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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 87.
Dienstag, den 36. Juli
1910.
Amtlicher teil.
Polizei-Verordnung.
Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung über die Polizei-Verwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (G. S. S. 1529) und aus Grund des § 142 des Gesetzes über die allgemeine LandeSverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) wird unter Zustimmung des Kreis-Ausschusses für den Umfang des Kreises Hersfeld folgende Polizeiverordnung erlassen:
Einziger Paragraph.
Wer den Gemeindeverordnungen über die Regelung des Feuerlöschwesens zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zum Betrage von 30 — dreißig — Mark bestraft.
Hersseld, den 22. Juli 1910.
I. 6418. Der Landrat
von Grunelius.
In Biedebach im Kreise Hersseld ist eine Telegraphenanstalt mit UnfaQmelbebienft und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.
Cassel, den 21. Juli 1910.
Kaiserliche Ober-Postdirektion.
nichtamtlicher teil.
% PttWlgWsfM in den Untten- rSsinnzen knzinnds nn) Ienlschlands.
Die Regierungen Englands und Deutschlands sind zwar in der Frage der Verständigung in den Flottenrüstungen noch zu keinem praktischen Resultate gekommen, aber diese wichtige Frage wird für die Beziehungen Englands und Deutschlands nach wie vor eine solche große Rolle spielen, daß immer und immer Versuche gemacht werden müssen, diese Angelegenheit auch in einer gedeihlichen Weise zu lösen. Wenn sich England und Deutschland über ihre Flottenrüstungen von Periode zu Periode verständigen würden, so dürften auch die häßlichen Zankäpfel zwischen den beiden Staaten verschwinden, denn tatsächlich erblicken die Engländer in dem Wachstume der deutschen Kriegsflotte eine Bedrohung Englands und seiner Weltstellung zur See, wenn auch in Wirklichkeit in Deutschland niemand an einen Krieg gegen England denkt. Die Bedeutung einer Verständigung in dieser Frage liegt aber auch noch aus einem anderen wichtigen Gebiete, denn die riesigen Kosten der steigenden Flottenrüstungen sind für Deutschland wie für England nahezu unerschwinglich geworden. Nach den letzten Ersahrungcn kann aber England die großen Kosten für seine Ricsenflotte noch eher aufbringen als Deutschland die Kosten für den Bau und die Unterhaltung feiner Kriegsmarine. Für uns in Deutschland wäre daher eine Verstän- digung mit England in der Rüstungsfrage fast noch wichtiger
Ier fltMIene Ruhm.
Roman von F. Sutau.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Die Zurückbleibenden saßen heute noch lange aus der Veranda des Farmerhauses, die Nacht war längst herauf» gezogen, hin und wieder sah einer von ihnen nach dem Kranken, der in ruhigem Schlummer lag. Ihre Unterhaltung drehte sich um die ferne Heimat, um vergangene, schöne, zusammen verlebte Zeiten.
