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Herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage'

Zernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 109.

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auf das ßcrsfelder Kreisblatt

DasHersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über

Politik -es In- und Auslandes, Nachrichten aus -er Sta-t, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen rc. fortsetzungsweise zum Abdruck.

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Die ErpedMo« des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher teil.

_. . . Hersseld, den 10. September 1910. Diejenigen Schulvorstände der Einzelschulverbände und die Hemn Verbandsvorsteher der Gesamtschulverbände desKreiseS, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 18. v. Mts.,

Erlöst

Roman von Tea van Hufen.

(Nachdruck verboten.)

I.

»Holla! Wer ist dort?" rief die kräftige Stimme eines jungen Mannes, der in einem Wagen faß und fein Pferd selbst lenkte.

Der kleine Einspänner machte Halt, und die Zügel aus dem Spritzleder ruhen lastend, schaute der stattliche junge Mann durch die nahe Dämmerung nach einem Gegenstände, am Fuße der Telegraphenstange lag. ES war schon der vierte oder fünfte Abend, an dem er hier vorüber kam und oen dunklen Gegenstand zu ungefähr derselben Stunde bemerkt anfangs ohne ihm weiter Beachtung zu schenken, schließ­lich aber hatte er doch mit einiger Neugier daS Ding ins "uge gefaßt.

Sollte eS ein Baumstamm sein? Nein! Ein Bündel? war ja am Tage nicht da, als er vorbeikam. Wenn eS ein Hund wäre, würde er einen Laut von sich geben, sobald Menschen vorbei gingen. Oder sollte eS ein Kind sein? Der Ort war von den nächsten Häusern zu weit entfernt, als daß man ein Kind abends bis hierher gehen ließe.

m . Der Abend war rauh, kalt und windig, und Doktor Neinwald, wie der Herr hieß, schlug den Kragen feine» Ueberzrehcrs in die Höhe, während er hielt, und der Wind ihm die leise herabsallenden Regentropfen in das Gesicht tueb. Auch sein Pferd schien bei dem unfreundlichen Novemberwetter über den Aufenthalt unzufrieden zu sein, um so mehr, da sein Weg dem warmen Stalle zugewen­det war. 0 J

Bon der Prüfung deS dunklen Gegenstandes auS der Ferne nicht befriedigt stieg Doktor Reinwald, der beliebteste Arzt der nahen Stadt, auS, nahm daS Pferd am Zaum, «uzte den breiten Rafenstreis-n, der sich der Landstraße ent- lang zog und näherte sich so der Telegraphenstange. Erblickte

Donnerstag, den 15. September

1910,

I. 8103 (Kreisblatt Nr. 100), betreffend Angabe der gesamten lausenden SchulunterhaltungSkosten für das Rechnungsjahr 1909 noch im Rückstände sind, werden an die sofortige Er­ledigung mit Frist von 3 Tagen erinnert.

I. 8103. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Kreissekretär.

Hersfeld, den 9. September 1910.

Die Herren Bürgermeister, welche mit der Rückreichung der Nachweisungen der steuerfreien Betriebe noch im Rück­stände sind, Verfügung vom 22. August d. Js. I. Nr. 2276, werden mit Frist bis zum 16. d. M t S. hieran erinnert.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:

I. Nr. 2459. von GruneliuS.

Hersseld, den 10. September 1910.

In der Zeit vom 3. Oktober bis 5. November d. JS. wird der Schlachthofverwalter, Tierarzt Friedrich hier, am hiesigen Schlachthof einen Kursus in der Fleisch- und Trichinen­schau abhalten.

Interessenten mache ich hierauf aufmerksam.

I. 8984. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Hersseld, den 10. September 1910.

Unter dem Schweinebestande des Malermeisters Wilhelm Mänz hier ist die Rotlaufseuche auSgebrochen. I. 9042. Der Landrat.

J. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Hersseld, den 9. September 1910.

