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herrsel-er Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 136.

Mittwoch, den 16. November

1910.

Hmtlicber teil.

Hersfeld, den 11. November 1910.

Aus Grund ministerieller Ermächtigung wird der Gewerbe­betrieb in offenen Verkaufsstellen an den zwei letzten Sonn­tagen vor Weihnachten, am 11. und 18. Dezember d. 3., bis 8 Uhr abends für die Dauer von 10 Stunden freigegeben. Am dritten Sonntage vor Weihnachten, am 4. Dezember d. I., ist nach der Bekanntmachung vom 22. August 1892 (Amts­blatt Seite 208) in allen Zweigen deS HandelSgewerbes die Beschäftigung von Gehülfen, Lehrlingen und Arbeitern, sowie der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen bis 7 Uhr abends zulässig. Auch an diesem Tage ist die Beschäftigung-zeit für 10 Stunden freigegeben.

Die für den Hauptgottesdienst festgesetzte Pause muß innegehalten werden. Während des übrigen Gottes­dienstes dürfen an den genannten 3 Tagen die Geschäfte ge­öffnet sein.

I. 11647. Der Landrat von Grunelius.

Hersseld, den 11, November 1910.

In Lautenhausen ist der Schweinerotlaus amtlich sestgestellt worden.

I. 11675. Der Landrat.

3. A:

Wessel, Kreis sekretär.

nichtamtlicher teil.

Virtztag.

Der Bußtag ist ein ernster Prediger anS ganze Land, an alles Volk. DaS ganze Volk will er versammeln zu gemein­samer Buße, gemeinsam die Knie zu beugen und in gemein­samer Trauer, um die sittlichen Nöte und Schäden unsrer Zeit die Schuld zu bekennen, an der wir alle unsern Anteil haben, sür die wir alle mitverantwortlich sind. So steigert der Bußtag das Bewußtsein der Gemeinsamkeit unsrer Schuld, aber auch das Bewußtsein der sittlichen Verantwortlichkeit für« einander und die Verpflichtung, nun auch mit vereinten Kräften zur Wahrung unsrer heiligsten Güter die zerstörenden finsteren Mächte der Sünde zu bekämpfen, den Bann der Schuld zu lösen.

Namentlich ist auch in unserm politischen Leben, im Partei­getriebe das Wort Buße mehr wie je angebracht. Wenn irgendwo, so wird hier Selbstüberhebung gezüchtet, die sich darin gefällt, alles für heilig und unantastbar zu halten, was die Angehörigen der eigenen politischen Partei als Norm vorgejchricben haben, alles, waS daS Mitglied einer anderen Partei aber sagt, sür falsch, verkehrt, im besten Falle sür un-

Ein IHissvmtändnis.

Novelle von Tea van Hufen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

,. Konrad war an der Tür stehen geblieben und blickte die Mutter zuerst befremdet dann besorgt an.

Endlich seufzte die unbewußt Beobachtete schwer auf und wandte langsam den Kopf.

Erschreckt eilte jetzt Konrad auf sie zu und schlang seine Arme um sie.

Mutter!" rief er.Was fehlt dir? Du siehst bleich aus und zitterst! Bist du krank?"

Krank?" versetzte die Matrone mit matter Stimme, nein, krank bin ich nicht, mein Sohn, aber schlimmer als das. Wozu soll ich dir die Wahrheit vorenthalten, früher oder später mußt Du ja doch das Traurige erfahren."

O, sprich Mutter", rief Konrad in höchster Be- Iturzung,ist der Vater erkrankt?"

Nein er ist nicht erkrankt, aber ein schweres Unglück anderer Art hat ihn betroffen. Ich kann es Dir ja verhehlen" fuhr sie mit einem tiefen Senszer fort. Dem Vater hat sich an großen Eisenbahnunternehmungen eteiiigt und sich mit Tausenden und Abertausenden daber verpflichtet. Das Unternehmen ist fehlgeschlagen, und dem armer Vater fühlt sich gezwungen ' ' nötigen Gelder herbeizuschaffen und unseren

:, um die

Hörigen Gelder herberzuschaffen und unseren ehrlichen ^ten, beide Besitzungen zu verkaufen, und Lehen dann gänzlich mittellos da".

