bevölkerung neues Land zu schaffen oder doch für bessere Arbeitsbedingungen

ihre Cousine Irma und setzte eine sehr hochmütige Miene auf.

Ihr Vater war Oberlehrer am Gymnasium in Z."

So, von einer Oberlehrerstochter hätte ich doch ein feineres Benehmen erwartet", entgegnete Anna.

Aber ich bitte Dich, Anna", entgegnete Irma erregt.

Na, findest Du es etwa fein, mit einem jungen Manne eine Bootsahrt zu machen? Wie finden Sie das, Herr Krause?" wandte sich Fräulein Anna jetzt an diesen.

Aber gnädiges Fräulein, das fällt doch heutzutage nicht weiter mehr aus, wenn eine junge Dame mit einem jungen Herrn Kahn fährt. Sehen Sie doch die vielen Boote da unten, wie viele sind von solchen einzelnen Pärchen besetzt."

Das sind Ladenmädchen mit ihren Schätzen Wahlschein- lich. Eine Oberlehrerstochter aber sollte doch eher wissen, was sich schickt", entgegnete Anna.

Willst Du genau erfahren, was sich ziemt,

So frage nur bei edlen Frauen an"

zitierte Felix Bürger mit einem seltsamen Lächeln.

Ich glaube, der große Dichter, der diesen Ausspruch tat, würde eine solche Bootfahrt zu zweien sicher nicht verschmäht haben", sagte Irma ebenfalls lächelnd.

Anna hörte jetzt gar nicht mehr aus das Gespräch, sondern blickte interessiert aus eine Dame in heller Seidcn- robe, die soeben an dem Tische vorüberrauschte.

WaS gingen sie Dichter und ihre Aussprüche an; die Menschen hier und die Toiletten, das war doch viel inter­essanter.

Nein, dieser Hut! Sehen Sie doch, Herr Krause!" rief sie jetzt, den jungen Mann auf ein Ungetüm von Hut, der mit Federn und Blumen überladen war, ausmerksam machend.

Herr Krause mußte wohl oder übel sein Interesse diesem Hut zuwenden; das blasse nervöse Gesichtchcn darunter war wenigstens hübsch und anziehend.

Dich interessieren wohl Toiletten garnicht!" wandte sich Anna ärgerlich an Irma, die sich mit Felix Bürger jetzt in eine Unterhaltung über Musik vertieft hatte.

Nein, um die zu sehen, mache ich keine Landpartien.

1910»

der japanischen Arbeitermassen zu sorgen, und Japan wird deshalb in Asien wohl lange Zeit der Hungerleidende Stören- sried oder habgierige Eroberer bleiben, wie dies schon seit einer Reihe von Jahren mit wachsender Sorge von den europäischen Großmächten beobachtet worden ist. Zu bestreiten ist auch nicht, daß die Japaner ein Arbeitsvolk allerersten Ranges sind, und ist es sür unsere europäischen Begriffe der Volksernährung und Lebenshaltung erstaunlich, daß ein so armes und halb­verhungertes Volk wie die Japaner überhaupt noch so große Arbeirsleistungen ausführen können.

Bus ]n- und Ausland.

Berlin, den 5. Juni 1910.

In Gegenwart des Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen, des Erzherzogs Karl Franz Joses von Oesterreich und des Prinzen Johann Georg von Sachsen fand am Sonnabend vormittag aus dem Schlachtselde von Hohensriedberg die feierliche Enthüllung des daselbst den in der Schlacht bei Hohensriedberg gefallenen Preußen, Oesterreich«!! und Sachsen «richteten Dentales statt.

