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Herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Snschlutz Nr. 8
Nr. 108.
Dienstag, den 13. September
1910.
Amtlicher teil
HerSfeld, den 7. September 1910.
Die unter dem Schweinebestande des Maurers Heinrich Wettlauser in Asbach ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 8933. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
Berlin, den 11. September.
Vom Kaisermanöver wird aus P r. - H o l l a n d, 10. September gemeldet: Die b l a u e P a r t e i hat gestern die Meldungen über die wirkliche. Hauptstellung von Rot durch ihr Lenklustschiff erhalten. Die rechte Flanke von Rot war gestern durch die Kavalleriedivision Brecht gedeckt, mit Sicherungen in der Linie Goettchendors—Behlenhos. Die blaue Kavalleriedivision E verdrängte diese Sicherungen und wandte sich dann aus Schmauch, das gegen Norden von Karabinerschützen Brecht besetzt war. Die Kavalleriedivision E setzte zwei Brigaden zum Fußgefecht aus. Die roten Karabinerschützen räumten Schmauch. Die Division E konnte wegen überlegenen roten Artillericfeuers nicht folgen, grub sich auf dem Lerchen- berg ein und nahm mit Einbruch der Dunkelheit Schmauch in Besitz. Heute morgen 3 Uhr 30 Min. begann allseitig überaus heftiges Artillerieseuer, besonders auch der schweren Artillerie. Das blaue 17. Korps setzte mit Tagesanbruch feinen Angriff unter starker Staffelung. der 36. Division fort, die Kavalleriedivision E versuchte, in Flanke und Rücken des Feindes vorzugehen. DaS rote 1. Korps hielt mit der 1. Division und der 73. Brigade seine Stellung und stieß mit der verstärkten 2. Division Brecht nördlich deS Weeske-Flusses vor. Dieser Vorstoß, den linken blauen Flügel umfassend, war nicht ohne Ersolg. Die 36. Division, blau, mußte zurück. Das Manöver wurde 6 Uhr 30 Min. Morgens abgebrochen. — Der K a is er, welcher Morgens 3 Uhr aus Schlobitten ausgehrochen war, hielt bei Rogehn die Kritik. Das Wetter ist sehr schön. — Pr. - Hollgnd, 10. Sept. Bei Rogehnen war gestern abend noch ein schweres Nachtgesecht. Die blaue 36. Division hat das Dors.zeitweise im Besitz genommen. Die rote 73. Brigade mit den bereitgestellten Reserven umwickelte Rogehnen von allen Seiten und warf Blau wieder hinaus. Heute morgen wollte Blau den südlichen Flügel von Rot bei Grünhagen eindrücken. Der Angriff wurde durchgeführt, verlies aber unglücklich. Die blaue 41. Division stieß auf die sehr starke Stellung der 2. roten Brigade und kam nicht vorwärts. Das Eintreffen der blauen 35. Division wurde verhindert, indem die rote 73. Brigade und Teile der roten ersten Brigade energisch gegen den linken Flügel der 35. Brigade einsetzten. Blau mußte zurück. Rot würde eS wahrscheinlich bei weiterer
fonnenstOtin M KetteHrme.
Roman von A. v. Liliencron.
(Schluß.)
Ein Schatten zog bei den Worten des ArzteS über das Gesicht des andern, und wie aus tiefem Sinnen auffahrend, strich er jetzt das reiche Blondhaar zurück.
„Ja, ja, das traf sich gut", gab er zu, „aber ich hatte aus alle Fälle beschlossen, hier Posto zu fassen, bis ich deiner habhaft würde. Darum habe ich auch einen Dienstmann auf die Hauptpost geschickt, um mir meine Briefschaften hierher zu bringen, damit ich sie durchsehen kann, während du beschäftigt bist. Irgend ein stilleS Plätzchen wirst du mir schon anweisen können."
