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Herzfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 104. Sonnabend, den 3. September 1910.

L Amtlicher Ceil.

HerSseld, den 30. August 1910.

In letzter Zeit ist es mehrfach vorgekommen, daß Orts­vorstände des KreiseS auf die Ersuchen auswärtiger Orts- behörden um Uebernahme oder Ueberweisung von Steuerpflichtige n nicht geantwortet haben.

Dies ist unzulässig und verursacht unnötiges Schreibwerk.

Ich erwarte, daß künftig die Ortsvorstände solchen Er- suchen unverzüglich nachkommen.

Es gibt bei derartigen Fällen nur 2 Wege:

1. Die Steuern werden sofort übernommen oder über- wiesen, oder

2. der ersuchenden Behörde wird umgehend geantwortet, daß und weshalb die Uebernahme oder Ueberweisung nicht möglich ist.

(Bei Uebernahme-Ersuchen, weil die betreffende Person nicht am Orte weilt, weil sie inzwischen wieder verzogen, oder weil sie in den Haushalt anderer übergetreten ist, wobei, Steuersatz und Steuernummer anzugeben sind, unter der die Veranlagung des Anderen erfolgt ist.

Bei Ueberweisungs-Ersuchen, weil die Person nicht ver­anlagt ist oder, weil sie ihren steuerlichen Wohnsitz in der Gemeinde hat und hier veranlagt ist. Hierbei sind Steuersatz und Steuernummer anzugeben, unter der die Person ver­anlagt ist.)

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-

Veranlagungs-Kommission:

Nr. 2307. von Grunelius.

Hersseld, den 1. September 1910.

Die Herren Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 22. August d. Js. I. Nr. 2222 KreiSblatt Nr. 90 betreffend Mitteilung der Steuerveranlagung der katholischen Einwohner an den hiesigen katholischen Kirchenvorstand noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 5. September d. Js. erinnert.

Nr. 2222. Der Landrat

von Grunelius.

Setonnimidinng.

Der

öffentliche Weg,

Kartenblatt 11, Parzelle 34, Gemarkung SolmS, im Richt- graben, soll eingezogen werden.

Dieses wird gemäß § 57 des Zuständigkeitsgesetzes mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Ein­wendungen hiergegen innerhalb 4 Wochen bei der unter­zeichneten Wegepolizeibehörde angebracht werden können.

Solms, den 28. August 1910.

Die Wegepolizeibehörde: Kalbfleisch.

nichtamtlicher teil.

Die Schlacht bei Sedan

Vier Jahrzehnte sind seit jenen welterschütternden Vor­gängen verflossen, die in den beiden ersten Septembertagen des Jahres 1870 nach langen, blutigen Kämpfen gegen daS kriegsgeübte und tapfere französische Heer auf Frankreichs Boden den Grundstein legten zur Wiederaufrichtung deS Deutschen ReichS unter dem Zepter deS Herrscherhauses der Hohenzollern.Kaiser Napoleon und sein Heer gefangen . . Welch eine Wendung durch GotteS Fügung!" so brauste eS durch alle deutschen Gaue vom MeereSgestade bis an die Alpen, vom Memelstrom bis zum alten Vater Rhein, zuerst ein wortloses Erstaunen, dann einen unermeßlichen Jubel hervorrufend. Gaben sich schon alljährlich bei der Wiederkehr deS Gedenktages dieses für ewige Zeiten als Markstein in der Geschichte unseres Volkes dastehenden Ereignisses laute Be­geisterung und daS Bedürfnis kund, den 2. September als patriotisches Fest zu begehen, so ist dies im Jahre 1910, welches einen äußeren Zeitabschnitt darstellt und daher Scharen alter Krieger aus den blutgetränkten Stätten ihres unverwelk- lichen RuhmS zu erhebenden Gedenkfeiern versammelt, natur­gemäß in erhöhtem Maße der Fall. Nicht mehr allzu viele sind es, die von den damaligen Streitern aus Frankreichs Fluren noch heute unter den Lebenden weilen. Ihnen, die bereitwillig ihr Leben für des Reiche- Größe eingesetzt und in zähem Ringen den stolzen Feind mit wuchtigen Schlägen zu Boden geworfen haben, gebühren unser Dank und unsere Hochachtung. An ihrem Beispiel soll sich daS heutige Ge- schlecht zu gleichem Opfermut und ebenso glühender Vater­landsliebe begeistern, soll eS den Wert kriegerischer Tugenden erkennen lernen, damit, wenn es nottut, die' Söhne daS ihnen überkommene Erbe mit derselben Einmütigkeit und heldenhaften

