Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bejugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein« gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 Psg. Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^snsnsns
Herrfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschluß Nr. 8
Nr. 69.
Dienstag, den 14. Juni
1910.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 9. Juni 1910.
Unter dem Schweinebestande deS Landwirts Wilhelm Kothe in Hersfeld ist die Schweineseuche auSgebrochen. I. 5597. Der Landrat.
I. V.:
Wessel, Kreissekretär.
Bekanntmachung.
Das Kurmärkische Dragoner-Regiment Nr. 14 in Colmar i. E. teilt mit, daß bis Ende August 1910 Freiwillige angenommen werden. Junge Leute, welche bereit und im Besitze eines Meldescheines zum dreijährig-sreiwilligen Dienst sind, wollen denselben an daS Regiment einsenden. Handwerker, insbesondere Schuhmacher, Schneider, Sattler, Schmiede, Schreiber, Musiker pp. haben den Vorzug.
nichtamtlicher teil.
Abgeordnetenhaus.
Die Vorlage über die WohnungSgeldzuschüsse machte am Sonnabend dem Abgeordnetenhaus arges Kopfzerbrechen. Die ganze Linke, aber auch die Freikonservativen sahen in dem Vorschläge der Regierung eine Ungerechtigkeit gegen einen großen Teil der Beamten. Trotzdem sich das Haus einem Anträge des Abg. v. Pappenheim angeschlossen hatte und bem- gemäß die lokalen Interessen nicht in die Debatte zog, so hielten sich doch solche Abgeordnete, die einen der deklasiierten Orte zu ihrem Wahlkreis zählten, wohl sür verpflichtet, daraus Rücksicht zu nehmen. Mit zäher Beharrlichkeit kämpften sie sür die Kommiflionsbeschlüsse, die auch heute wieder der Finanzminister für unannehmbar erklärte. Auch die Begrenzung auf 1918 fand nicht seinen Beifall. Lange wogte der Redekamps hin und her. Bei der Abstimmung in der zweiten Lesung erlag der Finanzminister. Das Haus nahm mit knapper Mehrheit, die sich aus Teilen des Zentrums, der Nationalliberalen und der Freikonservativen und der Linken zusammensetzte, die Kommissionsbeschlüsse an.
Nun folgte aber die dritte Lesung. Dir vom ersten Kampse unterlegene Minderheit beantragte nochmals die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. Herr v. Rheinbaben bat wiederum im Interesse deS GroS der Beamtenschaft um Annahme der ursprünglichen Fassung. Er bot seine ganze Beredsamkeit aus, fand auch allerlei Liebenswürdigkeiten für daS Haus und machte einige Verheißungen für die Zukunft; denn er will beim Bundesrat sür einige deklassierte Orte ein guter Wort einlegen. Und nun kam der „Umsall", wie der Abg. Hoffmann (Soz.) in die Debatte ries; denn diejenigen Freikonservativen, die sür die Kommissionsbeschlüsse gestimmt hatten,
3er gestohlene Ruhm.
Roman von F. Sutau.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Mechanisch schrieb Ulrich Berechnungen, Zahlen nieder, während seine Gedanken ins Weite streisten, lockende Bilder vor ihm ausstiegen, daS weite brausende Meer, märchenhafte Inseln in seiner Phantasie erschienen.
Felix, der ihn am Abend aussuchte, sprach bereits von Ulrichs Meldung zur Schutztruppe wie von einer fest beschlossenen Sache. Er hatte im Lause deS Tage» schon Erkun- wgungen eingezogen. In vierzehn Tagen sollte ein Truppen- transport nach Südwestasrika abgehen, vielleicht war da noch in «möglichen, daß Ulrich da schon mitkäme, natürlich müßte er soso« alle nötigen Schritte tun.
«In vierzehn Tagen schon soll ich Europa verlassen", sagte "U'ch, „und Irma und Eva haben noch keine Ahnung von uucm, was sich seit gestern abend ereignet. Wie werden sie eS auffassen?«
, »Ich begleite Dich, wenn Du sie heute noch aussuchen willst", erklärte Felix.
