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Hersfelder Armblatt

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Sernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 107* Sonnabend, den 10. September 1910»

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 7. September 1910.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, die Z u - u n d A b g a n g s - L i st e n für das I. Halbjahr 1910 bestimmt bis zum 15. b. Mts. einzureichen. Art. 88 der A. A. z. Einkstges.

Die Begründungen der Zu- und Abgänge sind genau nach ihrem Wortlaut in den Kontrollauszügen einzutragen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-

Veranlagungs-Kommission:

Nr. 2430. von Grunelius.

Hersseld, den 8. September 1910.

Die Herren Bürgermeister, welche meine Versügung vom 22. August d. Js. I. Nr. 2222 Kreisblatt Nr. 90 betreffend Mitteilung der Steuerveranlagung der katholischen Einwohner an den hiesigen katholischen Kirchenvorstand immer noch nicht erledigt haben, werden mit Frist bis zum 12. September d. Js. nochmals erinnert.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:

I. Nr. 2222. von Grunelius.

Mitte Mai und Oktober findet alljährlich in dem mit dem Hessischen Diakoniffenhause verbundenen Seminar*zur Aus­bildung von Kleinkinderlehrerinnen (Kindergärtnerinnen) die Ausnahme neuer Zöglinge statt. Der Kursus des Seminars ist einjährig.

Die Pension für den Kursus, Unterricht eingeschloffen, beträgt 330 Mark.

Anfragen sind zu richten:

An den Vorstand des Diakoniffenhauses bei Cassel, Poststation Wehlheiden.

* *

Hersseld, den 5. September 1910.

Wird veröffentlicht.

I. 8746. Der Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 5. September 1910.

Um zu vermeiden, daß die rechtzeitige Einzahlung des Betrages für das den Gemeinden im lausenden Jahre staats- seitig überwiesene Loosholz an die Königliche Kreiskasse unter­bleibt, wodurch die betreffende Gemeinde des Rechtes zum Bezüge von Loosholz im nächsten Jahre verlustig gehen würde, will ich nicht unterlassen, die Herren Bürgermeister schon jetzt aus den Inhalt der diesseitigen Versügung vom 28. Februar 1880 Nr. 2182 im Kreisblatt Nr. 18 aufmerksam zu machen.

A. 6625. Der Landrat

von Grunelius.

Die Lehrlinge des Zimmerhandwerks aus den Kreisen Hersseld und Hünfeld, welche ihre Gesellenprüfung abzulegen haben, werden ausgefordert, sich bis zum 20. d. M. bei dem Unterzeichneten unter Einsendung der ersorderlichen Zeugnisse zu melden.

Die Prüsung findet am 11. Oktober d. I. morgens 8 Uhr auf dem Geschästsplatz, Bahnhosstr. A 15, statt.

Hersseld, den 5. September 1910.

Der Vorsitzende des Prüsungsausschusses: Georg Lämmerzahl, Zimmermeister.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

In Salzburg haben mehrfache Unterredungen zwischen dem italienischen Minister des Auswärtigen Marchese d i S a n G i u l i a n o und dem österreichisch-ungarischen Minister des Auswärtigen Grasen A e h r e n t h a l stattgesunden. Von dort aus begaben sich beide Minister nach I s ch e l, wo Mar­chese die San Giuliano am 1. September vom Kaiser und König F r a n z I o s e s in Audienz empfangen wurde und dem Monarchen ein Handschreiben des KönigS von Italien überreichte, welches dem Kaiser Franz Josef erneute herzliche Wünsche zu seinem 80. Geburtstage ausspricht und den ver- kündeten Herrscher der freundschaftlichsten Gefühle deS KönigS Viktor Emanuel versichert. Kaiser Franz Josef sandte dem König sofort ein Danktelcgramm und erwiderte darin auss wärmste die ihm ausgedrückten Gefühle aufrichtiger Freund­schaft und BundeSgenossenschast. Die Vorgänge dürfen mit Recht als der deutliche Ausdruck der freundschaftlichen und vertrauensvollen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien betrachtet werden. Insbesondere hat sich auch in der Beurteilung der allgemeinen Lage in Europa wie der Ver-

im "Aen Osten eine erfreuliche Uebereinstimmung der Ansichten zwischen den Vertretern der beiden Kabinette heraus»

gestellt. In Deutschland hat man von dem Ergebnisse der Salzburger Entrevue, in dem man mit vollstem Rechte einen neuen Beweis für die innere Lebenskraft und ungeschwächte Fortdauer des Dreibundes erblickt, mit lebhafter Befriedigung Kenntnis genommen.

