rErscheint wöchentlich
Mittwoch und Zreit
dreimal und gelangt Montag,
Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Rlark. na
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein« gespaltenen Seile 10Pfg.,tm amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Seile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährten»»»«
Hersfelder Kreisblatt
M
=
Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 76.
Donnerstag, den 30. Juni
1910»
Amtlicher teil.
Der Saatenstand Mitte Juni 1910.
Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering.
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
- I B c 9476 M. s. L. — I d 3646 M. d. J. —)
Fruchtarten usw.
Durci noten
sschnitts- für den
Reg.-Bez.
Cassel
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat
rH
*7
(N
er
0
2
eo
*0
4
10
Winterweizen .
Sommerweizen .
Winterspelz (Dinkel) .
Winterroggen .
Sommerroggen.
Sommergerste .
Hafer ....
Erbsen
Ackerbohnen
Wicken
Kartoffeln .
Zuckerrüben
Winterraps u. -Rübsen
Flachs (Lein)
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung
Andere Wiesen .
Kgl. Preus
2,3
2,6
2,1
2,5
2,9
2,7
2,7
2,8
2,7
2,8
2,6
2,7
2,3
2,7
2,3
2,4
2,1
2,6
. Sta
2,1
2^5
2,4
2,6
2,5
2,4
2,7
2,6
2,6
2,6
2,5
2,5
2,5
2,0
2,2
2,0
2,2
(istisches 8
an
1
3
1
2 1 bei
5
1
5
1
3
2
2
2
3
1
1
2
1
2
4
tat
1
1
1
1
1
1
1
1 1
1 nt.
1
1
2
2
3
3
2
1
1
Dr. Blenk, Präsident.
In Leimbach im Kreise HerSseld ist eine Telcgraphen- anstalt mit Unsallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.
Cassel, den 21. Juni 1910.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.: B u ch h o l z.
nichtamtlicher teil.
Aus htm seriell Lsten.
Es sind kaum erst einige Monate her, daß auS Ostafien aus dem Umwege über London allerhand sensationelle Nachrichten über zu erwartende neue kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Japan und Rußland kamen. Beide Mächte sollten jortgesetzt auffallende militärische Vorkehrungen treffen, die nur einem neuen russisch-japanischen Kriege gelten konnten, obwohl die Ursachen für einen solchen durchaus nicht klar zu Tage lagen. Trotzdem verblieben diese Meldungen, die mit aller- Hand Einzelheiten ausgeschmückt wurden, bei der Behauptung, daß mit einem neuen ernsten kriegerischen Konflikt im fernen Osten gerechnet werden müsse, welcher pessimistischen Auffassung
Her gestcheue Ruhm.
Roman von F. Sutau.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
«Ach Eva, Eva l Du mußt mir helsen! Du wußtest ja 'wmer Rat, schon alS wir noch Kinder waren. Wie oft hast Du immer da geholsen, wenn ich einen dummen Streich ge- macht, und später, alS ich daS Gymnasium besuchte. Dumm- Heilen habe ich ja zeit meines Lebens genug verbrochen, leicht- sinnig wie ich eben bin. Meine ersten heimlichen Kneip- schulden hast Du großmütig bezahlt, Du wirst auch diesmal Rat wissen."
«Ich bitte Dich, komme zur Sache, waS ist geschehen! «Panne mich doch nicht auf die Folter!" unterbrach ihn Eva. -Komm, setze Dich hierher zu mir aus daS Sofa. Wie schwer E atmest, ist es denn etwas so Furchtbares, was Du mir zu sagen hast?"
9Q”ie Zärtlichkeit, die sie stets sür den nur ein Lei^tNn» §^" Bruder, trotz aller seiner Fehler, seiner der .Phabt, kam wieder zum Durchbrüche, alS ®e*KÄ mcn^ f° 3°»» gebrochen neben ihr saß.
