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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 74.

Sonnabend, den ÄS. Juni

1910t

>bonnemrnt9=inlabung

auf das

ßersfelder Kreisblatt.

DasHersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über

Politik des In- und Auslandes.

Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen re. fortsetzungsweise zum Abdruck.

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Amtlicher Ceil.

HerSseld, den 21. Juni 1910.

Die Durchführung des § 5 Absatz 4 der landespolizei- lichen Anordnung, betreffend den Handel und Verkehr mit Schweinen vom 23. Dezember 1909 (Amtsblatt Seite 373), ist keine gleichmäßige. Diese Bestimmung wird vielsach dahin auSgelegt, daß Transporte von Schweinen, welche zur Ver­äußerung bestimmt und auf der Eisenbahn befördert worden sind, bei der Entladung am Bestimmungsorte durch einen beamteten Tierarzt nicht mehr untersucht zu werden brauchen, wenn der TranSportführer eine innerhalb der letzten 5 Tage gemäß Absatz 3 a. a. O. von einem beamteten Tierarzt aus­gestellte UntersuchungSbescheinigung vorlegt.

Eine solche AuSlegung der Vorschrift widerspricht nicht nur ihrem Sinne, sondern auch dem Wortlaut.

Es ist im veterinärpolizeilichen Interesse erforderlich, daß mit der Eisenbahn besörberte Schweine in allen Fällen bei der Entladung am Bestimmungsorte untersucht werden, auch wenn eine Untersuchung in den letzten 5 Tagen stattgesunden hat. Andernfalls ist in keiner Weise dafür Sicherheit ge­boten, daß die Schweine, welche nach der Entladung ver­äußert werden, gesund find.

Auch der Wortlaut deS Absatz 4 a. a. O. spricht gegen die vorerwähnte AuSlegung dieser Vorschrift.

Die Bestimmung des Absatz 4 a. a. O. ist nunmehr ausnahmslos in dem vorstehend auSgesührten Sinne zu hand­haben. Er kann den Viehhändlern nur anheimgestellt werden, von einer tierärztlichen Untersuchung von Eisenbahntransporten

Entladung am Bestimmungsorte nach Möglichkeit »vftand zu nehmen, damit ihnen nicht mehrmals die Kosten der Untersuchung erwachsen.

r K?ns ^"^Polizeibehörden haben entsprechend zu verfahren.

11 5893- Der Landrat

von GruneliuS.

. . HerSseld, den 21. Juni 1910. _..., ""*« dem Schweinebestande deS JohS. Schäser in r ^kloS auSgebrochene Schweineseuche ist erloschen.

59471 Der Landrat.

I. V.: __________________________Wessel, KreiSsekretär.

. . ~, . HnSseld, den 21. Juni 1910. - ?"!^ °em Schweinebestande deS Landwirt, Wilhelm Kothe r S ble Schweinesruche auSgebrochen.

58201 Der Landrat.

I. B.:

Kessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

In einigen der höchsten Staatsämter Preußens hat während der Berichtswoche ein Wechsel stattgesunden. An Stelle des bisherigen Ministers des Innern von Moltke ist der Oberpräsident von Schlesien v. Dallwitz zum Minister des Innern ernannt worden. Herr v. Moltkes Name wird für alle Zeit mit der Wahlrechtsvorlage verknüpft bleiben, für die er in eifriger und geschickter Weise alle seine Kräfte eingesetzt hat, und wenn diese Aktion schließlich doch an unüberwindbaren Widerständen gescheitert ist, so ist das sicherlich nicht seine Schuld gewesen. Das Urteil der Geschichte wird ihm jedenfalls die Anerkennung nicht versagen dürsen, daß er in ernster Arbeit bestrebt gewesen ist, eine von starken Mächten des Volkslebens und Volksempfindens getragene Bewegung in ein für das Staatswohl ungefährliches Bett zu leiten. Für den neuen Minister des Innern Herrn v. Dallwitz aber kann es keine bessere Empfehlung geben als die keifende und schäumende Wut, mit der die Sozialdemokratie ihn beim Eintritte in sein hohes Amt empfangen hat. Herr von Dall­witz hat als früherer anhaltinischer Minister der sozialdemo- kratischen Bewegung in Anhalt einen starken Damm entgegen» zusetzen gewußt, und die HerrenGenossen" fürchten nun, daß ihm in dem höhern Wirkungskreise, in den er jetzt berufen ist, nach dieser Richtung hin die gleichen Erfolge beschieden sein werden. Wir geben uns der Hoffnung und dem Wunsche hin, daß sie hierin recht behalten mögen. Der zweite Wechsel betrifft .das Landwirtschastsminifl^lum. Der bisherige Land- Wirtschaftsminister von Arnim-Kriewen ist durch den Ober­präsidenten der Rheinprovinz Frhrn. v. Schorlemer-Lieser ersetzt worden. Herr v. Arnim-Kriewen hat sich während der Zeit seiner Ministertätigkeit nicht bloß aus fachtechnischem Gebiete, sondern gleichzeitig auch durch seine kraftvolle Förderung der nationalen Ansiedlungspolitik in der Ostmark hohe Verdienste um den preußischen Staat erworben. In dem neuer- nannten Minister für Landwirtschaft aber dürfen wir einen ebenso hervorragenden Sachkenner seines ResfortS begrüßen, dessen Wirken alS Staatsmann bisher vornehmlich dadurch ausgezeichnet gewesen ist, daß er, obwohl selber glaubenstreuer Katholik, sich dennoch die Erhaltung und Förderung des kon­fessionellen Friedens als Hauptaufgabe erkoren hat. So hat der Monarch auch bei der Neubesetzung des Landwirtschasts- ministeriums zweifellos eine überaus glückliche Hand bewiesen.

