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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
^ernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 132.
Amtlicher Ceil
HerSseld, den 13. Oktober 1910.
Aus Grund des Beschlusses deS BundeSratS vom 10. Februar d. Js. findet am 1. Dezember d. I». wiederum eine allgemeine Volkszählung im Deutschen Reiche statt, welche ähnlich wie in den früheren Jahren auSgeführt werden wird. Mit der Volkszählung ist eine Aufnahme der bewohnten und unbewohnten Wohnstätten sowie der sonstigen bewohnten Baulichkeiten verbunden.
Die erforderlichen Formulare sowie die Anweisungen über die Ausführung der Zählung werden den Herren OrtS- bezw. Gutsvorständen deS Kreises demnächst von mir zugehen. Sollten die Formulare sowie die Anweisungen bis spätestens zum 20. Oktober d. Js. nicht eingetroffen sein, ist mir alS- bald hiervon Anzeige zu erstatten.
In Anwendung kommen:
1. die Zählkarte A,
2. das HauShaltungSverzeichni» L,
3. der Zählbriesumschlag C/D mit der Anleitung C und Muster auSgesüllter Formulare A und B,
4. die Anweisung E für die Zähler mit dem Muster einer auSgesüllten Kontrolliste F,
5. die Zählerkontrolliste F,
6. die OrtSliste G,
7. das Muster einer ausgefüllten OrtSliste G und
8. die Anweisung H für die Behörden.
Sofern die übersandten Formulare wieder Erwarten nicht ausreichen sollten, ist der Mehrbedarf schleunigst hier anzu- melden und kurz zu begründen.
Die Zählung erfolgt unter der unmittelbaren Leitung der Ortsbehörden. Letztere wollen fich unverzüglich mit den ihnen nach der Anweisung H. unter Abschnitt B., Seite 2, aufgetragenen Obliegenheiten eingehend vertraut machen. Zunächst ist die Abgrenzung der Zählbezirke, wo dies erforderlich ist, vorzunehmen, sodann für jeden Zählbezirk ein unbedingt zuverlässiger Zähler und tunlichst ein Vertreter zu bestellen, welchem da» für den Zählbezirk erforderliche Quantum der Zählpapiere zu übergeben ist. Diese Arbeiten müssen spätesten» bi» zum 20. November beendet sein.
Bei der Abgrenzung der Zählbezirk« ist mit der größten Sorgfalt zu verfahren, damit keine Wohnstätte Übergängen wird, auch über die Zugehörigkeit der einzelnen Häuser zu dem einen oder anderen Zählbezirk keinerlei Zweifel obwalten.
Die Austeilung und Wiedereinsammlung der Zählpapiere ist Sache deS Zählers und hat nach den in der Anweisung E hierfür besonders gegebenen Vorschristen zu geschehen.
Das Zählmaterial muß von dem Zähler bis spätestens zum 6. Dezember d. Js. an die OrtSbehörde zurückge- licfert werden. Letztere hat daS Material hierauf einer g e • nauen Prüfung zu unterziehen und insbesondere auch
Verzweifelte Herzen.
Erzählung einer wahren Begebenheit von Th. Werner.
(Nachdruck verboten.)
ES war keine leichte Ausgabe für dieselben gewesen, Fräu- lein Aljen zur Teilnahme an der bevorstehenden Festlichkeit zu veranlassen und nur mit Widerstreben hatte sie daS elegante Seidenkleid von Frau LieSbeth angenommen und ver- sprochen, bei dem Feste zu erscheinen. Aber die ungeheuchelte Bewunderung, die ihr während desselben bei ihrem Eintritt von allen Seiten zuteil ward, war ihr lästig, und sehr bald bE sie sich in ein kleine- Boudoir zurückgezogen; hier wähnte sie sich allein und begrüßte mit Freude die Ruhe Stille, die sie hier erwartete. Aber noch ein anderer hatte sich aus den geräuschvollen Geschäftsräumen geschlichen, “m '“n von Musik, Tanz und Unterhaltung seinen Gedanken Meftort nachhängen zu können. AlS derselbe die nahenden t b^ Eindringling- hölte, der seine Ruhe zu unter- chen begann, blickte er mit ärgerlicher Miene auf.
h„ A^'" Alsen stand mitten im Zimmer; der helle Schein wand nnrJ" ihr goldene- Haar, auf ihr seidene» Ge.
