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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 123.

Dienstag, den 18. Oktober

1910.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 12. Oktober 1910.

Die unter dem Schweinebestande de» Johannes Betten­hausen in Lautenhausen auSgebrochene Rotlaufseuche ist er­loschen.

I. 10462. Der Landrat.

I. Vertr.:

W e s s e l, Kreissekretär.

DaS Proviantamt Fulda kaust fortgesetzt Hafer und Stroh und vermittelt auch den Verkauf von Roggen und Heu an andere Proviantämter deS KorpSbereichS.

Ueber die JahreSpreise gibt daS Amt aus Anfragen jeder­zeit gerne umgehenden Bescheid.

*

Hersfeld, den 11. Oktober 1910.

Wird veröffentlicht.

I. 10475. Der Landrat.

I. Vertr.:

Wessel, Kreissekretär.

Aus 3h- und Ausland.

Berlin, den 15. Oktober.

® e. Majestät der Kaiser nahm heute vormittag im Neuen Palais bei Potsdam den Vortrag deS Chefs der Marinekabinetts Admirals v. Müller entgegen.

Beider heutigen Hundertjahrfeier her Kriegs­akademie verlas Ge. Majestät der Kaiser folgende Kabinettsorder: Ich entbiete der Kriegsakademie zu dem heutigen Tage, an dem sie auf ein Jahrhundert reich gesegneten Wir­kens im Dienste deS Heeres und deS Vaterlandes zurückblickt, Meinen Glückwunsch. Als Weiland König Friedrich Wilhelm in. Majestät die Kriegsschule für Offiziere in Berlin in das Leben rief, war das große Werk der Wiederausrichtung deS preußischen Heeres fast vollendet; mit der im Geiste ScharnhorstS und nach seinen Gedanken verfügten Ordnung der militärischen Bil- dungsanstaltcn wurde in den hehren Bau der Schlußstein ein- gelassen. Und er hat sich in dieser langen schicksalSvollen Zeit bewährt von den Tagen der unvergeßlichen Erhebung Preußens an bis zu dem großen EinigungSkamps Deutsch­lands und dann weiter bis jetzt I Dank dem hingebenden Streben und der treuen Arbeit aller ihrer Glieder ist die Kriegs- akademie ihren Ausgaben, so vielseitig sie sich auch mit dem Fortschreiten der Wissenschaften auf allen Gebieten gestaltet haben, und so riesenhaft sie mit der Entwicklung der Kriegs­kunst im Lause diese» Jahrhunderts gewachsen ist, in voll­kommener Weise gerecht geworden. Mit freudigem Stolze kann Ich ihr an ihrem Jubeltage bezeugen, daß sie da» Erbe, daS ihr von Clausewitz und Moltke, den geisteSgewaltigsten ihrer

Erlöst

Roman von Tea van Husen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Schweren Herzen» und mit immer mehr sinkender Hoff­nung wagte Doktor Reinwald kaum noch einen Schritt Wetter zu tun.

Der Kleewagen kam immer näher und der liebliche Dust ^m "üt jedem Schritt voller entgegen. Sollte er die ^ i>er, welche neben dem Wagen hergingen, fragen, ob sie er Landstraße eine Dame gesehen hätten? Doch al» er " H"en stand, war es, als ob ihm die Zunge sprochen ®Qumen klebte, und die Frage blieb unausge- hn^S?^-^«!^ b'i zur Verzweiflung getrieben, hastete er orwärtS, dieAugeu unverwandt nach der Seite gerichtet, an mn . k d" Telegrophenstangen hinzogen. Die Lust war XS

