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Herrfelder Kreisblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 117. Dienstag, den 4. Oktober 1910.
Amtlicher an
Hersseld, den 1. Oktober 1910.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 14. September d. JS., I. I. Nr. 9188, im Kreisblatt Nr. 110, — betreffend die Bestellung von Gijthaser — noch nicht erledigt haben, werden erinnert.
Bei denjenigen Gemeinden, von welchen eine Bestellung bis zum 5. Oktober d. JS. nicht eingegangen sein sollte, muß ich annehmen, daß Gifthafer nicht gewünscht wird.
I. I. 9899. Der Landrat.
I. Vertr.:
Wessel. Kreissekretär.
Der Saatenstand Mitte September 1910. Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 — sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 ---- gering, 5 = sehr gering.
Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. s. L. — l d 3646 M. d. J. —)
Fruchtarten usw.
Durc noten
Staat
hschnitts- für den
Reg.-Bez.
Cassel
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
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03
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03
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7 CO
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Winterwetzen Sommerweizen . Winterspelz (Dinkel) Winterroggen . Sommerroggen . Sommergerste . Hafer .
Erbsen Ackerbohnen Wicken Kartoffeln . Zuckerrüben Winterraps u. -Rübsen Flachs (Lein) .
Klee .
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be- (Ent-) Wässerung
Andere Wiesen .
3,0
2,4
2,3
2,3
2,3
2,5
3,6
2,4
2,3
2,3
2,1
2,3 |
1
2
2
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3
3
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1
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2
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1
Kgl. Preuß. Statistisches Landesamt. Dr. Blenk, Präsident.
HerSseld, den 30. September 1910.
In Herfa ist der Schweinerotlaus amtlich festgestellt worden.
J. I. 9898. Der Landrat.
I. Vertr.:
Wessel, KreiSfekretär.
Erlöst
Roman von Tea van Hufen.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Baron Altenhosen wendete Linda die Blätter um, während der Gras ein wenig in den Hintergrund getreten war. Kaum hatte Linda die ersten Takte gesungen, als der erstere, der wunderbaren Stimme entzückt, den Kopf nach seinem italienischen Nachbar wandle, um zu sehen, welchen Eindruck vieler davon erhallen hatte. Betroffen über die seltsame Be- tosn1«9' ,n ^ch" sich der sonst so ruhige Graf befand, blieb "Ä $m hasten. Rossi hatte den Kopf zurückge- fuJ& Äm?" "" 'Mt ’*"* """ >""' ’“’“
**” anderer Umstand war eS, der dem jungen Edel- dickten 1^ ®r“mn Erscheinung auffiel. Unter dem langen, ™ g<«S 6"0'ä« * “ t“ «^f w mt-
Wßüauen01 ^Wigte sich unwillkürlich ein gewisser Subjekt iDeiA^r,^” vielbewunderte Fremde ein schlechtes ÄÄ Nl^Eichung irgend welcher bösen Ab. warum dann die Ä »^ «"geschlichen hatte? Wenn nicht, warlürden^ ?E.dung? Denn daß er nicht derjenige bleiben. fle en sollte, darüber konnte kein Zweifel gelöst^ wmen^ und !»^" Ende, bevor des BaronS Zweifel musikalischen' Genusse/^ ^ ^er die Störung in seinem Leomoni°zu heTSmen^ ’" ^" ^«m Herren getreten, ihrer'fo^ %n ba Sie Ä tt> ä«"ä; •AlÄ'ÄÄÄ - *
Hersseld, den 29. September 1910.
In Hattenbach ist der Schweinerotlauf amtlich festgestellt worden.
I. 9849. Der Landrat.
Vertr.:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher teil.
KritOmor aus htm Zähre 1870.
Von Paul LipsiuS.
Krieg und Humor scheinen einander auszuschließen wie Wasser und Feuer. Denn wenn der bittere Ernst durch den Mund donnernder Kanonen redet, da dürste auch dem Leicht- sertigsten die Lust zum Lachen und Scherzen vergehen. Gleichwohl lehrt die Erfahrung daS Gegenteil, und gerade unser großer Nationalkrisg vor nunmehr 40 Jahren ist reich an treffenden Beispielen hierfür. Schon als die ersten dunkeln Gerüchte über die Wahrscheinlichkeit eines blutigen Waffen- ganges mit unsern unruhigen westlichen Nachbarn durch die Luft schwirrten, stellte sich pünktlich der Humor ein und sorgte dasür, dem Volke der Träumer und Dichter ein unzweideutiges Gesundheitszeugnis auszustellen. Denn Humor ist stets ein sicheres Zeichen von unverwüstlicher Kraft nnd GesundheitS- sülle. Da sang Ritterhaus sein prächtiges:
Nun weg mit Feder und Papier
Und Säbel her und FW^l
Die deutschen Noten schreiben wir
Mit Stahl und roter Tinte.
