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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 71.

Sonnabend, den 18. Juni

1910.

Amtlicher Cell

Herrfeld, den 13. Juni 1910.

Nach Mitteilung der Handwerkskammer zu Cassel sind den Ortsvorständen des Kreises zur Feststellung der Handwerks­betriebe, in denen Lehrlinge beschäftigt werden, ErmittelungS- listen übersandt worden.

Die Listen sind alsbald ordnungsmäßig auSzufüllen und der Handwerkskammer umgehend zurückzusenden.

I. I. 5721. Der Landrat

von GruneliuS.

pelyeivererbnung.

Auf Grund des 8 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen 5ftHd deS § 143 deS Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung der Gemeindevertretung für den Ge «reindebezirk Oberhau« folgende Polizeiverordnung er­lassen.

§ 1.

Das Hemmen ohne Hemmschraube ist auf sämtlichen Fahrwegen, ausschließlich der steilen Wendewege, ver­boten.

§ 2.

Das Beschädigen der Wege, einschließlich der Wendewege und Gräben, beim Ackern mit Ackergerätschaften ist ver- boten.

§ 3.

Das Verunreinigen der Gräben, sowie daS Befahren der­selben an den Wegen außerhalb der vorgesehenen Uebersahrten ist verboten.

8 4.

Das Befahren der WirtschaftSwege der hiesigen Gemarkung mit Lastsuhrwerken jeglicher Art ist für alle diejenigen, welche nicht Grundbesitzer der hiesigen Gemarkung sind, verboten zum Zwecke der Bewirtschaftung von Grundstücken der angrenzenden Gemarkungen.

§ 5.

Das Wenden in hiesiger Gemarkung beim Bewirtschaften von Grundstücken der angrenzenden Gemarkungen ist ver­boten.

§ 6.

Es ist verboten Steine und anderen Unrat auf die Wege, einschließlich der Wendewege, und in die Gräben zu werfen.

§ 7.

Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Polizeiverordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, werden mit einer Geldstrafe bis 9 Mark oder mit entsprechen­der Haft bestraft.

Oberhaun, den 15. April 1910.

Die Ortspolizei-Behörde:

Wenzel.

Kgl. Cebran statt für Mein-, Obst- und Gartenbau zu Geifenbetm a. Rb.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen Kgl. Lehranstalt, 1. ein ObstverwertungSkursuS für Frauen in der Zeit vom 1.-6. August 1910, 2. ein ObstverwertungS- kursus für Männer in der Zeit vom 8.19. August 1910 abgehalten werden. Die Kurse beginnen an den zuerst ge­nannten Tagen vorm. 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwertung-methoden einzuüben. Der Unterricht umfaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, sowie Behandlung kranker Weine; Bereitung von Essig, Branntwein, Beerenwein, Schaumwein und alkohol- iteier Getränke; Untersuchung von Reinhesen, Kahmhesen u. Schimmelpilzen, ferner deS Mostes auf Zucker und Säure. Bereitung von MuS, Gelee, Marmelade und Pasten; Her­stellung u. Aufbewahrung von Konserven und Obstsäften, Dörren des Kern- und Steinobstes u. deS Gemüses. Obst­ernte, Sortierung, Ausbewahrung und Verpackung deS frischen Obstes. Gurken-, Kraut- und Bohnensäuerung usw.

Das Honorar beträgt 6 Mark, für Nichtpreußen 9 Mark. Anmeldungen sind an die Direktion zu richten. Die Direktion.

nicDtamtlicber teil.

Politischer Wochenbericht.