M« TÄ &*
Mram^ * i» lu'ch'b--. wi- iß |»
w «d«ie?"j£m j **? khnung, wir e« so |ugM tm fiaWaMfbnMhMM^R1^1’ ?"^^enn man den Wucherern, den An V«^ fallen ist, dann ist man
X . ? 9Qr keinen Hinterhalt hat, wie L h ,L ^™L L"° Erbtante DaS beste wäre Lielle einend.-huschten Dasein ein Ende zu machen. H'-lte einen dar Leben nur nicht so fest mit tausend Armen,
die immer mehr hervortretenden Annexionsabsichten Japans bezüglich Koreas durchaus recht gut zu geben schienen. Aber die Zeit verging, und die von irgendeiner unverantwortlichen und unkontrollierbaren Stelle aus in die Welt gesetzten Mitteilungen von den angeblichen gegenseitigen erneuten Rüstungen Rußlands und Japans erwiesen sich immer mehr als bloße Phantastereien, die höchstens dadurch hervorgerufen werden konnten, daß japanischerseitS allerdings gewisse militärische Vorkehrungen getroffen worden waren, um einen damals besürch- teten Aufstand der Koreaner sofort niederzuwersen. Zu einer derartigen Erhebung hat indessen nicht einmal die alsdann verkündigte Annexion Koreas seitens Japans geführt, und noch weniger ist es zu einem abermaligen bewaffneten Zusammenstöße zwischen dem Zarenreiche und der aufstrebenden jüngsten Großmacht gekommen; die pessimistischen Propheten haben da stark daneben gehauen.
Ja, das gerade Gegenteil eines russisch-japanischen Konfliktes ist jetzt eingetreten, wenn man den in letzten Tagen verbreiteten Nachrichten über daS -ussisch-japanische Verhältnis Glauben schenken darf. Denn ihnen zufolge soll ein wichtiger Vertrag zwischen Rußland und Japan unterzeichnet worden sein, in welchem beide Mächte ihre ostasiatischen Interessensphäre angeblich einer freundschaftlichen Regelung unterziehen. Der Vertrag gilt sogar als der Vorläufer eines förmlichen russischjapanischen Bündnisses, dessen Spitze sich nach Lage der ganzen Sache mutmaßlich gegen die immer mehr hervortretende Konkurrenz der nordamerikanischen Union mit Rußland und Japan um die Vorherrschaft in Ostasien kehren würde. Ob die Dinge wirklich schon so weit gediehen sind, das bleibt allerdings zunächst noch immer abzuwarten, wenigstens fehlt eine offizielle Bestätigung der Nachricht von du^r angeblichen intimen Annäherung zwischen Rußland und Japan einstweilen. Aber daS steht immerhin fest, daß man durchaus nicht von einem politischen Gegensatz zwischen Rußland und Japan infolge der zwischen beiden Ländern stattgesundenen kriegerischen Auseinandersetzung sprechen kann, eher hat seitdem ein sich immer bemerklicher machender sreundschastlicher Ausgleich der ehemaligen Gegner vollzogen, der sich schon in den russisch-japanischen Verhandlungen über die Regelung der wirtschaftlichen und der Verkehrsverhältnifse in der Mandschurei gezeigt hat. Es ist wohl möglich, daß der signalisierte russisch-japanische Vertrag den Abschluß eines Abkommens über die Mandschurei bedeutet; ob sich dies Abkommen zu einem formellen Bündnisse der beiden Parteien erweisen wird, das ist eine Frage für sich.
Sollte nun tatsächlich ein derartiges Abkommen Rußlands mit Japan geschlossen werden, so könnte es kaum einem Zweifel unterliegen, daß sich dessen politische Bedeutung in erster Linie gegen Amerika wenden würde, das ja neuerdings in der Mandschurei ebenfalls mit wachsenden Aspirationen auf- tritt. Es ergäbe sich dann die eigenartige Konstellation im fernen Osten, daß man Rußland und Japan aus der einen, Amerika auf der anderen Seite sehen würde. Welche Stellung nachher England, das ja ebenfalls in Ostasien erheblich interessiert ist, und China, um dessen Haut es schließlich geht, zu der neuen Konstellation einnehmen werden, das muß die
wäre die Erde nicht so schön, wäre man nicht so jung, so lebenslustig!