Hingabe verteidigen, mit der es vor vierzig Jahren die Väter erstritten haben. Wohl angezeigt ist es, an diesem hoch­patriotischen Festtage einen Blick auf die Ruhmestaten unseres Heeres zu werfen, welche den in der Weltgeschichte nicht wieder aufzuweisenden Erfolg, die Gefangennahme eines Herrschers und seiner ganzen Armee im freien Felde, herbeigeführt haben.

Der Zustand deS französischen Heeres, genannt die Armee von Chalons, war bei dem abenteuerlichen Zuge, welchen Marschall Mac Mahon in den letzten Augusttagen aus Drängen der Pariser Machthaber aus Metz zu, nahe an der belgischen Grenze entlang, zum Entsatz seines Waffengesährten Bazaine unternahm, ein recht bedenklicher geworden. Durch andauern­des Marschieren bei Tag und Nacht, schlechtem Wetter und mangelhafter Verpflegung waren die Truppen auss äußerste erschöpft, ihr Vertrauen aus sich selbst und die höhere Füh­rung hatten sie durch eine Reihe unglücklicher Gefechte und zuletzt noch durch die schwere Niederlage von Beaumont am 30. August völlig eingebüßt, so daß ihr Oberbefehlshaber es als notwendig erachtete, ihnen eine kurze Rast zu gönnen, die gleichzeitig zur Versorgung mit Lebensrnitteln und Schieß- bedars ausgenutzt werden sollte. In dieser Absicht hatte er die Versammlung der Armee bei der kleinen Festung Sedan angeordnet, nicht um sich dort zu schlagen. Aber der Kampf wurde ihm dort von den Deutschen ausgezwungen, deren Maasarmee unter dem Kronprinzen von Sachsen im Osten und deren 3. Armee unter dem Kronprinzen von Preußen im Süden so dicht an die Franzosen herangerückt waren, daß ein Entrinnen ausgeschlossen blieb und die Entscheidung fallen mußte. Die Stellung bei Sedan war im Rücken durch die Festung gedeckt; die Maas und die Täler des Givonne- und FloinbacheS waren gute Hindernisse, tief eingeschnittene Schluchten und schwer durchschreitoc e Waldstücke erschwerten das Vordringen des Angreifers und begünstigten die Ver­teidigung.

Trotz eines dichten Nebels hatte der Kamps schon beim Morgengrauen am 1. September begonnen, indem General von der Tann eine Brigade seiner Bayern auf Pontonbrücken über die Maas gegen Bazeilles vorschickte, wo schon am Nachmittage vorher ein Gesecht stattgesunden hatte. Nunmehr fand man den Ort zur hartnäckigen Verteidigung eingerichtet. Aller Hindernisse und des feindlichen Feuers ungeachtet, drangen die Bayern in das Dorf ein, und es entspann sich ein stundenlanges, heftiges Gefecht, in welchem HauS für Haus genommen werden mußte. Auch die Einwohnerschaft beteiligte sich lebhaft am Kampfe. Ein Uebelstand war es, daß die am linken Talrande der Maas stehende starke Ar­tillerie gegen daS bald in Flammen ausgehende Bazeilles nicht wirken konnte, da der Ort mit Kämpfern beider Parteien an- gefüllt war. Auf dem rechten Flügel der Bayern traten die Sachsen in der Richtung auf Moncelle ins Gefecht, an die sich weiter nach rechts hin daS preußische Gardekorps anreihte, während daS 4. Korps die Bayern und Sachsen direkt unter­stützte. Aus der anderen Seite von Sedan fochten das preußische 5. und 9. Armeekorps. Sie hatten morgens um 6 Uhr bei Donchery, wo die Württemberger zur Beobachtung gegen MeziereS stehen blieben, aus drei Pontonbrücken die MaaS überschritten und schloffen den Ring von dieser Seite, um ein Ausweichen des Feindes über die belgische Grenze zu verhindern.