Der Obst- und Gartenbauverein in HerSfeld veranstaltet auch in diesem Jahre wieder einen allgemeinen O b st m a r k t. Der Markt findet a m 12. O k t o b e r d.. JS. v o n M o r g e n s 9 Uhr ab auf dem Marktplatze in HerSfeld statt.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister deS Kreises, die Interessenten auf den stattfindenden Markt besonder» aufmerk­sam zu machen, und in möglichster Weise aus seine rege Be­schickung hinzuwirken.

I. 9032. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

Hersfeld, den 10. September 1910.

Unter dem Schweinebestande des Kanzleigchülfen Ernst Nordmann hier ist die Rotlausseuche auSgebrochen. I. 9041. Der Landrat

I. A.:

Wessel, KreiSsekretär.

sich, um bester zu sehen. Der Gegenstand bewegte sich nicht; eS konnte kein lebendes Wesen sein. Er streckte die Hand auS, um es zu befühlen. Da sprang es in die Höhe und wollte davon laufen; doch es kam nicht weit, denn Doktor Reinwald hatte eS am Umschlagetuche ergriffen und hielt eS fest. Der dunkele Gegenstand an der Tele­graphenstange hatte sich jetzt als ein kleiner Mädchen ent­puppt.

Halt, halt! Nicht so schnell, meine Kleine", rief der Doktor.Ich tue Dir nichts zu leide", fügte er beruhigend hinzu, während er daS Kind zu sich heranzog.Wie heißt Du? Und warum sitzt Du in der Nacht und im Wind und Regen hier aus der Erde?"

Die Kleine antwortete nicht.

Ist Deine Mutter in der Nähe? Wartest Du aus sie?" fragte er weiter.

Ja", flüsterte sie mit weicher Stimme.

Dabei hoben sich zwei große dunkle Augen zu ihm auf, die selbst in dem Halbdunkel funkelten, und ein kleines Händchen wies nach oben es mochte nach den Telegraphendrähtcn oder nach dem Himmel sein.

Wird Deine Mutter heute abend wieder kommen?" Wieder keine Antwort.

Wo wohnst Du, mein armes Kind?" fuhr er fort.

Abermals tieseS Schweigen.

Das Pserd wurde ungeduldiger und machte Anstalten, sich der Landstraße wieder zuzuwenden.

Ruhig, Liese!" gebot sein Herr dem Pserde mit einem Ruck am Zügel, und sich der Kleinen wieder zuwendend, suhr er fort:Hast Du ein Heim, mein Kind, sprich, ich meine es gut mit Dir."

Er sprach mild und freundlich, aber noch immer ließ daS kleine Geschöpf den Kopf hängen und schwieg beharrlich. Vielleicht war sie eine Ausländerin und verstand ihn nicht; so wiederholte er denn die meisten seiner Fragen in franzö­sischer Sprache.

Da blickte sie begierig zu ihm aus und legte ihre beiden Händchen fest auf seine Rechte, mit der * er sie hielt.

nichtamtlicher teil.

Line Wahlparole,

Schutz der gefährdeten nationalen Arbeit" soll die Wahlparole lauten, die der Reichskanzler für die nächsten ReichStagSwahlen ausgeben wolle. DieFrankfurter Zeitung" hat das in einem sensationell aufgeputzten Artikel behauptet und bleibt gegenüber einem Dementi dabei, daß sich Herr v. Bethmann doch in diesem Sinnein engem Kreise" ausge­sprochen habe. Der Fehler liegt darin, daß dar Frankfurter Blatt aus einer sehr naheliegenden Betrachtung, die jeder anstellen wird, der über die nächsten ReichStagSwahlen nach- denkt, eine Nachricht fabriziert hat. In der Tat gehört kein besonderer Scharfsinn zu der Erkenntnis, daß bei den Wahlen zum nächsten Reichstag, in dessen Legislaturperiode der Ab­lauf der Handelsverträge fällt, die Frage, ob die Grundlage unserer Wirtschaftspolitik beibehalten werden soll oder nicht, eine große Rolle spielen wird. DaS Parteileben kann sich doch nicht auf die Dauer in der Verärgerung erschöpfen, die au» der Krisis bei Erledigung der Finanzreform im Frühsommer 1909 zurückgeblieben ist, und die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Nation selbst werden dafür sorgen, daß sie auch in der Wahlbewegung gegen rein politische Schlagworte zur Gel­tung kommen.

