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Herzfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage'

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 116

Sonnabend, den 1. Oktober

1910.

Amtlicher teil

HerSfeld, den 26. September 1910.

In WillingShain ist der Schweinerotlauf amtlich sestgestellt worden.

I. 9720. Der Landrat.

3. Bertr.:

Wessel, Kreissekretär.

Herrseld, den 26. September 1910.

Den Gemeinde- und GutSvorständen werden in den nächsten Tagen die Nachweisungen der in der Zeit vom 1. Oktober 1909 bis zum 1. Oktober 1910 vorgekommenen Ver­änderungen im Bestände der Gebäude zugesandt werden. In diese Nachweisungen sind einzutragen alle in der genannten Zeit neuerbauten Gebäude und alle Gebäude, die durch Auf­setzen von Stockwerken, durch Anbauten rc. Veränderungen er­litten haben. Ebenso müssen alle Gebäude, welche während der genannten Zeit; abgebrochen sind, in die Nachweisung ein­getragen werden. Sollten Wohngebäude rc., die im Bau begriffen sind, bestimmt bis Ende März 1911 bewohnbar werden, so sind auch diese Gebäude in die Nachweisung auf- zunehmen.

Den meisten Nachweisungen sind Beschreibungen von Ge­bäuden beigesügt. Für diese Gebäude ist zwar die Bauge- stattung erteilt, indessen ist bisher nicht bekannt geworden ob die Gebäude auch wirklich gebaut sind. Sind die Gebäude jetzt fettig gebaut, so sind die Beschreibungen auszusüllen und von den Eigentümern zu unterschreiben. Ist der Bau dieser Gebäude bis jetzt noch nicht erfolgt, so ist dieses in Spalte 15 der Beschreibungen zu bemerken. Es empfiehlt sich die letztgenannten jetzt fettig gebauten Gebäude zuerst in die Nach- Weisung einzutragen und erst dann die anderen fettig gestellten Gebäude und Gebäudeveränderungen folgen zu lassen. In Spalte 13 der Nachweisung müssen alle beteiligten Gebäude- Eigentümer unterschreiben.

Königliches Katastcramt. Schweißer.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Während der Berichtswoche hat der s o z i a l d e m o k r a» tische Parteitag in Magdeburg stattgesunden. Zu der von einzelnen bürgerlichen Kreisen erhofften und er­warteten Spaltung zwischen den Revisionisten und Radikalen ist es selbstverständlich nicht gekommen. Dazu stehen sich doch diese beiden Richtungen innerhalb der Sozialdemokratie viel zu nahe. Bemerkenswert aber war es, wie der greife Führer der Sozialdemokratie Bebel sich alle erdenkliche Mühe gab, den Knaben Absalom, die abtrünnigen badischen Budget» bewilliger, recht sein säuberlich zu behandeln, ohne doch mit diesem Bemühen wirklichen Ersolg zu haben. Der Erfolg war viel­mehr auf Seiten deS Gastwirts Zubeil und deS Zehngebote- Hoffmanns und ähnlicher Geister, die eS bei der Mehrheit des Parteitages durchzusetzen wußten, daß den Badensern ein kräftiges an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassendes Mißtrauensvotum erteilt wurde.

Oesterreich-Ungarn haben die aus Anregung des Ministerpräsidenten Freiherrn von Bienerth unternommenen deutsch-tschechischen VerständigungS-Berhandlüngen gleich am ersten VerhandlungStage zu einem überaus erfreulichen Er­gebnisse gesührt, indem die Tschechen sich dem Verlangen der Deutschen fügten, daß über die Steuersragen nicht eher im tanotage beraten und beschlossen werde, bevor nicht auch die Sommtffton für die nationalpolitischen Vorlagen und Anträge lhren Bericht fertiggestellt hätte. Damit war die Möglichkeit hTm? '^^""S des böhmischen Landtages geschaffen, und Is fA t kenn auch bereits wieder zusammengetreten. Hoffen k^m ^' daß seine Beratungen von dem gleichen u« L« Versöhnlichkeit und deS Entgegenkommens getragen SRbh?1^'' w'e die Verhandlungen es waren, die seinen W-ederzusammentritt ermöglicht haben.