Die zuerst aufmarschierten Batterien hatten eine Zeit lang einen schweren Stand gegen die in guter Stellung befindliche französische Artillerie. Nur durch wenige Kompagnien und etwas Kavallerie gedeckt, boten sie ein verlockendes Attackenziel für die in der Nähe haltende feindliche Kavalleriedivision. Diesen Augenblick nutzte der kühne französische Reitergeneral Gallifet zu einem Angriff mit drei Regimenter Chasseurs d'Asrique und zwei UlaneneSkadronS aus, der aber an dem Schnellfeuer der preußischen Infanterie zerschellte und unter großen Verlusten wieder zurückflutete. Immer enger zog sich von Stunde zu Stunde der Ring der Umklammerung um die französische Armee, die sich wacker wehrte und kein Mittel unversucht ließ, an irgend einer Stelle durchzubrechen. Noch ein zweites Mal versuchte die Kavallerie in ausopsernster Weise und wiederum unter General Gallifets Leitung, die andrängen­den Deutschen zurückzuwersen, aber vergebens; ganze Strecken weit war das Feld mit toten und verwundeten Reitern und gefallenen Pferden bedeckt; jedoch das Schicksal des TageS war nicht mehr zu wenden.

Schon am Morgen um 6 Uhr war Marschall Mac Mahon durch einen Granatsplitter verivundet worden, und an seiner Stelle hatten nacheinander General Ducrot und dann General Wimpffen die Führung übernommen. Für den Marschall und feinen militärischen Ruf war diese Verwundung ein Glück, denn sonst wäre er, obwohl er nur die ihm aus Paris zu­gegangenen Weisungen befolgt hatte, sicher der Unterzeichner der von ganz Frankreich mit einem Sturm der Entrüstung begleiteten Kapitulation geworden und sein Name untrennbar mit dieser verknüpft gewesen. In den Nachmittagsstunden er- lahmte der Wiederstand, die Tatkraft der Gegner war erschöpft und der DurchbruchSversuch, der zuerst von Ducrot in der Richtung auf MeziereS angefetzt, dann von Wimpffen nach der entgegengesetzten Seite unternommen wurde, um die Bayern und Sachsen zu überrennen und Anschluß nach Metz

hin zu gewinnen, endgültig als gescheitert anzusehen. In regellosen Massen drängten die Franzosen von allen Seiten nach Sedan hin, verfolgt von den Granaten der deutschen Batterien, die in mächtigen Linien, an beiden Usern der Maas aufgefahren waren. Bald stiegen auch Feuersäulen aus der Stadt auf, und um Vs5 Uhr nachmittags wurden weiße Fahnen, das Zeichen der Ergebung, auf den Türmen sichtbar, womit der Kampf sein Ende fand. Kaiser Napoleon hatte den General Wimpffen ausgefordert, in Unterhandlungen mit dem deutschen Hauptquartier zu treten, und hatte für seine Person an König Wilhelm seinen Generaladjutanten mit einem eigenhändigen Schreiben gesandt, durch das er seinen Degen in die Hand des Königs legte. Am nächsten Morgen, Freitag, dem 2. September, wurde dann die Kapi­tulation abgeschlossen, nachdem die Verhandlungen während der Nacht abgebrochen worden waren, weil die französischen Bevollmächttgten erklärt hatten, die geforderten Bedingungen als zu hart nicht annehmen zu können. General Moltke aber blieb fest, er forderte Waffenstreckung der ganzen Armee und drang durch; die Franzosen sahen wohl auch daS aussichts­lose eines weiteren Kampfes ein, der ihnen am 1. September 17 000 Mann gekostet hatte, ein Verlust, der aus die volle Entwickelung der deutschen Artillerie zurückzuführen ist. Die Einbuße der Deutschen belies sich etwa auf die Hälfte. Schon während des Kampfes waren 21000 Franzofen in Gefangen­schaft geraten, denen durch die Waffenstreckung noch 83000 Mann hinzutraten, so daß insgesamt 104000 Mann in die Hände der Deutschen fielen, welche überdies alS Sieges­trophäen neben einer Unzahl von Waffen verschiedener Art, Fahrzeugen und 6000 brauchbaren Pferden 419 Feld- und 139 FestungSgeschütze aufzuweisen hatten.

