Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersseld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Na

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer thu gespaltenen Zeile lOPfg., im amtlichen Teile 20Pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährl.nsnav»»

Herrselder Kreisblatt

--- .- »------ 1 '"" -! . . ..!. -......-1'.....1----- 11 ...... 111 1 '.......... -................ -.......im1..!1"!1, ^U.<U^^^

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 115.

Donnerstag, den 29. September

191V.

Mmemls-EiMu-

auf das ymkeUer Kreisblatt.

DasHersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alles wissenswerte über

Politik des 3n= und Auslandes, Nachrichten aus der Stadt, dem Kreise und der Provinz, vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen re. forlsetzungsweise zum Abdruck.

....... An Gratisbeilagen> erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein

Illustriertes Sonntagsblatt" und alle iq Tags eine ausgezeichnete

, »Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage".

Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mik. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich, probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher teil

HerSfeld, den 24. September 1910.

Su Lautenhausen ist der Schweinerotlaus amtlich sestgestcllt worden.

I. 9658. Der Landrat.

I. Vertr.:

W e s s e l, Kreissekretär.

Erlöst

Roman von Tea van Hufen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sie sind sehr gütig, Herr Doktor", entgegnete die gute Frau, während sie sich mit dem Schürzenzipfel die Augen wischte,aber ich wäre doch tausendmal lieber bei Ihnen geblieben! Und nun fing Fräulein Linda doch wen an, in Gesellschaft zu kommen und sich zu amüsieren! Das arme Kind! Was sagt sie denn dazu

»O, Fräulein Linda wird auch in Berlin Gesellschaften .suchen und wird sich dort jedenfalls nicht weniger amüsieren als hier."

Das ist wohl wahr, Herr Doktor", meinte Frau Berndt, aber passen Sie nur gut auf, daß dort nicht bald ein seiner

Herr kommt und sie Ihnen nimmt. Dann ist Ihr Haus wieder ebenso einsam wie früher, bevor sie zu Ihnen

... ? « D°^ zuckte zusammen. An eine solche Möglich- nu u n n^ gebucht. Er hatte Linda stets so vollkommen blök! LSn1^ Eigentum betrachtet, daß ihn schon die heben iAm^r* °S könne ein anderer Anspruch auf sie er- bie ®aA .berührte. Doch jetzt war -S zu spät, aetrosfen tmh ^trÄ machen. Alle Vorkehrungen waren als dik^ >eb ihm nichts mehr zu tun übrig, nuna in ein?ni^»?^^"°" Unterhandlungen wegen einer Woh- schließen ^«"testen Stadtteile der Residenz abzu-

XL

aeroK%?^ Hüne Adoptivtochter trafen £ y^ in ihrem neuen Wohnort ein. Wenn auch nickt mJ^\ behaglich und hübsch eingerichtet, erregten in der Nockb^k»^"^ ""d die Neuangekommenen

Hersfeld, den 21. September 1910.

Nachstehend veröffentliche ich das Körungsergebnis einiger von der KörungS-Kommission in den Monaten August und September d. Js. besichtigter Zuchtbullen.

Der Vorsitzende des kreisausschusses:

A. 6940. von Grunelius.

Z

Der Bullenhalter

D erBullen

Bemerkungen

Alter

Rasse

Farbe und Ab­zeichen

Ab­stammung

Befund

Namen

Wohnort

1

Peter Schüler

Reckerode

18 Mon.

Simment.

Gelbschack w. Kopf

Z. G. Horn- berg desgl.

noch brauchbar

2

Peter Schneider

Sölzerhöfe

19

brauchbar

3

derselbe

15

viel weiß

Z. G. Ober­hessen

Z. G. Langen-

brauchbar

4

Bürgermeister Neuber

Beiershausen

19

er

w. Kopf

unbrauchbar

5

Karl Eschstruth

Frielingen

14

Gelbsch. w. St. w. Fleck über d. Blatt

Z. G. HerZ- feld

brauchbar

Verkauft an Gemeinde

ObergeiS

6

derselbe

13

Gelbschack w. Stirn

Z. G. HerS­feld

brauchbar

Verkauft nach Stärk- los

Hersseld, den 24. September 1910.