Während der BerichtSwoche hat sich ein bemerkenswerter Wechsel in einer der höchsten StaatSämter deS deutschen Reiches vollzogen: der bisherige Staatssekretär deS KolonialamteS Exzellenz Dcrnburg ist aus seinem Amte geschieden und an feiner Stelle ist der bisherige Unterstaatssekretär von Lindequist im Kolonialamte zum Staatssekretär dieser Behörde ernannt worden. Exzellenz Dernburg hat sich große und unsterbliche Verdienste um unsere Kolonien und damit

um die gesamte nationale Zukunft Deutschlands erworben. Mit unermüdlichem Eifer und seltenem Geschick hat er in den weitesten Kreisen der deutschen Nation die Erkenntnis von dem hohen Werte unseres Kolonialbesitzes zu verbreiten gewußt, und ebenso hat er auch in einem dem Wachstum dieser Er­kenntnis entsprechenden Maße *oas deutsche Kapital für die wirtschaftliche Erschließung unserer Kolonien zu interessieren und mobil zu machen verstanden. Ihm verdanken wir endlich auch einen kraftvollen Impuls zur Erweiterung und AuSge- staltung des kolonialen Bahnnetzes, des wirksamsten Förderungs- mittelS kolonialen Besitzes. Alles daS soll ihm unvergessen bleiben. In Exzellenz v. Lindequist aber hat der scheidende Staatssekretär zweifellos einen würdigen Nachfolger gesunden. Herr v. Lindequist ist einer unserer erfahrensten und erfolg­reichsten höheren Kolonialbeamten. Die deutsche Nation ver­teilt daher durchaus keine Vorschußlorbeeren, wenn sie dem neuernannten Staatssekretär des Reichskolonialamts mit den weitgehendsten Hoffnungen und dem stärksten Vertrauen begegnet.

Der Streit um die B o r r o m 8 u s - E n z y k l i k a hat einen Abschluß gesunden, wie wir ihn uns nicht besser wünschen können. Auf die ernste Verwahrung, die der deutsche Reichs­kanzler und preußische Ministerpräsident Herr von Bethmann Hollweg unverzüglich durch den preußischen Gesandten beim Vatikan wegen Schmähungen der Resormation und ihrer An­hänger dem Papste gegenüber einlegen ließ, hat sich dieser alsbald zu weit entgegenkommenden Schritten bereit gesunden. Er hat sein lebhastes Bedauern über die durch den Inhalt der Enzyklika veranlaßte Erregung der evangelischen Kreise Deutschlands ausgesprochen und erklären lassen, daß ihm jede Absicht der Verletzung biefer^reife vollständig fern gelegen habe. Um aber auch gleichzeitig gewissermaßen ein praktisches Siegel unter diese Erklärung zu drücken, hat er für Deutsch­land die Verkündigung der Enzyklika aus den Kanzeln und ihre Veröffentlichung durch die bischöflichen Verordnungsblätter verboten. Damit ist dem verletzten evangelischen Gefühl voll­auf Genüge geschehen und jeder billig denkende Evangelische wird eingcstchen müssen, daß der Papst in seiner Zurücknahme der den Protestantismus beleidigenden Aeußerungen soweit gegangen ist, wie er eS als Oberhaupt der katholischen Kirche ohne Preisgabe seiner Autorität irgend vermag. Unser Reichs­kanzler aber, aus dessen persönliches Konto die schnelle und glückliche Regelung der Angelegenheit zu setzen ist, hat sich hierdurch um die Erhaltung des konfessionellen Friedens und damit um daS Wohl des Vaterlandes überhaupt ein außer­ordentliches Verdienst erworben. Die Akten über die Borromäus- Enzyklika sind hiermit hoffentlich geschlossen, und wir wollen wünschen, daß vor allem auch die Versuche der linksstehenden Parteien, die Angelegenheit in parteipolitischem Sinne für ihre Interessen auszuschlachten, nunmehr ihr Ende erreicht haben mögen.

AuS Afrika und in Bezug aus Afrika gibt es mancherlei Interessantes zu berichten. In Paris hat die deutsch-fran- zösisch-englisch-spanische Kommission technischer Delegierter ein Bergwerksgesetz oder Bergwerksreglement für Marokko fertig, gestellt, das auch bereits die Zustimmung des diplomatischen Korps in Tanger gesunden hat. Seine Veröffentlichung steht daher demnächst bevor, und wir werden daraus auch ersehen, wieviel von den Mannesmannschen Konzessionen, für welche die deutsche Regierung mit Energie und Zähigkeit gearbeitet hat, festgehalten werden konnte. Im Osten Afrikas sind die Engländer durch den Tod deStollen Mullah-, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten, die aus der afrikanischen Eingeborenenbevölkerung hervorgegangen sind, von einem schweren Alpdrücke befreit worden. Die Folge dürste über kurz oder lang eine Erweiterung des ostafrikanischen Kolonialbesitzes Englands sein. Im Süden des dunklen Erdteils ist die Union der südafrikanischen Staaten nunmehr auch formell Wirklichkeit geworden. Man darf aus die im Juli bevorstehenden Parlamentswahlen gespannt sein. Aeußerlich herrscht ja zur Zeit zwischen dem holländischen und dem englischen Elemente daS beste Einvernehmen, unter der Oberfläche aber dürste doch eine tiefgehende Rivalität vorhanden sein, die voraussichtlich auch bei den Wahlen ihren Ausdruck finden wird.

