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herrfelder Kreisblatt

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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 85,

Donnerstag, den 21. Juli

1910,

Amtlicher teil.

Der Bundesrat bat aus Grund des § 2 des Gesetzes zur Aenderung des GesetzeS, betreffend die Ausgabe von Reichs- kassenscheinen, vom 5. Juni 1906 (ReichSgesetzblatt Seite 730) solgende Bestimmung getroffen:

Die mit dem Datum vom 10. Januar 1882 ausgeser- tigten Reichskassenscheine zu 50, zu 20 und zu 5 Mark, sowie die mit dem Datum vom 5. Januar 1899 auSgesertigten Reichskaffenscheine zu 50 Mark, werden vom 1. Januar 1911 ab nur noch bei der Königlich Preußischen Kontrolle der Staatspaviere eingelöst.

Berlin, den 28.. April 1910.

Der Reichskanzler. I. V.: gez. Wermuth. * *

Hersseld, den 14. Juli 1910. Wird veröffentlicht.

I. 6792. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, KreissekretSr.

Hersseld, den 15. Juli 1910.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Verbandsvorsteher des Kreises, welche meine Versügung vom 21. April 1882, Kreisblatt Nr. 32, betreffend das Weißen der Schulräume pp. noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.

Ich sehe der Erledigung nunmehr binnen 8 Tagen be­stimmt entgegen.

I. I. Nr. 6651. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Die diesseitige Bekanntmachung über die Beiträge zur In- validenversichcrung im Kreise Hersseld vom 19. April 1904 wird infolge Aenderung der Statuten sür die Mitglieder der nach- bezeichneten Krankenkasse wie folgt geändert:

2. Mitglieder der ländlichen Ortskrankenkasse des Kreises Herseld zu Hersfeld. § 12 des Statuts.

Mitglieder-Klasse I Beiträge der Lohnklasse IV zu 30 Pfg.

V I 14

Für diejenigen Personen, welche als Lohn oder Gehalt eine feste, für Wochen, Monate, Vierteljahre oder Jahre ver­einbarte bare Vergütung erhalten, sind Beiträge derjenigen Lohnklasse zu entrichten, in deren Grenzen diese bare Ver­gütung fällt, sofern diese Beiträge höher sind, als die nach der vorstehenden Bekanntmachung maßgebenden. (I. 2387.) Cassel, den 6. Juli 1910.

Der Vorstand der LandeS-VersicherungSanstalt Hessen-Nassau. J. V.: Scheel.

_. Hersseld, den 19. Juli 1910.

Sie Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Ver­

Her gedient Bk

Roman von F. Sutau.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

als

Ordentlich gehoben hatte sich EvaS Mutter gesühlt, Schwiegermutter eines so reichen Schwiegersohnes. Die Ichonen Hoffnungen gingen nun alle in die Brüche, Eva nicht ändern, nicht sie schwankend machen in ihrem Entschluß.

«,?? ?^$^" Morgen saß sie an Jennys kleinem wackligem Schreibtisch und schrieb und schrieb, und je mehr sie schrieb, £J und leichter wurde ihr ums Herz. Wie schnell die Mi.^k w ?°s Papier glitt, die Worte flogen ihr nur so zu. 7^. Hund setzte sie dann ihren Namen unter das schick- falsentscheidende Schriftstück. touh,H^ nun ist Irma", sagte sie, während sie den Bries Bruders"vcgen^ in allem recht geben schon ihres mj? ^gcr hE sich mit etwas wüstem Kops an diesem ScHnfi Der große Erfolg seiner Oper war nach w^d.n 0« Aufführung noch gebührend mit Sekt begossen ... ^' Hunger und Sängerinnen waren seiner Einladung Ln ?>»,. ^^ sehr bereitwillig gefolgt. Sie hatten zu ^ ^^" ^Mg der Oper daS ihrige beigetragen, ihr funden es nun nicht mehr als billig, daß die Sektpsropsen knallen ließ. Die Stim- i ?"'kbar gehobenste gewesen, man feierte sich trennte 19 ^ ^" Morgen graute schon, als man sich endlich tranFbL®?9? "M* ^ne Lebensgeister durch ein Bad, bie eiM Mc und griff nun nach den Zeitungen, toaren i^ i-iner Oper enthielten, alle s es RuhmeS voll und übten eine ebenso berau­

fügung vom 15. April 1879 I Nr. 4433 Kreisblatt Nr. 31 betreffend Versicherung der Feldsrüchte gegen Hagelschaden, noch nicht erledigt haben, werden mit Frist von 8 Tagen nochmals erinnert.

I. 6338II. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Hersseld, den 18. Juli 1910.

Die unter dem Schweinebestandc des Bäckermeisters Ullrich Hermann Huth hier ausgebrochene Rotlausseuche ist er­loschen.

I. 6843. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Bekanntmachung.

ES wird wiederholt bekannt gemacht, daß die Sprech­stunden des Katasterbeamten auf dem Bureau des König­lichen Katasteramts nur am Mittwoch einer jeden Woche stattfinden.

