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herrfel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 72.
Dienstag» den 21. Juni
1910.
Amtlicher teil.
Ich habe Veranlassung daraus hinzuweisen, wie er im allgemeinen Interesse dringend erwünscht ist, daß bei Benutzung der Eisenbahn die mit ansteckenden Krankheiten, wie Diphtherie, Ruhr, Scharlach, Keuchhusten und Masern behafteten Reisenden oder deren Begleiter den StationS- oder Zugbe- gleitungsbeamten rechtzeitig von der Krankheit Mitteilung machen, damit ihre Beförderung in gesonderten Abteilen er- folgen kann und dadurch einer Weiterverbreitung dieser Krankheiten durch Uebertragung aus Mitreisende vorgebeugt wird.
Zweckmäßig ist, daß diese Mitteilung in Form einer von dem behandelnden Arzt auszustellenden ärztlichen Bescheinigung erfolgt. (A. II. 4174.)
Cassel, am 14. Mai 1910.
Der RegierungS-Präsident.
gez. Graf von B e r n st o r s s.
Hersfeld, den 13. Juni 1910.
Wird veröffentlicht.
I. 5257. Der Landrat
von GruneliuS.
Hersfeld, den 16. Juni 1910.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 17. Oktober 1900 I. I. Nr. 2546 — KreiSblatt Nr. 125 — bezw. 3. Mai 1905 I. I. Nr. 3056 — KreiSblatt Nr. 53 — betreffend Einreichung der Nachweisung über den Bestand an Kühen und deckfähigen Rindern und sprungfähigen Bullen noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Ich sehe der Vorlage der Nachweisung bestimmt bis zum 23. d. Mts. entgegen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
I. A. 4552. von GruneliuS.
HerSfeld, den 15. Juni 1910.
Ueber die bei Hochbauten anzunehmenden Belastungen und die Beanspruchung der Baustoffe sind im Ministerium der öffentlichen Arbeiten neue Bestimmungen ausgearbeitet worden. Diese neuen Bestimmungen sollen sortan bei allen Hochbau- ausführungen zur Anwendung gelangen.
Indem ich die Interessenten hieraus besonder- aufmerksam mache, teile ich mit, daß diese auSsührlichen Bestimmungen als Sonderabdrücke zum Preise von 80 Psg. für daS Stück von der Firma Wilhelm Ernst und Sohn in Berlin W 66, Wilhelmstraße 90, bezogen werden können.
J. B. Nr. 1755. Der Landrat von GruneliuS.
HerSscld, den 17. Juni 1910.
Die Herren Bürgermeister deS Kreise-, welche meine Ver-
3er gestohlene Ruhm.
Roman von F. S u t a u.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Nun, dann beklagen Sie mich", sagte Irma lächelnd, »ich habe bis jetzt von männlichen Wesen nur meinen Vater und Bruder geliebt, daS ist aber natürlich nicht die echte Liebe, die Sie meinen.“
„O, auch Ihre Stunde wird schlagen, Fräulein Arndt, gerade Sie haben etwas so echt Weibliches, sind wie geschaffen Nr häusliches Glück.«
„Und er gibt so interessante Maler", fügte Eva neckend ymzu.
Irma wurde flammend rot, wie ein schwüler Traum zog etwas an ihrer Seele vorüber, auS weiten versunkenen Fernen tauchte ein Männerantlitz vor ihr aus, nicht daS ihres Paters, nicht Ulrichs. WaS sollte daS jetzt, wo dem fernen Bruder doch einzig und allein ihr ganzes Interesse gelten mußte I
. »Ja, ja, Künstler sind meisten- interessante Menschen", "jewte Jenny, „mein Fritz ist zwar keiner, nur ein simpler Buchhalter in einem Kohlengeschäst. Seine einzige Kunst- “ijiung war seinerzeit ein Polterabendgedicht. Aus diesem unvergeßlichen Polterabend bei einer befreundeten Familie Anten wir uns kennen und lieben. Sein schönster Traum sit, ein eigenes Kohlengeschäst zu gründen und dann be- ^en^ Sie Ihre Kohlen von der Firma Hennemeier, nicht
„Gewiß, das tun wir, junge Ansänger muß man immer unterstützen", sagte Eva lächelnd
Fräulein Jenny erhob sich jetzt, ihre Zeit sei leider um, sie müsse nun heim zu den Eltern und Geschwistern, erklärte sie, versprach aber, bald wiederzukommen. Die beiden Damen müßten aber auch einmal nach Friedenau herauskommen, meinte Jennt).
"Es geht zwar sehr bescheiden her bei uns, da mein Vater
sügung vom 23. März d. Js., I. Nr. 3000, betreffend Vertilgung der Maikäser, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist von 8 Tagen hiermit erinnert.