In der Türkei haben sich die Wogen der nationalen Erregung über die Wahlen von Kretern in die griech­ische Nationalversammlung unter dem Einflüsse besänftigender Erklärungen der Schutzmächte einigermaßen ge­glättet. Trotzdem bleibt die Lage nach wie vor besorgniserreg­end. Venizelos hält aus Grund seiner hellenischen Staats­angehörigkeit feinen Einzug in die Nationalversammlung, und damit wird die Leitung der griechischen Staatsangelegenheiten ein Element der Unruhe und Gärung eingefügt, das der Er­haltung des Friedens gewiß nicht förderlich fein dürfte. So bleibt die Kretasrage ungelöst, und die Balkanprobleme be­halten ihren ernsten und gesahrdrohenden Charakter.

Wie vor einiger Zeit Argentinien, so hat in diesen Tagen auch Mexiko die Jahrhundertfeier seiner Unabhängigkeit festlich begangen. An dieser Feier nimmt auch Deutschland, das durch sehr lebhafte Handelsbeziehungen an der günstigen Entwicklung der Republik stark interessiert ist, herzlichen und warmempsundenen Anteil, und KaiserWilhelm hat der Teilnahme Deutschlands dadurch besonderen Ausdruck gegeben, daß er der Republik zu ihrer Jahrhundertfeier ein Statue Wilhelm von Humboldts zum Geschenk machte und den diplomatischen Vertreter Deutschlands in Mexiko, Geh. Leg.» Rat Bünz, als Sondergesandten zu den Feierlichkeiten ab» ordnete.

Verschiedene bem erkenswerte Vereinigungen tagten in der abgelaufenen Woche aus deutschem Boden. So waren in Hamburg der Internationale Genossenschaftskongreß, in Stuttgart der deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag, in Bad Nauheim der allgemeine deutsche Genossenschaststag und in Leipzig der Parteitag der sächsischen Sozialdemokratie versammelt.

Die Sommerruhe des Zarenpaares in Fried­berg ist durch das Eindringen von Unberufenen in das dortige Schloß gestört worden. Ueber den eigentümlichen Vorgang ist kurz zu berichten, daß zwei Individuen in der Offiziersuniform des 88. Infanterieregiments versuchten, sich Eingang in das Innere des Schlosses zu verschaffen. Sie hatten auch bereits die Burgwache passiert, aber am Schloßtore wurden sie von den Posten zurückgewiesen, da die angeblichen Offiziere den erforderlichen Pafsierjchein nicht auszuweisen vermochten. Die Eindringlinge verließen daraus das Schloß, ohne daß sie merk­würdigerweise betreffs Feststellung ihrer Persönlichkeit ange» halten worden wären. Der Zar soll über diesen mysteriösen Vorfall sehr erregt sein, und es sind deshalb die Vorsichts­maßregeln zu seinem und seiner Familie Schutze noch ver­stärkt worden. Von den beiden falschen Offizieren hat man noch keine Spur.

WWssemlibWN.

B r e s l a u, 8. September. Im Unterlauf der Oder steigt überall das Wasser. Auch die Nebenflüsse steigen noch. Aus der ganzen Provinz werden Hochwasser und Ueber- schwemmungen gemeldet. Das Wetter ist abwechselnd reg­nerisch und heiter.

B r e s l a u, 8. September. Die Oder oberhalb Ratibor ist langsam im Fallen begriffen, während sie in Ratibor selbst gestern 50 Zentimeter gestiegen ist. Der höchste Stand von 1907 ist damit um zehn Zentimeter überschritten.