Die Herren Bürgermeister wollen dieses in ortsüblicher Weise zur Kenntnis der Grundbesitzer bringen.

Hersfeld, den 15. Juli 1910.

Königliches Katastcramt. Schmeiser.

nichtamtlicher teil.

As WM Zeit.

Aus, nach Frankreich! so klang es vor nunmehr vier Jahrzehnten von der Mitte des Monats Juli ab durch die deutschen Lande. Der Sänger der »Wacht am Rhein", jenes von glühendster Begeisterung und edelsten vaterländischen Em­pfindungen getragenen Liedes, hatte mit seinen prophetischen Worten »Es braust ein Rus wie Donnerhall" das richtige getroffen. Fürwahr ein Donner der Entrüstung über den frevelhaften Friedensbruch der Franzosen wie des Jubels über die Einmütigkeit, mit der alle deutschen Stämme, von heißer Kampfbegierde erfüllt, die Waffen gegen den Störenfried er­hoben erfüllte unser gesamtes Vaterland. Am 15. Juli war der Krieg Frankreichs gegen Preußen beschloffene Tat­sache. Sie wurde natürlich mit dem Mobilmachungsbefehl beantwortet.

Mobil ein militärisch gewaltiges Wort von tief ein­schneidender Bedeutung, da wir ein Volksheer haben, welches ohne Unterschied hoch und niedrig, reich und arm umsaßt. Wenn es ertönt, so berührt es alle Familien des Landes, ruft den Landmann vom Pfluge, den Handwerker von der Werk­statt, den Kaufmann aus seinem Geschäft, den Mann der Wissenschaft von feinem Schreibtisch ab in den militärischen Rock und vor den Feind. Mobil! So erklang es von

schende Wirkung auf ihn aus, wie der Sekt der vergangenen Nacht.

So war sie denn erreicht, die Ruhmeshöhe, sein Name eingereiht in die Reihen der Ersten, der Größten, daS heiße Streben seines Lebens erfüllt. Alle illustrierten Blätter würden in nächster Zeit fein Bild bringen. Mit selbstbewußter Miene trat er vor den Spiegel und musterte seine hübsche elegante Erscheinung.

Ein Götterliebling! Ja, so mußte man ihn wohl nennen. War ihm nicht alles zuteil geworden, was daS Leben allein lebenSwert macht: Ersolg, Ruhm, Mammon! Eins fehlt dir, etwas, das über dem allen steht: die echte Schaffens­kraft. Was du getan, ist keine Tat des Genies, sondern flüsterte ihm aber leise sein Gewissen zu. Nein, nein, nicht weiter! rief er aber zwischen die Gewissen-mahnung. Heute sollten solche Gedanken seine Stimmung nicht trüben. WaS fragte auch die Welt danach, wenn sie einen Auserwählten aus die Höhen erhoben, wie und wodurch er seine Ziele er­kämpft. Er steht eben oben, er ist Mode, die große Menge muß ihre Götter haben, die sie nach Willkür stürzen und er­heben kann.

Draußen lachte goldener Herbstsonnenschein, es litt ihn nicht mehr in der Enge der Stuben, eS trieb ihn hinaus, Menschen wollte er sehen. So ging er denn hinunter aus die belebte Straße, einzelne Bekannte begegneten ihm, man be­glückwünschte ihn; aufrichtig war das wohl nur in den sel­tensten Fällen gemeint, darüber machte sich Felix Bürger keine Illusionen.

Er kannte die Menschen, kannte den verzehrenden Neid, den er selbst so oft empfunden. Heute aber war er erhaben über solche kleinliche Empfindungen, da wußte er nichts von Neid und Mißgunst. Mit der Miene eines Siegers schritt er einher, die Welt dünkte ihm so schön, wie noch nie; dieses Hasten und Jagen, das ganze, große Weltstadttreiben war doch das Lebenselement deS schaffenden Künstlers, der große Strom, aus welchem er schöpste. Kein sorgender Gedanke,

Memelbis Aachen und Konstanz, von der Nord- und Ostsee bis zu den Alpen. Sie sehlten nicht, die süddeutschen Stam­mesgenossen, als das Vaterland in Gefahr war. In erhebender Einigkeit hatten die Herrscher von Bayern, Baden und Württem­berg aus Grund des nach dem Kriege von 1866 abgeschlossenen Bündnisses sich an die Seite ihrer norddeutschen Brüder ge­stellt, und ihre Truppen waren stolz darauf, jetzt gemeinsam mit den Kameraden des sieggewohnten preußischen HeereS in schönem Wettstreit gegen den Friedensstörer zu Felde ziehen zu dürfen. Als der elektrische Funke mit Blitzesschnelle die Botschaft in alle deutschen Gaue trug, daß eS gelte, mit scharfem Schwert dem Franzmann und seinen Anmaßungen entgegenzutreten, da verließen die erprobten Kämpfer von Königgrätz, von Düppel und Alsen ihr Heim, Weib und Kind, nicht mit Murren nur dem äußeren Zwange gehorchend, sondern mit Freudigkeit, wenn auch mit dem durch die Sach­lage gebotenen und dem gereiften Alter entsprechenden Ernst. Da leerten sich die Hörsäle der Universitäten und die oberen Klassen der höheren Schulen, und Tausende von Freiwilligen strömten herbei, wie in den FrühlingSmonaten des JahreS 1813 bei der Erhebung Preußens gegen das französische Joch.

