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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Snschlutz Nr. 8
Nr. 73
Donnerstag, den 23 Juni
1910,
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auf das ijersfcldtr Herzblatt.
Das „Hersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über
Politik des In- und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer
spannende Romane, Erzählungen rc.
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Die Expedition des Hrrsfrldrr Kreisblattes.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe III Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der 3prozentigen deutschen Reichsanleihe von 1890 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Juli 1910 bis 30. Juni 1920 nebst den ErneuerungSscheinen für die
Her Mim Ruhm.
Roman von F. Sutau.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
»Ist »Ja, Wie
es eine Oper, an der Sie arbeiten?" eine Oper."
ein jähes Erschrecken flog es dabei über Felix' Gesicht, als hätte er mit diesen drei Worten seinen schändlichen Raub verraten. Scheu sah er seine Nachbarin von der Seite an, wieder begegnete ihm der so forschende seelenergründende Blick, den er so fürchtete.
»Sie werden eS nun wohl erreichen, wonach mein armer L ■ $ei$ gestrebt", sagte Irma und begann dann den -orie) Ulrichs wieder weiter vorzulesen.
_, V7U stehe ich aus asrikanischem Boden", schrieb er, „ein Wunderbares Gesühl ist es doch, waS einen ergreift, beim ' Schritt aus solchen fremden Erdteil, von dem man bis Büchern und Zeitschriften gelesen. Wie sremd, E^underbar alles, hier Frühling, bei Euch Winter, fremd- Gestalten begegnen einem: düstere, weltfremde ?u^ uns an. Morgen geht es nach Windhuk, was
^? umwirb, ob eS gleich in den Kamps geht, oder ob Ja -a? einem ststen Lager bleiben werden, das wissen wir noch nicht.
(SA^JhTümmung ist gut, kampsesmutig. ES hat etwas h^ ^^ ,!^" schwachen Kräften dazu beizutragen, frWt™ w « i?en Baterlande diese großen Landgebiete zu mele ^ zurückstehen gegen andere Staaten, doch schließlich.^ ’“ "^ toflcn' °b« siegen werden wir saate^liv «A^ ^ richtigen kriegerischen Stimmung", der ,n^i»r-., 'm^ ??rtb dannl Mit nicht allzu großem Interesse « ä Je§ Briefes zu. Man las jetzt gerade b ^ vule Briefe wurden veröffentlicht, im ganzen sehr ähnlich waren.
»Gott erhalte ihm den frischen Mut!" rief Eva.
solgende Reihe werden vom 7. Juni d. Js. ab ausgereicht, und zwar
durch die Königlich Preußische Kontrolle der Staatspapiere in Berlin 8. W. 68, Oranienstraße 92/94,
durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrafenstr. 46 a,
durch die Preußische Central-Genossenschafts-Kasse in Berlin C 2, am Zeughause 2,
durch alle Reichsbankhaupt- und Reichsbankstellen und alle mit Kasseneinrichtung versehenen Reichsbanknebenstellen,
durch alle preußischen RegierungShauptkassen, Kreiskassen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwalteten Forstkassen,
durch diejenigen Oberpostkassen, an deren Sitz sich keine Reichsbankanstalt befindet,
ferner in Bayern durch die Königliche Hauptbank in Nürnberg und ihre sämtlichen Filialen,
in Sachsen durch die Königlichen Bezirkssteuereinnahmen,
in Württemberg durch die Königlichen Kameralämter,
in Baden durch die Mehrzahl der Großherzoglichen Finanz- und Hauptsteuerämter,
in Hessen durch die Großherzoglichen Bezirks- kassen und Steuerämter,
in Sachsen-Weimar durch die Großherzoglichen Rechnungsämter,
in Elsaß-Lothringen durch die Kaiserlichen
an Orten ohne Reichsbankanstalt.
Steuerkassen,
in den übrigen Bundesstaaten durch verschiedene von ihnen bekannt gegebene Kassen.
Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Ab
hebung der neuen Zinsscheinreihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Anweisungen, Talons) einzuliefern sind, werden von den vorbezeichneten Ausreichungsstellen unentgeltlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf eS zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind. (K. 764.)
Berlin, den 30. Mai 1910.
Reichsschuldenverwaltung. gez. von Bischossshau sen.
nichtamtlicher Ceil.
Berlin, den 21. Juni 1910.
