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Herzfel-erttreiMatt
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Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 134.
Sonnabend, den 12 November
1910.
Amtlicher teil.
Berlin W. 66, den 30. September 1910.
Auf das Schreiben vom 6. v. Mt«. — St. M. 3528.
Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König durch Allerhöchsten Erlaß vom 25. Juli d. Jr. genehmigt hat, daß die Amtsbezeichnung „Bauinspektor" künftig wegsällt, werde ich für die in Betracht kommenden Dienststellen der allgemeinen Bauverwaltung und der Eisenbahnverwaltung die Bezeichnung „Königliches Hoch-, Wasser-, Maschinen-, Polizei-, Hasenbauamt bczw. EijenbahnbetriebSamt, Eisenbahnmaschinenamt, Eisenbahnbetriebsnebenamt, Eisenbahnmaschinennebenamt, Eisen- bahnwerkstättennebenamt sowie Eisenbahnverkehrsamt einführen und die Inhaber dieser Dienststellen anweisen, in denjenigen Fällen, in denen die einfache Namensunterschrist nicht aus- reicht, als Vorstand des Königlichen Hoch-pp. pp. Bauamts" zu zeichnen.
Da die bisherige Benennung der Eisenbahninspektionen aus der durch Allerhöchsten Erlaß vom 15. Dezember 1894 genehmigten Verwaltungsordnung für die Staat-eisenbahnen beruht, so behalte ich mir die Einholung der Allerhöchsten Genehmigung zu deren Aenderung vor. (III.P. 1.213. IV. A. 8.462.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten.
gez. v. Breitenbach.
HerSfeld, den 8. November 1910.
Wird veröffentlicht.
I. 11416. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 10. November 1910.
In Abänderung meiner Verfügung vom 18. v. Mts. I. 10628 (Kreisblatt Nr. 126) bestimme ich, daß die Verzeichnisse über die Viehseuchenabgabe für 1911 nicht am 1 5., sondern erst nach Abiaus der Auslegungssrist bis spätestens zum 22. ds. Mts. mir einzureichen sind.
Gleichzeitig ersuche ich, die Bescheinigungen 1 und 2 aus der letzten Seite des Verzeichnisses entsprechend auszu- süllen sowie mit Ort, Datum, Unterschrist und Dienstsiegel zu versehen.
I. 10628. Der Landrat.
I. A: Wessel, Kreissekretär.
HerSfeld, den 8. November 1910.
Unter dem Schweinebestande des Friedrich Axt I zu Heringen ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 11464. Der Landrat.
I. A.: Wessel, Kreissekretär.
HerSfeld, den 8. November 1910.
Die unter dem Schweinebestande des Schuhmachers Adam Bechtcl hier ausgebrochene Rotlaussruche ist erloschen. I. 11427. Der Landrat.
I. ».:
Wessel, Kreissekretär.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
Vor dem Landgericht in Berlin haben die Verhandlungen gegen die an den M o a b i t e r Unruhen Beteiligten begonnen, soweit die Aburteilung dieser nicht dem Schwurgericht überwiesen werden mußte. Die Staatsanwaltschaft hat in durchaus zutreffender und beweiskräftiger Weise ihre Anklage aus breiter politischer Grundlage aufgebaut. So erhält die Sozial- demokratie unter anderm in der Anklageschrift folgenden wohl- Sezielten und trefflich sitzenden Hieb : „Jahrelange systematische lozialdemokratische Verhetzung ist eS, die die Massen zur Niederknüppelung der Arbeitswilligen und zur Entladung >mcs Hasses gegen die Polizeibeamten anreizte." Weiter heißt ebenso richtig: „Die organisierte Erbitterung gegen alle wcht zur Gewerkschaft gehörenden Arbeiter und Arbeitswilligen hat in erster Linie die schweren Ausschreitungen verschuldet." Ferner erfährt die versuchte Mißhandlung eine« Geistlichen und der Sturm auf die Reformation-kirche eine durchaus fachgemäße und wahrheitsgetreue Beleuchtung. Es wird in dieser V'nstcht ausgesührt, daß nur der fanatische Haß, mit dem die «ozialdemokratie alle-, waS mit der Religion und Kirche