Was lag alles, alles zwischen jenen Jugendtagen und ihrem Leben der Gegenwart. Anders schauten sie beide letzt ins Leben; aber Vieles von dem Sehnen und Hoffen der Jugend lebte doch noch in ihnen und jetzt s südlichen Sternenhimmel, da wollte alles, alles lebendig werden, die ganze einstige Jugendschwärmerei. ~" vcidcn Mädchennamen Irma und Eva erklangen wieder i ™ ’hwn^'PPtn, warm, zärtlich, sehnend, und ein Ahnen ho^n ®lßd8 zog durch ihre Herzen.---
Jörnen waren vergangen, Ulrich und Fred Lassen standen r.öon Swakopmund und schauten nach dem Schiff aus, das sie nach Europa tragen sollte. Willi Bremer konnte " war dem Fieber erlegen und ruhte in hatten ihm selbst daS Grab gegraben, gebetet”1 ^UC ^Ecr fallen lassen und ein Vaterunser
m 3" ®,ä?l^ ihnen der Totenschein für Willi m ,"?b dann sind sie weiter gefahren dem bald würde das alles hinter ihnen liegen wie ausgehen"^ ^"E' und dann sollte ein neues Leben ihnen ein Schiff, er brächte junge Krieger aus U-Äm?^ ®eflaIte", in den Augen ___nian^en von ihnen n.m^i^^Ä ^ 'leinen Willi Bremer ereilen, 'ttttleidig blickten sie auf Ulrich, den RekonvaleS-
wie für die Engländer, denn die Reichsfinanzen befinden sich nach wie vor in einer üblen Verfassung. Trotz der wichtigen Gründe für den Abschluß gewisser Vereinbarungen in den Flottenrüstungen zwischen England und Deutschland darf aber auch nicht verkannt werden, daß recht große Schwierigkeiten für den praktischen Abschluß einer solchen Verständigung vorhanden sind. Die öffentliche Meinung Deutschlands und Englands verlangt natürlich, daß ein Abkommen zwischen beiden Staaten in der Flottenfrage nur auf der Grundlage absoluter Gleichberechtigung geschehen könne. Diese Forderung ist sehr natürlich und gerecht, sie ist aber in der Praxis sehr schwer durchzusetzen und führt sofort zu den größten Meinungsverschiedenheiten, denn die gegenseitige Gleichberechtigung kann entweder bedeuten, daß nach wie vor jeder Staat das Recht hat, so viel Kriegsschiffe zu bauen, als er zur Wahrnehmung seiner Interessen nötig zu haben glaubt, und dann wäre mit der ganzen Verständigung in der Rüstungssrage so gut wie nichts gewonnen, oder England und Deutschland müßten ihre Gleichberechtigung so auffassen, daß jeder Staat so viel Kriegsschiffe neu bauen könne, wie der andere, und dann hätte die Verständigung nur bann einen Wert, wenn England und Deutschland sich dahin einigten, daß sie durch ein Abkommen sich gegenseitig verpflichteten, innerhalb fünf Jahren nur eine bestimmte Anzahl von Kriegsschiffen zu bauen. Wir fürchten aber, daß bei einer solchen Verhandlung England beanspruchen wird, daß eS auf 6 deutsche 9 oder gar 10 englische Kriegsschiffe bauen dürfe, denn nicht nur die konservativen, sondern auch die liberalen englischen Zeitungen vertreten neuerdings die Anschauung, daß Englands Interessen als Seemacht viel bedeutender und viel wichtiger feien als diejenigen Deutschlands, und da kommt man zu dem eigentümlichen Resultate, daß England in einer versuchten Verständigung mit Deutschland über die Flottenrüstungen nichts anderes zu beabsichtigen scheint, als daß sich Deutschland wahrscheinlich verpflichten soll, weniger Kriegsschiffe zu bauen als England. Diese Forderung ist ja an sich deshalb nicht so schwerwiegend, weil in Deutschland gar nicht die Absicht besteht, so viel große Kriegsschiffe zu bauen, wie sie England bereits besitzt, aber vom Standpunkt der Unabhängigkeit und Freiheit des Deutschen Reiches ist es doch ziemlich demütigend, wenn Deutschland vertragsmäßig zugestehen soll, daß es etwa aus 5 englische Kriegsschiffe nur 3 innerhalb eines gewissen Zeitraumes bauen darf. Die Lösung des Problems der Verständigung in den Flotien- rüstungen Englands und Deutschlands muß daher wohl noch einer genialen Einsicht und großen Friedensliebe auf beiden Seiten überlassen werden.
Ist Verluste des dkuWi Heeres im griff 18M.
Der 40jährige Gedenktag an den Ausbruch des großen KriegeS gibt die Veranlassung, einmal im Zusammenhang der
zenten, der sich erkundigte, wie lange das Schiff im Hasen liegen bleiben würde, ehe es wieder die Rückfahrt antrat.
