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Herzfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt' undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernfprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 126.

Dienstag, den 25. Oktober

1910.

Amtlicher teil.

HerSseld, den 18. Oktober 1910.

Der Landes-AuSschuß hat in seiner Sitzung vom 21. September dr. Js. beschlossen, für daS Jahr 1911 von der Erhebung einer Viehseuchenabgabe für Pferde u. f. w. mit Rücksicht aus die Höhe deS Reservesond» in diesem Abschnitt vergleiche § 9 deS Reglements vom 7. Dezember 1881 abzusehen, dagegen die Erhebung einer dreifachen Abgabe für Rindvieh 15 Pfg. für jedes Stück anzuordnen. Der Herr Oberpräsident hat die hierzu erforderliche Ge­nehmigung bereits erteilt.

Den Herren OrtS- bezw. Gutsvorständen werden in den nächsten Tagen die erforderlichen Formulare zugehen.

Ich ersuche die Zählung deS Viehbestände- am 2. November d. JS. sorgfältig vorzunehmen, die erforderlichen Einträge in die Verzeichnisse zu machen und mir dieselben bis zum 15. November d. JS. einzureichen. Ich werde eine Nachprüsung der erfolgten Zählung durch die Königliche Gendarmerie vornehmen lassen.

Ich mache besonders daraus aufmerksam, daß die Aus­nahme deS Pferde- pp. Bestandes für statistische Zwecke ebenfalls ersorderlich ist. Die Spalte für den Abgabenbe- trag bleibt jedoch hierfür unauSgesüllt.

I. 10628. Der Landrat.

I. Vertr:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 20. Oktober 1910.

Die Ortspolizeibehörden de» Kreise- mache ich besonders aus die im Amtsblatt Nr. 41 abgedruckte Polizei-Verordnung, betr. die Abänderung der Polizei-Verordnung über die Ein­richtung und den Betrieb von Bierdruck-Borrichtungen vom 19. Mai 1909 Amtsblatt 6. 154 ff. ausmerksam und ersuche, die Durchführung der Bestimmungen genau zu überwachen.

I. 10302 a Der Landrat.

I. Vertr: ___________Wessel, KreiSsekretär.

HerSseld, den 19. Oktober 1910.

In Carl HeymannS Verlag in Berlin Mauerstraße 43/44, ist kürzlich das von dem Vaterländischen Frauen-Verein (Haupt- verein) zum erstenmal herauSgegebeneHandbuch deS Vater- ländischen FrauenvereinS" erschienen. Der auf 6 Mk. bemessene Ladenpreis ermäßigt sich für Behörden, Beamte und Wohl- sahrtscinrichtungen auf 5 Mk. für daS Exemplar.

Ich mache die interessierten Kreise auf daS Erscheinen des Werks aufmerksam.

I. 10751. Der Landrat

von GruneliuS.

Unter Bezug auf die Bekanntmachung vom 8. Januar

rtö$t

Roman von Tea van Hufen.

(Nachdruck verboten.)

' (Fortsetzung.)

XXII.

Doktor ReinwaldS namenloser Schreck, ali er am solgen- den Morgen nach Hause kam und Linda vermißte, mag sich I Achter vorstellen ali beschreiben lassen. Lindas freiwillige 9tn ihrer Gesühle am gestrigen Tage und ihre Glückseligkeit über die Wendung, welche die Dinge genommen N?len, schlössen die Möglichkeit vollkommen auS, daß ihre Abwesenheit bai Werk ihre- eigenen Willen- hätte sein können, E der Gedanke, daß der Mann, welchem er sie so unbesorgt vertraut hatte, sie an einen anderen Ort, alt unter da- Dach '^glährigen Beschützer- gebracht haben könnte, wollte keinen Raum in ihm finden.

waren zuerst dem Hotel de Rome zuge. V", .. Die Antwort, welche er dort empfing, lautete, der 7 bereits seit mehreren Tagen abwesend, und W zurück gekehrt. WaS nun? Wo sollte er Wvunbcn ^"" Zweisel, auch der Gras war ver- Er eilte zu feinem Bruder, um von diesem zu hören, Cr*^ .dem Grafen Rossi etwas gehört habe; KnZj ^nig Ersolg. Sein nächste» Ziel war dein »er8 Wohnung. Der Baron war soeben nach dorchim ^"S'"- Doktor Reinwald folgte ihm der ^nsLS Klassen neben Altenhosen an einem J " Bogenfenster. Er laS aufmerksam in einer Zeitung dem Blatt." Doktor- Nähertreten nicht"den"°BUck von axSs^

«Lieber Altenhosen, verzeihen Sie", sagte Doktor Reinwald

1910, Amtsblatt Nr. 3 vom 19. Januar 1910, wird hier­durch erneut bekannt gemacht, daß der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hus- beschlaggewerbeS hierselbst am Sonnabend, den 17. Dezember, vormittag- 9 Uhr, in der Schmiede des Obermeisters Schade wird abgehalten werden.

