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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 129.

Dienstag, den 1. November

1910.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 28. Oktober 1910.

Unter den Geflügelbeständen deS Landwirts Johannes Stein, Wehnes und der Witwe Schaub in Beiershausen ist die Geflügelcholera ausgebrochen.

I lins. Der Landrat.

I. Vertr.:

Wessel, Kreissekretär.

Hersseld, den 27. Oktober 1910.

Die Aktiengesellschaft Kaliwerke Hattorf in Philipps­thal hat aus ihrem Grundstückaus der Ufflange 275 m" in der Gemarkung Philippsthal eine

Lhlorkali«n»fabrik

erbauen lassen.

Die Zeichnungen und Beschreibungen für diese Anlage liegen während der nächsten 14 Tage in meinem Büro zu Jedermanns Einsicht offen.

Einwendungen hiergegen können innerhalb dieser Zeit bei mir schriftlich in zwei Ausfertigungen oder zu Protokoll ange­bracht werden.

Rechtzeitig erhobene Einwendungen werden im mündlichen Verhandlungstermin am

$onntrM den 17. Remter h. U

vormittags 10 Uhr

in meinem Geschäftslokale auch im Halle deS Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden erörtert werden.

Die Abwässer der Anlage werden in die Werra bczw. Ulster abgeleitet. Zunächst kommen 2500 D.-C. Rohsalze zur Verarbeitung.

I. 11043. Der Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher Ceil.

Berlin, den 30. Oktober.

Prächtiges Herbstwetter begünstigte die heute aus dem Döberitzer Gelände abgehaltene Königliche Parforcejagd, an welcher S e. Majestät der Kaiser, der Kronprinz, die Kronprinzessin, Prinz und Prinzessin Eitel-Friedrich und Prin­zessin Viktoria Margarete, sowie 11 Damen und 123 Rotröcke teil- nahmen. An der Kommandantur wurde Sr. Majestät und die Höchsten Herrschaften vom Master Grafen v. Spee empfangen und vom Jagdfelde begrüßt, wonach bis zur Artur- linde gezogen wurde; die Jagd mit 21 Koppeln aus einen zweijährigen Keiler begann um 1 Uhr. Der flotte Ritt hinter

krlöst.

Roman von Tea van Husen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Nun, jedensalls wollen wir keine Zeit verlieren", s _ Doktor Reinwald.Morgen in aller Frühe suche ich Raben­horst auf. Jetzt aber wirst Du müde sein, mein Liebling. Ich werbe das Mädchen rufen, damit sie Dir etwas zu essen bringt."

sagte

»Nein, ich danke. Ich bin nicht hungrig."

Seine Hand war an der Klingel, doch Linda hielt ihn zurück.

. »Wenn Du durchaus darauf bestehst, hole ich mir selbst nn Glas Wein und ein Bisquit."

~ »^ieh, mein Lieb", sprach er, als Linda mit dem .Alten zurück kam, und er ihr das Blatt Papier "Ae, welches den Aufruf an sie enthielt.Ich wollte nichts unversucht lassen, mein verlorenes Kleinod wieder zu er­langen."

, Linda lachte gezwungen, aber die Tränen traten ihr dabei m die Augen.

Als sie sich für diese Nacht von einander trennten, Cm ^'"du- als ob des Doktors bisher so Väter- 'cher Gutenachtkuß ihr etwas ganz Neues sei. Und sie begreift», daß sie ihn jahrelang wie selbst- können *$' °^ ""b gleichgültig hatte hinnehmen

XXV.

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0 einen innigen Kuß auf ihre Stirn drückte,und

den Hunden währte 21 Minuten, alsdann ertönte am Schwarzen Berge Halali. Der von der Meute gedeckte Keiler wurde vom Hauptmann Grasen Rädern vom I.Garde- Feldartillerie-Regiment unter Mithülfe des Oberleutnants v. Rundstedt vom Garde-Füsilier-Regiment ausgehoben. Se. Majestät gab den Fang und verteilte an die Jagd- gefellschaft die Brüche, woraus die Halalisansare die Jagd be­endete.