»on? .^fische Presse in Umlauf gesetzte Gerücht " *" "rkisch . rumänischen Militärab- fette ßmt, ^U^' wie vorauSzusehen war, als eine recht von Buta^s?^^ Sowohl von Konstantinopel als auch aekeiiiircicknl! ^ s'"d derartige Angaben als reine Erfindung @S Beispielsweift hat ein in leitende? Nachdruck erfM^'l^ k^wünischer Staatsbeamter mit allem Aenderuna fPhl(V ?Ä ^ Rumänien gar kein Grund zu einer sichstt^ P°litik vorliege. Rumänien habe alle Rett i. eE^- der Friedensel-nwnte befunden und

Es ä^£ä»

3n das politische Leben Nordamerika, ist durch daS

impulsive Auftreten R o o s e v e l t S ein starkes Element der Gärung und Bewegung hinzugekommen. So übertrafen die Tumultszenen, die sich in der republikanischen Staats- konvention zu Saratoga bei der Wahl einer Vorsitzenden abspielten, alles, was sich an derartigen Dingen seit einem Menschenalter in der politischen Geschichte der Union zuge- tragen hat. Die Wahl endete mit dem Siege RooseveltS und das weitere Ergebnis dürste seine Ausstellung als Präsi­dentschaftskandidat für das Jahr 1912 sein. Ueber die Chancen dieser Kandidatur schon heute urteilen zu wollen, wäre ent- schieden verfrüht.

$tr W in Mit

Die Skandalszenen in Moabit haben sich am gestrigen Abend und in der vergangenen Nacht leider wiederholt, so daß die aufgebotene Polizeimannschast nur mit scharfem Ein­schreiten die den Skandal suchende und veranstaltende Menge in die Schranken zurückzuweisen vermochte. Die Beobachtungen, daß die Skandale organisiert wurden, mehren sich.

Den ersten Zusammenstoß gab es um 7V2 Uhr an der Ecke der Beussel- und Sickingenstraße. Die Ausschreitungen, die wieder mit Johlen und Pfeifen begannen, wurden aber gleich im Anfänge von der Polizei erstickt. In der Wiclos» Wald- und SiemenSstraße, und in der Huttenstraße auf Char­lottenburger Gebiet, an fünf Stellen, überall, wo Schutzmanns­kommandos standen, bildeten sich in der Nähe der Kommandos Ansammlungen, in deren Mitte sich Sprecher erhoben, um die Leute auszureizen und die Polizei zu beschimpfen. Die An­sprachen endeten mit der Aufforderung an die Bluthunde, doch heranzukommen. Die Beamten entsprachen dieser Aufforde­rung eher, als die Hetzer wohl geglaubt haben mochten und trieben die Bande mit der blanken Waffe auseinander. Schwere Hiebe waren hierzu nicht erforderlich. Jeder Widerstand wurde mit sofortiger Verhaftung beantwortet. Ein Mann wurde so verletzt, daß er sich blutend aus die Unfallstation begeben mußte. Um nicht wieder nach der Zertrümmerung von Straßenlaternen im Dunkeln tappen zu müssen, hatte die Polizei sich mit Magnesiumsackeln versorgt. Diese Maßregel war im Interesse der Sicherheit der Beamten getroffen und sollte dazu dienen, ihnen die Ermittlung und Verhaftung der Hauptschuldigen zu erleichtern. In der 9. Stunde merkte man deutlich, daß die Menge sich mehr und mehr von dem engeren Unruhegebiet nach dem Innern Moabits in die Emdener- und Turmstraße und nach dem Kleinen Tiergarten zu zurückzog. In der Emdener- und Turmstraße wurden die Massen nach und nach so dicht, daß sie jeden Verkehr hemmten. Um diesen ausrecht zu erhalten, ging die Polizei zunächst schonend vor. Dies dankte ihr die Menge mit Johlen, Schreien und Schimpfen. Als dann auch noch mit Steinen geworfen wurde, zogen die Beamten blank und schlugen scharf drein. Bald sah man auf beiden Seiten der Straßen Verwundete liegen. Mehrere wurden auch auf den Bürgersteigen überritten, sodaß sie hinfielen. Mit großem Geschrei flüchtete nun alles nach dem Kleinen Tiergarten zu. Die schwerer Verletzten wurden ausgelesen und mit dem Automobil ins Moabiter Krankenhaus gebracht. Hier waren im Operationsjaal fünf Aerzte mit zahl­reichen Heilgehülsen und Schwestern tätig. In der 10. Stunde wurden zehn Personen ins Krankenhaus und fünf auf die Unfallstation in der ErasmuSstraßc gebracht. Unter diesen fünf eine Frau und ein Kind, das umgestoßen und getreten wurde. Es sind besonders Kopfverletzungen und Armstiche. Die meisten Verwundeten behaupten, daß sie unschuldig in das Gedränge gekommen seien. Unter den Verletzten befinden sich Arbeiter von Siemens und Ludwig Loewe, aber auch ein Konfirmand, der durch zwei schwache Hiebe ein talergroßes Stück der Kopfhaut verloren hat und dem außerdem eine halbe Hand durchgeschlagen worden ist. Mehrere haben doppelte Kopsverletzungen, darunter schwere Schädelverletzungen. Die Menge zog sich mehr und mehr nach der Gegend der Heilands­kirche zu zurück. Fast unerklärlich ist es, wie sich nach jeder Säuberung die Straßen sosort wieder füllten. Hinter jeder vorrückenden Schutzmannskette erschienen aus den Häusern und aus den Nebenstraßen sofort wieder johlende Massen und Neu­gierige. Unter diesen gab es dann, wenn die Schutzmanns­kette sich umwendete, die meisten Hiebe und Verletzungen.