„Gewiß, kannst du alles haben", versicherte der Aeltese, und der junge Arzt fuhr fort: „So voll ungeduldiger Sehn- sucht wie heute bin ich lange nicht gewesen. Der Courierzug schien mir ein Bummelzug zu sein, und als ich endlich an- kam, wußte ich nicht, welchen der beiden brennenden Punkte ich zuerst erledigen sollte, daS Wiedersehen mit dir oder das Durchsehen meiner Postsachen. Als vorsichtiger Mann, der da weiß, wie schwer man einen vielbeschäftigten Arzt für sich mit Beschlag belegen kann, faßte ich meine Sehnsuchtsziele zusammen und bestellte mir meine Postsachen hierher. Du mußt wissen, daß ich, wie ich etwa vor acht Wochen an daS Newyorker Krankenhaus schrieb und mich als ein noch Lebender meldete, zugleich bat, meine sämtlichen bis dahin eingegangenen Briese postlagernd hierher zu 1 enden.
„Sage mir aber nun mal in aller Kürze, waS hast du "'der Zwischenzeit getrieben?" unterbrach ihn der Freund, hören"" ^ 1 knapp, und ich brenne daraus, es zu
öwei Worten gesagt", lautete die Antwort. .^V^^n ^ Landes ging, wo die Cholera iitcte, hatt«, ich dort alle Hände voll ju tun, und ein Not
Fortsetzung des Kampses gelungen sein, von Norden das ganze 17. Korps aufzurollen, zumal oben die 36. blaue Division durch Herumgreifen der 2. roten Division vollständig umfaßt und zerdrückt wurde. Dagegen kam die blaue Kavallerie- division E in den Rücken des Feindes, wo sie einige Vorteile gewann, wo aber die Absicht, das rote Hauptquartier in Quit- tainen auszuheben. nicht gelang. — Schon um Va7 Uhr früh ertönte das Signal „Halt!". Die Situation am Morgen war etwa folgende: Die rote erste Division hatte ihre starke Stellung südlich und südöstlich Pr.-Hollands innegehalten. Die blauen Divisionen 35 und 41 setzten den nächtlicherweile wohlvorbereiteten Angriff fort. Die ganze Nacht hindurch suchte die schwere Artillerie von Blau die Feldbesestigungen von Rot zu zerstören. Beim Morgengrauen mischte sich in den Lärm der Haubitzen der Kanonendonner der Feldgeschütze. Die blauen Truppen, die ebenso wie die roten die Nacht in den Gefechtslinien verbracht hatten, arbeiteten sich weiter heran. Die 1. Division hatte mittlerweile ihre Stellung durch die 73. Brigade weiter nördlich ausgedehnt, so daß jetzt das 1. Korps ohne 1. und 2. Division im Halbkreis etwa sechs bis sieben Kilometer südöstlich von Preußisch-Holland verschanzt stand. Die Entscheidung fiel jedoch an anderer Stelle. Gene- ral von Kluck hatte, getreu dem Prinzip, daß eine ersolgreiche Verteidigung mit Offensive verbunden sein muß, seine zweite Division zum Angriff auf die blaue 36. Division, die östlich von Preußisch-Holland stand, angesetzt. Sie holte weit nördlich aus. So war die 36. Division in der Front von der 73. Jnfanteriebrigade und Teilen der 2. Division beschästigt, während die Hauptteile der letzteren den linken Flügel von Blau eindrückten. Die blaue Kavallerie-Division konnte dies nicht verhindern; sie wurde, w^t ab von ihrem KorpS, durch das Detachement, das ursprünglich gegen Elbing operiert hatte, in Schach gehalten. So kann wohl der Angriff deS 17. Korps als gescheitert gelten, wenn auch die schiedsrichterliche Entscheidung zurzeit noch nicht bekannt ist. — Beide Luftschiffe haben am ersten Tage sehr gut gemeldet. Die beiden Kommandierenden Generale konnten sich über den Gegner ein ganz klares Bild machen. Von einem Fachmann wurde täglich zweimal eine Wetterkarte herausgegeben, so daß die Luftschiffe auf herannahende Gewitter und ähnliche Störungen durch Funk- spruch aufmerksam gemacht werden konnten. „P. 2" mußte am ersten Tag, nachdem er in den Rücken der Blauen Partei gelangt war und sogar die Sammlung einer Division bei Dirschau gemeldet hatte, inmitten der Blauen Partei landen und in eine falsche Ballonhalle einfahren. Die Landung erfolgte aus Friedensrücksichten zur Schonung des Materials. Von acht Zylindern war nur einer beschädigt. Im Ernstfalle hätte er weiter arbeiten können. Heute morgen um 5 Uhr waren wieder beide Luftschiffe in Tätigkeit. Die roten Befestigungen mit den der Hauptstellung vorgeschobenen starken Stellungen und den wieder diesen vorgelagerten Scheinanlagen haben sich sehr bewährt. Es gelang glänzend, den Feind und sein Luftschiff zu täuschen, ihn auszuhalten, zur unnötigen Entwicklung zu
schrei nach dem andern zog mich immer weiter von Newyork fort. Aus einer einsamen Farm lag die ganze Familie an der Epidemie nieder. Es gelang mir, die Seuche zu bekämpfen, aber ich mußte selbst meinen Tribut zahlen und lag Wochen lang zwischen Tod und Leben. Gottes Gnade und meine gesunde Natur halsen durch, ich genas und entschloß mich, dem Vorschläge bei reichen Farmers zu folgen, und ihn nach Europa zu begleiten. Die Sehnsucht nach der Heimat bleibt bei mir doch etwas, was ich nicht überwinden kann."