Den beiden Damen gegenüber galt eS, die Rolle des aufopfernden Freundes zu spielen, der nur Ulrichs Bestes wollte, wenn ein Verdacht gegen ihn bei ihnen aussteigen
In den Tiesen seines Schreibtische- lag Felix' Raub wohl verborgen, aber der Tag würde kommen, wo derselbe unter der Flagge seinen Siegeslauf in die Welt nehmen würde. Außer der Schwester Ulrich- und Fräulein Eva kannte kein Mensch weiter die Oper, mit der Zeit würden sich bei ihnen die Erinnerungen daran aber wohl verwischen. Beweise hatten nicht in Händen, wenn sie ihn wirklich übersühren wollten, daß es gestohlenes Gut war, mit welchem er vor die Oeffent- lchkeit trat. Fräulein Eva allerdings hatte ein Paar unheimlich forschende Augen, die aus den Grund der Seele zu blicken schienen.
entschlossen sich, wie der Abgeordnete v. Oertzen (srkons.) aus- einandersetzte, der bedrängten Regierung zu Hilfe zu kommen. Dagegen blieb der größte Teil der Nationalliberalen und der fortschrittlichen Bolkspartei aus dem ablehnenden Standpunkt bestehen; das Zentrum war gespalten. Schließlich ging aber doch Frhr. v. Rheinbaben als Sieger hervor. DaS Gesetz wurde in der wiederhergestellten Fassung der Regierungsvorlage angenommen. ES bleibt also dabei, daß den Beamten der deklassierten Orte der größere bisherige Wohnungsgeldzuschuß nur so lange gewährt wird, bis ein Ausgleich durch andere höhere Bezüge entsteht.
Schließlich ist noch zu erwähnen, daß durch einen Antrag des ZentrumS der Ausdruck „Subalternbeamte" beseitigt und für die Klasseneinteilung der Beamten andere Benennungen eingeführt werden.
ta im
Bekanntlich wird die Stärke des deutschen Heeres nicht jeder Jahr vom Deutschen Reichstage bewilligt, sondern die Zahl der Mannschaften deS stehenden HeereS wurde bisher immer auf eine Reihe von Jahren sestgesetzt, früher geschah dieS immer aus sieben Jahre, und man sprach damals von dem Septennat. Bei den letzten Beratungen über die Stärke des stehenden Heeres im Jahre 1905 wurde aber die Militär- Vorlage, die eine Erhöhung der Friedenspräsenz des Heeres um 10339 Mann forderte, nur aus fünf Jahre bewilligt und man spricht daher jetzt vom Quinquennat im Ausbau des deutschen Heeres. Dieses Quinquennat läuft in diesem Jahre ab, und es ist deshalb durchaus notwendig, daß durch eine neue Militär-Vorlage die Friedenspräsenz des.deutschen Heeres gesetzlich geregelt wird. Es haben sich nun allerlei Gerüchte über die Behandlung dieser neuen Militär-Vorlage schon seit längerer Zeit gebildet. Diese Gerüchte wollen wissen, daß im Hinblick auf die schlechte Finanzlage des Deutschen Reiches und die ganz ungenügenden Ergebnisse der jüngsten Finanz- reform von einer Erhöhung der Friedenspräsenz des Heeres abgesehen werden solle. Auch sollten sowohl der Reichskanzler wie auch der Reichsschatzsekretär es zur Bedingung bei der Uebernahme ihrer Aemter gemacht haben, daß für das Heer keine neuen Summen gefordert werden dürften. Allen diesen Gerüchten ist jetzt die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." in einem Artikel entgegengetreten, in d.m sie alle die bisherigen Mit- teilungen über den Verzicht auf eine neue Militär-Vorlage mit besonderen Forderungen für reine Erfindungen erklärt. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." kann es daher keinem Zweifel unterligen, daß im nächsten Winter eine neue Militär-Vorlage eingebracht werden wird und daß dieselbe auch bestimmte Neusorderungen für das Heer stellen wird. Man erfährt bei dieser Gelegenheit auch, daß die neue Militär-Vorlage wiederum den Zeitraum von fünf Jahren umfassen und in voller Uebereinstimmung zwischen dem Reichskanzler und dem Kriegsminister die notwendigen Forderungen für den Ausbau des deutschen
Wie ein geheimes Bangen wollte es daher Felix beschleichen, wenn er an diese Augen dachte; lächerlich, ein Paar hübsche, dunkle Mädchenaugen sollten ihm nun bonge machen, wo er, seine Ziele verfolgend, sich durch nichts hatte zurückschrecken lassen, um Ulrichs Oper zu stehlen I
Nun betrat er mit Ulrich das hübsche, behagliche, mit Blumendust ersüllte Zimmer der beiden Damen, er sah es glückselig aufleuchten in EvaS Augen, als sie Ulrich die kleine Hand reichte.