Zwischen der spanischen Regierung und demVa- t i kan ist gegenwärtig ein Konflikt im Gange, wobei eS sich um mannigfache Fragen, wie die Anwendung des Vereinsgesetzes auf die Klöster und ReligionSübung der Nichtkatholiken in Spanien, handelt. Was den letztern Gegenstand betrifft, so durften bisher die Gotteshäuser der Nichtkatholiken in Spanien sich aus keinerlei Weise als solche kennzeichnen, keine Kreuze oder Inschriften an der Außenseite sehen lassen, keine großen Eingangstore besitzen usw. Durch ein am 11. Juni dieses Jahres veröffentlichtes Regierungsdekret ist nun diese Be­stimmung ausgehoben worden. Dagegen erhob aber der Vati­kan sofort Protest mit der Behauptung, daß durch diese Ver­ordnung das Konkordat verletzt werde, was von der spanischen Regierung hinwiederum beftritten wird. Die Verhandlungen des Parlamentes werden ergeben, ob das Kabinett Canalcjas bei seinem Streite mit dem Vatikan eine Mehrheit hinter sich hat, und demgemäß für den Fortgang oder die Beilegung dieses Streites von entscheidender Bedeutung sein.

In der Kreta frage scheint nun doch ein Fortschritt verzeichnet werden zu dürfen. Von Rußland ist nämlich der Vorschlag gemacht worden, sofort Militär in hinreichender Stärke nach Kreta zu entsenden, die Insel wieder zu besetzen und eine provisorische Regierung unter Leitung der vier Schutzmächte einzusetzen. Der Vorschlag hat in Konstantinopel große Besricdigung erregt, und wird voraussichtlich auch bei den übrigen Schutzmächten Annahme finden. In der Tat dürfte ein Bruch mit dem System der halben Maßregeln und ein energisches Vorgehen auch die einzige Möglichkeit bieten, um aus Kreta wieder zur Herstellung friedlicher Zustände zu gelangen.

Die Fremdenlegion.

Obwohl die deutschen Zeitungen fortdauernd eindringlich junge, aberteuerlustige Leute warnen, sich für den Dienst in der Fremdenlegion an werben zu lassen, gehen doch immer wieder deutsche Landeskinder in die Netze der Werber. Wie neuerdings bekannt geworden ist, scheinen sich in Berlin sran- zösische Werber aufzuhalten, die unter den glänzendsten Ver­sprechungen junge Deutsche in das Verderben zu locken suchen. Der Dienst bei der Fremdenlegion wird alSleicht und angenehm" geschildert, dieVerpflegung fei reichlich"; und dieAvancementsaussichten" sollen überausgute" sein. Reichliche Werbegelder werden versprochen. Alle diese glän­zenden Versprechungen erweisen sich als Eitel Schwindel. Die, die den Lockungen erlegen sind, bereuen später, wenn eS kein Zurück mehr gibt, ihren Leichtsinn. Die Zeitschrift

Nach dem Dienst" veröffentlichte kürzlich eine lehrreiche Schil­derung eines jungen Berliners, der, von einem französischen Werber für die Fremdenlegion eingefangen, in letzter Stunde noch glücklich dem sicheren Verderben entronnen ist.