Se. Majestät der Kaiser nahm heute vormittag im Neuen Palais bei Potsdam die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, Generals der Infanterie Frhrn. v. Lyncker und des Chefs des Marinekabinetts, Vizeadmirals v. Müller entgegen.
Der neue Minister deS Innern v. Dallwitz, bisher Oberpräsident von Schlesien, stammt aus Breslau, wo
„Und führe uns ihn wieder glücklich heim", setzte Irma hinzu. „Wenn ich mir denke, daß er eines Abends hier wieder eintritt, sich an das Piano setzt und seine Melodien erklingen läßt. Ich könnte aufjauchzen vor Freude! Und was wird er alles zu erzählen haben, ach, es ist ja gar nicht auszudenken, diese Seligkeit."
„Ich stifte eine Ananasbowle zur Feier der Wiederkehr", erklärte Eva, „Sie sind natürlich auch dazu eingeladen", wandte sie sich an Felix.
„Sehr verbunden", sagte dieser, sich erhebend.
„Wollen Sie uns schon verlassen? Ich hoffte, wir würden einiges aus der neuen Oper zu hören bekommen", bemerkte Irma.
„Nein, nein, das müssen Sie mir erlassen, das kann ich wirklich nicht. Meinem ganzen Sein widersteht es, irgend jemand, wer es auch sei, von meinen Kompositionen etwas vorzuspielen, ehe sie dem großen Publikum vorgeführt, sozusagen die Feuertause erhalten haben."
„Dann müssen wir also verzichten", sagte Irma. „Zum längeren Bleiben dars man Sie wohl auch kaum nötigen, wir sind jetzt keine sehr anregende Gesellschaft in der Trauer um Ulrich. Wären Sie nicht sein Freund, würden wir es Ihnen ja auch gar nicht zumuten, unS jetzt zu besuchen."
„Aber verehrtes Fräulein, ick komme so gern, nur heute ist meine Zeit knapp. Ich darf doch wiederkommen?"
War es nicht Wahnsinn, sein Liebeswerben? So fragte er sich, als er nun unten aus der Straße stand und zu den erleuchteten Fenstern des soeben verlassenen Zimmers empor- sah. Was ist er ihr, ein Freund Ulrichs, weiter nichts! Diese Gleichgültigkeit, mit der sie ihm begegnete! Er war dergleichen nicht gewöhnt von jungen Damen, ein hübscher stattlicher Mann, der er war, dazu, was wohl bei Vielen am schwersten ins Gewicht fiel, eine gute Partie, denn Felix war reich. Das wissen die jungen Damen deS zwanzigsten Jahrhunderts doch sehr zu schätzen. Eva Fehrle aber schien eine Ausnahme zu fein. Dachte sie denn gar nicht daran, was für eine glänzende Zukunft sie sich verscherzte durch ihr abweisendes Benehmen? Gerade diese Kälte, diese Unnahbarkeit aber hatte sür ihn, den von den Frauen so Verwöhnten,
er am 29. November 1855 geboren ist. Er war auch später als Verwaltungsbeamter in Schlesien tätig, indem er 1886 als Landrat an der Spitze des Kreises Lüben stand. Hierauf Regierungsrat bei dem Oberpräsidium in Posen und Vortragender Rat im Ministerium des Innern, schied er 1902 aus dem preußischen Staatsdienst, um im nächsten Jahre anhaltischer Staatsminister zu werden. Von 1893 bis 1899 gehörte Herr v. Dallwitz auch dem preußischen Abgeordnetenhause als Mitglied der konservativen Fraktion an. Am 27. November 1909 zum Oberpräsidenten von Schlesien berufen, empfing er aus dem Lande seines bisherigen Wirkens Zeichen lebhafter Anerkennung für sein sechsjähriges Wirken an der Spitze der dortigen Verwaltung.