Cassel, am 3. Oktober 1910.

Der Vorsitzende der staatlichen Hufschmiede-PrüfungSkommission deS Regierungsbezirks Cassel:

Veterinärrat Buch.

* *

HerSfeld, den 20. Oktober 1910. Wird veröffentlicht.

I. 10570. Der Landrat.

I. Vertr.:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSfeld, den 19. Oktober 1910.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des KreiseS, welche meine Verfügung vom 4. Oktober d. JS., I. Nr. 9983, Kreisblatt Nr. 121, betreffend den Bedars an QuittungSformularen pp. noch nicht erledigt haben, werden mit Frist von 3 Tagen hieran erinnert.

I. 9983II. Der Landrat.

I. Vertr:

W e s s e l, KreiSsekretär.

HerSseld, den 20. Oktober 1910.

Der Landwirt Johannes Hebig in Rotensee ist als Bürger- meister dieser Gemeinde gewählt worden.

Ich habe diese Wahl bestätigt und den Gewählten heute verpflichtet.

A. 7417. Der Landrat.

von GruneliuS.

HerSseld, den 21. Oktober 1910.

Bei einem auf polizeiliche Anordnung getöteten Pferde des Kaufmanns Brack in Niederthalhausen ist Rotz amtlich fest- gestellt worden.

I. Nr. I. 10802. Der Landrat.

I. Vertr.:

Wesfel, KreiSsekretär.

nichtamtlicher feil

Um festen.

Die ersten Nachrichten über eine Drohnote, die England nach Teheran gerichtet habe, konnten den Eindruck erwecken, daß England die Austeilung deS persischen Reiches in Angriff nehmen wolle. Die liberale Presse Londons war damit nicht einverstanden, und auch der »monistischeDaily Graphit"

hastig,ich habe aber ein Wort mit Ihnen zu reden. Können Sie mir einige Minuten schenken?"

Mit Vergnügen", antwortete der Leutnant, sich er- hebend.Aber war ist Ihnen? Sie sehen ordentlich ver­stört aus."

Mir ist auch, als müßte ich wahnsinnig werden vor Angst", sagte der Doktor.Linda, meine Adoptiv- tochter, ist verloren ; wenigsten- ist sie verschwunden I Sie ist nicht nach Hause gekommen und Graf Rossi war bei ihr."

Wie, wollen Sie damit sagen, der Mensch sei mit ihr durchgegangen?' rief Baron Altenhosen.

Nein, das nicht", entgegnete Reinwald,obgleich ich noch nicht weiß, waS ich davon denken soll. Wir waren gestern in N. und ali wir bereit- im Coupee zur Heimsahrt saßen, traf er uni. Durch einen unglücklichen Zusall blieb ich zurück. Da ich ihn aber bei Linda im Coupee wußte, war ich über sie beruhigt und telegraphierte ihr in diesem Sinne. Mit dem Nachtzug folgte ich, und ale ich heute morgen zu Hause eintreffe, erfahre ich, daß man weder von ihr noch von dem Grasen etwa- gehört oder gesehen hat. WaS kann Ihnen zugestoßen sein? Reden Sie, waS denken Sie?"

Doktor", sagte Altenhosen mit Nachdruck,so leid eS mir tut, eS sagen zu müssen, kann ich Ihnen doch nicht ver­hehlen, daß ich seit letzter Zeit ernste- Mißtrauen gegen jenes Mannes Ehrenhaftigkeit hege. Vielleicht tue ich ihm Unrecht, und hoffe eS sogar ausrichtig, aber wenn ich ein so schönes Mädchen wie Ihre Tochter zu beschützen gehabt hätte, so würde ich sie sorgfältigst schon ^ot seinen Blicken gehütet haben."

Baron, Sie glauben doch nicht etwa, daß er sie entführt hat?" rief der Doktor.

Ich sage gar nicht-, bis ich Beweise habe", entgegnete jener.Kommen Sie, lassen Sie unS gehen; ich helfe Ihnen sie suchen. Ich werde nicht ruhem bis sie gesun­den ist."

Damit legte er den Arm de- bebenden Doktors in den feinen und zog ihn fast auS dem Zimmer.

erhob seine warnende Stimme gegen ein Vorgehen, daS auf eine Besetzung der südlichen Länder Persien» hinauSlauf«. Dabei war weniger der Gesichtspunkt maßgebend, daß daS russisch-englische Abkommen die Unabhängigkeit PersienS garan­tiere und eine Austeilung eine Beeinträchtigung der Interessen dritter Staaten enthalte. Vielmehr wurde geltend gemacht, daß eine Gewaltpolstik gegen Persien nicht ohne beträchtliche militärische Mittel durchzusühren sei, die viel nötiger in Indien gebraucht würden, wo ja in der Tat, und zwar sowohl im Inneren wie an den nördlichen Grenzen, der Geist der Em­pörung gegen die englische Herrschaft beträchtliche Fortschritte gemacht hat.