Kon^^o ^^' welche Bestürzung malten sich auf

-Srf^^ ? er diese Worte vernahm. Es ^e er seine Fassung so weit wieder- gewonnen hatte, um erwidern zu können:

«uSm o X ^ keine Hoffnung, keinen anderen Güte??' &^ ÄU Eri, als den Verkauf der

zutreffend. Schon Fürst BiSmarck hat gegen das Parteidogma gewettert, und Fürst Bülow sprach in einer seiner letzten Reden von dem Parteiprogramm, das nichts sei als eine Kulisse. Alle und jede Frage und das ist es, was den wahren VaterlandSsreund bekümmern muß wird gegen­wärtig nicht mehr unter die Frage nach dem Allgemeinwohl gestellt, sondern sie wird nach parteipolitischem Schnitt zurecht gestutzt, und mit ebenso großer Selbstüberhebung wie un» duldsamer Zurückweisung anderer Meinungen wird der Welt verkündet, daß nur so, wie die eigene Partei es will, das Heil zu finden sei. Der Bußtag sollte darum auch in politischer Beziehung ein Tag der Einkehr bei uns selbst sein, ein Tag der scharsen Selbstprüsung, nicht der eitlen Selbst- bcspiegelung unter möglichst günstigen Lichtern, sondern ein Tag der von aller Selbstliebe freien, scharfen, objektiven Prüfung im nüchternen kalten Lichte!

Aber auch an jeden einzelnen tritt am Bußtage die Verpflichtung heran, mit einzustimmen in das heute weit hinausschallende Mahnwort:Lasset uns Buße tun!" Denn die Erkenntnis der persönlich menschlichen Unvollkommenheit läßt sich nicht umgehen, und die wunderlichen Versuche, aus allen möglichen Weltanschauungsbruchstücken eine neue Religion zusammenzukleistern, sind kläglich gescheitert. Es regt sich trotz aller Kulturträumerei ein Zug zum dornengekrönten Heiland, aber niemand kann ihn in seiner ganzen tröstlichen Erhabenheit finden, der nicht aus die Mahnung achtet: Tut Buße!" Darunter ist eine neue Herzensgesinnung zu verstehen, die zur düsteren Voraussetzung hat den surchtbaren Ernst dessen, was die Bibel Sünde nennt. Aber der Glaube richtet sich aus dem Staube empor und freut sich der gött­lichen Liebe, die eine m» heilige Lebenskraft verleihen kann, wie es Luther in einem ergreifenden Büßlieds ausgc- drückt hat:

Darum aus Gott will hoffen ich, Auf mein Verdienst nicht bauen;

Auf ihn mein Herz soll lassen sich

Und seine Güte trauen,

Die mit zusagt sein wertes Wort;

Das ist mein Trost und treuer Hort, DeS will ich allzeit harren.

Bußgedanken sühren von der Welt hinweg zum Himmel, und sie leiten auch wieder in die Welt, insofern man da getrost leben und schaffen soll in der Gnade Gottes. So möge denn auch von dem diesjährigen Bußtage ein reicher Segen ausströmen sür den Einzelnen wie für unser ganzes Volksleben I

71«$ In- und Ausland.

Berlin, den 14. November.

Se. Majestät der Kaiser und Fürst zu

Keine", versetzte die unglückliche Frau Herbig.

Konrad versuchte es seine Mutter zu trösten und ihr einzureden, daß die Sache vielleicht nicht so schlimm stände, als sie fürchte.