Waldenburg, 8. September. Die anhaltenden Regen­güsse der letzten Tage haben gestern nachmittag aus der ein­gleisigen Strecke Ditterbach-Glatz in der Nähe des Bahnhofs Ludwigsburg einen Dammrutsch verursacht. Der Damm hat sich in einer Länge von 40 Metern mehr als drei Meter gesenkt. Der Güterverkehr ist eingestellt. Der Personen- verkehr wird durch Umsteigen aufcechtcrhaltcn.

Brunn, 8. September. Dem Hochwasser sind in der Gemeinde Kunowitz zehn Personen zum Opfer gefallen. Hundert Häuser sind eingestürzt und weitere hundert droben einzufallen. In dem mährischen Bezirk Ungarisch-Ostra sind 50 Häuser eingestürzt und eine große Anzahl gilt als un­rettbar verloren. Zur Hilfeleistung erbetene Pioniere beginnen mit den Rettungsarbeilen. Der Regen dauert fort.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 8. September.

Se. Majestät der Kaiser unternahm gestern vor­mittag und nachmittag in P r ö k e l w i tz JagdauSflüge. Der Kaiser verblieb im fürstlichen Jagdschloß bis heute früh. Se. Majestät der Kaiser trifft mit größerer Begleitung am 16. September Nachmittags über Wien und Großkanizsa in Fünffachen ein und setzt von dort die Reise nach MohacS fort, wo Er am Bahnhöfe von den Erherzogen Franz Ferdinand und Friedrich sowie von den Behörden empfangen wird. Offizieller Empfang findet nicht statt. Nach der

Ankunft besteigt der Kaiser das Schiff und begibt Sich dann ins Karapacsäer Jagdschloß und Abend- sofort aus die erste Pürsche. Am 19. September Abends reist der Kaiser nach Wien ab.

Aus Preußisch-Holland, 7. September, wird berichtet: Bei den diesjährigen Kaisermanövern wird der Kamps um eine mit allen Mitteln der Technik befestigte Stellung zur Darstellung gebracht werden, ohne dabei die Entschlußsreiheit der Führer wesentlich zu beschränken. AuS Ersparnisrückfichten sind nur zwei Armeekorps herangezogen. Die Manöver werden so kriegsmäßig wie möglich durchgeführt werden. Die Kämpfe werden auch Nachts fortgesetzt werden, wie auch Se. Maje­stät der Kaiser als oberster Schiedsrichter sich bereit erklärt hat, zu jeder Zeit mitarbeiten zu wollen. Die allgemeine Lage ist solgende: Eine r o t e A r m e e ist vor einer blauen über die Weichsel zurückgegangen. Die blaue ist ihr über die Weichsel gefolgt und steht in einer Linie vorwärts Marien- burgRiesenburg. Die rote Armee hat Verstärkungen zu er­warten und will nach deren Eintreffen erneut Widerstand leisten, wozu die Gegend des Oberländischen KanalS und die anschließenden Seen einladen. Das rote, 1. Armeekorps einer­seits und das blaue, 17. Armeekorps anderseits find nur der nördliche Flügel von nach Süden beiderseits anschließenden größeren Truppenmassen, die angenommen find. Von Neuer­ungen seien erwähnt: Ueber AbtranSporte ist noch keine Be­stimmung getroffen. Die Verluste werden durch Entfernung aus der Gesechtslinie dargestellt werden. Die gesamte Bagage nebst Begleitmannschaften wird nicht mehr als neutral betrachtet werden. Beim ersten Corps wird P. H, beim siebzehnten M. III arbeiten, beide Lenkballons mit drahtloser Telegraphie. Die blaue Kavalleriedivrsion hat leichte drahtlose Stationen, Licht- signale und Lastkraftkolonnen, die Infanterie hat Scheinwerfer, die Pioniere haben einen neuen leichten DivifionSbrückentrain. Die blaue Armee gedachte heute aus der ganzen Linie gegen Osten Vorzugehen und Rot überall anzugreifen, wo sie daraus stoßen würde. Das siebzehnte Armeekorps ging zwischen dem Ewing- und dem Drausensee vor, die ihm unterstellte Kavall­eriedivision gegen den Elbingfluß. Die Kavallerie erzwäng den Uebergang über den Elbingfluß bei Elbing gegen schwache rote Truppen. In der Gegend nördlich von Christburg ent­wickelte sich ein größeres Gefecht, indem daS blaue 17. KorpS hier gegen die westliche Sorge vorging. Die Artillerie trat auf beiden Seiten in lebhafte Tätigkeit. Luftschiff P. 2 oper­ierte den ganzen Vormittag. Das Wetter ist regnerisch. Die Wege sind ausgeweicht. Se. Majestät der Kaiser hatte Morgen- Pröckelwitz verlassen und war bei Pachollen zu Pferde ge­stiegen. Graf Haeseler und die anderen Mannövergäste be­obachteten die Kavalleriedivision.