Dokt'ms^ Innert ^* ^ der herrschende Gedanke in deS 9/>n^t> kmn auch der Hundekarren vorüber und die fiJ., 'S schleppten sich in demselben langsamen trägen 'hm näher. Außer ihnen sah er kein lebende» mehr vor sich, und Doktor Reinwald verminderte mL,Se' "w sie an der Stelle vorüber zu lassen, bevor da war'^ ^«ohl er fühlte, daß Linda nicht fieiqatTfit^ immer näher. Seine Ausregung B Unb S ^ zur Unerträglichkett. .Ist sie da?" blühenden Steck?intt,r? V ^ Dort stand ein Busch Was nun 2 &" « ^ war er auch an dem vorüber. Was^nun? Noch immer keine Spur von feiner teueren nirdn"^ tank «schlittert in das Gra»

M Gesicht in den Händen und schluchzte

Lehrer, hinterlassen war, treu zu wahren und zu mehren ge­wußt hat. So ist sie eine Hochburg der Kriegswissenschasten geworden, weit über die Grenzen des Vaterlandes hinaus vorbildlich wirkend in ihren Einrichtungen und Zielen. Ihr hierfür Meinen königlichen Dank und Meine uneingeschränkte Anerkennung kund zu geben, ist Mir ein Herzensbedürfnis. Möge der Geist, der die Kriegsakademie zu dem hat werden lassen, waS sie geworden ist, der Geist gewissenhaftester Pflichterfül­lung, voll der unbedingten Hingabe an die ernsten Forde­rungen deS soldatischen Berufes bis in die fernste Zu­kunft in ihr lebendig bleiben und reiche Frucht tragen zum Segen des Vaterlandes, zum Wohle Meines tapferen HeereS l

DaS neue Stellenvermittlergesetz ist seit dem 1. Oktober in Kraft getreten. Amtlich wird jetzt noch auf folgendes aufmerksam gemacht: Die ortspolizeiliche Ge- bührentaxe, die in jedem Stellenvermittlung-bureau aushängen muß, enthält nur die Höchstbeträge der zulässigen Gesamt- gebühren. Von letzterem ist je die Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu zahlen, wenn beide die Stellenvermittlung in Anspruch genommen haben. Die Stellenvermittler dürfen die Höchstsätze der Taxe nicht überschreiten, wohl aber billiger vermitteln. Eine Vereinbarung, daß der Arbeitnehmer die ganze Gesamtgebühr zahlt, ist nach dem Gesetz nichtig. Zur Beseitigung vielfältiger Mißstände ist die Taxe nicht nach Lohnklaffen der Dienstboten abgestuft, sondern für Vermittlung von städtischem Dienst- und HauSpersonol aller Art einheitlich auf 6 Mk. im Höchstbeträge (Gesamtgebühr), also für jeden Teil höchstens 3 Mk., festgesetzt worden. Die Festsetzung eines mäßigen Höchstbetrages joll u. a. die Vermittler zwingen, beide Hälften der Gebühr sortan auch wirklich zu erheben, damit es erschwert wird, die Dienstboten zum unnötigen Stellenwechsel zu bewegen. Voraussichtlich wird nun versucht werden, zur Umgehung dieser Vorschriften denMietStaler" zu benutzen. Es fei daher daraus hingewiesen, daß die Dienst- und Mietsverträge an eine Form nicht mehr gebunden und die Vorschriften der §§ 22 und 23 der Gesinde-Ordnung, wo­nach die Hingabe und Annahme des MietsgeldeS beim Ge- sindevermieten die Stelle eines schriftlichen Vertrages vertrat, bedeutungslos geworden sind. Das übrigens vom Lohn abziehbare Mictsgeld (MietStaler) braucht also nicht be­zahlt zu werden, und der Dienst- und Mietsvertrag wird auch ohne dessen Hingabe nur durch mündliche Vereinbarung gültig abgeschloffen.

DerUebergangeineSostpreußischenRitter- guteS in polnische Hand wird von derGazete OlsztynSka" gemeldet. Es handelt sich um das im Kreise Gerdauen belegen«, 1280 Hektar große Rittergut Lindenau, daS von der Gräfin Mielzynska aus Siedlec bei Schroda für 1320 000 Mk. erworben worden ist.