W l^"-n bieten Züge. ftiefi hn« »tC • ^"ng bei ihrem Anblick plötzlich aus und 6 L Ä ?ort hervor: „Margot!" rief mit eM-i^ ^"»^sichr« begegnete sich, denn auch sie Und ^pen seinen Namen: „Kurt!"
Maravt" wi!!^^ üblich da- Schweigen brach. mit'einer Bewegung als woll! *% mt »Äser Stimme und Ab-r Min-n »A.?t. Knolle er ihre Hand erfassen. Hände wie abmeh^ih m te ^ ^"h in die Höhe, und beide erschütternd: $ b ^m ^igegenstreckend, hauchte sie leicht wir s'-Nei", * Rühre mich nicht an! Sprich nicht zu
Und mit diesen Worten floh sie aus dem Zimmer.
Sonnabend, den 15. Oktober
daraus zu achten, daß die Ausnahme der Wohnstätten (auf Seite 4 der Kontrollisten) ordnungsmäßig erfolgt ist. Notwendige Ergänzungen und Berichtigungen sind alSbald nach dem Stande vom 1. Dezember 1910 vorzunehmen. Sodann ist nach Anleitung des Musters die Ortsliste G aufzustellen.
Die Urschriften wie auch die Reinschriften der Zähler- Kontrollisten F sowie der Ortsliste G sind bis spätestens zum 21. Dezember d. I s. mir einzureichen.
Das übrige Zählmaterial ist nach Vorschrift geordnet und verpackt, einschließlich der etwa unbenutzt gebliebenen Formulare, bis spätestens zum 31. Dezember hierher ein- zusenden.
I. 10059. Der Landrat.
I. Vertr.:
W e s s e l, Kreissekretär.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
Während der BerichtSwoche hat die Berliner Uni- tz e r s i t S t das Fest ihre» hundertjährigen Bestehens gefeiert. Es waren glänzende Jubiläumstage, an denen so manches alte Burschenherz wieder jung wurde 'und an denen sich Klänge der Vergangenheit mit Jubeltönen der Gegenwart und mit freudige ZukunftShoffnung widertönenden Akkorden zu einer rauschenden Symphonie vereinigten. Wie sehr die Universität der Reichshauptstadt im Leben der deutschen Nation einge- wurzelt ist, das bewies die lebhaste Teilnahme, mit der die weitesten Volkskreise die Berliner Säkularfeier begleiteten. Den Höhepunkt der Festlichkeit bildete der große Festakt in der neuen Aula der Universität, und im Mittelpunkte dieses Festaktes wiederum stand die hochbedeutsame Rede, die unser Kaiser hierbei hielt. Nachdem der Monarch zunächst in großen Zügen ein fesselndes Bild von dem bisherigen Werde- und Entwicklungsgänge der Berliner Universität gezeichnet hatte, verkündete er alS seinen Entschluß den Ausbau und die Vollendung des großen WissenschastsplaneS Wilhelm von Humboldts, wonach neben Akademie und Universität alS integrierende Teile des wissenschaftlichen GesamtorganiSmus selbständige Institute treten sollen, die über den Rahmen der Hochschulen hinaus gehen und, unbeeinträchtigt durch UnterrichtSzwecke, aber in enger Fühlung mit Akademie und Universität, lediglich der Forschung dienen. Zur Ausführung dieses Entschlusses sind dem Kaiser nach seiner Mitteilung bereits an 10 Millionen Mark durch ein hochgesinntes Mäcenatentum zur Verfügung gestellt worden. Eo ist der große Festakt des Berliner Universitäts- jubiläums zugleich zu einem hochwichtigen StaatSakte geworden, der bestimmt erscheint, eine neue bedeutungsvolle Aera des wissenschaftlichen Lebens unserer Nation einzuleiten. Das deutsche Volk aber hat erneuten Anlaß, mit freudigem Stolze aus seinen Kaiser hinzublicken und bewegten Herzens der Vor-
Als die Gäste spät am Abend das Haus verließen, da schob die alte treue Brigitte dem Hauptmann von Feldern heimlich ein Bricschen zu, das dieser erst zu öffnen wagte, als daS gastliche Haus weiter hinter ihm lag.