I. 3000 II. Der Landrat.
I. V.:
W e s s e l, Kreissekretär.
Hersfeld, den 17. Juni 1910.
An die sämtlichen Ortspolizeibehörden des Kreises.
Die Ortspolizeibehörden deS Kreises werden aus gegebener Veranlassung auf die Vorschrift im § 161 Abs. 2 der Strafprozeßordnung, nach welcher sie die Verhandlungen über strafbare Handlungen ohne Verzug der Königlichen Staatsanwaltschaft zu übersenden haben, zur künftigen genauesten Beachtung hingewiesen.
I. 5709. Der Landrat
von GruneliuS.
Bekanntmachung, die Beschädigung der Reichs-Telegraphenanlagen betreffend.
Zum Schutz der Reichs-Telegraphenanlagen sind durch das Gesetz vom 13. Mai 1891, betreffend die Abänderung von Bestimmungen deS Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich, nachstehende Bestimmungen erlassen.
§ 317. Wer vorsätzlich und rechtswidrig den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage dadurch verhindert oder gefährdet, daß er Teile oder Zube- Hörungen derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit Gesängnis von einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.
§ 318. Wer fahrlässiger Weise durch eine der vorbe- zeichneten Handlungen den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage verhindert oder gefährdet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neunhundert Mark bestraft.
Unter Telegraphenanlagen im Sinne der §§ 317 und 318 sind Fernfprechanlagen mitbegriffen.
Da die Reichs-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig teils vorsätzlich (Zertrümmern der Isolatoren durch Stein- würse rc.) teils fahrlässig (namentlich beim Fällen von Bäumen) beschädigt worden sind, so werden die vorstehenden Bestimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Zugleich wird demjenigen, welcher vorsätzliche oder fahrlässige Beschädigungen der Reichs-Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Täter mit Erfolg eingeschritten werden kann, in jedem einzelnen Falle eine Belohnung bis zur Höhe von 15 Mk. hiermit zugesichert.
Cassel, am 11. Mai 1910.
Kaiserliche Ober-Postdircktion. I. V.: Buchholz.
♦ *
Hersfeld, den 13. Juni 1910.
Vorstehendes bringe ich zur öffentlichen Kenntnis.
Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie
»M———»——^——-—— i ..LU!■■■■—■■—"■——■"■■■* kein großer Millionär ist, sondern nur ein kleiner Baumeister", sagte sie, „aber lustig ist es säst immer bei uns, ich glaube, eS gibt kaum eine sröhlichere Familie im ganzen Umkreise von Berlin als die unsere, und mein Fritz paßt so recht hinein in unsere Familie, er ist auch immer lustig wie der König „Lustik" von Westfalen. Freilich, als Fritz nach China zog, da war eS vorbei mit der Lustigkeit, für mich wenigstens, die andern wußten ja noch nichts von unserer heimlichen Liebe; erst als er zurückkam, ersuhren sie es; da war natürlich denn ein Jubel sondergleichen. Nun aber adieu, eS ist die höchste Zeit, ich bin doch wirklich eine schreckliche Plaudertasche, aber nur Menschen gegenüber, die ich gern habe, andern gegenüber, die ich nicht mag, kann ich mich auch in vornehmes Schweigen hüllen.« —
„Ich glaube, dieses liebe heitere Geschöpf hat unS Gott zu unserem Troste gesandt", sagte Eva, als Jenny nun end- lich doch gegangen, „damit wir nicht ganz verzagen in dieser dunklen, sorgenvollen Zeit jetzt."
Irma nickte nur und erwiderte kein Wort.
„Du bist mit doch nicht böse, daß ich daS erwähnte von dem Maler?"
Ganz ängstlich sah Eva die Freundin an.
„Der Traum ist vorbei —" murmelte Irma.
„Warum vorbei? Er ist doch nicht gestorben, bloß nach München ist er gegangen, er kommt sicher wieder nach Berlin."
„Ach, laß doch die alten Geschichten! Jetzt an etwas anderes denken alS an Ulrich, eS käme mir wie ein Verbrechen vor."
„Vielleicht wäre eS ganz gut, man könnte mal etwas anderes denken. Ich vermag eS so auch nicht. Wenn ich nur wenigstens von meinem unseligen Verdacht loskommen könnte, eine wahre Qual ist eS."
„Der arme Herr Bürger, er bemüht sich so um Deine Gunst", meinte Irma.
„Das ist ja nun noch daS Schrecklichste! Wenn ich dächte, er hätte darum alles getan, feinen Freund darum aus dem Weg haben wollen. Zum Tollwerden ist eS. Aber er soll eS nur wagen, mir von Liebe zu reden!"
des Kreises ersuche ich, dem Gegenstände besondere Ausmerk- samkeit zu widmen und bei etwaigen Beschädigungen der Telegraphenanlagen unnachsichtlich einzuschreiten.
