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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, w»

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herssel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 110. Sonnabend, den 17. September 1910»

>hnnnnrntSinlabnng

auf das

Ijersfelder Kreisblatt

DasHersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über

Politik des In- und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen rc. fortsetzungsweise zum Abdruck.

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Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage".

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Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher Ceil.

HerSfeld. den 14. September 1910.

Nach den bisher gemachten Wahrnehmungen tritt in diesem Jahre die MSuseplage im Kreise wieder in verstärktem Maße aus. Es erscheint deshalb dringend geboten, auch

Eine Nacht.

Ein Manövererlebnis von Erwin von Waldenburg.

Das seltsamste Abenteuer meines Lebens verdanke ich, so erzählte mir eines Tages der Hauptmann v. R., einem Duar» tierzettel, jener eigentümlichen Einrichtung, die das Recht ver- leiht, in anderer Heim einzudringen und Unterkommen zu ver­langen, mitten in ihren Freuden oder Leiden.

Wir hatten während eines Manövers G. besetzt. Gegen 8 Uhr des Abends begab ich mich nach dem Hause, das mir der Fourier als mein Quartier bezeichnet hatte. ES war em hübsches PrivathauS, in dem nur zwei Fenster des ersten Stockes erleuchtet waren. Die alte Dienerin, die ich nach dem

^^' stammelte einige unverständliche Worte. Alchtsdestowemger folgte ich ihr aus der Treppe, und aus oem Treppenabsätze begegnete ich einem Manne mit grauen Angesicht die Spuren frischer Tränen trug, ^ch erklärte ihm die Ursache meines Besuches, und er blickte $ rS/^ an, dann sagte er mit matter Stimme: ab« ^ wein Herr, daß ich Sie so empfange, ehle £?& T selbstverständlich ohne Ihren Willen, b S bereitet. Meine Tochter liegt hier Si! nSÄ '^ Gatte, Hauptmann der Artillerie wie @i/hsmnfA«. ""UlwegS ist, und sie ruft ihn unaufhörlich. Namkii n^h1' o^nnt niemanden mehr und hat nur seinen etmn .^ ben Lappen. Wir haben ihn zurückgerufen und eil? Simh ^ A° Stunde. Vielleicht bewirkt seine Ankunft te ^ soeben aus der Treppe Sporen klirren hörte^ hatte >ch geglaubt, gehofft ..."

Singen ' '^ und wischte sich schnell die Tränen aus den

>4 einige Worte des Bedauerns und der Ent- drang die schwache, aber deutlich ver- ^'""i16 einer Fiebernden aus einem verschlossenen komm ^^n,""^«' Ohren:Mein Eugen, lieber Eugen, omm»^- - Er ist es, ja, Papa, er ist eS, ich höre ihn dich erwarb ^' mdU ^gm! Wie sehnlich ich Ich sah den Vater an, der schmerzlich den Kops schüttelte.

dieses Mal eine gemeinsame Bekämpsung dieser Schädlinge vorzunehmen.

Ich nehme Bezug aus die Ausführungen meines AuS- schreibens vom 25. Oktober 1907 I. I. Nr. 10076 (im Kreisblatt Nr. 127) und bin bereit, sür die gemeinsame Be­schaffung des erforderlichen Gifthasers zu sorgen.

Die Herren Ortsvorstände haben dies sofort aus ortsüb­liche Weise öffentlich bekanntmachen zu lassen, und damit die Aufforderung zu verbinden, daß diejenigen Grundbesitzer, welche Gisthafer beziehen wollen, die erwünschte Menge beim OrtSvorstände binnen drei Tagen anzumelden haben. Die Anmeldungen sind ordnungsmäßig in eine Nachweisung aus- zunehmen; letztere ist mir binnen längstens 5 Tagen ein« zureichen. Hierbei ist gleichzeitig mitzuteilen, ob, und welche Anzahl der zum Legen des Giftes erforderlichen Gistflinten gewünscht werden.

Die entstehenden Kosten werde ich dann durch die Ge­meindeorgane einziehen.

Genaue Jnnehaltung der bestimmten Frist ist dringendes Erfordernis.

I. I. Nr. 9188. Der Landrat

von GruneliuS.

Die Maurerlehrlinge deS Kreises Hersseld, welche die Ge- sellen-Prüfung machen müssen, werden ausgesordert sich bis zum 23. Sept. d. J. bei dem Unterzeichneten zu melden und nachstehende Schriststücke einzusenden. 1. Gesuch um Zu­lassung zur Gesellenprüfung. 2. Ein eigenhändig geschriebener LebenSlaus. 3. Ein Zeugnis des Lehrmeisters. 4. Ein Zeugnis der Volksschule. 5. Ein Zeugnis der Fortbildungs­schule, wenn dieselben eine jolche.bes'!cht haben. 6. Den Lehrver- trag. Der PrüsuNgs-Termin wird den betreffenden schriftlich mitgeteilt werden.