„JedensallS wird man dich auch hier sesthaltcn", wurde ihm versichert. „Dein reicher Farmer hat sicherlich deine Dienste mit klingendem Golde belohnt und hier winkt dir eine einträgliche Stellung. Kurz und gut, Willibald Tondern ist ein gemachter Mann."
. Der nickte aber nur schwermütig und seufzend murmelte er: „Einst hätte mich das glückselig gemacht, jetzt ist mir daS alles ziemlich gleichgültig."
Eine herantretende Diakonisse unterbrach das Gespräch. „ES sind eben zwei Verunglückte hereingebracht", meldete sie, „ein Mann, den sie aus dem Wasser gezogen haben, und ein junges Mädchen, daS bei der Straßenbahn verunglückt ist."
Der Arzt wollte eilig gehen, Tondern hielt ihn zurück. „Zwei kannst du nicht auf einmal besorgen! Wozu bin ich denn da, wenn ich dir nicht etwas abnehmen sollte?"
„Und deine Briefe?"
„Die warten, der Ruf nach dem Arzte geht allem anderen voran."
„Gut", wurde ihm heiter geantwortet, „so werde ich wenigstens galant sein und dir daS weibliche Gejchlecht überlassen. Da — jene Tür führt zu dem Zimmer, in dem wir unS nachher treffen wollen."
Man hatte Regina in daS zunächst liegende Krankenhaus gebracht. Dort war sie von den Schwestern in Enchsang genommen worden und ruhte nun noch immer bewußtlos auf dem Lager. Der eine Arm lag kraftlos auf der Decke, und aus einer Stirnwunde sickerten langsam Blutstropfen. Man
zwingen und die schwache Besatzung der Scheinanlagen und vorgeschobenen Stellungen ohne Verluste in die Hauptstellung zurückzuziehen. Ueber die Abtransporte konnte erst in der Nacht zum Sonnabend disponiert werden. Heute und am Montag werden die Hauptmasten in etwa hundert Zügen auf fünf Transportstraßen abtransportiert werden, und zwar 2200 Offiziere, 36 000 Mann, 9000 Pferde, 800 Fahrzeuge und 640 000 Kilogramm Gepäck. Der öffentliche Verkehr wird vollkommen aufrecht erhalten.
Im Gefolge deS Kronprinzen auf der Reise nach Ostasien werden sich, wie halbamtlich mitgeteilt wird, Generalleutnant v. Echenck, Generaladjutant bei Kaisers, Major Graf zu SolmS- Wildenfels, persönlicher Adjutant des Kronprinzen, Leutnant v. Zobeltitz, Ordonnanzoffizier des Kronprinzen, Leibarzt Oberstabsarzt Professor Dr. Wiedemann, Gesandter v. Treutler, Oberleutnant d. R. Graf Finck v. Finckenstein und Hosstaatsfekretär Sommer befinden.