Infolge einer Entscheidung des KammergerichtS hat der Kultusminister nunmehr verfügt, daß bei der Festsetzung deS Besoldungsdienstalters derBolksjchullehrer der Dienstzeit im Schulamt die Zeit deS aktiven Militär­dienstes ohne Einschränkung auch dann hinzugerechnet wird, wenn sie vor Ergreifung deS Lehrerberufs und vor Eintritt in daS Seminar zurückgelegt ist. Die Dienstzeit, die vor den Beginn des 21. Lebensjahres fällt, bleibt außer Berechnung. Nach einem Beschluß des StadtratS von Zweibrücken dürfen, der Frankfurter Ztg. zufolge, die Lehrer dieser Stadt vom 1. Oktober d. Js. ab eine Nebenbeschäftigung, z. B. Versicherungsvertretungen, Agenturen usw., nicht mehr auS- üben. Die Besoldung der Lehrer, so besagt die Entscheidung, sei derart, daß jede Nebenbeschäftigung überflüssig erscheine.

Die 11. Vertreterversammlung des Kyfshäuser Bundes der deutschen La n d e s-K r i e g erv e r- bände hat an Seine Majestät den Kaiser solgende- Telegramm geschickt: Vom Kyffhäuser, wo der Kyffhäuser- Bund, zur Zeit 30 000 Vereine und mehr als 2Va Millionen Mitglieder stark, heute tagt, lenkt sein Vertretertag den Blick auf den Osten des Reiches, wo vor wenigen Tagen Eure Kaiserliche Majestät Heerschau über deutsche Truppen gehalten haben und wo vor 600 Jahren deutsche Zwietracht einer ge­waltigen deutschen Kulturarbeit den Untergang bereitete. Ein­gedenk der Lehren der Geschichte, betrachten die deutschen Kriegervereine es als ihre Ausgabe, als oberste Richtschnur des staatsbürgerlichen Handels die alle Sonderintereffen nieder- zwingende Liebe zum gesamten deutschen Vaterlande bei ihren Mitgliedern zu pflegen. In diesem Gedanken bitten die im Kyffhäuser-Bunde vereinigten deutschen LandeS-Kriegerverbände gleichzeitig in Treue zu ihren Landesherren, daS erneute Ge­lübde der Treue zu Kaiser und Reich an den Stufen bei Kaiserlichen Thrones niederlegen zu dürfen. Winneberger, Königlich Bayrischer Generalleutnant z. D., Erster stellver­tretender Vorsitzender. Aus dieses Telegramm ist folgende Antwort eingetroffen: Berlin Schloß, den 4. September 1910. Exzellenz Generalleutnant z. D. Winneberger, Kvffhäufer, Harz. Ich spreche dem Vertretertage deS Kyffhäuser-BundeS für die freundliche Begrüßung meinen wärmsten Dank aus. Der hervorragenden Verdienste deS verewigten ersten Vorsitzenden, Generals der Infanterie von Spitz, um die Entwicklung bei deutschen KriegervereiltSwesenS gern gedenkend, vertraue ich, daß der Kyffhäufer-Bund mit den in ihm vereinten deutschen LandeS-Kriegerverbänden und Kriegervereinigungen ei auch ferner als feine vornehmste Aufgabe ansehen wird, unter feinen