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Herzfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-6lnschlutz Nr. 8 c

Nr. 1A.

Donnerstag, den 13. Oktober

1910.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 5. Oktober 1910.

Die Ortspolizeibehörden deS Kreises werden beaustragt, von den in ihren Gemeinden befindlichen Personen, welche im Kalenderjahr 1911 ein Gewerbe im Umher- ziehen zu betreiben beabsichtigen, die Anträge aus Erteilung von Wandergewerbescheinen nach dem vorgeschriebenen For­mular Nachweisung über die für daS Kalenderjahr 19 . . nachgesuchten Wandergewerbescheine auszunehmen und mit den entsprechenden, durch die AusführungSanweisung zur Gewerbe-Ordnung vom 1. Mai 1904 (Sonderbeilage zum Amtsblatt Nr. 24 1904) zu Titel III vorgeschriebenen An- lagen-Bescheinigungen nach den Formularen ABC und D versehen, hierher alSbald einzuscnden. Ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, daß für diejenigen Gewerbetreibenden, für die im Vorjahr bereits eine Bescheinigung nach dem Formular A ausgestellt wurde, in diesem bezw. in den nächst- solgenden Jahren eine solche nach Formular C auszusertigen ist, und, daß für Begleiter, für welche im Vorjahre die Be­scheinigung nach Formular B auSzustellen war, in diesem bezw. in späteren Jahren die Bescheinigung nach Formular D auszusertigen ist.

Für alle, neu inS Wandergewerbe eintretende Personen sind die erforderlichen Bescheinigungen nach den Formularen A und B auszusertigen.

Bei der Ausfüllung der Bescheinigungen A und B ist bisher bezüglich der HinderungSgründe der Frage 3 (Krank­heit, Gebrechen) oft mitanscheinend nicht", die Frage 5 (Strafen) mit soweit hier bekannt, noch nicht bestraft und die Frage 9 (Unterhalt und Unterricht der Kinder) mitin ge­nügender Weise" und mit ähnlichen wertlosen Ausdrücken be­antwortet worden.

Es ist genau anzugeben, aus welche Art und Weise für die zurückgelassenen Kinder gesorgt wird, und besonders auch welche erwachsene Persönlichkeit mit ihrer Obhut betraut ist. Ein Strich statt der Antwort genügt nicht, anch ist es unzulässig, die Frage einfach zu durchstreichen. Ueber die Bestrafungen ist in Zweifelfällen die Staatsanwaltschaft (Strasregisterbehörde) um Auskunft zu ersuchen. Nach § 17 der Verordnung des BundeSrats vom 16. Juni 1882 ist diese amtliche Auskunft über den Inhalt der Strasregister den Bürgermeistern kostenfrei zu erteilen.

Zweckmäßig wenden sich die Ortspolizeibehörden an die Staatsanwaltschaft deS Landgerichts, zu dessen Bezirk der Geburtsort des Bestraften gehört. Wenn sich Zweifel ergeben, ob der Gewerbetreibende mit einer ansteckenden Krank- Heit behaftet ist, so hat der Antragsteller durch eine Be­scheinigung deS Königlichen Kreisarztes nachzuweisen, daß ein solcher Hinderungsgrund nicht vorliegt.

In der Nachweisung selbst müssen die HandelSgegen- stände, die Hilssmittel (Tragkorb, zweispännigeS Pferdefuhr-

6rW$t

Roman von Tca van Husen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

XVIII.

Wir müssen einige Tage rückwärt- greifen, um wieder zu unserer Heldin und deren Adoptivvater zu kommen.

Es war Sonntag abend; einer jener weichen, balsamischen Sommerabende, die nur zum Träumen und Nichtstun da zu

?"' ®* war drückend heiß und nicht daS leiseste Lüftchen bewegte den Rauch, der den Schornsteinen entstieg, Stätte des Reichtums bezeichneten. Die vereinzelten ounnen Rauchwölkchen machten nicht einmal den Versuch, oen breiten Streifen tiefblauen Himmels verdunkeln zu hinzog' ^" $ ^" der langen Häuserreihe der Vorstadt

ReinMidr Haus war unter den palastähnlichen S u b,a8 beschttdendste; und obgleich es nicht dicht am »ii ^^T ^ doch von dem Fenster des Wohn- Lci r ig durch die gegenüber abzweigende Straße in das veraosd-i-n^ ? 'cken. Die Strahlen der niedergehenden Sonne die' nock «^ dje liebliche, von Blumen begrenzte Landschaft, ahnm Ueß ""^ nicht minder anziehendes Bild aana^i.^Nt und Linda waren eben von einem Spazier, neten a-r'L un? standen zusammen an dem bezeich- in beruft ! s «'^da den Hut und der Doktor den Stock noch hn8 nn? h?bauten sie hinaus in da- Grüne, Seufjet ab" $* Wmft< Dann wandle sich Linda mit einem

ir "arm jetzt auf dem Lande", sagte sie. ben Ä wenn wir im Garten sitzen und den

Wuth der Doktor dachte so; fein Blut aber erhitzte noch

werk u. s. w.), der Betriebumsang, der Wert des Jahres­umsatzes und der nach mutmaßlicher Schätzung verdiente jährliche Ertrag aus dem Hausierhandel möglichst ein­gehend bezeichnet werden. Der Jahresbetrag ist aus den letzten Steuerlisten zu entnehmen.