Auch der Landwirtschaftsminister v. Arnim ist in den Ruhestand getreten und an seiner Stelle der bisherige Oberpräsident der Rheinprovinz Klemens Freiherr v. Schorlemer zum Staatsminister und Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten ernannt worden. Staatsminister Bernd v. Arnim, Herr aus Kriewen im Kreise Angermünde, ist am 20. Mai 1850 geboren und war im April 1867 in den Dienst der Marine eingetreten. Nach seinem Abschied aus dem aktiven Dienst widmete er sich der Bewirtschaftung seiner Besitzungen und später mancherlei öffentlichen Ehrenämtern. Schon seit 1892 war Bernd v. Arnim Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Landwirtschafts-Geselljchast und war seit dem 23. November 1906 Minister sür Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Staatsminister Frhr. v. Schorlemer ist zu Alst im Kreise Steinsurt i. W. am 20. September 1856 geboren. Im Jahre 1886 wurde er in die allgemeine Staatsverwaltung übernommen. Am 1. April 1888 übernahm er die Verwaltung des Landrotsamts Neuß, am 1. Dezember 1897 Die Vertretung des " erkrankten Oberpräsidialrats in Breslau und wurde am 29. August 1898 dort zum Oberpräsidialrat ernannt. Seit dem 31. August 1897 Königlicher Kammerherr, schied er am 26. März 1900 aus dem Staatsdienst aus, um sich der Verwaltung seiner ausgedehnten Güter in der Rheinprovinz zu widmen. Am 24. August 1905 übernahm er dann als Nachfolger Berthold Nasses daS Ober- Präsidium der Rheinprovinz.
Die trotz des ergangenen Schiedsspruches des Dresdner Schiedsgerichtes auch jetzt noch nicht ganz beseitigten Disfcrenzen im deutschen Baugewerbe hatten am Montag die Abhaltung eines Verbandstages der Maurer im Volkshause zu Charlottenburg zur Folge. Hierbei empfahl der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter Bömelburg, dringend die Annahme des Dresdner Schiedsspruches und demzufolge die Wiederaufnahme der Arbeit. Ungeachtet dessen sind aber in einer ganzen Reihe von Plätzen die Bauarbeiter bis jetzt noch nicht wieder zur Arbeit zurückgekehrt, so z. B. in Leip- zig, Dresden, Gera, Eisenach, Jena, Nürnberg, Fürth usw. Der Arbeitgeberverband des Baugewerbes ist, wie berichtet wird, entschlossen, sich ein derartiges renitentes Verhalten eines Teiles der Bauarbeiter nicht bieten zu lassen, sondern
großen Reiz, ebenso dieses ganz Unberechenbare ihres Wesens wo die Weit doch jetzt im allgemeinen so selbstisch, so berechnend, die Frauen säst noch mehr wie die Männer sind. Eine der edelsten Frauen ist sie, es lohnt sich wohl, um solch ein seltnes Menschenkind zu werben.
So lautete daS Endresultat seiner Gedanken, mit denen er seine Wohnung betrat, und die Werbung wird und muß ihm gelingen, so gut, wie er das andere Ziel erreichen würde, dem er jetzt mit all seinem Können zustrebte. So dachte Felix Bürger.
*
Heiß brannte die Sonne Afrikas aus dem Tropenhelm Ulrichs. Die Kompagnie, der er zugeteilt, war aus dem Marsche nach Stamprintsontcin. Es war der 31. Dezember, die Hitze glühend; der Weg ging durch das ausgetrocknete Flußbett des Auob, Klippen umgaben das Flußtal. Ulrich meinte zwischen diesen grauen Klippen etwas, wie den Laus eines Gewehres, blitzen zu sehen. Er machte dem Hauptmann Meldung davon, der sich sofort mit seinem Krimstecher bewaffnete und nach der verdächtigen Stelle auS- schaute.
„Wahrhaftig, Sie haben recht, Arndt!" rief der Haupt- mann und in dem Moment knatterte es auch schon los aus den Klippen. Im Nu war die Kompagnie kampfbereit und erwiderte daS Feuer. Ulrich atmete schwer, es war sein erstes Kämpfen vor dem tückischen Feind.
„Wir müssen den Kerls mit dem Bajonett zu Leibe gehen, die Klippen stürmen", hörte er des HauptmannS Stimme.
Mit gefälltem Bajonett stürmte man nun in die Klippen hinein. Da ein Schuß, ein Stöhnen, der Hauptmann sank schwer verwundet zur Erde. Man trug ihn auS der Schußlinie; Ulrich, der in seiner nächsten Nähe gestanden, war der Erste, der zugesprungen.
Eine wahre KampfeSwut aber ersaßte ihn dann beim Anblick deS Verwundeten, der ihn mit matter Stimme bat, sich nicht länger bei ihm aufzuhalten und aus die Kämpsenden an den Klippen weist. Er stürmte wieder hinauf, daS Bajonett