Der Berliner habe, so erzählt das Blatt, in der Friedrich­stadt einen gut gekleideten Franzosen kennen gelernt, der ihn in vornehmen Restaurants reichlich bewirtete. Er habe ihn gefragt, ob er nicht willens fei, in die Fremdenlegion einzu- treten, habe ihm 400 Franken (320 Mark) Werbegeld ver. fprochen und das Leben bei der Truppe als höchst angenehm geschildert. Durch solche Versprechungen betört, sei er im März vom Potsdamer Bahnhose mit dem Schnellzuge nach Köln gefahren. Im Zuge sei ihm ein feingekleideter Herr ausgefallen, den er auf der Weitersahrt von Köln nach Nancy wieder getroffen habe. Es war offenbar ein Werber. Der Fremde, ein Franzose, habe ihn in Trier und Metz mit Wein säst betrunken gemacht. In Noveant sei er 2 deutschen Gen­darmen entwischt, die ihn nach Papieren gefragt hätten. Schnell fei er in den abführenden Zug gesprungen, der Franzose ihm nach. Von Metz sei er über Diedenhofen nach Luxemburg gefahren. An der französischen Grenze fei der junge Mann in Longwy von französischen Dragonern er­wartet und aus dem Zuge geholt worden. Man habe ihn stark betrunken gemacht, und dann fei er von einem fran­zösischen Offizier nach Nancy geführt worden. Dort fei er in die Kaserne des 24. Infanterie-Regiments gebracht, wo tüchtig weiter gezecht worden sei. Schließlich habe ihm der Fran­zose, der ihn von Nancy mit begleitet habe, verschiedene Papiere zur Unterschrift vorgelegt. Er habe unterschrieben, ohne natürlich zu wissen, was. Es war der Vertrag zum Eintritt in die Fremdenlegivu, wie er ist später gesehen habe.

Im Rekrutierungsbureau sei er alsdann mit vielen andern jungen Leuten meistens verbummelten Menschen unter­sucht worden. Dann habe man ihn zum Generalkommando gesührt, wo man ihn über allerlei militärische Dinge befragt habe. Sodann sei er in die Kaserne zurückgebracht worden, wo man ihm und den anderenAusgemusterten" ein Gewehr gegeben habe. Es seien Bajonettierübungen gemacht worden. Die es schlecht machten, seien arg gequält worden.Man legte ihnen 60 Psund Sand oder Stein in den Tornister und ließ sie damit 2 Stunden in der Mittagssonne, mit dem Gewehr im Arm, Kurzschritte marschieren. Sie waren so erschöpst, daß sie sich kaum ausrecht halten konnten. Ange­sichts solcher Quälereien sei dem jungen Deutschen der Gedanke an schleunige Flucht gekommen. Er sei unbemerkt über den Zaun, der um den Kasernenhof war, gesprungen und habe sich im Park von Nancy versteckt. Glücklicherweise habe ihn niemand gesunden, und in der Nacht sei er 28 km weit nach Pont-ü-Mousson gelaufen, wo er in den Weinbergen die zweite Nacht verbracht habe. Am nächsten morgen sei er weiter ge­flohen. Er sei einem französischen Gendarmen in die Arme gelaufen, habe sich aber durch schnellste Flucht retten können. Meine Freude," so schließt der junge Mann seine Erzählung, als ich die deutsche Grenze wieder erreicht hatte, war grenzenlos."

Es sei hier wiederholt, was schon oft an dieser Stelle ge­sagt worden ist: Aus der Hut sein vor den sranzösischen Werbern. Deutsche sind zu schade für die Fremdenlegion!

Ae gestreift herIeitschlaiii" ich MelSorf.

Die Aera der regelmäßigen Luftschiff-Passagiersahrten konnte nicht glänzender eröffnet werden als durch die neunstündige Fahrt desL. Z. 7", der nunmehr den NamenDeutsch­land" sührt, von Friedrichshafen nach Düsseldorf. Alle Mit­fahrenden sind über den wundervollen Verlaus dieser Reise und die über alle Erwartungen schnelle und sichere Fahrt des mächtigen Luftkreuzers im Lobe und in der Anerkennung einig und betonten besonders, wie angenehm und ruhig der Aufent­halt in der Kabine ist, in der weder von der Erschütterung noch von dem Geräusch der Motoren etwas zu spüren ist, Dinge, die den Ausenthalt während der Fahrt in beiden Gon­deln bisher in recht störender Weise beeinflußten.

DaS Lustschiff hatte, so berichten dieL. N. N.", aus dem ersten Teile der Fahrt bis inS Rheintal leise» und kaum mitlausenden Wind. Im Rheintal wurde der Wind etwas stärker mitlaufend, namentlich zwischen Bingen und Bonn. Dadurch wurde in diesem Teile der Fahrt eine Geschwindig­keit von 80 Kilometern erzielt. Der letzte Teil der Fahrt zeigte wechselnden mittleren Wind. Die Fahrtgeschwindigkeit, die auf dieser Fahrt erzielt wurde, war bis jetzt noch nicht erreicht worden. Die Maschinen sind glatt gelaufen und die Motoren haben ausgezeichnet gearbeitet. Ebenso hat bei diesem Luftschiff, worauf die Abnahmekommission besonders Wert legen muß, die Steuerung in jeder Weise außerordentlich gut funttioniert. Die gegenüber den früheren Luftschiffen getros- jenen Aenderungen haben bewirkt, daß der Widerstand in der Lust erheblich geringer und somit die Geschwindigkeit bedeutend größer geworden ist. Die Motoren arbeiteten vollständig ohne Zwischensall und sind von Anfang bis zu Ende mit höchster Kraft gelaufen. Wegen dieser ausgezeichneten Fahrleistung