zu- fammenhängt, verfolge, in den Volksmassen eine solche Er- Mtterung Hervorrusen könne, wie sie in der Verfolgung des Pfarrers fast explosiv zutage getreten sei. Man sollte nun memen, der „Vorwärts" werde frohlocken über die günstige Gelegenheit' die durch die gerichtliche Verhandlung der Sozial- demokratie gegeben wird, jetzt einmal vor aller Welt den Wagenden Nachweis zu führen und durch Richterspruch be- Lh^« f Ä?a® zwischen der sozialdemokratischen Partei- und Gewerkschaftsbewegung einerseits und den rohe,, Miß- Handlungen von Arbeitswilligen und revolutionären Gewalt
taten anderseits nicht der geringste Zusammenhang besteht. Indessen weit gefehlt. Das sozialdemokratische Zentralorgan schäumt vielmehr vor Wut und ergeht sich in ödestem Geschimpft über die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Der Grund für dieses Gebühren liegt klar aus der Hand. Es ist das böse Gewissen, das die sozialdemokratische Hetzpreffe der gerichtlichen Verhandlung voll Angst und Bangen entgegen- sehen läßt. Das Geschimpfe des „Vorwärts" aber beweist, daß die Staatsanwaltschaft das Richtige getroffen hat. Denn wer von der Sozialdemokratie beschimpft wird, ist allemal auf rechtem Wege.
DaS Ergebnis des Zaren besuche- in Potsdam muß als erfreulich bezeichnet werden. Die Zusammenkunft der beiden Kaiser hat, wie vorauszusehen war, in allen Einzelheiten einen sehr herzlichen und freundschaftlichen Charakter getragen. Sie hat Gelegenheit geboten zu wiederholten Besprechungen zwischen den Souveränen und den deutschen und rusfifchenStaats- männern und zu einem beide Teile befriedigenden Gedankenaustausche über politische Dinge. Es hat sich hierbei die beiderseitige feste Ueberzeugung ergeben, daß etwaige Schwierigkeiten und Mißverständnisse zwischen Deutschland und Rußland sich in allen Fällen durch unmittelbare persönliche Fühlung zwischen den Herrschern der beiden Nachbarreiche und ihren Ministern ausgleichen lassen. Zar Nikolaus war von dem neuen russischen Minister des Auswärtigen S s a f o n o w begleitet, der am deutschen Kaiserhose und in deutschen Regierungskreisen einen vortrefflichen Eindruck hinterlassen hat. Die Aera JswolSki mit ihrer teilweisen Deutschfeindlichkeit dürfte endgültig begraben sein. Im übrigen möchten wir die Gelegenheit des Zarenbejuches nicht unbenutzt lassen, um dem erneuten herzlichen Wunsche "'nsdruck zu geben, daß die hohe und edle Frau auf Rußlands Kaiserthron in Deutschland die erstrebte und erhoffte Wiederherstellung ihrer Gesundheit finden möge.
Die türkische Anleihe bei der deutschen Bankwelt ist nunmehr perfekt geworden. Der türkische Finanzminister Djavid Bei und Dr. Helfferich als Vertreter deS deutschen Bankkonsortiums haben den Anleihevertrag in Konstantinopel unterzeichnet. Damit ist ein Unternehmen zustande gekommen, daS der deutschen Industrie und dem deutschen Handel reiche Früchte verspricht. Die Gelder, die der Türkei aus der Anleihe zufließen, werden ohne Zweifel zum großen Teil deutschem Unternehmungsgeiste und deutschem Kapital zur Hebung der reichen natürlichen Schätze des ottomanischen Reiches und seiner weiteren wirtschaftlichen Erschließung dienen. Deutschland hat mit dem Abschluß des großen Finanzgeschäftes einen starken Beweis seines Vertrauens in die wirtschaftliche Ehrlichkeit und wirtschaftliche Kraft der Türkei geliefert. Auf türkischer Seite aber weiß man das dargebrachte Vertrauen dankend zu würdigen, und so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Anleihe ein neues kräftiges Band politischer Freund- schast und wirtschaftlicher Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und der Türkei werden wird.