Die Gründe für einen geringen Steuersatz (körperliche Gebrechen, hohes Alter, Mittellosigkeit u. s. w.) sind be­sonders hervorzuheben. Ferner muß die Nachweisung über die Staatsangehörigkeit, den festen Wohnsitz, die Nummer des Gewerbescheins für 1910 und den (auf Reklamation etwa herabgesetzten oder nachträglich erhöhten) Steuersatz Auskunft geben.

Um zu ermöglichen, daß die beantragten Wandergewerbe­scheine vor Beginn des neuen Kalenderjahres in den Besitz der Gewerbetreibenden gelangen können, ist es ersorderlich, daß die Nachweisungen mit den gestellten Anträgen nebst Anlagen bis zum 25. Oktober d. Js. mir eingereicht werden.

Zu diesem Zwecke ist sofort und wiederholt in der Ge­meinde ortsüblich bekannt zu machen, daß die Wander-(Hausier)- Gewerbetreibenden sich alsbald melden, und, daß sie sich aus etwaiger späterer Antragstellung eventuell erwachsende Nach­teile selbst zuzuschreiben haben.

Schließlich bemerke ich noch, daß denjenigen Wander­gewerbescheinanträgen, bei welchen sich der Schein aus den Handel mit Lumpen, Knochen, Fellen und Nasch- sowie Eßwaren bezieht, ein Protokoll beizusügen ist, in welchem der den Schein Nachsuchende mit seiner Unterschrift die Erklärung abgibt, daß ihm der Inhalt der Polizeiverordnung vom 20. Oktober 1893 bekannt ist.

Alle zur Antragstellung von Wandergewerbescheinen vor­geschriebenen Formulare find in der Druckerei von L. Funk hier (Verlag des amtlichen Kreisblatts) vorrätig zu haben.

I. 10094 Der Landrat.

I. Vcrtr.:

W e s s e l, Kreissekretär.

HerSfeld, den 10. Oktober 1910.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden erinnere ich an die Einreichung der noch rückständigen Kassenprüfungs- Verhandlungen vom II. Vierteljahr des lausenden Rechnungs­jahres mit 3tägiger Frist.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

A. 7418. von Grunelius.

Hersfeld, den 10. Oktober 1910.

Die aus Donnerstag, den 3. und 24. November ds. Js. in der Stadt Fulda angesetzten Viehmärkte werden unter den seither bekanntgegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Austrieb darf am 3. November um 7 Uhr, am 24. November um 7Va Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 25. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks

etwas anderes, als die äußere Atmosphäre. Er hatte in der Kirche die schöne junge Witwe getroffen, und noch jetzt sühlte er in allen Adern den leisen herzlichen Druck ihrer kleinen Hand. Dieser Händedruck hatte den noch immer schwan- kenden Entschluß unbewußt zur Reise gebracht. Ja, der Doktor hatte sich während des langen Heimweges fest vorgenommen, am morgenden Tage der hübschen Witwe die wichtige Frage vorzulegen! Und was noch viel wichtiger war, wie die fieberhafte Unruhe verriet, in welche der Entschluß ihn versetzt hatte, heute Abend noch Linda von dem bevorstehenden Ereignis in Kenntnis zu setzen.

Heiß, jagtest Du? Ja, es ist entsetzlich heiß. Geh, leg Hut und Mantel ab, mein Kind, und dann setze Dich hier zu mir an das offene Fenster. Ich werde die schweren Gar- dinen zurückziehen. Wozu brauchen wir überhaupt im Sommer so dicke Damastgardinen, die weißen allein genügen voll- ständig."

Er sprach hastig und in befehlendem Tone, ganz anders, als es sonst seine Art war, zu reden, und verwundert sah ihn Linda an.

Der Doktor fühlte ihren Blick und ihr den Rücken kehrend, rückte er den Blumentisch, welcher vor dem Fenster stand, an die Seite, um für zwei bequeme Stühle Platz zu schaffen.

Linda ging aus dem Zimmer und schritt langsam dem ihrigen zu. Sie trug die Ueberzeugung in sich, daß ihr etwas Unangenehmes bevorftanb. Als sie wieder zurück kam, saß der Doktor ruhig äußerlich wenigstens auf einem der beiden Stühle, und bedeutete sie lächelnd durch eine Handbewegung, ihm gegenüber Platz zu nehmen.

Meine Kleine hat lange Zeit gebraucht, ihre Sachen ab» zulegen", sprach er mit dem Versuch, einen scherzhaften Ton anzuschlagcn,oder ist mir die Zeit des Wartens nur so lang geworden?"