Als er sich am späten Abend in sein Schlafzimmer zurückgezogen hatte und, seit er die Trauerkunde ver­nommen, zum ersten Male mit sich allein war, da sank er gebrochen auf einen Sessel nieder, und den Kopf in die Hand gestützt, überließ er sich seinen traurigen Ge­danken. Hin und wieder stieg ein schwerer Seufzer aus seiner Brust empor. Aber diese Seufzer galten nicht dem Verlust des Vermögens, das ihm als einzigen Sohn seiner Eltern einst ganz zugesallen wäre, sondern dem Verlust seines größten Schatzes, seiner Braut, seiner Marianne. Denn wie hätte er, der jetzt völlig mittellos dastand, noch daran denken können, die schöne, reiche, vielumworbene Gräfin als die Seine heimzuführen? Nein, er wollte ihr das bindende Wort zurückgeben, wollte ihrer Nähe fliehen, denn wie sollte er es ertragen, durch ihren Anblick stets aufs neue daran erinnert zu werden, was er verloren, wenn auch nicht durch eigene Schuld? In weiter Ferne wollte er ein neues Leben beginnen und sich seinem Berufe mit doppeltem Eifer widmen, nicht in der Hoffnung auf ein baldiges glück­liches Daheim mit einer schönen jungen Gattin, sondern im Pflichtgefühl eines liebenden Sohnes, dem nur noch eine Freude am Leben geblieben, durch seiner Hände Arbeit den Eltern, welchen er alles zu danken hatte, einen ruhigen heiteren Lebensabend zu bereiten.

Mitternacht war längst vorüber, als Konrad sich endlich aus seinem düsteren Sinnen riß und sein Lager aufsuchte. Aber noch lange Zeit verging, ehe ein wohl­tuender Schlaf sich auf ihn herabsenkte und ihn auf einige Stunden den irdischen Sorgen enttückte.

Die Ruhe der Nacht verlieh Konrad neue Kraft und Zuversicht und als er erwachte, da drangen die freundlichen Strahlen der Morgensonne bis in sein Inneres und verscheuchten die düsteren Gedanken, die am vergangenen Abend ihm die Zukunft so finster

Fürstenberg nebst Gefolge nahmen gestern vormittag in Donaueschingen am Gotteidiest in der evangelischen Kirche teil. Darauf unternahmen die hohen Herrschaften eine Rundsahrt durch diejenigen Teile der Stadt, die nach dem großen Brande neu ausgebaut worden und nun im wesentlichen fertig sind. Die neuen Straßen find durchgehend- in sehr ge­fälligem Stil gehalten und machen einen überaus freundlichen Eindruck. Das Wetter war schön. Prinz Karl Eunl zu Fürstenberg, der Bruder deS Fürsten, ist in Donaueschingen eingetroffen. Am Nachmittag unternahmen Se. Majestät der Kaiser, Fürst und Fürstin zu Füftlenberg sowie die Herren und Damen der in Donaueschingen versammelten Gesellschaft eine Automobilfahrt nach dem Kloster Beuten und trafen dort um 3 Uhr ein, im ganzen 23 Personen in acht Automobilen. An der Klosterpforte wurde der Kaiser von Erzabt Mesons Schober mit einer kurzen Ansprache begrüßt, die der Kaiser erwiderte. Hierauf erfolgte die Besichtigung der Kirche, deS Chors, deS vom Kaiser gestifteten Kreuze-, der kirchlichen Kunstgegcnftände, der Wohnung bei ErzabteS, der KunstatelierS und der übrigen Räume bei Kloster-. Halb fünf Uhr fuhren die Herrschaften durch den sestlich geschmückten Ort unter dem Jubel der Bevölkerung und unter Böllerschüssen nach Donaueschingen zurück. Der Besuch, für den nur eine halbe Stunde in AuSsicht genommen war, dehnte sich auf anderthalb Stunden aus.