„DaS ist schön, daß Sie kommen!" rief sie, „ich sehne mich heute sörmlich nach Ihrer Musik, wo mir der Kops ganz wüst ist vom Klimpern meiner lieben Schülerinnen. — Aber waS ist Ihnen? Wie schauen Sie auö? So eigen! WaS ist denn passiert? Hat es wieder einmal einen Krach gegeben mit den liebwerten Verwandten?"
Der helle Schein der Lampe, die Irma jetzt ange- zündet, fiel voll aus Ulrichs Gesicht, in dessen ausdrucksvollen Zügen noch genug zu lesen war von den Aufregungen deS vergangenen Abends, und liebende Augen sehen scharf.
Ulrichs Blicke umfaßten die liebliche Mädchcncrscheinung im lichten Sommerkleide. Sein Vorhaben, sich zu der Schutztruppe zu melden, kam ihm plötzlich ganz verrückt vor. Sich trennen von ihr, dem Holdesten, Süßesten, was die Erde sür ihn trug, das weile Meer zwischen sie und ihn legen. War daS wirklich der einzige Weg, den er erwählen konnte, um sich Freiheit und Unabhängigkeit zu verschaffen, als Afrika, die Schutztruppe?
Felix mochte wohl seine Gedaüken erraten, forschend sah er ihn an und nahm dann eifrig das Wort. Zunächst berichtete er von dem Brande am vergangenen Abend in allen seinen Einzelheiten.
„Leider ist auch die Oper ein Raub der Flammen geworden", schloß er.
„Die Oper verbrannt! vernichtet!" riesen die beiden Damen wie aus einem Munde.
„Armer Freund! Aber es lebt in Ihnen daS Werk. Sie werden von neuem beginnen, e- niederzujchreiben", versuchte Eva ihn zu trösten, „dabei werden Ihnen neue
Heeres enthalten und nichts vermissen lassen wird, was nach dem Urteile der maßgebenden Behörden tm Interesse der Schlagsertigkeit des deutschen Heeres notwendig ist. Es ist gut, daß durch diese Ausführungen der „Nordd. Allg. Ztg." schon jetzt eine gewisse Klarheit über die neue Militär-Vorlage geschaffen worden ist, denn dadurch werden falsche Gerüchte beseitigt. Freilich erfährt man noch nichts von den Mehrfor- derungen der neuen Militär-Vorlage. Aber man hat deshalb nicht nötig, sich übertriebenen Befürchtungen hinzugeben. Vor fünf Jahren wurde eine Erhöhung der Friedenspräsenz des deutschen Heeres von 10 339 Mann verlangt und bewilligt und damit die Friedenspräsenz des deutschen Heeres auf 565 839 Mann erhöht, und mit einer ähnlichen Vermehrung wird wohl auch jetzt für das deutsche Heer zu rechnen sein. Eine sortdauernde Vermehrung des deutschen Heeres muß schon auf Grund des Gesetzes der allgemeinen Wehrpflicht eintreten, da sich das deutsche Volk von Jahr zu Jahr beträchtlich vermehrt und die allgemeine Wehrpflicht nicht mehr genügend gelten würde, wenn bei der Neueinstellnng der Rekruten nicht auch aus das Wachstum der Bevölkerung Rücksicht genommen werden würde. Sicher werden auch wieder eine Anzahl neuer Regimenter für das deutsche Heer gebildet werden, die für die Vermehrung des Heeres wichtig sind. Ferner dürften auch im Bezug auf die Ausrüstung und Bekleidung der Truppen notwendige neue Forderungen gestellt werden, um das Heer den modernen Kriegsausgaben und den Veränderungen der Schießtechnik anzupassen, denn die ungeheuere Tragfähigkeit der modernen Geschütze und Gewehre und die Tatsache, daß heranwarschierende Truppenteile schon feindliches Feuer bekommen, ohne den Feind überhaupt zu sehen, werden auf die Kriegsjührung einen so großen Einfluß aus- üben, daß dieselbe vielfach mit ganz neuen Vorsichtsmaßregeln rechnen lernen muß.