„Wieder zurück in das alte Joch, na, um die Welt möchte ich das nicht!" rief da einer der jungen MarSjöhne, so ein echtes Berliner Kind, den die Sehnsucht nach Neuem, nach Abenteuern, womit er später einmal renommieren konnte, hin- auSgetrieben.
Mit Heller Stimme begann er jetzt ein Lied zu singen, es war eine weiche schmeichelnde Melodie, Liebe, Sehnsucht, süße Schwärmerei der Jugend liegt darin.
Ulrich horchte betroffen aus. Was war das, das war ja fein Lied, fein Liebeslied aus der verbrannten Oper! Hier, so fern von der Stätte, wo es entstanden, am afrikanischen Hasen, tönte eS an fein Ohr, von einer frischen übermütigen Stimme gesungen!
Narrte ihn ein Traum? Bor ihm lag aber der weite Ozean und das mächtige Schiff, und alles strahlte im grellen Sonnenlicht. Nein, er träumte nicht, es war alles klare Wirklichkeit. Aber woher kam daS Lied, sein Lied!
Er stürzte aus den jungen Soldaten los.
„Woher haben Sie das Lied, woher kennen Sie es?" frug Ulrich erregt den Soldaten.
„Nanu!" entgegnete dieser ruhig, seinen Gesang unterbrechend, „daS ist doch aus der neuen Oper „Das Geisterschloß", freilich, Sie können ja davon nichts wissen, in Berlin aber spricht alle Welt davon, allerlei wurde gemunkelt. Der Komponist habe sich heimlich aus dem Staube gemacht! Die Oper aber wird noch immer gegeben, na, und ich war Statist und habe sie oft genug gehört."
Ulrich starrte den Sprecher an wie ein Träumender, dann bat er, ihm die Melodie noch einmal vorzusingen, waS dieser bereitwillig tat, denn er war nicht wenig stolz aus seine schöne Stimme.
ES war kein Zweifel, es war seine Komposition, die Ulrich da vernahm, die Oper war also damals nicht verbrannt! Gestohlen — aber wer, wer! Felix? — Wäre eine solche Schändlichkeit von ihm möglich?
Vc luste zu gedenken, welche daS deutsche Heer an Offizieren und Mannschaften im Kriege 1870—71 erlitten hat. Nach dem Generalstabswerk über den deutsch-sranzöfischen Krieg beträgt, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, der Gesamtverlust der deutschen Heere 129610 Mann einschließlich 6151 Offiziere und Offizierdiensttuende, sowie 125 Aerzte und Beamte. Von dieser Zahl find 12 854 Vermißte, die in die Hand des Feindes fielen. Wenn man den Gesamtverlust nach Offizieren und Mannschaften gliedert, dann ergibt sich, daß 1871 Offiziere und 26 397 Mann im Kriege vor dem Feinde gefallen find; verwundet wurden 4184 Offiziere und 84 304 Mann; vermißt wurden 102 Offiziere und 12 752 Mann. Ganz besonders hervorragend erscheint hiernach die Beteiligung der Offiziere am Kriege, denn auf 16 Mann kommt 1 toter Offizier, und auf 21 Mann 1 verwundeter. In ernster Zeit waren die Offiziere also ein leuchtendes Vorbild für ihre Mannschaft. Der gesamte Verlust an Offizieren gliedert sich auf die einzelnen Dienstgrade verteilt folgendermaßen: Es wurden 20 Generäle verwundet, während 5 Generäle vor dem Feinde fielen. 