Ein Stück Weltgeschichte, erschütternd in feinen Folg« und bedeutsamer als ein Jahrh,- ^t ^biget Entwickelung. Hätte an dem denkwürdigen 2. September seinen Abschluß gesunden. Niemals hat daS deutsche Volk einen größeren Triumph gefeiert, einen größeren Freudentag erlebt. Der französische Kaiserthron brach unter den Siegen der deutschen Heere zusammen, deren Frucht die Auflichtung deS Deutschen Kaiserreichs wurde. Frevelnd hatte Frankreich den Frieden gebrochen, ungenügend vorbereitet war es in den Kampf ge­zogen, prahlerisch lärmend, alS könne ihm der Erfolg nicht fehlen. Stolz berauschte man sich an der Erinnerung alten RuhmS und verlangte, eifersüchtig auf die von Preußen im Jahre 1866 erjochtenen Siege, die man als eine Herausforde­rung ansah,Rache für Sadowa." Das Ergebnis dieses Strebens verkörperte sich in den Ereignissen bei Sedantages 1870, welche Frankreich wie ein furchtbares Strafgericht trafen. Ein Richterspruch des Allerhöchsten war ei, denndie Weltgeschichte ist das Weltgericht."

Bor vierzig Jahren! Wie war so heiß Der Tag in blutigem Ringen, Als wir mit eisernem Todeskreis DaS Heer der Franken umfingen!" Die Alten fprcchens mit grauen Haaren, Sie, die noch mit bei Sedan waren; Die Augen blitzen, daS Herz wird weit, Sie denken der großen, der herrlichen Zeit!

ES sitzet im stillen Kämmerlein, Verloren in trübem Sinnen, Ein einsames, altes Mütterlein, Und läßt die Tränen heiß rinnen Ja, vierzig Jahre sind heut' vorbei, Es traf den Gatten das tötliche Blei; Bei Sedan, da war daS Grab ihm bereit In jener schrecklichen, blutigen Zeit!"

Doch schnell geht die Zeit! Ein neues Geschlecht,

ES kennt nicht den Ruhm, nicht die Plagen Des KriegS; waS der Väter Herzen bewegt, Wir Hörens nur singen und sagen.

Wir haben dem Feind nie ins Auge geblickt, Noch niemals das Schwert auf den Gegner gezückt. Wir leben im Frieden; was ist unS heut' Die ferne, die lange entschwundene Zeit?

O, laßt sie nicht sterben, o haltet sie wach, Mit freudigem Stolze gedenket Heut' an den herrlichen Sedantag, Der unS so Großes geschenket Was die Väter errungen in blutigen Schlachten, Es zu erhalten, sei euer Trachten, Aus daß für Deutschland in Ewigkeit Erblüh' eine große, herrliche Zeit!

Herbert Berthold.

Politischer Wochenbericht.

Zwei bemerkenswerte Reden standen in der BerichtSwoche im Bordergrund der inneren Politik: eine Rede des Kron­prinzen, die er bei seiner feierlichen Einführung als Rektor magnificentissimuS der Universität Königsberg gehalten hat, und kurz darauf eine Rede deS Kaiser», ebenfalls in