„Mein teurer, geliebter Kurt", lautete das Schreiben, „ich kann Dich nicht so von mir gehen lassen. Ich muß Dir sagen, daß ich Dich liebe und bemitleide, daß ich täglich, stündlich für Dich bete und Gott um Verzeihung für Deine Sünde bitte. O Kurt, ich habe mich so lange darnach gesehnt, Dich noch einmal wiederzusehen, jetzt aber fühle ich mich fast versucht, zu fragen: „Warum mußten wir uns wiederfehen?" Ich war ruhig geworden; das Entsetzliche, daS auf mir lastete, hat die Zeit wenigstens so weit gemildert, daß mir daS Leben, Dank den lieben gütigen Freunden, die wie Geschwister zu mir sind, erträglich geworden ist; und jetzt ist alles wieder Finsternis und Verzweifelung!
Die furchtbare Vergangenheit kehrte lebhaft wieder, die Qual der Trennung drückt mich nieder, bis ich ... o Kurt, mein Geliebter . . . bis mir ist, als könnte ich ohne Dich nicht leben! Und doch! eS ist am besten so; das entsetzliche Geheimnis, das zwischen uns liegt, würde jeden Augenblick zwischen unS aufsteigen und unseren Frieden stören.' Ich kann über Deine Schuld schweigen, aber ich könnte nicht mit ihr leben, könnte sie nicht teilen. Von nun an müssen unsre Wege auseinandergehen. Aber, Kurt . . . wie gern verweile ich bei diesem Namen als ein kostbares Glied mit dem Glück der schuldlosen Vergangenheit . . . eine Wohltat kannst Du mir erweisen, und ich fühle, daß ich ohne dieselbe von Sinnen komme. Sage mir, daß Enttäuschung — armer Kurt, Du hattest ja so viel zu tragen I — Not, Entbehrung, Kummer und Krankheit Dir momentan die Sinne geraubt hatten und Du halb im Wahnsinn die furchtbare Tat begingst. Sage mir, daß Du mit dem Erwachen tiefe aufrichtige Reue empfunden hast ... ich will es Dir gern glauben. Gib mir nur diesen einen Trost! Ich habe Dir schon seit lange vergeben, mehr vermag ich nicht.
Versuche nicht mich wiederzusehen — ich kann eS nicht ertragen — aber schreibe mir, und ich werde Dir antworten,
1910. sehung zu danken, daß sie ihm einen Herrscher beschieden hat, der nicht nur voll Tatkraft die äußere Machtstellung Deutschlands zu wahren weiß, sondern auch mit Eifer und Geschick unablässig für die Mehrung des nationalen Besitzes an Gütern der inneren Wohlfahrt und geistiger Kultur tätig ist.
Die verflossene Woche hat unS auch den Abschluß deS bereits zwei Monate andauernden Werstarbeiterstreik» und damit die glückliche Beseitigung der Gefahr einer Aussperrung von rund 450 000 Metallarbeitern gebracht. Diese» Ergebnis konnte nur dadurch erzielt werden, daß die Arbeitgeber der Wersten in ihren der Arbeiterschaft gemachten Zugeständnissen bis an die äußerste Grenze der Nachgiebigkeit gegangen sind. Sie haben damit unser nationales Wirtschaftsleben vor schweren Wunden bewahrt und der Allgemeinheit ein gewaltiges Opfer gebracht. Ob sich dieses Opfer dadurch bezahlt machen wird, daß die Arbeiterschaft die hochherzige Handlungsweise der Arbeitgeber anerkennt und ihr künftige» Verhalten demgemäß einrichtet, wird die Zukunft lehren. Wir hoffen und wünschen es von Herzen, können un» aber doch in dieser Hinsicht angesichts der zahlreichen trüben Er» fahrungen des letzten Jahrzehnts leiser Befürchtungen nicht erwehren.