Ueber eine Szene aus den Straßenkämpfen aus der Nacht zum Mittwoch wird solgendes berichtet: Nachdem es der Polizei gegen V2I2 Uhr gelungen war, die Beussel- und einen Teil der Turmstraße zu säubern, sammelten sich gegen Mitternacht in der Rostocker Straße über 1500 Tumultuanten an, die unter Verübung eines ohrenbetäubenden LärmS die Laternenscheiben zerschlugen, und das Licht zum Verlöschen brachten. Auch zahlreiche Jalousien von Schaufenstern wurden zertrümmert, die Scheiben eingedrückt und die Auslagen ge­plündert. Aus die Alarmnachricht der an der Ecke der Ro- stocker- und Turmstraße postierten Schutzmannskette wurden sofort von allen Revieren etwa 300 Beamte zusammengezogen, die im Sturmschritt nach der Rostocker Straße abrückten. Dort wurden sie sofort von einem Hagel von Steinen, Flaschen, Bierseideln und Stücken von den Häusern abgeschlagenen Stucke- empfangen, so daß Polizeimajor Klein das Signal zum Blankzichen gab. In diesem kritischen Augenblick sauste

Polizeipräsident von Jagow im Automobil heran, stieg zu Pferde und stellte sich persönlich an die Spitze der Schutz- mannschaft. Als der Pöbel den Berliner Polizeigewalttgen erkannte, erhob sich ein furchtbarer Lärm. Rufe:DaS ist der Jagow, schlagt ihn tot, schießt den Hund nieder I" und andere Drohungen ertönten aus den Massen. Plötzlich krachten aus den Fenstern der nächstbelegenen Häuser der Rostocker Straße etwa 50 Schüsse hernieder und mehrere Kugeln fausten unmittelbar an dem Polizeipräsidenten vorbei. Damit war da- Signal für den Pöbel zum Losschlagen gegeben. Wer von den Exzedenten keine Schußwaffe bei sich sührte, ergriff daS erste beste Stück, das ihm in die Hand kam, und schleuderte eS den Wachmannschaften entgegen, von denen viele von den zum Teil recht schweren Wurfgeschossen ernstlich verletzt wurden. Nun erteilte Herr von Jagow den Besehl zum Feuern. Im nächsten Augenblick krachte eine Salve auS den Browning­pistolen der Beamten, der ein Stöhnen und Ausschreien Ge­troffener folgte. Offenbar sind mehrere Bewohner der Häuser, aus denen aus die Beamten geschoflen worden war, durch die Schüsse der Schutzmannschast verwundet worden, denn man sah die einzelnen Personen unmittelbar nach Abgabe der Salve von den Fenstern zurücktaumeln. Die Tumultuanten hatten die Taktik beobachtet, in ihren Wohnungen daS Licht zu ver­löschen, so daß Straßen und Häuser in tiesste Dunkelheit während des blutigen Kampfes gehüllt waren. Kaum waren jedoch die Polizeibeamten einige Meter vorgedrungen, da er­öffneten die Hausbewohner wiederum ein Pistolenseuer, und die Schutzleute befanden sich nunmehr direkt zwischen zwei Feuern. Auch aus den Hausfluren verschiedener Gebäude, die von den Exzedenten dicht besetzt waren, wurden Schüsse aus die Beamten abgegeben.