Von der Reife Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen und der Kronprinzessin liegt heute folgende Meldung aus A d e n, 13. November, vor: Der ReichSpostdamps« Prinz Ludwig bei Norddeutschen Lloyd ist heute morgen 7 Uhr hier eingetroffen. Der Kronprinz und die Kronprinzessin begaben sich sofort an Land, nahmen beim Gouverneur daS Frühstück ein und besichtigten jodann die Stadt und Umgebung. ES herrscht herrliches Wetter. Die Weiterfahrt erfolgte um 1 Uhr Nachmittag-.

Staatssekretär a. D. Dernburg trat seine Heimreise über Sibirien an, nachdem er vorher in Peking vom Prinzregenten von China empfangen und durch einen Orden ausgezeichnet worden war. In Schanghai hatte Herr Dernburg in einer an die dortige Kaufmannschaft gerichteten Rede u. o. folgendes ausgeführt: Dir Lage in China ist augenblicklich schwer, aber es ist auch das Land, bai mehr bie Zukunft in sich birgt, als vielleicht irgend ein anderes Volk in der politischen Welt. Sie sümpfen mit heißem Be­mühen für eine Erschließung Chinas, für eine Bewegung, die zum Teil für Sie einen Wettbewerb bringen muß. Wohin diese Entwicklung schließlich führen wird, weiß man nicht. Wie weit man die Jndustriealisierung Chinas fördem wird, weiß man auch nicht, ebensowenig wie weit man verpflichtet ist, dabei zu helfen. DaS zu entscheiden, wird dem Takte bei deutschen Kaufmann- Vorbehalten bleiben müssen.

Wie die Blätter melden, schreibt die englische Ad­miralität den Bau eines neuen Krieg-schisses aus, das noch größer, schneller und mächtiger fein soll als

gezeigt hatten, und mit dem anbrechenden Tage wurde es auch wieder lichter in seinem Innern.

Wie er alles, seine ganze Lage und was ihn am vorhergehenden Abend so tief bekümmert hatte, noch einmal überdachte, da schalt er sich selbst, daß er auch nur einen Augenblick an der Liebe seiner Marianne hatte zweifeln können.

O", dachte er jetzt mit zufriedenem Lächeln, ich kenne ihr Herz, ihren edlen Sinn ja viel zu gut, um in Wahrheit fürchten zu können, daß der Verlust meines Vermögens ihre Liebe zu mir vermindern könnte. Sie ist reich genug, um nichts entbehren zu müssen, und ich will alles daransetzen, um mich mit eigener Kraft wieder zu einer Stellung im Leben aufzuschwingen, wie ich sie jetzt verliere. Ich will zu ihr eilen und ihr sagen, daß ich sie freigebe. O, wie wird sie mich schelten, daß ich an ihrer Liebe zweifeln konnte!"

Am darauffolgenden Tage gegen Abend saß die Gräfin in ihrem Zimmer und erwartete mit bang­klopfendem Herzen die Ankunft ihres Verlobten.

Sie hatte die zierliche Arbeit beiseite gelegt, denn ihre zitternden Finger vermochten es nicht, die Nadel zn führen, und hatte ein Buch zur Hand genommen, aber sie vermochte auch nicht ihre Gedanken zu kon­zentrieren. Ihre Augen irrten ruhelos über die Zeilen hin, aber sie wußte nicht, was sie las, und erregt stand sie endlich auf, durchschritt mehrmals das Zimmer und trat dann an das Fenster. Aber vergebens schauten ihre Augen nach dem so sehnlichst herbeigewünschten Wagen.

Wieder setzte sie sich nieder und nahm das Buch zur Hand, aber ihr Blick ruhte nachdenklich auf dem Boden.

Da schreckte sie plötzlich aus ihrem Sinnen auf. Sie hatte das Rollen eines Wagens vernommen; das Ge­räusch kam näher, ja das war sein Wagen! Jetzt hielt er vor der Tür, nur noch wenige Minuten und ihr Schicksal war entschieden!

Die Gräfin war aufgesprungen und preßte ihre Hand