Ach, wenn mir doch geholfen werden könnte! Ich werde meinen Leichtsinn ablegen und ein neues Leben beginnen", rief Bruno und brach in ein verzweifeltes Weinen und Schluchzen aus.
„Aber Bruno, beruhige Dich doch, es wird sich ja ein Ausweg finden", tröstete Eva.
Sie nahm den Kops deS Bruders in beide Hände und strich liebkosend über sein wirreS Haar, daS tief in die blaffe Stirn hinein hing.
„Fünftausend Mark ist ja eine große Summe", sagte sie und seufzte schwer.
Dann kam ihr ein Gedanke, den sie aber sofort wieder verwarf: Felix Bürger! Eine Kleinigkeit wäre es für ihn gewesen, hier zu helfen, denn Felix Bürger war sehr reich, er hatte von seinen früh verstorbenen Eltern ein großes Vermögen ererbt und es durch Sparsamkeit noch beträchtlich vermehrt. Felix Bürger würde ihr auch die Bitte sicher nicht abschlagen. Aber sich ihm verpflichten, gerade ihm? Um die Welt nicht, eS mußte sich ein anderer Ausweg finden; sie sann und sann. Bruno sah angstvoll in ihr nachdenkliches Gesicht.
„Du weißt auch keinen Rat, ich sehe es wohl, ich bin eben ein Unglücksmensch."
„Wir müssen die Sache mit Irma überlegen, sie ist praktischer und weltersahrener wie wir beide."
So wurde denn Irma inS Vertrauen gezogen. Auch ihr erster Gedanke war Felix. Bruno horchte aus, alS sie seinen Namen nannte.
„Er ist vermögend, er verkehrt hier?" fragte er lebhaft. „WaS ist denn sein Metier?"
„Musik studiert er", versetzte Irma.
„O ein Künstler, ein Diener der Musen, da hoffe ich daS Beste. Solche Musensöhne sind ja meistens großmütig angelegt !"
nächste Zukunft lehren; jedenfalls bleibt der „ferne Osten" auch weiterhin ein politisches Rätselzeichen.
Sie MtW des „8. 3- W.
Wie angekündigt, hat das Paffagierluftschiff „Deutschland" („8. Z. VII") gestern früh von Düsseldorf auS einen Ausstieg mit einer Anzahl Vertreter der deutschen und ausländischen Presse unternommen.
Düsseldorf, 28. Juni. Bei der heutigen Fahrt deS Luftschiffes „L. Z. VII", die um Vs9 Uhr angetreten wurde, waren die Kabinen voll besetzt. DaS Luftschiff nahm den Kurs nach Köln zu, fuhr aber verhältnismäßig langsam, da es einen kräftigen Gegenwind hatte. DaS Wetter ist trübe, aber trocken.
Der Verlauf der Fahrt wird durch stürmische Winde schr erschwert, dazu kommt noch ein Motordefekt, so daß möglicherweise mit einer Notlandung in einem östlich von Düsseldorf gelegenen Orte gerechnet werden muß.
Eine aus Düsseldorf abgegangene Meldung bestätigt, daß das Luftschiff in Gefahr ist, nach dem Osten abgetrieben zu werden. Die zum Düsseldorfer Landungsplatz beordertm Soldaten wurden mittags heimgeschickt, da die Rückkehr nach Düsseldorf nicht vor Abend erwartet wird.