51 Obersten wurden verwundet, und 27 starben den Heldentod. Von 299 Oberstleutnants und Majors, die vor dem Feinde verwundet wurden, waren 93 tot. 320 Hauptleute und Rittmeister wurden verwundet und 320 fielen. An Leutnants wies der Krieg einen Gesamtverlust von 3982 aus, von denen 1171 starben; der Rest wurde verwundet bczw. gefangen genommen. Von Offiziersafpiranten warm 581 verwundet und 252 tot. Der erste Offizier, der im Kriege den Heldentod starb, war der Leutnant Winsloe vom 3. badischen Dragoner- Regiment Nr. 23, der bei dem RekognoszierungSritt mit dem Grasen Zeppelin ums Leben kam. Es ist noch von Interesse, zu betrachten wie groß der Verlust des deutschen HeereS in den einzelnen Monaten des Krieges war. Im August 1870 betrug er 64093 Mann einschließlich Offiziere. Dieser Monat war der blutigste. Im September war der Verlust 13 824, im Oktober 7Ö70, im November 8633, im Dezember 20183; im Januar 1871 betrug er 15 104 und im Februar nur noch 703 Mann. Der Krieg teilt sich in zwei große Abschnitte, nämlich in den Kamps gegen das Kaiserreich und in den Kampf gegen die Republik. In dem ersteren fielen 78 230 Mann, die zumteil verwundet, zumteil tot waren. Der Verlust im Kampf gegen die Republik beträgt insgesamt an Verwundeten, Toten und Vermißten 51 380 Mann. Demgegenüber steht ein Verlust von 250000 Mann in Frankreich, von denen 120000 Tote waren. Der Gesamtverlust in Frankreich mit Einschluß sämtlicher Gefangenen betrug rund 850000 Mann. Auch diese Verlustziffern sind ein EhrenzeugniS für das ganze deutsche Heer, sowohl für die Offiziere als auch für die Mannschaften.
Aus Jn- und Ausland.
Aus Molde wird vom 23. b. M. gemeldet: Seine Majestät der Kaiser ist heute morgen mit Gefolge und
„Wie nennt sich der Komponist des GeisterfchlosseS?" fragte Ulrich.
„Ja, das weiß ich nicht mehr, den Namen habe ich vergessen, und ich muß auch jetzt zu meinen Kameraden hinüber!" sagte der Soldat und verabschiedete sich.
Ulrich sah sich jetzt nach Fred Lassen um, der sich unter- deS nach Briesen erkundigt hatte. Mit einem Briefe in der Hand kam er jetzt aus Ulrich zugeeilt, ihm denselben reichend.
„Von Irma!" rief dieser, mit zitternden Fingern daS Kouvert aufteißend.
Es war ein langes, inhaltreiches Schreiben. Zuerst gab Irma ihrem Glück, ihrem Jubel Worte, daß der geliebte Bruder, den sie schon als einen Verstorbenen betrauert, nun doch noch unter den Lebenden weilte, dann ging sie zu den Tagesereignissen über und Ulrich ersuhr nun den Namen desjenigen, der sein Werk in die Oeffentlichkeit gebracht, all den Ruhm und die Ehren cingehcimst hatte, die ihm zukamen. War es denn denkbar, daß Felix Bürger, mit dem ihn jähre- lange Freundschaft verbunden, einen solchen Schurkenstreich hatte ausführen können? Natürlich habe er geglaubt, er, Ulrich, sei tot, schrieb Irma, ihn in etwas wenigstens zu entschuldigend suchend.
„Also er hat sich mein Werk zugeeignet, wahrscheinlich damals bei dem Brande", knirschte Ulrich zwischen den Zähnen, „deshalb redete er mir zu, bei der Schutztruppe einzutreten. O die Schändlichkeit! Fort sollte ich, fort, damit er freien Spielraum hatte."
Von dem kurzen, unseligen Verlöbnis EvaS und Felix Bürgers schrieb Irma nichtS; das mochte diese ihm selbst mitteilen. Wenn er erfuhr, wie man ihr zngercdct, welche Faktoren da mitgesprochen, würde er ihr sicher ver- zeihen.
Eva! Wie sich Ulrichs Blick aushellte, alS er den geliebten Namen laS, deutlich sah er sie vor sich. Zorn, Empörung aus dem zarten Antlitz, als sie mit ansehen mußte, wie man jenem, der sein Werk gestohlen, zujubelte und dann stand sie ihm gegenüber, schleuderte ihm daS Wort „Dieb" inS Gesicht und dann war er gegangen, ver-