Wie deutsch man schreibt, das lernt ihr heut', Französische Soldaten!
FlugS aus die blut'ge Schrift gestreut
Als Streusand die Granaten!
Hurra, die Trommel wirbelt schon,
Trompete bläst zum Reigen —
Und tanzen soll Napoleon,
Wie wir zum Tanze geigen!
Man sieht, das Volk der Denker und Dichter verleugnet seine Eigenart, seinen angeborenen Hang zum Doktrinären niemals, und der „Schulmeister", der bekanntlich nach einem geflügelten Worte bereits Königgrätz gewann, schickte sich auch anno 70 an, seines wichtigen Amtes zu walten. Dabei mußte natürlich auch der „Dichter" zu seinem Rechte kommen, der Poetik und Reimkunst lehrte:
Wir saßen so lang' in gemütlicher Ruh'
Und reimten nur Liebe aus Triebe;
Nun setzt uns der Schelm, der französische zu,
Da reimen wir Hiebe aus Diebe!
Graf Rossi wurde aufmerksam. „Wie? Ihre Mutter- spräche?" rief er erregt. „Ich vermutete es. Nur eine Italienerin vermag mit solchem Schmelz zu singen. Ihre Stimme rief vergangene Zeiten in mir wach —" Er stockte; dann fügte er leise hinzu: „Meine arme Belinda!"
„Belinda!" wiederholte Linda stutzig geworden, „sagten Sie Belinda? DaS ist mein Name — der Name, bei dem mich meine Mutter rief! Meine ersten Wohltäter kürzten den Namen in Linda, wie ich jetzt genannt werde!"
Der Graf drängte vorwärts, legte die Hand aus ihren Arm und blickte forschend in die sprechenden Augen, diese blitzten in Empörung über solche Freiheit zornig aus.
„Ah, diese Augen!" sprach er. „Ich könnte meinen — aber nein, daS ist unmöglich! Wie alt sind Sie?"
Die Frage schien auS dem Munde eines Fremden so indiskret, daß Lindas erster Impuls war, sie zu überhören, wie jedes andere junge Mädchen wohl getan haben würde; aber Linda war nicht wie andere, und da eS sichtlich keine gleichgültige Frage war, überlegte sie noch einmal bevor sie sprach und antwortete dann freimütig: „Achtzehn Jahre, Herr Gras."
„Achtzehn!" wiederholte der Gras sinnend. „Ah, zu jung. Nein, eS kann nicht fein. Verzeihen Sie meine scheinbare Frechheit; ich glaubte, vielleicht Ihre Mutter gekannt zu haben, aber sie, deren Stimme ich in der Ihren wieder zu hören meinte, muß lange tot gewesen sein, als Sie geboren wurden."
Baron Altenhosen war über dieses Gebühren des Grasen befremdet. Sprach dieser Mann die Wahrheit oder war daS nur ein Deckmantel für irgend einen weiteren Schwindel? ES lag ein gewisses Zögern in seinem ganzen Wesen, welches seine Worte Lügen strafte, und des falschen BarteS eingedenk, versuchte der junge Mann, ihn in die Enge zu treiben.
„Haben Sie immer in Italien gelebt, Gras?" fragte er plötzlich, ihn dabei scharf fixierend.
„O nein", lautete die gelassene Antwort. „Ich habe einen großen Teil meiner Zeit aus Reisen zugebracht."
So sehr ihm auch Liebe für Hiebe gebricht,
So fallen die Hiebe dem Diebe doch dicht.
Die natürlichen Grenzen begehrt der Franzoj'
Und weiß nicht, es sind die Vogesen;
Er hat in der Geographie nichts los
Und nie den Karl Ritter gelesen;
Nun muß er so spät sich zur Schule bequemen —
Wir wollen ihm alles Gestohlene nehmen.
Bald kams nach der Komödie von Saarbrücken zu den ersten ernsten Treffen. Bei Weißenburg (4. August) wurde der Kampf „eröffnet", und sofort effcholl aus tausend siegeSfrohen Kriegskehlen die gewaltige „Weißenburg-Ouverture":
Das war bei Weißenburg.
Da hauten wir sie durch
Und nahmen ihnen — meck, meck, meck,
Den alten Geisberg weg, weg, weg,
Den alten Geisberg weg!
