Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich t 40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. es
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herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Dienstag, den 20. September
1910»
Almnemls-kiMmg
auf das
Ijersfelder Kreisblatt
Das „Hersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit publifationsfraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über
Politik -es In- und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen rc. fortsetzungsweise zum Abdruck.
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Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes..
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Es wird daraus aufmerksam gemacht, daß Wartegelder, Pensionen, Witwen- und Waisengelder und Witwen- und Waisenrenten, sowie Witwenpensionen und im voraus zahlbare Unterstützungen und Erziehungsbeihülfen innerhalb des Deut-
Erlöst.
Roman von Tea van Husen.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Hören Sie es auch?" fragte Linda eifrig. „Es ist die Mutter, die zu mir spricht. Sie ist so traurig, ach so traurig I Aber ich höre ihr dennoch so gern zu", und ihre dunklen Auaen senkten sich wieder.
„Würde Linda ihre Mutter gern glücklich machen?"
Schnell schaute sie zu dem Sprecher auf, ihr kleiner Busen wogte, ihre Lippen teilten sich, aber sie schwieg.
„Lindas Mutter ist unglücklich, weil ihr liebes Kind allein ist in der weiten Welt", fuhr Doktor Reinwald fort. „Wenn Linda ein behagliches Heim hätte und gute Freunde, die sie «e s und sich recht glücklich fühlen, dann würde auch Linda- Mutter glücklich sein."
schweiften sinnend in die Ferne.
„«.wi* m? mir gehen und versuchen, ihre Mutter glücklch zu machen?" fuhr er fragend fort.
trauriges "^ laffen ^ ^ein", war der Kleinen
„Armes Kind!"
ansni^n""« ^siand recht wohl, worauf ihre Worte loten! IUn9 n°$ unb drei Mütter bereits ver- ,„„#, d'e «eine Linda je eines Vaters Liebe kennen ge- lernt fragte er weiter.
«Ich will von Vätern nicht- wissen — die find nickt sreundlich", antwortete sie schnell. $
Mücken ^ ÄMl? fein mit meinem kleinen labten, unb es sehr lieb haben, wenn es mit mir gehen und bet mir bleiben wollte", sagte der Doktor. J
„Unb würden sie auch sterben, sobald ick Sie lieb hätte fragte sie mit der größten Einsalt. ’
”$$ hoffe nicht, Linda", antwortete er lächelnd. „Du
schen Reiches im Wege des Postanweisungsverkehrs ohne Monatsquittungen bezogen werden können, sofern die Zahlung an die Bezugsberechtigten selbst — nicht an einen Dritten — (Vormund, Pfleger, Bevollmächtigten) zu erfolgen hat. Bei Waisengeldern gilt hierbei die witwengeldberechtigte Mutter als bezugsberechtigt.
Gleichzeitig wird zur Erleichterung des Zahlungsverkehrs und zur Vermeidung größerer Barbestände in eigener Verwahrung darauf ausmerksam gemacht, daß die Bezüge auch im Reichsbankgiroverkehr durch Ueberweisung auf das eigene oder auf ein sremdes Girokonto geleistet werden könnten.
Die Zusendung oder Giroüberweisung erfolgt nur aus schriftlichen Antrag deS Berechtigten.
Formulare zu diesen Anträgen werden bei den zahlenden Kassen unentgeltlich verabfolgt.
Cassel, den 7. September 1907.
Königliche Regierung: gez.: Schenk.
Hersseld, den 16. September 1910.
Wird veröffentlicht.
I, 9308. Der Landrat.
I. Vertr.:
W es sei, KreiSfekretär.
HerSseld, den 15. September 1910.
Diejenigen Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügung vom 15. August d. JS., I. I. Nr. 7346, im Kreisblatt Nr. 98, betreffend anderweite Feststellung der ortsüblichen Tagelohnjätze noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Ich sehe der Erledigung nunmehr bestimmt binnen 8 Tagen entgegen.
Die nach der Verfügung einzuholenden Aeußerungen der beiden Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind mit einzu- reichen.
I. I. Nr. .7346 n. Der Landrat.
3. Vertr.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
An KMiinkt im KrieMsei.