I. 5183. Der Landrat
von GruneliuS.
Die
(Semeinh«(ßru»bftü(tf> parzelle
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Kartenblatt 117 Nr. 0,56 qm groß, im hiesigen Orte bei dem Anwesen des Heinrich Mosebach I belegen, soll eingezogen werden.
Einsprüche gegen die Einziehung sind binnen einer Aus- schlußsrist von vier Wochen geltend zu machen.
Ausbach, den 16. Juni 1910.
Die Wegepolizeibehörde.
Metz.
nichtamtlicher Ceil.
Berlin, den 19. Juni 1910.
Der Kaiser hat auf die ihm erstattete Meldung von der ersten direkten Kabelvcrbindung Deutschlands mit dem afrikanischen Kontinent dem Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke solgendes Telegramm zugehen lassen: „Ich habe Ihre Meldung von der Verlängerung des Kabels Emden—Teneriffa bis nach Monrovia und der damit glücklich erreichter. ersten unmittelbaren Verbindung Deutschlands und Afrikas mit besonderer Befriedigung entgegengenommen. Ihnen und den Norddeutschen Seekabelwerken meinen wärmsten Dank. Wilhelm I. R.“ Die Deutschen Seekabelwerke sind gegenwärtig mit der Fabrikation und Fortsetzung des Kabels nach Per- nambuco beschäftigt.
Aus Hamburg wird gemeldet: Ihre Majestät die Kaiserin ist gestern um 3 Uhr in Begleitung der Prinzessin Viktoria Luise im Hofsonderzug am Dammtorbahnhof eingetroffen. In einem ä. la Daumont gefahrenen Vierspänner be- gaben sich die Kaiserin und die Prinzessin unter dem Jubel des zahlreich erschienenen Publikums zur Homer Rennbahn, woselbst nachmittags um 2Va Uhr das Sommerrennen des Hamburger Rennklubs bei schönem Wetter und überaus zahlreichem Besuche stattsand. Nach dem EröffnungSrennen erschien der Kronprinz, von stürmischen Hurrarufen begrüßt. Um 3Vs Uhr traf die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise unter sehr herzlichen Ovationen des Publikums aus dem Rennplatz ein. Die Herrschaften wurden in die Loge geleitet und verfolgten mit regem Interesse das Rennen um den großen HansapreiS, das von dem Graditzer Orient überlegen gewonnen
„Er ist eine gute Partie", sagte die Freundin.
„Irma!" schrie da Eva aus und eine helle Entrüstung spiegelte sich in ihrem Antlitz.
„Nun ist es wohl an mir, um Verzeihung zu bitten", sagte Irma lächelnd, „ich will Dir aber durchaus keine berechnenden Gedanken zumuten, daS sei ferne von mir. Wenn je einem Charakter Berechnungen fernliegt, so ist es wohl der Deine."
„Und wenn er Millionen hätte, dieser Felix Bürger, daS könnte nichts ändern in meiner Gesinnung ihm gegenüber!"
Eva hatte unter diesen Worten ihr schönes, glänzend braunes Haar ausgelöst und stand nun vor dem Spiegel, es mit dem Kamm bearbeitend.
„Bin ich denn eigentlich so hübsch, oder was ist es, waS ihm an mir gesällt?"
„Du bist nicht allein hübsch, sogar schön bist Du", versetzte Irma. „Du gehörst eben zu denen, die man liebt, es ist ein ganz eigener Zauber, der solche Mädchen und Frauen umgibt."
„Sollte Dich dieser Zauber nicht auch umspinnen?"
„Nein, solche Frauen vergißt man nicht, ich aber bin vergessen worden. Warum mußtest Du auch solche Erinnerungen auswühlen."
„Verzeih mir bitte, es war ganz schlecht von mir, Dich noch trüber zu stimmen, wo es wahrhaftig genug der Sorgen und des Leides sind", sagte Eva noch, als sich die Damen zur Ruhe begaben.
Irma lag noch lange wach, denn ihre Gedanken flogen weit, weit zurück. Sie war so jung gewesen,. so sorglos und glücklich, als sie Fred Lasten, den jungen Maler, zuerst auf einem Künstlcrsest kennen gelernt hatte. Ihre Eltern lebten damals noch und vor ihr lag daS Leben noch im hellen Sonnenglanze. O, der seligen Zeit voll Torheit und blindem Vertrauen aus das Glück. Er war in ihr Haus gekommen, Ulrich hatte ihn eingeführt, eines Tages bat er darum, sie malen zu dürfen und zwar als Märchen. Ein wunderbares Bild schwebte ihm vor, ein Bild, das sein Glück machen müsse, wenn eS ihm gelänge. Gar hoffnungSfreudig hatte eS