Im grellsten Gegensatze zu dem freudigen Treiben, da» die deutsche Hauptstadt aus Anlaß der Jahrhundertfeier chrer Universität während der letzten Tage auswieS, steht daS düstere Bild, das Paris und mit ihm ganz Frankreich gegenwärtig darbieten. Dort hat der Generalausstandder Eisenbahner alle Nöte und Schrecknisse, die mit der Unterbindung des wichtigsten Verkehrs- und Transportmittel- im modernen Leben notwendig verknüpft find, über daS Land verhängt. In wahrhaft unheimlicher Weise beginnt bereits die Sabotage, oder die frevelhafte Zerstörung deS Arbeitgeber» eigentumS, jene nichtSwürdige Erfindung streikender Revolutionäre, ihres Amtes zu malten, und schon zeigt sich der Hauptstadt das Gespenst einer allgemeinen Hungersnot in bedrohlicher Nähe. Für alle übrigen Länder und Völker aber bedeuten die traurigen Vorgänge, die sich gegenwärtig in Frankreich abspielen, eine leuchtende Flammenschrift oder einen mahnend und warnend emporgerecklen Zeigefinger. So weit kommt es in einem Lande, dessen Regierung der Demokratisierung aller öffentlichen Einrichtungen bereitwilligst Tür und Tor öffnet und sich von den Massen drängen und treiben läßt, anstatt die Zügel der Leitung fest in Händen zu behalten. Insbesondere sollten auch die linksliberalen Kreise unseres Bürgertums, die sich nicht genugtun können in der Forderung der unumschränkten Streikrechts für die Eisenbahner, die eindrucksvolle Lehre der französischen Ereignisse recht sehr beherzigen. Streikrecht und öffentlicher Dienst, vor allem öffentlicher Ber- kchrsdienst, sind nun einmal unvereinbare Dinge, und wer sie trotzdem vereinigen will, der versündigt sich frevelnden Sinne- an der wirtschaftlichen Wohlfahrt und dem inneren Frieden det Vaterlandes.
daß mein Kummer tief, aber nicht hoffnungslos ist, und daß ich in Liebe und Mitleid Dein gedenke.
Deine Margot."
Fast zu gleicher Zeit saß Fräulein Alsen in ihrem Zimmer und las mit einem Gemisch höchster Freude und Verwirrung einen Brief, den Hauptmann von Feldern für sie zurückgelassen hatte.
Derselbe lautete:
„Meine Margot, meine Frau! Trotz allem noch meine liebe, liebe Frau I . . . Die große Hoffnung, die Furcht meines Herzens ... sie haben sich beide erfüllt. Wir haben uns wiedergesehen. Ich kann nicht in meine einsame Wohnung hier zurückkehren mit dem Bewußtsein, daß Du mir so nahe bist. Ich glaubte, ich hätte endlich gelernt, ohne Dich zu leben, aber dem ist nicht so. Ein einziger Blick auf Dein liebeS Gesicht hat mich gelehrt, daß — was Du auch seist, wie Du auch gesündigt haben magst — Du doch noch mein bist, und ich Dich nicht ausgeben kann. Nur die einzige Liebe tue mir, Margot, und kläre mich über daS entsetzliche Geheimnis von jener Nacht auf; erkläre mir, was mir so unsaßlich so unbegreiflich ist. Sage mir, wie und wozu Du in den Besitz jenes GifteS kamst . . . sage mir, daß Du in einem Anflug von Wahnsinn tatest, waS Deiner edlen Natur zu jeder anderen Zeit unmöglich gewesen wäre. Sage mir, daß irgend ein Irrtum, irgend ein traurige» Verhängnis an unserem ganzen Unglück schuld ist. Sage mit, waS meinem entsetzlichen Zweifel, dem qualvollen Verdacht ein Ende macht. Ueberzeuge mich, daß der dunkelste Flecken nicht auf Deiner Seele ruht, und laß Dich wieder an mein Herz nehmen,^kehre zurück zu der Liebe, die immer wieder hervorsprudelt gleich einem nicht zu hemmenden Strome, und die ohne Dich keine Besriedignng finden.
Fürchte nichts, Margot . . . vertraue mir! WaS Du auch getan haben magst, hier sind wir fern von allen, dir uns kennen, hier wollen wir bleiben und das dunkle Geheimnis in unserer Brust vergraben. Schreibe mir nach Downham Lodge, St. Louis, wohin ich diesen Abend noch zurückkehre.
Ewig Dein
Kurt von Feldern."