Zur gesetzlichen Re gelung derFriedenS- präsenzstärke des deutschen Heeres schreibt man: Ueber die Geltungsdau« des gegenwärtigen Quinquenats- gesetzes vom Jahre 1904 haben vielfach abweichende An­schauungen bestanden. Denn nach der allgemein üblichen parlamentarischen Bezeichnung als Quinquenatsgesetz mußte sich seine Geltung auf die Jahre 19051909 «strecken. Trotzdem hatte der Reichstag im Gesetz über diese Zeit hinaus Neu- formationen beschlossen, nämlich 2 Kavallerieregimenter, die erst im Jahre 1910 zur Durchjührung gelangen, und die daher ausserhalb der eigentlichen Dauer des Gesetzes liegen. Es ist nun vielfach angenommen, daß bis zum 1. April des nächsten Jahres unter allen Umständen ein neues Quinque- natSgesetz verabschiedet sein muß. Diese Auffassung findet jedoch in den Vorgängen früherer Jahre keine Stütze. Das Gesetz über die Friedenspräsenzstärke vom Jahre 1899 hatte Geltung vom Jahre 1900 bis 1904. Vor Ablaus des EtatS- jahres 1904 wurde jedoch durch ein Gesetz die Geltungsdauer des QuinquenatSgesetzes um ein Jahr verlängert. Eine der­artige Regelung wäre naturgemäß auch jetzt wieder möglich, wenn man an der Friedenspräsenzstärke des Jahres 1910 fest­halten wollte. Da die Verfassung lediglich eine gesetzliche Regelung für die Friedenspräsenzstärke des Heeres vorschreibt, so besteht auch die Möglichkeit, diese nur durch das Etatsgesetz zu bewirken. Die Heeresverwaltung hat begreiflicherweise ein Interesse an einer gesetzlichen Festlegung auf mehrere Jahre im voraus, weil beispielsweise bei Neuformationen die Anlage von Kasernen und Uebungsplätzen stets aus eine Reihe von Jahren verteilt wird. Welche Regelung mit Ablaus des gegenwärtigen QuinquenatSgesetzes am 31. März 1911 ge- wählt wird, dürfte vorläufig noch nicht feststehen; ein Zwang

Welche wundervolle Färbung jetzt der See hat, und die vielen Boote darauf beleben den See ungemein. Es wird schwer fallen, unsere Ruderer herauszufinden."

Anna verzog schmollend die vollen roten Lippen, denn der Aerger über Ulrichs ihrer Meinung nach sehr rücksichts­loses Benehmen kam wieder zum Durchbruch, und Annas Mutter sprach leise zu der Tochter, um diese zu beruhigen.

Ja, sie waren beide allein! Es kam das ihnen jetzt erst voll zum Bewußtsein, als sie in dem Kahne aus der blauen Wasserfläche dahin glitten. Weiter und weiter ruderten sie, einsamen Buchten zu, wo eS leise im Schilfe rauschte. Ein Gefühl unnennbarer Seligkeit, süßer Wcltvcrgessenheit er- saßte sie.

Eva summte leise die Melodie des Leitmotivs aus Ulrichs Oper.

Wenn ich es erreichte, wenn sie zur Aufführung käme, meine Oper", begann Ulrich jetzt, wenn ich dafür goldene Schätze einheimsen dürste, ein Glücklicher sein könnte, der auch einmal auf den Höhen stehen darf dann Eva dann!"

ES leuchtete heiß auf in seinen Augen.

Denken wir doch jetzt einmal nicht an die Zukunft, nehmen wir die Stunde wahr, die ja nicht schöner sein kann", versetzte Eva in leiser Abwehr der Liebeserklärung, die da wohl auf Ulrichs Lippen schwebte.

Nein, dazu durste es nicht kommen, er durste sich jetzt durch so etwas nicht zerstreuen, mußte alle Zeit, die ihm bei seiner Kontortätigkeit blieb, all sein Denken nur seiner Oper widmen.

Jetzt heißt es schauen, schauen, die sonnigen Bilder in sich ausnehmen", fuhr sie fort,damit sie uns begleiten in daS Grau des Alltags, es uns zurusen : Es gibt noch eine Schön- heit, die unS, wenn auch nur für Augenblicke, alle Sorgen, alles Leid vergessen läßt, die eS uns zum Bewußtsein bringt, daß irgendwo im weiten Weltall, auf fernen Sternen vielleicht ein Paradies unsrer harrt."

Etwas von ParadieseS-Wonnen könnte man schon aus unserem Planeten hier haben, wenn man eben nicht so ein Stiefkind der Schicksals wäre!" sagte daraus Ulrich.