ES hat sich nun herausgestellt, daß die letzte englische Note nicht mit militärischer Besetzung im persischen Süden droht, sondern nur die bessere Sicherung der Karawanenstraßen durch eine Polizestruppe verlangt. Auch daS mag noch der Anfang sein zu einer späteren Festsetzung im Hasen bei per­sischen GolseS. Immerhin bleibt daS alte englische Interesse daran bestehen, in Persien lieber einen leidlich haltbaren Schutz- wall gegen Rußland als diesem zum unmittelbaren Grenz- nachbar zu haben.

DaS englisch-russische Abkommen war in England so populär, als eS als ein Glied in der Kette erscheinen konnte, die um die deutsche Politik gelegt werden sollte. Nachdem diese Kette durch das Auftreten Deutschlands an der Erste seines österreichisch-ungarischen Bundesgenossen in der bos­nischen Frage gesprengt worden ist und die Russen in Nord- persien eingerückt sind, machen sich auch die Schattensesten bei Abkommens deutlicher geltend. Im ganzen vorigen Jahr­hundert war die englische Politik von der Sorge beherrscht, den russischen ExpansionSdrang nach ben indischen Grenzen und dem arabischen Meere aufzuhalten und gegen ihn Puffer­staaten zu schaffen. Nach der allmählichen Eroberung der turkestanischen Länder durch die Russen gelang ei, Afghanistan unter den vorherrschenden Einfluß Englands zu bringen. In Persien dauerte die englisch-russische Rivalität fort. Nach der inneren Umwälzung in Persien und dem Uebergang zu einem konstitutionellen System würden die überwiegenden Sym­pathien dem liberalen England zugesallen sein, wenn dieses sich nicht mit Rußland verbunden hätte.

Die weitere Entwicklung der Dinge wird aber auch wesentlich davon abhängen, ob ei der Türkei gelingt, gegen Rußland daS von ihr beanspruchte und besetzte persische Grenz­gebiet und gegen England seine Oberhoheit am unteren Lause der Flüsse Euphrat und Tigris zu behaupten. England hat bereits den Scheich von Kuweit abspenstig gemacht und scheint ein Gleiches auch mit dem Scheich von Mohammera in der Nähe von BaSra zu versuchen. In dem einen islamitischen Reich, Persien, wird wahrscheinlich der innere Zerfall sort- schreiten; die Frage ist aber, ob nicht an dem andern islami­tischen Reiche, die im europäischen Teil begonnene innere (Erneuerung ihren Einfluß bis zum persischen Gols er­strecken wird und dort allen türkischen Besitz festzuhalten vermag.

Wohin gedenken Sie zuerst zu gehen?" fragte der Doktor, den alle Kraft zum Handeln und Denken verlassen zu haben schien, nun eine neue Angst von ihm Besitz genommen hatte.

Nach dem Bahnhof", lautete die Antwort.Wie ich sehe, steht Ihr Wagen vor der Tür."

Gleich daraus saßen beide neben einander in dem leichten Doktorwagen und rollten dem Bahnhof zu.

Fürst Lichtenberg hob ruhig den Kopf, und folgte ihnen mit den Blicken die Straffe entlang. Er hatte von ihrem hastigen, halb geflüsterten Gespräch genug ge­hört, um den Zweck ihrer Wanderung zu kennen, und er lächelte, als er daran dachte, wie schlau er sie be- trogen hatte, und wie fruchtlos ihre Nachforschungen sein würden.

xxm.

Es war eine dunkle Nacht. Linda saß lauschend und ungesehen auf dem Rande ihres Better. Wieder und wieder flüsterte sie die geheimnisvollen Worte vor sich hin, welche ihr schon den ganzen Tag in dem Kopse herum- gingen.

Sie hatte sie aus einem Zettel gelesen, der sorgsältig zwischen der Wäsche verborgen war, welche ihr am Morgen die Wäscherin gebracht hatte. Sie lauteten:

Sei heute nacht Punkt Zwölf an der Nordseite deS Gartens, wenn Du kannst. Ein Freund harrt dort Deiner. W."

Die Buchstaben waren so winzig klein, daß sich die Hand, welche sie geschrieben hatte, daraus schlecht erkennen ließ, trotz- dem aber meinte sie Spuren von Dokror Reinwald» Schrift- zügen darin zu finden.

Er hat natürlich nicht die Macht, mich offenen Ange­sicht- au» der Autorität meines Vaters zu besreien", sagte sie sich.Und vermutlich hat dieser mich hier erst ganz fest wissen wollen, bevor er Werner gesagt, waS er getan hat. Armer Werner I Wie trostlos mag er gewesen sein, daß man ihm seine kleine Linda geraubt hat. Ja, ich muß und werde zu der bestimmten Stunde in dem