Die unter dem Schweinebestand des Konrad Eidt in Mengshausen ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. I. Nr. 9611. Der Landrat.

I. Vertr.:

Nessel, Kreissekretär.

Hersseld, den 24. September 1910.

Die unter dem Schweinebestande des Kanzleigehülfen Ernst Nordmann hier ausgebrochene Rotlaujjeuche ist er­loschen.

I. Nr. 9598. Der Landrat.

I. Vertr.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Sie Eroberung tot Araßburg.

28. September 1870.

Die deutsche Heeresleitung hatte gleich nach dem Siege von Wörth die Eroberung von Straßburg m§ Auge gefaßt. Nach mehr als einer Richtung war die Besitzergreifung dieser Stadt von hohem Werte. Es galt der uralten deutschen Stadt, dem Hauptorte des Elsaß, welches man für Deutsch­land zurückerobern wollte, und neben dieser geschichtlichen wie politischen Bedeutung handelte es sich um einen wichtigen Waffenplatz, der von den französischen Ingenieuren zu einer der bedeutendsten Festungen Frankreichs ausgebaut war und als Brückenkopf am Rhein eine beständige Bedrohung Süd­deutschlands bildete. Hierzu kam noch, daß der Platz als

Sowohl der Doktor als seine Tochter wurden in den ge­wählten Zirkeln, die sich ihnen schnell öffneten, bald als eine entschieden gute Akquisition anerkannt. Der Doktor war ein stattlicher Mann von den besten gesellschaftlichen Formen und hatte sich überdies durch eine wissenschaftliche Arbeit, die in medizinischen Kreisen großes Aussehen erregte, bestens bekannt gemacht. Linda aber war auffallend schön, originell und in Geheimnis gehüllt.

Reinwald hatte in der Residenz einen Bruder, der sich als Rechtsanwalt einer ausgedehnten Klientenschast erfreute. Durch diesen hauptsächlich wurden ihm anfangs die Türen zu der sogenannten guten Gesellschaft geöffnet.

Linda überließ sich mit dem ganzen Frohsinn ihrer Jugend den Freuden der Saison, zu denen der Doktor Zeit und Mittel fand, sie zu führen. Musik blieb indessen ihr Hauptvergnügen. Für die Oper oder ein Konzert gab sie gern jeden Ball, jede Abendgesellschaft auf. Und doch hatte eine Gesellschaft noch einen tieferen Reiz für sie als für andere. Sie liebte eS nämlich, Charakteure zu studieren, und ihr Blick für solche war bereits zu großer Reife gelangt.

Die Bewunderung, welche man dem reizenden Mädchen zollte, wohin eS kam, gefiel anfangs ihrem Adoptivvater, später aber ärgerte sie ihn. Wie, wenn sie ihm wirklich ein anderer raubte, gerade jetzt, wo sie das Licht und die Wonne seines Lebens geworden war? Er vermochte kaum, den Ge­danken ruhig auSzudenken und behütete sein Kleinod mit dop- pclter Angst und Wachsamkeit.

Unter den Gästen, welche er hin und tviedcr in dem Hause seines wohlhabenden und einflußreichen BruderS traf, hegte er eine besondere Abneigung gegen einen großen Mann mit strengen Zügen und dunkelm Haar, der sich für einen italienischen Grafen auSgab, durch sein düsteres Aussehen und sein auffallend zurückhaltendes Wesen aber deS Doktors Mißtrauen im Punkte der Identität erregt hatte.

Vielleicht war eS Reinwald gar nicht in den Sinn ge­kommen, sich mit den Interessen deS angeblichen Ausländers, der übrigens geläufig deutsch sprach, zu beschäftigen, wenn Gras Rossi nicht vom ersten Moment an Linda zum Gegen­