Bei den Unruhen find geflen. abend 73 Personen so er­heblich verwundet worden, daß sie sofort verbunden werden mußten. 44 erhielten diese Hülfe auf der Unfallstation in der Erasmusstraße, 29 im Krankenhause Moabit. 5 Verwundete mußten im Krankenhause bleiben. Dort liegen jetzt im ganzen 22 Verletzte. Daß die Zahl der Verletzten viel größer ist, als hier sestgestellt werden konnte, ist sicher. Eistierungen wurden gestern abend weit mehr vorgenommen als früher. Die Angehaltenen wurden nach Feststellung ihrer Persönlichkeit br­aus 5 einstweilen wieder sreigelassen. Diese 5 wurden wegen Landfriedensbruch sestgehalten, um sofort dem Untersuchungs­richter vorgesührt zu werden.

Aus In- und Ausland.

Bereits jetzt, nachdem kaum erst die diesjährigen deutschen Kaisermanöver zum Abschluß gelangt sind, werden die Be­stimmungen sür die K a i s e r m a n ö v e r des JahreS 1911 bekanntgegeben. Schauplatz der Manöver ist Mecklenburg- Strelitz; es nehmen an ihnen das Gardekorps, das 2. Armee­korps (Pommern) und daS 9. Armeekorps (Schleswig-Holstein) teil. Die Bataillone der Fußtruppen werden durch Einziehung von Reservisten auf eine Durchschnittsstärke von 700 Mann für die Manövertage gebracht.

Das Lustschiff P. 6 stieg am Mittwoch mittag 123A Uhr in München auf, erreichte gegen 2V2 Uhr Garnnsch» Partenkirchen und fuhr von dort nach dem Eibjec. Vom Eibsee kehrte es nach München zurück, wo es um 5V2 Uhr glatt landete. Am Landungsplatz hatten sich die Vor­standsmitglieder des Deutschen Museums, die zur jährlichen Tagung hier zusammengetreten waren, eingefunden. Zwanzig Minuten später stieg P. 6 mit Prinz Ludwig und Graf Zeppelin an Bord unter Führung deS Ober­leutnants Stelling zu einer Fahrt über München aus. Die Fahrt ging über die Stadt München hinweg und dauerte etwa zwanzig Minuten. Nach der 6 Uhr 10 Min. erfolgten Landung sprach Prinz Ludwig dem Führer Oberleutnant Stelling seinen herzlichsten Dank aus. Gras Zeppelin sandte an Major Parseval in Berlin nachstehendes Telegramm: Gelegentlich der Jahresversammlung des Deutschen Museums war es mir vergönnt, mit Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Ludwig eine Fahrt in Ihrem wohlbewährten Luftschiff auS» zuführen, und ich möchte für diese Freude meinen herzlichsten Dank zum Ausdruck bringen."

Zu der Borkumer S p i 0 n ag eaff äre wird weiter auS Cuxhafen gemeldet, daß unter den Papieren der Spione auch Zeichnungen der Cuxhavener Befestigung-lager ausgefunden worden sind. Es wird damit ein Verdacht zur Gewißheit, der gleich nach Bekanntwerden dieser Spionage­angelegenheit in Cuxhaven austauchte, wonach die Spione An­fang August dort geweilt haben. Um diese Zeit lag dort eine kleine Motorjacht, die vier Mann an Bord hatte und unter englischer Flagge fuhr. Die ganze Art des Aufenthalts dieser Jacht sowie des Gebarens der Insassen berührte in Hasenkreisen eigenartig und es stieg bei einzelnen wohl auch ein gewisser Verdacht auf, der nun die Bestätigung gefunden hat. Die Jacht kam von Borkum und fuhr von Cuxhafen elbauf weiter, um sich nach dem Kaiser Wilhelm-Kanal zu begeben. über dessen Fahrwafferverhältnisse der Führer der Jacht in Cuxhaven noch Erkundigungen cinzuziehen suchte. Wie man sich ferner dort jetzr erinnert, hat diese Jacht auch des öfteren