Aus Weißenburg aber folgte mit logischer Notwendigkeit Wörth (6. August), wo der bis dahin allgemein gefürchtete, kriegsgewaltige Mac Mahon seinen ersten derben Denkzettel erhielt. Aus Wörth aber folgte-nach dem blutigen Zwischenspiele von Metz das unvergeßliche Sedan, das ihn, den nunmehr „glorreich Besiegten", mitsamt seinem „allerhöchsten" Chef, dem Kaiser selbst, auS der Liste der Kämpfenden strich. Die „Firma" wurde eben kurzerhand im Handelsregister „gelöscht", wie es kaufmännischer Sprachgebrauch ist, und schalkhaft fragte man sich: „Wer war wohl der größte Kaufmann der Welt?" „Zweifellos Mac Mahon", wurde prompt geantwortet, denn seine Niederlagen reichen von Wörth bis nach Sedan!"
Freilich hatten unsere Braven draußen noch manchen harten Strauß zu bestehen, vor allem auch mit den irregulären, nicht uniformierten Franctireurs, die aus sicherm Versteck die Unsern niederschossen. Einst brächte man einen solchen ge- sangen zu Bismark mit der Frage, wie man ihn behandeln solle. „Höflich bis zur letzten Galgensprosse," erwiderte der Kanzler, eingedenk, daß dem Franzosen die Höflichkeit über alles geht, „aber gehängt wird er!" Derselbe äußerte einmal launig bei Tische über die Schwierigkeit, mit den französischen Behörden, welche die Verbindung mit der damals noch ein- geschlossenen Hauptstadt per Luftballon unterhielten, über den Frieden zu unterhandeln; mit einer in der Lust schwebenden Regierung ließen sich keine geeigneten Verhandlungen anknüpjen." Endlich kam er aber doch zustande, der heißersehnte Friede, just zu der Zeit, da mit dem Holden Lenze die Osterglocken das Auferstehungsfest einläuteten, das unserm Volke seine nationale Auferstehung brächte. Da jubelte auch der biedere Geselle Humor:
Schier tausend Jahr waren wir Deutsche getrennt; Der Jammer nimmt nimmer, sprach jeder, ein End'; Doch als uns wollt schlagen der sränk'sche Filou, Da waren wir einig. — Warum geht'- denn nanu?
„Ich wundere mich, daß Sie das Hotelleben gar nicht satt bekommen", fuhr der andere fort. „Es ist doch nirgends so behaglich wie zu Hause."
„Sehr wahr", stimmte Roffi bei. „Ich beabsichtige auch, mir binnen kurzem ein Heim zu gründen."
„In Italien?" fragte der Baron.
„Nein, in Deutschland", lautete die Antwort.
„Sie haben wohl Verwandte in Deutschland?"
Roffi sah den unermüdlichen Fragn mißtrauisch an, und antwortete mit einem geheimnisvollen: „Vielleicht."
Altenhosen sah, daß sein Plan durchschaut worden war, und so warf er nur kurz hin: „Nichts für ungut, Graf. Wir Deutsche haben immer viel Interesse für alles Fremde." Darauf lenkte er baS Gespräch auf Linda- Musik zurück.
XIV.
Eines Sonnabends nachmittag, wenige Wochen nach jenem kleinen Diner, fuhren Doktor Reinwald und seine schöne Tochter in dem leichten Einspänner der Ausstellung der königlichen Kunstakademie zu.
Linda hatte den ganzen Morgen über Einkäufe gemacht, während der Doktor seine Patienten besuchte, worauf sie sich ein Rendezvous gegeben hatten. Nachdem sie eine Strecke zusammen gefahren waren, machte der Doktor den Vorschlag, in einem nahe gelegenen Restaurant zu frühstücken.
„Einkäufen sowohl als Bilderansehen ist ermüdend", meinte er, „und von acht bis sechs Uhr ist eine zu lange Fastenzeit für Dich, mein Kind." So folgte der Kutscher dem Wink und hielt vor dem Restaurant.
Als Linda au-stieg, blieb ein junger elegant gekleideter Herr von mittlerer Größe stehen, um sie an sich vorübergehen zu lassen. Dabei fiel ihm ihre elastische Gestalt und ihre liebliche Schönheit auf, und anstatt seinen Weg weiter zu ver- folgen, trat er auch in das Restaurant, und setzte sich so, daß er sie in aller Muße betrachten konnte. Je länger er sie an- sah, desto mehr zog sie ihn an, und als der Doktor und seine Adoptivtochter daS Lokal verließen, bezahlte er auch schnell und