In Frankreich hat der Ministerpräsident Briand vor der neugewählten Kammer feine Programmrede gehalten. Sie erhielt ein ganzes Bukett sozial- und wirtschastSpolitischer Versprechungen. Zwischen Versprechen und Hoffen aber gähnt oftmals und ganz besonders in einem dem Wechsel der politi­schen Atmosphäre so ausgesetzten Lande, wie das parlamen­tarisch regierte Frankreich eS ist, eine weite Kluft. Hinsichtlich der äußeren Politik wußte Briand geschickt die Töne zu treffen, die Herz und Ohr seiner Landslcute gern vernimmt. So redete er auch von der Freudigkeit, mit der ganz Frankreich im Jahre 1908 bereit gewesen sei, der angeblich bestehenden ernsten Kriegsgefahr zu begegnen. Das ist natürlich eine Lenzende, die dadurch nicht wahrer wird, daß der französische Minister­präsident sie sich zueigen macht; denn im Jahre 1908 hat überhaupt keine Kriegsgefahr bestanden. Im übrigen kann es unS völlig kalt lassen, wenn der französische Nationalstolz sich an solcher Legendenbildung zu berauschen liebt.

In Rußland ist die finnische VerwaltungS-

frage von Duma und Reichsrat im Sinne einer völligen Vernichtung der Autonomie Finnlands gelöst worden. Der bekannte Führer der Rechten, Purischkewitsch, brach bei der entscheidenden Schlußabstimmung in den chauvinistischen Triumphrus:Finis Finlandiae 1" aus. Ob er damit aber recht hat, will uns noch sehr fraglich erscheinen, Die Finnen sind ein Volksstamm von großer nationalerZähigkeit und hoher Bildung, die den Russifizierungsbestrebungen noch aus lange hinaus ersolgreichen Widerstand leisten dürsten, und das liegt auch zweifellos im Interesse der allgemeinen Kultur.

Die Schrecken des Hochwaffers.

Die Nachrichten aus Oberbayern, der Schweiz und Tirol über die durch das Steigen der Flüsse hervorgerusenen Ueber- schwemmungen lauten immer trostloser. Die Katastrophe, die das ganze Nordalpengebiet betroffen hat, ist die schwerste seit Jahrzehnten. Aber auch in Serbien hat eine riesige Ueber- jchwemmuug viele Menschenleben vernichtet und großen Schaden angerichtet. Die einzelnen Meldungen lauten:

Zürich, 15. Juni. Seit der Wasserkatastrophe im Herbst des Jahres 1867 gab es keine so gewaltigen Niederschlags­mengen mehr zu verzeichnen wie in den letzten Tagen. Von allen Bergstattonen bis über 2000 Meter hinaus werden ge­radezu unglaubliche Regenmengen gemeldet. Der Züricher See hatte innerhalb 24 Stunden allein einen Zufluß von über dreihundert Millionen Hektoliter Wasser. Das Einzugsgebiet der Katastrophe befindet sich nördlich vom Gotthard und öst­lich von der Aare. Der Regen fiel allerdings schon seit meh- reren Tagen, doch glaubte niemand an die Möglichkeit einer Katastrophe. Als die Bevölkerung im besten Schlafe lag, er­tönte im oberen Rhcintal, am Wallensee, in Davos, Glarus, Reußtal und Luzern das Alarmzeichen. Ueberall mußte die Feuerwehr aufgeboten werden. Sämtliche Bäche und sonst ruhige Flüsse schwollen zu Strömen an. Die Sihl, welche wenige Stunden oberhalb Zürichs entspringt, stieg in wenigen Stunden um über drei Meter. Der Fluß führte die größten Bäume mit sich und bedrohte nun die zahlreichen Brücken bis unterhalb Zürichs. Auf der westlichen Seite der Stadt stehen viele Fabriken unter Wasser, so daß die Betriebe eingestellt werden mußten. Viele Straßen in der Nähe des Wassers sind ungangbar. Zahlreiche Gebäude mußten geräumt werden und drohen einzustürzen. Anderthalb Stunden unterhalb Zürichs bedrohte eine große Scheune, welche von der Sihl wegge- schwemmt worden war, die Straßenbahnbrücke, sodaß das Ge­bäude gesprengt werden mußte. Die Brücke der neuen Bahn Weinselden-Konstanz wurde weggerissen. In Davos mußten Schutzbauten errichtet werden. Der Zug ChurFilisur ver­kehrt nicht mehr. In Wallenstadt, das ganz unter Wasser steht, ist Militär ausgerückt. Das Dorf Tscherlach ist schwer gefährdet. Im Kanton Glarus hat die Linth bei Dießbach einen großen Teil der Bahnlinie weggeschwemmt. Im Kanton Appenzell mußten zahlreiche Häuser geräumt werden. Es finden gegenwärtig große Erdschlipfe statt. Das ganze Gebiet um Luzern und den Vierwaldstättersee ist in Gefahr. In Altdorf ist die eidgenössische Munitionsfabrik von Schaechenbach ge­fährdet. Die Bahnverbindung nach Brienz ist ebenfalls unter­brochen. Der untere Teil der Stadt Bern ist gleichfalls über­schwemmt. Der Schaden ist ganz enorm.

Zürich, 15. Juni. Die Wasserkatastrophe nimmt immer bedenklichere Formen an. Im Kanton GlaruS ist eine ganze Anzahl von Brücken weggeschwemmt. Die Holzbrücke von MolliS schwimmt aus dem Walensee. Die Bergung der elf Leichen in Altdors war nur möglich durch Sprengungen. Bei Schwyz ist ein ganzes neues HauS im Wasser ver- schwunden. Von den Insassen ist noch keine Nachricht. Weitere Häuser sind gefährdet. Brunnen steht metertief unter Wasser. In Bern wurde ebenfalls ein Haus weggeschwemmt. In Meningen sind 1500 Mann Feuerwehr in Funktion. Der Schaden im ganzen Gebiet beläuft sich aus viele Millionen.

Luzern, 15. Juni. Die Ueberschwemmung am Vier- waldstätter See trägt katastrophalen Charakter. Von 6 bis 10 Uhr stieg in Luzern das Hochwasser um 20 Zentimeter. Der Tramverkehr ist teilweise eingestellt, eine Brücke unter Wasser. Die Feuerwehr ist überall in Tätigkeit. In Herten- ftein ist das Seeufer ein Meter unter Wasser. Nach Vitznau sind 80 Feuerwehrleute und eine Kompagnie Militär ein ge­schifft worden. Die dortige Pension Rosenegg ist unter Wasser. Erdrutschungen in Altdorf zerstörten ein Haus. Wie bereits gemeldet, fanden eine Mutter und 11 Kinder den Tod. Drei konnten gerettet werden. In ganz Nidwalden gibt eS große Verheerungen. Die Gotthardbahn ist von Erstfeld bis Goeschenen und Brunnen bis Schwyz unterbrochen. Des­gleichen die Engelbergbahn und die Axenstraße. In Emmen- brücke und Emmen sind viele Häuser überschwemmt. Um 12 Uhr brach der Damm in Rothen. Das ganze Reußthal ist ein See.

Zwar scheint auch das Hochwasser in den schwerbetroffenen oberbayrischen Städten, Garmisch, Oberammergau, und im Algäu seinen Höhepunkt erreicht zu haben, doch ist nach der Prognose des Münchener hydrotechnischen Instituts dafür ein