Die Zunahme in der Zahl der aus Grund des Jn- validenversicherungSgesetzeS bewilligten Renten bewegt sich in gewohnten Bahnen. Im letzten Vierteljahr stieg die Gesamtzahl der laufenden Renten von rund
1 018 700 aus rund 1024 700 also um 6000. DaS würde für das ganze Kalenderjahr eine Zunahme um rund 24 000 Renten bedeuten. Die Zahl der Altersrenten nimmt immer noch ab. Sie bewegt sich jetzt aus einer Höhe, die nur noch ganz wenig über 100 000 steht. Man kann sicher sein, daß diese Zahl beim Abschluß des laufenden Vierteljahres bereits unterschritten sein wird. Ebenso gehen die Krankenrenten in ihrer Zahl zurück. Der Rückgang im letzten Vierteljahr stellt sich aus rund 600. Beide Rentenarten zusammen werfen somit einen Rückgang um rur-> 1800 Renten auf. Die Invalidenrenten find dagegen um rund 7800 gestiegen. Diese Steigerung wird auch noch eine ganz erhebliche Reihe von Jahren on- halten. Sie wird in dem Augenblick noch eine erheblichere Rolle zu spielen anfangen, wenn waS doch nicht mehr allzu lange dauern kann, die Altersrenten ihr Beharrung-stadium erreicht haben, d. h. wenn hier nicht mehr eine größere Zahl von Rentnern stirbt, als neue hinzukommen. Im BcharrungS- zustande aller Rentenarten wird daS gegenseitige Verhältnis noch krasser sein. Die Zahl der Altersrenten wird dann gegen die der Invalidenrenten ganz zusammengeschrumpst sein.
Wichtige Flugversuche für militärische Zwecke werden in der kommenden Woche in der Lüneburger Heide stattfinden. Wie die „Spiga-Korrefp." mitteilt, wird Korvettenkapitän Engelhardt in der kommenden Woche in der Lüneburger Heide an mehreren Tagen Flüge unternehmen, um die militärische Brauchbarkeit der Wright-Flugmaschine zu prüfen. Zur Ausnahme der Flugmaschinen werden die s. Z. von der Firma Oertz bei Schneverdingen errichteten Gebäude dienen, die in diesem Frühjahr direkt aus dem Flugplatz bei Schneverdingen, Soltau, aufgebaut wurden. Kapitän Engelhardt will nicht nur weite Ueberlandflüge über die Heide unternehmen, sondern auch auS größeren Höhen Sandsäcke
hatte ihr das üppige Haar gelöst, und eine schwere Flechte hing über den Bettrand, mit den lockigen Enden den Fußboden berührend. In quälender Unruhe murmelten die zuckenden Lippen unverständliche Worte, während die langen dunklen Wimpern sestgeschloffen auf den blaffen Wangen ruhten.
Die kraftvolle Gestalt eines jungen Mannes trat ein. „Ich komme in Vertretung meiner Kollegen", wandte er sich an die Schwester, „führen Sie mich zu der Verunglückten."
Ein leises schmerzlicher Stöhnen kam von dem Lager, wo man Regina gebettet hatte. Es war, ali ob die Kranke bei dem Klänge dieser Stimme zusammengejuckt sei, die gesunde Hand suhr nach dem Herzen, und der schmerzliche Zug um den lieblichen Mund trat deutlicher hervor.
Der junge Arzt ging zum Bett, aber wie er im Begriff stand, sich zu dem jungen Mädchen niederzubeugen, richtete er sich plötzlich starr auf. Die Farben wichen aus seinem blühenden Gesicht und er stützte sich schwer auf die Lehne bei BetteS.
Erschrocken schob die Diakonisse ihm einen Stuhl hin, doch er wehrte ab und richtete sich, seine eiserne Selbstbeherrschung zu Hilfe rufend, stramm auf.
„Wie ist daS geschehen?" fragte er mechanisch.
„Sie haben mich zu Tode gehetzt, so lang — so lang, bis ich zusammenbrach", murmelte vor ihm der bleiche Mund, ohne daß sich die schweren Lider hoben.
Tondern mußte die Zähne zusammenbeißen, um Herr seiner selbst zu bleiben. Wie Wettersturm brauste ei durch seine Seele, und wirre Gedanken quälten ihn bis auss Blut. Doch die Pflicht des ArzteS überwand bei ihm jetzt jedeS andere Gefühl und mit voller Besonnenheit untersuchte er die Wunden. Doch die Hand, die daS tat, zitterte leicht dabei, und daS war ihm bisher noch nie begegnet. Bald jedoch hatte er auch seine volle Fassung wieder gewonnen, schiente den Arm und nähte die Wunde an der Schläfe, aber alleS, ohne ein Wort zu sprechen, nur mit stummen Winken für die Schwester. Doch als diese hinauSging, um einen AS-