Knotenpunkt dreier Eisenbahnlinien für die Sicherstellung bei Nachschubes der in Frankreich stehenden deutschen Heere großen Wert besaß. Infolgedessen wurde von der 3. (krou- prinzlichen) Armee die badische Division abgezweigt, die am 11. August vor Straßburg erschien und ungeachtet ihrer ge­ringen Stärke, ohne vom Verteidiger daran gehindert zu werden, bis zum Rhein-Jll-Kanal vorging, bai nur auf Gewehrschußweite von den Werken entfernt liegende Dorf Schiltigheim besetzte und in die Vorstadt Königshöfen ein- drang. Im Laufe der folgenden Woche traten unter dem Befehl des Generals von Werder den Einschließung-truppen noch hinzu die Garde-Landwehr- und die 1. Reserve-Division nebst einer Kavalleriebrigade, ferner ein Belagerungstrain von 200 gezogenen Kanonen und 88 Mörsern mit 6000 Fuß- artilleristen und 10 Festungs-Pionierkompanien, zusammen 40 000 Mann. Mit diesen Kräften konnte die vollständige Einschließung der Festung durchgesührt werden. Am 18. August begann aus dem Bahnhof Wendenheim da- Aus­laden der aus Magdeburg, Coblenz und Wesel eintreffenben Geschütze mit dessen Erledigung die Bedingungen gegeben waren, in den eigentlichen Angriff einzutreten, der auch nicht lange aus sich warten ließ. Die Gesamtzahl der Besatzung belies sich auf etwa 23 000 Mann, deren BesehlShaber der General Uhrich war, ein geborener Eisässer, 68 Jahre alt, dem infolge seiner Leistungen in der Krim und in Italien der Ruf eines tüchtigen Offiziers zur Seite stand.

Um in möglichst kurzer Zeit die Uebergabe zu erzwingen, wurde deutscherseits der Versuch gemacht, durch eine Beschieß­ung der Stadt und der Festungswerke den Kommandanten zur Kapitulation zu bewegen. Da der Bau der Bombarde­mentsbatterien in den regnerischen, finsteren Nächten auf große Schwierigkeiten stieß, richtete zunächst nur die Feldartillerie

stand seiner besonderen Ausmerksamkeit gemacht hätte. Wer und was mochte er in Wahrheit sein? Das war eine Frage, die den Doktor beständig beschästigte; und ob der Gras seines Lieblings Herz gewinnen, und ihre Hand be­gehren würde, seine beständige Angst, die sich noch steigerte, als der Gras ihm einen Besuch machte, der offenbar Linda galt.

Im Hause des Justizrats Reinwald hatte sich eine zahl­reiche Gesellschaft versammelt, als Graf Roffi, der selten länger als eine Stunde blieb, spät am Abend eintrat, und nach kurzer Begrüßung des Wirtes sich Linda näherte und sie wie immer vor allen andern auSzeichnete.

Oskar", sagte Doktor Reinwald, indem er seinen Bruder aus die Schulter klopfte, wobei seine sonst offene klare Stirn sich in zornige Falten legte,ich muß Dir einige Fragm über jenen Grasen vorlegen. Er scheint sich für Linda mehr zu interessieren, als mir lieb ist. Woher kommt er? Unb wer ist seine Familie? Er ist etwas in seinem Gesicht, waS mir nicht gefällt, und ich glaube überhaupt nicht, daß er der ist, für den er sich auSgibt."

Wer? Den Grafen Rossi meinst Du?" entgegnete der Justizrat.Aber Werner, er ist der ehrenwerteste Mensch unter der Sonne! Er ist Schriftsteller und man hält ihn allgemein sür den Verfasser der anonymen Novelle Lügen der Gesellschaft", die man, inS Deutsche übertragen, allgemein bespricht. Nein, gegen den Grasen ist nichts zu sagen."

Schriftsteller?" wiederholte der Doktor.Ob er bai ist, weis ich nicht. Aber ich kenne sehr ehrenwerte Schrift­steller und vermute, daß dieserGraf" der größte Schwind­ler ist, der jemals atmete! Kennst Du seine Familie? Wo lebt er eigentlich? Hat er in Deutschland seinen Wohnsitz?"

Augenblicklich nirgends", erwiderte der Justizrat,doch spricht er davon, sich hier niederlaffen zu wollen. Vermutlich will er erst abwarten, welchen Ersolg sein zweites Werk haben wird, denn wie man sagt, befindet sich dieses jetzt im Druck. Jedenfalls verfolgt er in seiner Arbeit den richtigsten Weg, denn Charaktere sind sein unermüdliches Studium. Deine