Der verhältnismäßig günstige Abschluß deS R e i ch S r t a t s s ü r 1911 war, wie halbamtlich betont wird, nicht ohne Schwierigkeit zu erreichen. Die bisherige Entwicklung der Reichseinnahmen nötigt dazu, die Ausgaben in engen Grenzen zu halten, wenn das Gleichgewicht erzielt werden soll. Der Voranschlag sür das Etatsjahr 1910 rechnete damit, daß die neu bewilligten Zölle und Steuern nicht alsbald den Ertrag würden bringen können, zu dem sie für den Beharrungszustand geschätzt waren, und er bemaß deshalb die Einnahmen in vorsichtigster Weise. Es zeigt sich, daß diese Vorsicht nicht übertrieben gewesen ist. Wie mehrere der neuen Steuerquellen, so haben auch einzeln ältere Einnahmen den Erwartungen im laufenden Jahre nicht voll entsprochen, und wenn dasür bei einigen anderen Steuern das Halbjahrsergebnis die Schätz­ungen übersteigt, so läßt sich doch schon jetzt übersehen, daß die Gesamteinnahme sür 1910 den Anschlag knapp erfüllen wird. Unter solchen Umständen kann der Etat sür das Rechnungsjahr 1911 in seiner Schätzung der Zölle und Steuern nicht allzuweit über den gegenwärtigen Etat hinaus­greifen. Zur Herstellung des Gleichgewichts müssen daneben auch erhöhte Ueberschüsse der Betriebsverwaltungen deS Reichs, vor allem der Reichspost beitragen. Außerdem sind die Er­trägnisse in Rechnung zu ziehen, welche der dem Reichstag vorliegende Entwurf eines Zuwachssteuergesetzes erwarten läßt. Der Heranziehung dieser Erträgnisse wird es auch be­dürfen, um unsere Veteranen über das jetzige Maß hinaus zu versorgen. Weiter wird versichert, daß nur durch weitestgehende Einschränkung und Sparsamkeit bei allen Ver- waltungSzweigcn unter sorgsamer Berücksichtigung aller im Reichsinteresse unbedingt notwendigen Ausgaben der Anleihe- bedarf aus etwas über hundert Millionen reduziert werden konnte.

Mit Rücksicht auf eine Wiederbeschäftigung von Reservisten im S ta atsb ahn b et ri eb e hatte Minister v. Breitenbach Ende v. I. angeordnet, daß alljährlich eine Nachweisung der Zahl der im verfloffenen Jahre wieder zur Beschäftigung im Arbeiterverhältnis angenommenen Reser­visten bis Mitte Januar dem Minister vorgelegt werden solle. Ein neuerlicher Erlaß verlangt nun weiter, daß in den Nach- Weisungen die Gründe angegeben werden in allen denjenigen Fällen, in denen Gesuchen von Reservisten um Wiederbe­schäftigung im Eisenbahndienst nicht hat Folge gegeben werden können.

Die BundeStreue Deutschlands wurde im Ausschuß der österreichischen Delegation für die auswärtigen

bringe nicht einmal etwas mit, nicht den kleinsten Funken Hoffnung."

Hast Du ihn nicht gesehen?"

Er ist fortgereift. Niemand weiß wohin."

Sie sahen sich eine Weile schweigend an, und ein jeder las in des andern Gedanken.

Ich fürchtete es schon", meinte Linda dann.

Ja, er ist uuS leider entwischt", nickte der Doktor, und beide schwiegen wieder.

Was tun wir nun?" begann Linda von neuem.

Wir müssen Gras Rossi'S Rückkehr abwarten. Er muß doch einmal wiederkommen, und nun ich mein Kleinod wieder habe, kann ich geduldig warten."

Wie aber, Werner, wenn er darauf dringt, daß ich in daS schreckliche Institut zurückgche? Ach, Werner, nicht wahr, Du würdest mich nicht gehen lassen, Du würdest mich schützen?"

Sie klammerte sich hülseflehend an ihn und er schloß sie fest in feine Arme.

Nein, mein Lieb, nie wieder lasse ich Dich von mir. Und was würde meine kleine Linda dazu sagen, wenn ich, um meine Macht, die eine solche Möglichkeit verhüten kann, vollständig zu machen, sie morgen srüh in aller Stille in die Kirche sühre und den Goldreif an ihren Finger stecke, der sie mit ganz zu eigen gibt?"

So bald schon, Werner?" fragte sie bebend.

Wir kennen unS ja bald so lange Du lebst, mein Lieb- ling. Aus waS sollen wir noch warten? Die gesetzlichen Formalitäten habe ich ja schon ersüllt."

Aber nun, wenn Du eS wünschtest. Aber es kommt so plötzlich!"

Ich danke Dir, mein Herz I* rief Reinwald glückstrahlend. So dars ich es für abgemacht ansehen?"

Muß es denn morgen sein?"

Ich bestehe nicht gerade auf den Tag, wenn D» nicht die Gefahr einer Verzögerung sürchtest."

Dann lassen wir es biS übermorgen", bat Linda.Ich kann den Gedanken an einen solchen Wechsel nicht so schnell fassen. *

Angelegenheiten rühmend hervorgehoben. Deutschland habe nicht gezögert, nicht geschwankt, um seine BundeSfreundschaft in vollstem Maße zu gewähren. Es habe sich vom Beginn der bosnischen Krisis vorbehaltlos an Oesterreichs Seite ge­stellt. Diese Haltung Deutschlands, die eine so hohe Auffassung der Bündnispflicht zeigte, würde in Oesterreich unvergessen bleiben.