Die unbestreitbar großen Erfolge, welche die französischen Aeroplane bei den letzten großen Manövern in Frankreich gehabt haben, indem sie nicht nur die Truppen abteilungen aus weite Entfernung hin und zurück überflogen, sondern auch meilenweit Erkundigungen einzogen, haben nicht nur auf die Franzosen selbst, sondern wie es scheint auch aus ihre Bundesgenossen, die Russen, einen solchen Eindruck gemacht, daß man nun in Frankreich wie in Rußland von einem großen Wende- Punkte im Kriegswesen träumt, und mindestens schon die
weißt ja, ich bin Arzt, und werde mein Bestes tun, recht lange zu leben."
„Wenn Sie nicht sterben wollen, will ich mit Ihnen gehen", sagte sie mit tiefem Ernst.
„Eine eigentümliche, doch sehr natürliche Bedingung", dachte der Doktor, während er, froh, endlich so weit gekommen zu sein, die Hand unter der Kleinen Kinn legte und ihr den ersten Kuß auf die srische, runde Wange drückte.
„Wollen Sie mich auch, so oft ich Lust habe, hierher gehen lassen, damit meine Mutter mit mir reden kann?" fragte das Kind plötzlich.
Der Doktor- Haus lag über eine Stunde von hier entfernt, doch die Telegraphendrähte liefen dicht an der kleinen Stadt vorüber; so wagte er denn getrost mit „Ja" zu antworten.
Dann hob sich der kleine Mund au- eigenem Antriebe zum Kusse zu ihm auf, und mit kindlicher Freude sagte sie:
„Dann werde ich Sie gewiß lieb haben. Und soll ich Sie Vater nennen?"
„Ja, mein Kind", antwortete er. „Nun ober komm, laß uns nach Hause gehen."
„Welchen Weg? Dort hinunter?" fragte sie, die Land- straße entlang deutend, welche nach seinem Hause führte.
„Ganz recht? Woher weißt Du daS?"
„Sie hemmen immer diesen Weg, wenn es dunkel ist", antwortete sie, „und man schläft doch zu Hause?"
„Ein sehr richtiger Schluß, Linda", sagte der Doktor. „Aber erst gehe ich in Dein Dorf zurück. Mein Wagen steht dort und wir wollen sahren."
Ohne ein Wort weiter lief sie nach dein Heckentor, welche- nach dem Nachbarseld sührte und öffnete eS. Doktor Reinwald schritt hindurch, woraus sie eS nach Kinderart zuschlug unb nach der nächsten Tür lief.
„Ein ungeschliffener Diamant!" dachte der Doktor, „doch wird eS mit eine süße Ausgabe sein, ihn zu schleifen und zu Polieren. bis cS ein Kleinod reinsten Wassers ist."
französische Armee wieder an der Spitze der Kultur mit den bekannten Ansprüchen der Franzosen auf die bekannte Weltherrschaft marschieren sieht. Diese revanchelustigen Treibereien scheinen zumal durch die Ansprache des russischen General Gerngroß an einige französische Manöverberichterstatter einen neuen Anstoß erhalten zu haben. Nun ist eS ja allerdings bekannt, daß eS eine Eigenheit der nach neuen großen Militär- ischen Erfolgen so lüsternen Franzosen ist, jeden Ersolg auf dem militärischen Gebiete am liebsten zehnmal zu vergrößern, und die Russen, die ebenfalls wie die Franzosen noch schwer unter dem Drucke ihrer militärischen Niederlagen leiden, scheinen im Bezug auf militärische Hoffnung-träume mit den Frau- zosen in denselben Fußtapjen zu wandeln. Solche Hitzegrade chauvinistischer Begeisterung find aber doch nicht ganz ungefährlich, denn wenn fich auch Deutschland vor den französischen Aeroplanen nicht fürchtet, so kann doch schon das eingebildete Bewußtsein der Franzosen, daß sie in einem wichtigen neuen militärischen Fortschritte den Deutschen überlegen seien, dem Frieden gefährlich werden. Es ist ja auch bekannt, daß die französische Friedensliebe im Grunde genommen weiter nicht- bisher gewesen ist als die Furcht, in einem Kriege mit Deutschland wiederum eine große Niederlage zu erleiden. Sollten die zu militärischen