In Frankreich hat sich das neue Kabinett Briand der Deputiertenkammer vorgestellt. ES kam im Verlaus der Debatte zu äußerst stürmischen Austritten. Schließlich ober trug die Regierung den Sieg davon, indem ihr mit 296 von 509 abgegebenen Stimmen ein Vertrauensvotum ausgestellt wurde. Damit sind auch die Maßregeln gebilligt, welche die Regierung gegen das Streikrecht der Eisenbahner zu ergreifen gedenkt. Die Gegner BriandS hatten gegen ihn ein wahres Kesseltreiben veranstaltet und beabsichtigen, dieses auch weiterhin fortzusetzen. Hoffen wir, daß es dem französischen Ministerpräsidenten dennoch gelingen möge, sich zu behaupten I Denn nur eine fiste und starke Hand, wie diejenige BriandS, vermag Frankreich gegenüber der immer mächtiger anschwellenden roten Flut deS revolutionären Syndikalismus zu schützen.
3m Unterseeboot.*)
Von Korvetten-Kapitän a. D. Graf Bernstorff.
Ein modernes Kriegsschiff ist sicherlich schon ein höchst komplizierter Bau und in bezug auf die maschinelle Einrichtung eine Glanzleistung zu nennen. Aber ein Unterseeboot ist ihm darin doch, wie man so sagt, noch gewaltig über!
Kein Wunder! Soll es doch nicht nur im Wasser, sondern auch unter Wasser fahren können, wie schon sein Name an» deutet. Der Gedanke, ein derartiges Fahrzeug zu bauen, ist uralt. Wenigstens wird behauptet, schon Alexander der Große habe ein Unterwasserboot besessen, aber da niemand genaues darüber angeben kann, wird eS wohl nur eine Fabel sein.
Ein brauchbares Unterseeboot konstruierte zuerst der geniale Fulton, der Erfinder deS Dampfschiffes, doch fand er so wenig Unterstützung, daß die Angelegenheit nicht weiter verfolgt wurde und so ziemlich in Vergessenheit geriet. Später beabsichtigte dann ein Erfinder, vermittels eines solchen Bootes Napoleon I., der seinerzeit Fulton alS Narren hatte ab- weisen lassen, von St. Helena zu befreien, doch gerade als alles zur Ausführung deS Planes fertig war, starb der große Korse.
♦) Aus dem Monatsblatt deS Deutschen Flotten Vereins „Die Flotte", welches die Mitglieder grattS erhalten.
Der Bau von Unterseebooten für kriegStechnische Zwecke ist mehrfach versucht worden, auch in Deutschland. Praktische Erfolge wurden indes erst in neuerer Zeit errungen, und zwar hauptsächlich zuerst von den Amerikanern und den Franzosen. Letztere behaupteten zeitweilig sogar, mit ihrer Unterseebootflotte allen anderen Marinen überlegen zu sein und auf Linienschiffe, Panzerkreuzer usw. verzichten zu können. Indessen haben sich die Ansichten der französischen Marineverwaltung in dieser Beziehung erheblich geändert. Immerhin zwang daS Vorgehen Frankreichs in der Unterseeboote frage und seine scheinbaren Erfolge die übrigen Seemächte zur Nacheiserung, und da war es natürlich in erster Linie England, daS den Bau von Unterseebooten energisch in die Hand nahm und den französischen Vorsprung bereits eingeholt hat, während Deutschland erst kürzlich mit der Schaffung einer UnterseebootS- flotte begonnen hat. Die mannigfachen Mißerfolge und UnglückSsälle haben den Fortgang nicht aushalten können und werden es auch nicht können, nachdem die Grundprinzipien und die zu stellenden Anforderungen einmal sestgelegt waren. Bei dem heutigen Stande der Technik wird naturgemäß jede- neue Boot eine Verbesserung seiner Vorgänger, sowohl waS seine Tauch- und Austauch- sowie Manövrierfähigkeit anbetrifft, als auch bezüglich der Sicherheit und RettungSmöglichkeit der Besatzung.