In welchem Maße sich diePolen inWestdeutsch- land in geschlossenen Massen angesiedelt haben, hat schon die letzte Volkszählung gezeigt, und es ist sicher, daß uns die

träncnlosen Auges seines Herzens tiefsten, brennendsten Kummer aus.

.O Linda, Linda, mein Kind, meine Geliebte! Komme zurück zu mir; und nie, nie, soll mir der verräterische Gedanke wiederkommen, eine andere zu wählen, um in diesem Herzen den Platz, der allein Dein eigen ist, auszusüllen. Warum war ich nicht zusrieben mit der Liebe meiner Adoptivtochter? WaS sind mir alle Frauen und Reichtümer der Welt, ohne das süße Lächeln meiner Linda? Komm an daS treue Herz Deine» Werner, der um Deinetwillen heilig gelobt, jedem Ehebündnis zu entsagen, als dem mit Dir, welches nur die Angst, Dich dadurch auS dem Hause zu vertreiben, hinter- trieb!"

WaS war das für ein Geräusch hinter der Hecke? Eine schlanke Gestalt wurde sichtbar und unter den Telegraphen- drähten tauchten in inniger Dankbarkeit zwei wunderbare Augen aus. Dann glitt Lindas leichter Fuß schnell über den Boden hin.

Im nächsten Moment kniete sie an der Seite des ManneS, welcher der erste war, der ihr junges reines Herz ganz und voll erfüllt hatte. .Werner, soll ich Dich wiederPapa" nennen?"

Die Stimme klang weich und leise, und doch gab sie Werner ReinwaldS Herz einen mächtigen, elektrischen Schlag. Noch ein kurzer Moment und' daS glückliche Mädchen sank willig in die offenen Arme dessen, der sie liebte I

XX.

Der Fremde, den wir aus der Landstraße verließen, welche nach der Stadt führte, in welcher Doktor Reinwald früher gewohnt hatte, war, dort angelangt, in das erste Gasthaus gegangen. Nachdem er sich eine Erfrischung und ein separates Zimmer bestellt hatte, nahm er daS letztere in Beschlag und drehte vorsichtig den Schlüssel in der Tür herum. Daraus zog er auS der Tasche daS alte Sammetmieder hervor, welches er auf der Landstraße gesunden hatt«.

Aha! Mein geistreiches Fräulein!" sprach er,so also befolgen Sie Ihrer Mutter feierliche Mahnung? Ein son-

kommende Zählung noch ganz andere Zahlen liefern wirb1 Schon 1905 machten die Polen in 1219 Gemeinden de» westlichen Preußens mehr als 10 v. H. der Einwohnerschaft aus, bildeten sie in 414 Gemeinden mehr als ein Viertel der Bewohner und waren sie in 67 Gemeinden den Deutschen gegenüber sogar in der Mehrheit. Wenn eS sich nun auch da, wo die Polen einen erheblichen Teil der Einwohnerschaft bilden, durchweg um unbedeutende kleine Gemeinden handelt, so ist doch allein die Tatsache, daß in mehr alS einem halben Hundert Orten im deutschesten Deutschland die Polen die Majorität besitzen, an sich schon von politischem Interesse.

Die deutsche Schutzherrschaft über die Marschall-Jnseln besteht jetzt 25 Jahre. Am 15. Okt. 1885 stellte der Kommandant deS .Nautilus" Kapitän Rötger durch feierliche Flaggenhiffung auf der Insel Jaluit sämt­liche Inseln der Marschallgruppe sowie die Brown- und Providence-Jnscln unter deutschen Schutz, nachdem ein Ver­trag mit den Häuptlingen unterzeichnet worden war. Der Flächeninhalt dieses Gebietes betrug 1500 englische Quadrat­meilen. Aus Jaluit gehörten die bedeutendsten Handels­niederlassungen schon längst der Deutschen Handels- und Plantagen - Gesellschaft. In der Zeit vom 17. Oktober bis 7. November erfolgte die Flaggenhiffung auch aus den übrigen größeren Inseln dieser Gruppe. Seit dem 1. April 1906 ist die Verwaltung der Marschall-Jnseln, die bis dahin in den Händen der Jaluit-Gesellschajt lag, endgültig vom Reiche übernommen.