Münster, 28. Juni. Aus Düsseldorf läuft hier eben um V23 Uhr die Nachricht ein, daß die „Deutschland" mit den Pressevertretern gegen 12 Uhr mittags in der Reckling- Hausener Gegend gesichtet worden sei. Die Lustschiffaktien- gefellschast erhielt weiter die Nachricht, daß die Ballonmannschaft versuchen wollte, in der Lodden« Heide bei Münster zu landen. Ferner verlautet, bay das Luftschiff aus der Höhe von Kattenvenne, einer deinen Bahnstation zwischen Mü-Oer und Osnabrück, liege und zu landen beabsichtige, infolge der mißlichen Windverhältnisse aber eine Landung nicht bewerkstelligen könne.
Kattenvenne, 28. Juni. DaS Verkehrslustschiff „Deutschland" ist aus seiner Fahrt bis nach Kattenvenne getrieben worden und hat von dort den Rückweg nach Münster eingeschlagen. Die letzten Nachrichten besagen, daß das Luftschiff wieder aus Kattenvenne zurückgetrieben wird.
Düsseldorf, 28. Juni. DaS Luftschiff „Deutschland" ist zwischen 5V2 und 5% Uhr bei Jburg im Teutoburg« Wald gelandet. ES ist mit der Gondel in den Bäumen hängen geblieben und hat unerhebliche Beschädigungen erlitten.
Aus > und Ausland.
Berlin, den 28. Juni 1910.
S e. Majestät der Kaiser begab Sich heute morgen, so berichtet man aus Kiel, um 73/1 Uhr an Bord Seiner Jacht Meteor, um aus ihr die heutige Wettfahrt nach Eckernförde mitzusegeln.
Der „Reichsonzeiger" schreibt: Dem Finanzminister F r e i h e r r n v. R h e i n b a b e n ist die nachgesuchte Ent-
Bruno strich das wirre Haar aus dem Gesicht, Helle Hoffnungsfreudigkeit leuchtete in seinen Augen.
Aus Evas Herz legte es sich aber zentnerschwer. Wie würde daS enden. Sollte sie ihre Freiheit verkaufen für fünftausend Mark ? Und Ulrich, Ulrich! Heiße Sehnsucht erfaßte sie nach dem fernen Geliebten. Warum mußte aller so kommen! Warum die Trennung geschehen. ES war doch wenig genug, was sie vom Schicksal gefordert hatte, nur ihn sehen, seinem Klavierspiel lauschen, auf fernes Glück hoffm. Fernes Glück? Würde es sich ihr noch einmal er« schließen?
„Warum sich noch große Sorgen machen?" rief Bruno jetzt hoffnungsfreudig. „Wo wohnt er, dies« Herr Bürger? Ich suche ihn heute noch auf, dem Bmder Eva Fehrles wird er hoffentlich seine Hilfe nicht verweigern."
„Das glaube ich auch nicht", sagte Irma.
Bruno warf einen schnellen prüfenden Blick auf Eva und nickte dann sehr befriedigt. Sie war ja so schön, die Schwester, warum sollte dieser reiche Jüngling nicht in Liebe für sie entbrannt fein. Es wäre herrlich, ein so reicher Schwager käme ihm gerade recht.
„Wir wollen die Sache doch noch einmal überlegen" sagte Eva jetzt. „Weißt Du denn garnichtS anderes zu raten Irma?"
„Für meinen Onkel wäre es ja schließlich auch eine Kleinigkeit, die Summe zu leihen, aber Du weißt ja, auS welchem harten Holze er geschnitzt ist, ohne genügende Sicherheit rückt er keine einzige Mark heraus."
„Wozu noch lange überlegen?" rief dagegen Bruno. „Gehen wir zu diesem Herrn Bürger, ich bin fest überzeugt, daß ich keine Fehlbitte tue."
Er sprang aus, reckte seine zierliche Gestalt und griff nach Mütze und Stock.
„Bruno, ich bitte dich, bleibe, geh nicht, —" bat Eva. „Er hat mir von Liebe gesprochen und ich — ich kann seine Liebe nicht erwidern, niemals. Ihm verpflichtet zu sein, es ist mir ein furchtbarer Gedanke!"