Linda lächelte, während sie sich langsam in den für sie bereit gehaltenen Stuhl sinken ließ. Daraus folgte eine lange fast peinliche Pause. Der Doktor überlegte, in welche Form er seine wichtige Mitteilung kleiden sollte; und während er

Handelns im Stadtbezirke außerhalb des Viehmarktplatzes vor und während der Dauer des MarkteS verboten.

I. 10 391. Der Landrat.

I. Vertr:

Wessel, KreiSsekretär.

Her-seld, den 12. Oktober 1910.

Die Herren Orts- bezw. Gutsvorstände deS Kreises ersuche ich, mir bestimmt bis zum 18. Oktober d. JS. anzu- zeigen, wieviel:

1. Quittungskarten von Formular A (gelb)

2. Quittungskarten von Formular B (grau)

3. QuittungSsormulare für Invaliden- und Unsallrenten- Empfänger für das Jahr 1911 voraussichtlich er» forderlich sein werden.

Ich mache noch besonders daraus aufmerksam, daß die Quittungskarte B nur für solche freiwillige Versicherte auszustellen ist, für welche früher noch niemals auf Grund Versicherungspflichtiger Tätigkeit Beitragsmarken verwendet worden sind, und daß diejenigen Personen, welche einmal dem VersicherungSzwange unterlegen haben, QuittungSkarten nach Formular A weiter gebrauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich freiwillig weiter versichern wollen.

I. 9983. Der Landrat.

I. Vertr.:

Wessel, KreiSsekretär.

Hersseld, den 10. Oktober 1910.

Unter dem Schweinebestande deS Schuhmachers Bechtel hier ist die Rotlausseuche ausgebrochen.

I. 10356. Der Landrat.

J. Vertr.:

Wessel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher teil.

Sie IWIm in Portugal.

Lissabon, 10. Oktober. Das Amtsblatt der neuen Regierung veröffentlicht heute den auf den alten portugiesischen Gesetzen beruhenden Erlaß über die Austreibung der Mit­glieder der Gesellschaft Jesu und aller Mitglieder der religiösen Kongregationen fremder Nationalität. Die portu- giesischen Mitglieder der Orden, die aus diesen auStreten, werden zu ihren Familien zurückkehren; die übrigen werden Portugal verlassen. Die Feststellung, welcher Nationalität jeder einzelne angehört, liegt in den Händen des Minister­selbst.

Die Jesuiten haben Portugal sofort zu verlaffen. Alle Klöster, Hospitze und andere geistliche Anstalten werden aus­gehoben. Die Güter der religiösen Gemeinschaften werden

eine jede als zu steif oder zu lächerlich verwarf, wurde sein Gesicht immer röter und seine Finger spielten nervös mit der Uhrkette, oder drehten an den Ringen seiner Hand herum.

Und er hatte doch nichts weiter zu tun, als dem Kinde eines Unbekannten, das er aus reinem Mitleid in seinem Hause ausgenommen hatte, zu erklären, daß er sich verheiraten wolle, und er hoffe, sie werde die liebenswürdige Frau, welche er zu seiner Gemahlin erwählt habe, gern willkommen heißen. Und doch war es ihm eine Unmöglichkeit, dafür Worte zu finden.

Lindas schöne, glänzend schwarze Augen ruhten in stummer Verwunderung auf ihm, wenn er ein einziges Wort hervor- stotterte und den Rest wieder ungesprochen ließ. Sie ahnte die Wahrheit nicht im entferntesten, und besorgt, es könne etwas Ernstes vorgesallen sein, lehnte sie sich in den Stuhl zurück und wartete gespannt auf daS Weitere.

Schließlich aber glaubte sie, der Zweifel sei unschwer« zu ertragen, als die Tatsache selbst und ungeduldig die Spitzen der zarten Hände aneinander schlagend, wendete sie dem Doktor daS liebliche Gesicht voll zu und sagte mit ihrem gewinnendsten Lächeln:Nun, Papa, waS gibt es?"

Er fuhr zusammen. Sah sie seine Auflegung so deutlich? Merkte sie, daß er ihr ein Geheimnis anzuver- trauen hatte, und versuchte sie auf diese Weise ihm aus der Bei- legenheit zu helfen? Nein, das war eine Schande. Er mußte sich ein Herz fassen und reden wie ein Mann. Er räusperte sich noch einmal und platzte dann heraus:Ich werde mich nächstens verheiraten, Linda."

Des Doktors Blicke waren auf das Grün in der Ferne gerichtet, das in der Abendsonne jetzt in purpurner Pracht erglühte, während Lindas Augen wie geb mnt an feinem Ant» litz hingen. Ihr erster Impuls war, einem ungläubigen Lachen nachzugeben, aber die feste Entschlossenheit, welche feine Züge verrieten, veranlaßten sie, ihre Stimmung zu ändern und ein­fach zu erwidern:Wirklich!"

Er konnte sich eines Seufzers der Erleichterung nicht ent­halten. So war eS denn heraus, daS wichtige Geheimni-