In Wien hat dieEr'ssnung der österreichisch­ungarischen Delegationen mit einer Thronrede deS Kaisers Franz Joses stattgesunden, der u. a. sagte:Mit Beruhigung kann ich Ihnen mitteilen, daß unsere Bündnisse mit dem Deutschen Reiche und mit dem Königreich Italien wennmöglich noch fester mro inniger geworden sind. Sehr befriedigend sind auch unsere Beziehungen zu allen anderen Mächten." Der Kaiser empfahl sodann die Bewilligung der neuen militärischen Forderungen, bei denen sich die HeereS- und Marineverwaltung aufs notwendigste beschränkt habe.

Wiederum werden Unruhen in China gemeldet. Wie aus Peking gedrahtet wird, haben 500 Mann der Grenztruppen gemeutert und mit Hilfe von Parteigängern des Lama Tschung tien im nordwestlichen Teile der Provinz Dünnan besetzt. Truppen sind zum Entsatz der Stadt ab- gesendet worden, und man erwartet nicht, daß sie aus ernsten Widerstand stoßen werden.

Das Lullusfest zu Hersfeld.

Von F. H.

Bruder LollS!

Wieder beginnen in HerSfeld die Tage eines frohen Feste», welches alljährlich Mitte Oktober in der Woche, in welcher der 16. Oktober fällt, gefeiert wird. Wohl gibt e» in Deutsch.

derbarer Platz zur Aufbewahrung für derartige Andenken, die öffentliche Landstraße! Ich fürchte, Sie wissen das kuriose alte Ding nicht so zu würdigen, wie es dasselbe verdient. Sehen wir, inwiefern eine solche Behandlung nicht berech- tigt ist."

Dabei zog er ein Federmesser auS der Tasche und fing an, den Oberstoff des fadenscheinigen Sammetmieder» auszu- trennen.

Vielleicht kann ich es noch zu etwas verwenden, wie sparsame Hausfrauen sagen würden", fuhr der Fremde hämisch lächelnd fort.Der Kern scheint gesund", fügte er eifrig hinzu, als sein Blick aus ein Papier fiel; doch nachdem er dasselbe hervorgezogen und entfaltet hatte, war eS nicht» weniger als eine gesunde Röte, welche in des LeserS Gesicht ausstieg.

Er preßte die Hand vor die Stirn und murmelte:Nur zu wahr! Nur zu wahr!"

Jetzt näherten sich hallende Schritte, und Papier wie Mieder rasch verbergend, eilte er der Tür zu, drehte ge­räuschlos den Schlüssel wieder um und öffnete die Tür, als ob er im Begriff stände, das Zimmer zu verlaffen. Die Wittin kam, um den Tisch zu decken. So ging er wieder zurück, und ließ sich in eine Unterhaltung mit ihr ein.

DaS scheint ein ziemlich stilles Städtchen zu sein", hob er an.E§ kommen wohl selten Fremde hierher?"

Es geht an", erwiderte die Gcsragte.AuS der Um­gegend kommen die Leute öfter herein und da wir ungefähr eine Stunde von hier eine schöne alte Schloßruine haben, werden von größeren Gesellschaften im Sommer häufig Partim nach hier gemacht."

Und da ist Ihr Gasthaus der Ruheplatz. Nicht wahr?"

Ja, mein Herr, wir haben in den Sommermonaten immer viel zu tun, und unsere Wagen werden nicht leer. Mein Mann hat schon daran gedacht, einen Omnibus anju- schaffen. Wir sind die einzigen im Ort, die Wagen ver­mieten, und die stehen bei Ankunft eines jeden Zuge» vor dem Bahnhof. Heute haben wir tvieder eine Menge Fahr-