Hersseld, den 10. September 1910.

Der Vorsitzende des Prüfungs-AusschusseS:

H. Schulz, Maurermeister.

Hersseld, den 16. September 1910.

Bei einem geschlachteten Pserde des Pscrdeschlächters Schlag in Hersfeld ist der Ausbruch der R o tzkrankheit amtlich fest- gestellt worden.

L 9317. Der Landrat.

3. A.:

W e s s e l, Kreissekrctär.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

Derjenige Teil der deutschen Presse, der hauptsächlich von der Befriedigung des politischen Sensationsbedürfnisses lebt, ist zur Zeit eifrigst damit beschäftigt, angebliche Aeußerungen

Der Ruf wurde immer ängstlicher und klang heiser und endete in Seufzen und Schluchzen.

Sie glaubt, daß er es sei," sagte der bedauernswerte Mann mit leiser Stimme. Auf einmal trafen sich unsere Blicke, die denselben abenteuerlichen, mitleidsvollen Gedanken ausdrückten, der Sterbenden die letzte Jllusfion der Rückkehr deS sehnlich Erwarteten zu lassen.

Kommen Sie!" sagte ich zum Vater und wandte mich zum Weitergehen.

Er hielt mich auf.Sie würden einverstanden sein, wenn wir zu ihr gingen?" fragte er mich.O, wie dankbar bin ich Ihnen für Ihren Edelmut! Vielleicht hilft es!"

Ich war schon auf der Schwelle, und ganz begeistert für die von mir übernommene pietätvolle Ausgabe öffnete ich klopfenden Herzens leise die Tür. Eine kleine Lampe erhellte kaum die Dunkelheit, und in der Lust lag ein leichter Aethcr- geruch. Sogleich fiel mein Blick aus daS Bett, in dem eine junge, bleiche Frau im Sterben lag. Mit den auf der Bett­decke zusammengekrampsten Händen, mit den Lippen, mit allem, was noch vom Leben in ihr war, rief sie nach dem ab- wefenden Gatten.

Ich näherte mich auf den Fußspitzen, aber mein Säbel stieß gegen ein Möbelstück.

Sogleich fuhr die Sterbende empor: die blanken Knöpfe meiner Uniform galvanisierten gleichsam für einen Moment ihr Gedächtnis, und sie murmelte:Ach, endlich!" mit einem so tiefen Seufzer der Erleichterung, daß ich mich auf sie niederbeugte, fürchtend, daß dies ihr letzter Seufzer gewesen sei.

Aber sie sagte mit trauriger Stimme:Ach, du bist es, mein Geliebter! Komm her zu mir! Meine Augen sehen dich nicht mehr; weißt du, ich bin krank, sehr krank."

Johanna, liebe Tochter, rege dich nicht auf!" versetzte mit sanfter Stimme der Vater.

Aber langsam den Kops in den Kiffen schüttelnd, fuhr sie fort:Ich habe dir so viel zu erzählen, mein lieber Mann."

Und nach einem kurzen Stillschweigen, das mich von neuem für ihr Leben befürchten ließ, fügte sie hinzu:Gibst du mir denn keinen Kuß?"

unseres Reichskanzlers, die sich auf eine Wahlparole bei den nächsten Reichstagswahlen beziehen, zu erörtern. Danach soll die W a h l p a r o l e, die Herr von Bethmann Hollweg auszugeben gedenkt,Schutz der nationalen Arbeit!" lauten. Diese Nachrichten beruhen aus freiet Erfindung, sie find aber insofern gut ersunden, als sie einer in den Tatsachen durchaus logisch begründeten Erwartung entgegenkommen. In die Legis­laturperiode deS nächsten Reichstages fällt nämlich der Ablauf der Handelsverträge, und da ist es doch selbstverständlich, daß bei den Wahlen zu diesem Reichstage die Frage, ob die Grund­lagen unserer bisherigen Wirtschaftspolitik aufrechterhalten werden sollen oder nicht, eine wichtige Rolle spielen wird. Da sich diese Grundlagen aber durchaus bewährt haben, so ist weiterhin auch die Vermutung naheliegend, daß die Frage der Fortsetzung unserer Handelspolitik von der ReichSregierung im bejahenden Sinne beantwortet werden wird.