Aber in einem Punkte leiden alle Systeme gleichermaßen an einem bisher nicht zu beseitigenden Mangel, und daS ist die Unfähigkeit, unter Wasser vorauSsehen zu können, so daß ein Boot, das eine Zeitlang völlig untergetaucht gewesen ist, sich nur dann orientieren kann, wenn ei soweit hochsteigt, daß die Sehrohre, die sogenannten Periskope, benutzt werden können. Damit aber begiebt eS sich im selben Augenblick des unsichtbar machenden Schutzes der Wasserhülle und verrät feine. Lage.
Ob es gelingen wird, diesem Uebelstand vollkommen ob- zuhelfen, ist eine Frage, deren Bejahung noch in sehr weitem Felde zu liegen scheint.
Auch deutscher Technik und Wissenschaft ist eS bis jetzt nicht möglich gewesen, uns einen Vorsprung in dieser Beziehung zu schaffen, dagegen können wir ohne Ucbcrhcbung sagen, daß unsere deutschen Unterseeboote in bezug auf ihre Leistungen und Fähigkeiten denen anderer Nationen in keiner Weise nachstehen und daß auch die Betriebsicherheit eine möglichst große ist.
Doch wir wollen den Leser auffordern, uns auf einer Tauchfahrt zu begleiten.
Während man sonst eine Treppe hinaussteigen muß, um an Bord zu gelangen, steigen wir hier hinunter und gelangen auf daS Oberdeck, gebildet auf dem Rücken deS eigentlichen, kreisförmigen Bootskörpers und den seitlich angehängten Tanks (Kasten), die als Petroleum- und Wafserbebälter dienen.
Unmittelbar neben unseren Füßen rauscht und spielt daS Waffer, als unser U-Boot sich in Bewegung setzt, und es dauert nicht lange, da Hüpfen auch schon einige neugierige Wellen auf Deck und bedrohen unser Schuhzeug. Wir retten uns daher zunächst aus den vorn und achtern spitz zulaufenden Ausbau, der die Form eines Kahnet hat, und seinerseits neben der eingebettet liegenden Telephonboje, die gleichzeitig als Merkzeichen der Lage bei einem Unglücksfall und als Verständigungsmittel zwischen Besatzung und Oberwelt dient, den runden Kommandostand trägt. Aut diesem ragen dann noch wieder die Periskoprohre empor, während vorn ein uwklappbarer Signalmast, achtern ein kleiner Schornstein der Petroleummaschine und zwei Ventilatoren sozusagen die Takelage vorstellen. Alle diese Gegenstände verschwinden natürlich vor dem Untertauchen.
Mit einer Fahrt von zwölf Seemeilen gleitet unser nieder- bordigeS, schildkrötenartiges Fahrzeug durch das Waffer und währenddessen speisen die Maschinen gleichzeitig die Akkumulatorenbatterie, deren Kraft wir nach dem Untertauchen zur Bewegung benötigen.
Da es oben bei dem herrschenden Seegang anfängt ungemütlich zu werden, steigen wir durch den Einsteigeschacht im Kommandoturm auf glatter senkrechter Leiter in daS Innere deS Bootes hinab und unterziehen eS einer Musterung, während zugleich unser liebenswürdiger Führer sich bemüht, uns über die einzelnen Einrichtungen und Apparate eine kurze, verständliche Erklärung zu geben.
Da wird eS uns erst allmählich klar, wenn wir auch natürlich nicht alles verstehen und behalten können, welch eine Unsumme von Scharfsinn und technischer Fertigkeit in dem ganzen Bau vereinigt ist, und mit Staunen betrachten wir die zahllosen Röhren und elektrischen Leitungen, die Hebel und Klappen und Scheinen und Rädchen, die ei dem Kommandanten ermöglichen, von seinem Platz auS alles und jedes zu kontrollieren. So ist er imstande, in jedem Augenblick zu wissen, in welcher Lage und Stellung sich sein Boot befindet und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um eine Aenderung herbeizujühren.
Schließlich aber geht ei uns wie dem Magister Faust: Auch uns ist von alledem so dumm, als ging uns ein Mühlrad im Kopfe herum, und wir wollen einen Augenblick hinauf, frische Lust zu schöpfen.