Zwecken besonder- auSgebauten und in sehr großer Zahl in der französischen Armee angeschafften Aeroplane diese Furcht beseitigen, dann dürfte es auch bald mit der französischen Friedensliebe vorbei sein. Von den maßgebenden militärischen Kreisen Deutschland- muß aber erwartet werden, daß sie sehr bald Stellung zu der Frage nehmen, ob die Anwendung der sehr leistungsfähigen Aeroplane für die KriegSsührung tatsächlich einen Wendepunkt im Kriegswesen und in der KaegSgeschichte bedeuten. Bei der Entscheidung dieser Frage kommt nicht allein die unbestreitbare große Leistungsfähigkeit der Aeroplane in Bettacht, sondern er gilt, sich auch noch darüber richtige Urteile zu bilden, ob erstens mit den Aeroplanen eine neue große An- griffSwaffe verbunden werden kann, und ob eS zweiten- möglich fein wird, zu militärischen Zwecken förmliche Aeroplan» abteilungen einzurichten, die als eine besondere Waffe bat feindliche Heer aus der Luft anzugreifen imstande wären. E- ist schade, daß im Deutschen Reiche die Industrie der Sero- plane bezw. Flugmaschinen, lange nicht so hoch entwickelt ist, wie in Frankreich, wo man tatsächlich bereit- mit sehr großen Kapitalien in dieser neuen Industrie arbeitet. Et dürfte aber auch wohl der deutschen Technik bald gelingen, ebensallt zu zeigen, was mit den modernsten Flugmaschinen für militärische Zwecke zu erreichen ist, und dann wird man ja wohl sehen, wie der Wendepunkt im Kriegswesen, hcrbeigeführt durch die Anwendung der Aeroplane für Kriegszwecke, äusseren wird. Es ist wahrscheinlich anzunehmen, daß die Flugmaschinen und die Lustschiffe künftig eine große Rolle im Krieg-wesen spielen werden, eS ist aber nicht zu erwarten, daß die Grundlagen der modernen KriegSsührung mit den leistungsfähigen Feuerwaffen so ohne weitere- durch die An-
IV.
„Nun, Frau Berndt", sagte der Doktor, „wie denken Sie über meine kleine Adoptivtochter?"
Er hatte Linda nach Hause gebracht, sie an feinem Ofen durchwärmt, ihr einen großen Teller voll warmer Milch gegeben und sie dann seiner Wirtschafterin überlasten, damit diese sie in daS warme weiche Bett ihre- eigenen verstorbenen Kindes brächte. Die Frau ging eben an feinem Zimmer vorüber, als er sie hereinrief.
„Wie ich über sie denke?" fragte sie zurück. .Nun, wahrhaftig, sie ist daS seltsamste Kind, daS mir in meinem Leben vorgekommen ist. Soviel kann ich Ihnen sagen, Herr Dottor, Sie werden noch alle Hände voll zu tun haben mit ihr und ich hoffe nur, daß Sie sie mir nicht gar zu oft überlasten. Ich fürchte mich vor ihr. Sie ist so seltsam, so ander- wie Kinder sonst find."
„Finden Sie fie nicht sehr hübsch?" sagte Reinwald, über den Ernst, mit welchem die Frau sprach, "lächelnd. „Habm Sie jemals solche Augen gesehen?"
„Augen!" wiederholte sie. „Feuerräder find eS! Ich wage gar nicht hineinzublicken."
~ „In der Tat kein schlechter Vergleich", meinte der Doktor. „Feuer>äder, ja das sind fie. Aber sie ist ein sanfte-, kindliche-, kleines Ding, die Unschuld selbst im Denken wie Fühlen."
„Ich will Ihnen nur wünschen, daß Sie immer so benten", sagte die Wirtschafterin.
„Sie machen mir Spaß, Frau Berndt. DaS Reine Ding ist ja kaum sieben Jahre alt. Welch Unheil könnte in ihr stecken?"
„Aber sie wird eines TageS ein Weib sein, wenn sie leben bleibt", beharrte die Wirtschasterin.
„Denken Sie, sie wird sich alS Tigerin entpuppen ?' meinte der Doktor. „Nun, so findet sie an mir den rechten Mann."
„Gut, daß ich nicht für fie einzustehen habe", entgegnett die Haushälterin. „Aber, Herr Doktor, wie schäbig ist fie ungezogen I In solchem Auszug macht fie Ihnen wahrhaftig Schande."