Man kann sich denken, welchen Eindruck die Nachricht von diesem Sturme allgemeiner Begeisterung bei unsern Gegnern jenseits des Rheins Hervorries. Zu spät erkannten sie, daß sie sich einer verderblichen Täuschung über die Zu­stände in Deutschland hingegeben hatten. Mit Sicherheit rechneten sie daraus, daß die süddeutschen Staaten, welche erst vier Jahre vorher gegen Preußen im Felde gestanden hatten, zum mindesten neutral bleiben, wenn nicht gar ge­meinsame Sache mit ihnen machen würden, daß ferner die im Jahre 1866 an Preußen gefallenen Provinzen der Regie- rung Schwierigkeiten bereiten, vielleicht sogar zu offener Auf­lehnung schreiten würden. Sie rechneten auf das kriegslustige Dänemark, welches den Verlust von Schleswig-Holstein nicht verschmerzen konnte, auf die Hilfe Italiens, dem Kaiser Na­poleon den Weg zur Einigung eröffnet hatte, und schließlich auf ein Eingreifen Oesterreichs, besten Minister Beust ein er­klärter Gegner Preußens war. Aber alle diese Hoffnungen erwiesen sich als trügerisch. Frankreich, dessen Machthaber in arger Verblendung und Unterschätzung des deutschen VolkS- geistcs und des deutschen Heeres den Krieg heraufbeschworen hatten, blieb allein aus sich angewiesen; es fand keinen BnndeS» genoffen, der bereit gewesen wäre, gemeinsam mit ihm daS Schwert zu ziehen. Auch Deutschland blieb allein aus sich gestellt, aber es suchte keine Verbündeten; es vertraute nach sorgsältiger Prüfung aus die eigene Kraft und aus fein gutes Recht ihm stand das gute Gewissen zur Seite.

Die Frage liegt nahe, wie die Leiter der Geschicke Frankreichs dazu kamen, so ganz aus heiterem Himmel den solgenschweren Entschluß zum Kriege zu fassen. Schon seit Jahrhunderten waren unsere westlichen Nachbarn unsere Gegner; bis auf den dreißigjährigen Krieg und dessen Vorzeit weisen ihre Eingriffe in die deutschen Angelegenheiten zurück. Be­dauerlicherweise hatten sie dabei ein leichtes Spiel, da

wie sie ihn hin und wieder doch einmal bcschlichen, wollte ihm heute kommen.

ES waren ja nur zwei schwache Frauen, die da gegen ihn austreten könnten. Was wollte das viel besagen, wo noch dazu die eine in kurzer Zeit feine Gattin werden würde. Nein, da war nichts zu befürchten, Beweise hatte überhaupt niemand in den Händen!

Er lenkte seine Schritte jetzt auS dem Gewühl der Straßen heraus dem Tiergarten zu. Wie hier alles leuchtete und flimmerte im Herbstsonnenschein, gelb, rot und braun, in allen Schattierungen war das Laub der Bäume und Sträucher gefärbt, die große Malerin Natur hatte heute ihr Bestes getan, die Menschenaugen zu entzücken.

Auch Felix konnte sich in diesem Zauber nicht verschließen, er suchte einsame Wege auf, die hehre Stimme der Natur tönte an sein Ohr, mahnend, drohend ja drohend! »Man wandelt nicht ungestraft auf solchen Schleichwegen wie Du!" schien sie ihm zuzurusen, und dann kam es ange« schlichen, näher und näher, das böse Gewissen, die schnöde Schuld.

Ein Gesühl geheimer Angst packte plötzlich Felix. Was sollte daS, was hatte er denn zu fürchten? Wer konnte ihm seinen Ruhm entreißen, seine Lorbeeren entblättern, ihn hin- unterstürzen von der RuhmeShöhe, zu welcher ihn Fleiß und Ausdauer emporgetragen hatten.

Langsam ging er weiter, immer stiller wurde eS um ihn, er überschritt eine kleine Brücke, über ihm zwitscherte leise, traumhaft ein Vogel, unter ihm floß ein stilles dunkles Wasser, gleich einem schwermütigen fragenden Auge schien eS ihn anzujchaucn. Die Wege waren heute hier noch nicht ge* fegt, überall lagen welke dürre Blätter, die der letzte Herbst­sturm herabgeweht.

Jetzt regte eS sich, ein leises Rascheln in den dürren Blät­tern, leichte Schritte nahten sich, er blickte auf, da steht eS vor ihm, das Gcsürchtete, Geahnte. Zwei dunkle Augen sahen zu ihm auf. O welch ein Blick, welch eine furchtbare Anklage lag darin.