Die Reichstagskommission für die Reichsver­sicherungsordnung hat am vergangenen Freitag die erste Lesung dieser komplizierten sozialpolitischen Vorlage endlich zum Abschluß gebracht. Die zweite Lesung soll nach einer Vereinbarung der Kommission mit den Vertretern der ver­bündeten Regierungen am 10. November beginnen, und zwar beim Buche von der Unsallversicherung. Ob eS möglich fein wird, die ReichsversicherungSordnung in der Kommission biS zum 22. November, dem Tage deS Wiederzusammentritte» des ReichStagsplenums, zu verabschieden, das bleibt immerhin fraglich. WaS die Reichstagskommission für die Novelle zur Strafprozeßordnung anbelangt, so schreitet die zweite Lesung der Vorlage verhältnismäßig rasch vorwärts, sodaß eS vielleicht gelingen wird, diese wichtige Beratungsmaterie biS zum 22. November für die weitere Behandlung im Plenum sertigzustellen. Der Entwurs deS SchiffahrtSabgaben- gesetzeS ist dem Reichstage auS dem Bundesrate noch in der letzten Oktoberwoche zugegangen. Die Reichstagsabgeordneten haben also bis zum Wiederbeginn der Plenarverhandlungep hmlänglich Muße, diesen ebenso bedeutsamen wie schwierigen neuen gesetzgeberischen Stoff zu studieren, der in erster Plenar- lesung noch vor der WeihnachtSpausc des Reichstages erledigt werden soll.

Der preußische Landtag soll, wie in unterrichteten Berliner Kreisen verlautet, am 10. und 11. Januar 1911 zu seiner neuen Session cinverufen werden.

Am Freitag tratP. 6" um 11 Uhr 30 Minuten von BordeSholm seine Fahrt nach Kiel an, obwohl der Nebel den Ausblick noch erheblich behinderte, und traf um 11 Uhr 40 Minuten in schneller Fahrt aus dem städtischen Sport- und Spielplätze ein, begrüßt von dem Jubel der unabsehbaren Menschenmenge. Es war ein großartiger Augenblick, als der Ballon in schönem Fluge aus den Platz zusteuerte und dort von der gerade in diesem Augenblick durchbrechenden Sonne beschienen wurde. Die Kapelle deS Infanterieregiments Nr. 85 intonierte bei der AnkunftSchleSwig-Holstein meerum- schlungen" undDeutschland, Deutschland über alleS". Die auf dem Platze anwesenden Schulkinder stimmten mit ein. Die Landung vollzog sich sehr glatt. DaS Luftschiff wurde aus dem Landungsplatz von dem Ches der Marinestation der Ostsee Admiral Schröder, dem Präsidenten des Verein- für Motorlustschiffahrt Vizeadmiral zur See Grasen v. Moltke und dem Polizeipräsidenten von Echröter (Kiel) begrüßt. Exzellenz von Moltke beglückwünschte Oberleutnant Stelling zu dem glänzenden Erfolg und gab der Hoffnung Ausdruck, daß er das Luftschiff noch oft nach Kiel führen möge. Um

Gut also 1 Meine liebe Linda, eS sei, wie Du willst. Aber sage, würdest Du mich heute Abend zu meinem Bruder begleiten, damit wir ihn und seine Frau bitten, unsere Hochzeitsgäste zu fein ? Und wenn Du willst, sollen Leontine und ihre Schwester Deine Braut­jungfern sein, vorausgesetzt, daß sie eine so eilige Einladung annchmen."

Linda zeigte sich einverstanden. Eine größere Festlichkeit wäre ihr peinlich gewesen. So sollte die Justizrätin die Pflichten der Wirtin erfüllen, da Linda an ihrem hohen Ehren­tage wohl kaum Sinn und Zeit für eine solche Aufgabe finden mochte.

XXVI.

Fürst Lichtenberg schlenderte gemächlich die Straße entlang und frohlockte innerlich über das Gelingen seines schlauen Werkes, als Doktor Reinwald'S Wagen plötzlich um die Ecke bog und an seiner Seite langsam Hinsuhr. Er war leer und wartete augenscheinlich auf jemand. Der Fürst meinte, der Doktor besuche einen Patienten; als er aber umkehrte, um in die nächste Straße einzulenken, sah er mit Verwunderung, daß des älteren Reinwald'S Wagen gleichsallS leer, dem seines BruderS in geringer Entfernung folgte. Eine dichte Menge, die sich vor der Kirche versammelt hatte, zog gleichzeitig seine Aufmerksamkeit auf sich, und unwillkürlich brächte er diese mit den zwei wartenden Wagen in Ver­bindung.

Vielleicht findet in der Familie des JustizrateS eine Hoch­zeit statt", dachte er,und der Doktor hat seinen Wagen bei dieser Gelegenheit zur Verfügung gestellt."

Denn daß dieftr sich selbst bei einer solchen Festlichkeit beteiligen würde, so lange der Verlust seiner Linda ihm noch so neu und eine schmerzlich blutende Wunde war, daS ließ sich nicht denken.

Da er nichts besseres zu tun hatte, schlenderte der Fürst der Kirche zu, und war eben im Begriff Hineinzutreten, alS der Kirchendiener die Türen öffnete und die schöne Linda in ihrem Liebreiz, mit Kranz und Schleier geschmückt auf deS Doktors Arm gestützt, daS Kirchenschiff entlang gr. schritten kam.