Wr 3n« und Ausland.
Berlin, den 12. Juni 1910.
S e Majestät derKaiserist heute nachmittag 3 Uhr in Schwerin eingetroffen und am Bahnhof vom Groß- Herzog von Mecklenburg-Schwerin empfangen worden. Beide Souveräne begaben Sich in einem ä la Daumont gefahrenen Wagen nach dem Schloß zur Taufe des Erbgroßherzogs. Se. Majestät der Kaiser war vom Bahnhof zum Schlosse auf der ganzen Fahrt, bei der die Truppen der Garnison Spalier bildeten, Gegenstand herzlicher Ovationen. Das Wetter ist schön und sehr heiß. Im Schloß begrüßte der Kaiser die Großherzogin und die fürstlichen Gäste. In der Schloßkirche versammelten sich inzwischen im Schiff und aus den Emporen die zur Taufe des Erbgroßherzogs geladenen Damen und Herren. Die Fürstlichkeiten begaben sich vom Salon der Großherzogin Anastasia aus in feierlichem Zuge nach der Kirche. Hierbei führte der Kaiser die Großherzogin-Witwe
Gedanken kommen! Es wird noch besser, noch vollendeter werden."
Ulrich schüttelte traurig den Kops und sagte: „Nein, nein, damit ist es vorbei, das Werk ersteht nicht wieder, es wäre überhaupt Verblendung, an die Zukunft desselben zu glauben. Felix hat mich darüber aufgeklärt, Mittelgut war es, eine Durchschnittsarbeit, das Milieu, in dem ich zu leben verdammt bin, hastete ihr an."
„Das ist nicht wahr!" rief Eva entrüstet, „Mittelgut war es nicht."
Ihre dunklen Augen richteten sich dabei finster auf Felix; daS war der forschende, bis aus den Grund der Seele drin- gende Blick, den er gefürchtet, er suchte demselben so unbefangen wie möglich zu begegnen.
„Nun habe ich mir natürlich Ihren allerhöchsten Zorn zugezogen, Fräulein Eva!" rief er lachend. „Ein wahrer Freund aber muß es auch ehrlich meinen, muß seine Meinung offen aussprechen."
Wieder richtete Eva den sorschenden Blick aus Felix. „Sie hatten srüher eine andere Meinung über Ulrichs Oper, dächte ich", sagte sie.
Wie schön sie waren, diese dunklen Augen, die ihn so zürnend anschauten. In Felix stieg ein heißes Verlangen aus, die schlanke Mädchengestalt in seine Arme zu nehmen, die frischen Lippen und die zürnenden Augen zu küssen. Warum dem Freund nicht auch noch die Geliebte rauben; nach Afrika konnte sie ihn ja doch nicht begleiten.
„Ich verstehe ja nicht so viel von Musik, wie Eva", nahm Irma jetzt das Wort, „so viel aber glaube ich doch beurteilen zu können, daß Ulrichs Wert keine Durchschnittsware gewesen ist. Ich meine auch, er muß es versuchen, die Oper wieder niederzujchreiben."
„Es wäre verlorene Mühe", sagte Ulrich, „jetzt habe ich überhaupt nur den einen Gedanken: Freiheit! Ich kann nicht mehr bei dem Onkel bleiben, in diesen drückenden Verhältnissen, dieser Abhängigkeit gehe ich zugrunde."
„Aber was willst Du beginnen?" fragte Irma.
„O, wir haben schon einen Ausweg gesunden", sagte Felix, die Blicke starr anf Eva richtend.