Als Präludium zum Magdeburger Parteitage der Sozialdemokratie spinnt sich der Streit zwischen den badischen Revisionisten und den strengen Hütern deS ortho­doxen Marxismus oder den sogenannten Radikalen, unter deren beherrschendem Einflüsse die Leitung der sozialdemokratischen Gesamtpartei Deutschlands steht, munter fort. Dabei ent­schlüpfen den Kämpfern hüben wie drüben in der Hitze deS Gefechts mancherlei beachtenswerte Geständniffe, die unS daS innerste Wesen der RevolutionSpartei in greller Beleuchtung zeigen. So hat kürzlich ein Radikaler in derNeuen Zeit" offen eingestanden, daß, wenn die Sozialdemokratie den Maß­stab sachlicher Beurteilung an die Gesetzgebung Preußen- Deutschlands legen wollte, sie in zahlreichen Fällen eine zu­stimmende und anerkennende Haltung einnehmen müßte. Einer solchen Haltung aber steht Ne evolutionäre Taktik entgegen, die unter allen LmstLrd^ä auf die Erregung von Mißmut und Unzufriedenheit abzielt. Im übrigen wollen wir nicht müde werden, immer von neuem zu wiederholen, daß nur Toren im bürgerlichen Lager von den Revisionisten daS Heil erwarten können. Ob Revisionist oder Radikaler, ist am letzten Ende völlig einerlei; beide steuern aus die Zertrümmerung des Bestehenden und das Wahngcbilde deS sozialistischen Zu- kunststaates los und die Revisionisten sind sogar noch gesähr- licher als die Radikalen, weil sie sich aus den Gimpelfang besser verstehen.

In unserm verbündeten Nachbarreiche Oesterreich-Un­garn sind zur Zeit deutsch-tschechische BerstSndigungS-Ver- Handlungen im Gange, die zunächst bestimmt find, die Ar- beitstätigkeit des böhmischen Landtages zu sichern. Seit dem Beginn des JahreS ist Böhmen infolge deS Versagen- seiner Landesvertretung ohne Budget; die finanziellen, wirtschaft­lichen und kulturellen Interessen deS KronlandeS leiden da­runter erheblich. So erscheint der erneute Versuch einer Ver­ständigung fast als unabweisbare Notwendigkeit. Für daS Gelingen dieses Versuches wird die richtige Abgrenzung bei Verhandlungsgebietes von großer Bedeutung sein. ES ist wohl die wichtigste und schwierigste Aufgabe, die eS jetzt in

Leise berührte ich mit den Lippen ihre Stirn; die Augen geschloffen, murmelte sie mit bittender Stimme:Ach, noch einmal, noch einmal!", und ich küßte sie auf ihren bleichen Mund. Sie erwiderte meine Küfle, und ich fühlte ihren fiebernden Atem aus meinen Wangen.

Mit Genugtuung sah ich, daß ich sie durch diesen frommen Bettug beruhigte, und doch stimmte eS mich traurig.

Weißt du," sagte sie dann leise,der Arzt war da, und ich weiß es: sür mich gibt eS keine Rettung mehr!"

Da konnte ich meine Rührung nicht mehr bemeistern und brach in die Worte auS:O, Johanna, ich bitte dich, sprich nicht so! Du wirst gesund werden, glaube es mir!"

Sie schien meine Worte aber nicht gehört zu haben und fuhr fort:Du wirst doch nicht wieder von mir gehen, nicht wahr? Komm, setze dich zu mir. gib mir deine Hand!"

Ich nahm ihre dünnen, vom Fieber glühenden Finger in meine Hand, und sie lispelte zufrieden:So, so, jetzt sühle ich mich wohl."

Sie schien einzuschlafen. Ihr Vater stand am Fußende des Bettes, und meine schon an daS Halbdunkel gewöhnten Augen konnten eine schwarze, in einen Lehnstuhl hingesunkene weibliche Person unterscheiden: ohne Zweifel ihre Mutter.

Da erst wurde ich mir ganz meiner sonderbaren Lage be­wußt, ich dachte an die junge Frau, die, bisher mir völlig unbekannt, mich im Meberwahne mit ihren zärtlichsten Lieb­kosungen überhäuste, ich dachte an ihren Gatten, der jedm Augenblick ankommen und mich am Bette seiner Frau finden konnte, meine Hände in denen seiner Gattin. Freilich mußte alle Eifersucht im Schmerze verschwinden. So ändert daS Nahen deS Todes oft alle Anschauungen deS Lebens.

Bisweilen erwachte die junge Frau aus ihrem Schlummer, und im Fiebertraume kehrten ihr die Erinnerungen an die Vergangenheit zurück.

Erinnerst du dich noch unserer Hochzeitsreise?" fragte sie. Es war Nacht, und die Fenster unserer Wohnung gingen nach dem Strande. Weißt du noch? Du öffnetest sie, und der volle Mond warf sein silbernes Licht gerade auf unser Bett."

Sie versuchte zu lachen und drückte mir innig die Hand