An den Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik haben Konservative, Zentrum und Liberale mitgewirtt. Die national­liberale Partei wird auch bei Erneuerung der Handelsverträge wieder mit den Konservativen zusammenwirken müssen, wenn jie nicht ihren Anhang in der Industrie und zum Teil auch in ländlichen Kreisen verlieren will. Werden doch selbst auS der Freisinnigen Volkspartei Stimmen laut, die bekennen, daß von einem Uebergang zum Freihandel nicht die Rede fein könne. Die Freisinnigen können Doktrinäre bleiben, die National­liberalen sind an die praktische Mitarbeit bei Erhaltung der Grundlagen unserer Wirtschaftspolitik gebunden. Daraus er­klärt sich vielleicht die schwankende Haltung, welche die Partei­leitung gegenüber dem Verlangen, durch ein Bündnis mit den Freisinnigen den Zug nach links mitzumachen, bisher eingenommen hat.

Ist es also auch falsch, daß der Reichskanzler schon jetzt eine Wahlparole formuliert habe, so hat doch die Wahlparole derFranks. Ztg." das Gute, die Anhänger der bestehenden Wirtschaftspolitik, darunter insbesondere die Nationalliberalen, daran zu erinnern, daß eS besser ist, die Gemeinsamkeit der Interessen bei der Lösung praktischer Ausgaben inS Auge zu fasten, als dem Reichskanzler vorzuwerfen, daß er nicht genug gegen die Zerfahrenheit unter den staatSerhaltenden Parteien tue.

DaS war alles. Eine Antwort aber kam nicht von ihren Lippen.

Doktor Reinwald, der bald so ungeduldig wurde, wie fein Pserd, hätte sie am liebsten hart angelaffen, aber daS hilflose Kind bei Wind und Regen so allein hier aus der langen dunklen Landstraße tat ihm gar zu leid.

Willst Du mit mir kommen?" begann er daher von neuem.Ich setze Dich neben mich in meinen Wagen, und dann sollst Du ein gutes Abendessen haben und Dich in ein warmes, weiches Bett legen."

Rasch zog sie die Hände zurück und versuchte, ihn fort zu stoßen. Er mißverstand sie, und da er meinte, sie wollte in den Wagen, faßte er sie um die Taille, und war eben im Begriff, sie hinein zu heben, als sie mit allen Kräften sich dagegen sträubend rief:Nein, nein, nein 1"

All seine UeberredungSkunst war fruchtlos, und so blieb ihm nichts weiter übrig, alS sie wieder auf den Boden zu setzen. Doch kaum hatte er sie loSgelaffen, als daS kleine Ge­schöpf, so schnell es seine Beinchen zu tragen vermochten, die Landstraße entlang lief.

Von ihrer plötzlichen Flucht überrascht, blickte ihr Doktor Reinwald ein paar Sekunden nach, dann stieg er wieder in seinen Wagen. Sein Weg führte nach der entgegengesetzten Richtung und er zögerte, ob er ihr folgen sollte oder nicht. Vielleicht, daß er sie an einem der nächsten übende wieder an derselben Stelle fand. Zu Hause wartete seiner ein warme», flackerndes Feuer und ein gutes Abendessen. Sollte er dem kleinen Flüchtling folgen oder seine Behausung auf­suchen ?

Eine ungeduldige Bewegung seines PferdeS entschied. DeS TiereS Ungeduld galt ihm als Entschuldigung für die Befrie­digung seiner eigenen Neigung. Er stieg wieder in feinen Wagen, knöpfte das Spritzleder über seine Knie, nahm die Zügel aus, zog daran, während er Liese ausmunternd mit der Zunge zuschnalzte, und gar bald trabte diese mit dem leichten Fuhrwerk dem behaglichen Heim zu.

n.

Gute Nacht denn, Doktor, wenn Sie durchaus nicht da