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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 137

Sonnabend, den 19. November

1910

Amtlicher Ctil.

Hersseld, den 12. November 1910.

An die Schulvorstände des Kreises.

Mit Bezug auf die in Nr. 7 des Amtlichen SchulblattS vom laufenden Jahre veröffentlichte Bekanntmachung der Königlichen Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schul- Wesen, in Casscl vom 21. Juni d. Js., B. I. 3617, betref- send Wetterdienst, zweitägige Kurse für Lehrer, ersuche ich die Lehrer erneut auf die Kurse, die während der Winter- monate an der Wetterdienststelle Frankfurt a/M. stattfinden, aufmerksam zu machen und ihnen anheimzustellen, sich an diesen Kursen zu beteiligen.

Zu der Wetterdienststelle Franksurt a/M. gehört auch der Kreis Hersseld.

I. 11575. Der Landrat.

3. A.:

Wessel, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Totenfest.

Goldenes Entfärben

Schleicht sich durch den Hain; Selbst vergehn und sterben Däucht mir süß zu sein.

Das ist Herbststimmung, christliche Herbststimmung, Toten- feststimmung. Wenn der rauhe Herbstmiud die letzten fahlen Blätter von den Bäumen reißt und in tollem Jagen vor sich hertreibt, bis sie irgendwo ein Plätzchen für ihren letzten Schlaf finden; wenn die Sonne von Tag zu Tag kleinere Bogen am Himmel macht und nur auf Stunden Licht und Wärme zu verbreiten imstande ist; wenn im Wald und Flur Sang und Klang verstummt, der Blumen Dust verflogen, ihre Farbenpracht verblichen ist, dann bereitet sich die Natur zu ihrer großen Winterruhe vor, dann ist auch der Mensch empfänglich für Todesgedanken, und daS in diese Jahreszeit gelegte Totenfest berührt Saiten in seinem Innern, deren Ton bald wehmütig verklingt, bald dem schrillen Aufschrei eines gepreßten Herzens gleicht.

Totenfest! Was für ein Weh liegt nicht in diesem Worte! Gilt dieser Tag doch nicht den Toten des laufenden Jahres allein, um welche die Tränen noch rinnen, die Herzen noch bluten: denken wir doch heute aller derjenigen lieben Menschen­kinder, die der Tod mit grausamer Hand aus ihrem Wirkungs­kreise oder mit sanftem lockenden Winken am Abende ihres Lebens dahinführte, in die Gefilde der Seligen. Eine Frage, der die verschiedensten Antworten zuteil geworden sind, ist die Frage nach dem Tode. Die Alten schon haben sich mit ihr beschäftigt, aber erst das Christentum hat ihr bL befriedigende

Line gefährliche Schlittenfahrt.

Von F. Mahler.

Dringende geschäftliche Angelegenheiten hatten mich zur Weihnachtszeit nach Russisch-Polen gerufen. Sie machten auch meinen Besuch aus einem großen Gute notwendig, welches etwa drei deutsche Meilen von der Bezirkshauptstadt entfernt lag in welcher ich eben mit meinen Geschäften fertig geworden war. ES gab von R. nach dem Gute weder eine direkte Verbindung mittels eines Postgejchirres, noch viel weniger mit der Eisenbahn, und so war es mir natürlich äußerst angenehm, von dem Besitzer des Gasthofes, der mich w R. beherbergt hatte, zu vernehmen, daß sich mir die denk­bar günstigste Gelegenheit darbiete, nach meinem weiteren und zugleich letzten Reiseziele, eben dem erwähnten Gute, zu gelangen. Der Sohn des Gutsherrn war mittels Schlittens es lag fußhoher Schnee in der ganzen Gegend in R. eurgetroffen, um Einkäufe zu machen, und hatte in dem nämlichen Gasthause Absteigequartier genommen, der gefällige Hotelier bezweifelte nicht im mindesten, daß mir der junge Herr einen Platz im Schlitten bei der Heimreise an- b'eten würde.

r So geschah es auch, als ich mich bei Herrn v. Tr. vor- n' w^ch.« eben von seinen Einkäufen in der Stadt in den ^asthos zurückkehrte, begleitet von feinem Kutscher, der einige lotete mitschleppte, gestattete er mir aus meine Bitte sofort, OB tet) mich ihm aus der Heimfahrt nach feiner väterlichen ^'chung Wolgczinska anschließe. Allerdings hatte ich dem Mgen Herr gleich bei meiner Vorstellung mitgeteilt, daß ich u seinem Vater in wichtigen Geschäften, worüber er auch orlentlert war verhandeln müsse, und so war es wohl eine dst'cht der Höflichkeit, daß er mich zur Mitfahrt K28 W?. "Och einige Gläser kräftigen Glühweins Siegen dann den mit drei schönen, krästigen b-ipannten Sch ttten. Stephan, der Kutscher, trieb die Pserde durch ein letchteS Schnalzen der Hunne an der !4icd?*biS^ Wirt bückt? sich zum Ab-

J cdc bis fast zum Boden, und in der nächsten Sekunde

Antwort gegeben. Für den Christen stehtdes Todes rührendes Bild nicht alS Schrecken dem Weisen und nicht als Ende dem Frommen; diesem stärkt eS zu künstigcm Heil im Trübsal die Hoffnung; beiden wird zum Leben der Tod." Und diese christliche Verklärung des Todes, der alS eine Trennung des Liebsten vom Liebsten auf Erden ja an und für sich etwas Erschreckendes ist, leuchtet uns entgegen aus den Werken der Malerei und Bildhauerei von der Zeit, da Hans Holbein fernen Todestanz schuf, bis auf unsere Tage; sie klingt uns entgegen aus jedem Requiem und aus jeder PassionSmusik unsrer großen Tonkünstler; sie findet ihren Ausdruck in den Perlen unsrer Lichtung vom schlichten Kirchenliede bis zur Lyrik der Gegenwart.

Aber die Gelehrten sagen unS, das Welken der Blätter sei eigentlich schon die Vorbereitung deS kommenden Früh­lings, der in den Knospen schlummert, nachdem er Kräfte gesammelt hat aus dem fallenden Laub. DaS Irdische wird zum Gleichnis der zukünftigen, unsichtbaren Dinge. Wir pflanzen daS Kreuz auf an den Gräbern, als ein Siegeszeichen der Hoffnung und trösten unS mit dem Wort und Vorbild Christi:

. . . DaS Weizenkorn, bevor

Es fruchtbar sproßt zum Licht empor, Muß sterben in der Erde Echoß.

Schon im Herzen des weisen Sokrates dämmerte die Ahnung, daß der Tod für den Frommen eine Erlösung und Gesundung bedeute. Ein Todenfest ist nur auf dem Boden der christlichen Weltanschauung möglich, und schon das Wort ist ein Zeuge des Glaubens. Das Verlorene wiederzufinden im Reiche der Vollendung, im Lande deS ewigen Frühlings, diese Hoffnung hebt über alle Wehmut des Üotenfefte.8 hinaus, sie allein trocknet die Tränen an den Gräbern unsrer Lieben. Die rührendsten Herbstlieder der Dichter sind ohne christlichen Glauben leere Worte, auch nur welke Blätter. Nur der Christ kann, wenn es Herbst um ihn wird, sagen:Selbst vergehn und sterben däucht mir süß zu fein."

Politischer Wochenbericht.

Der von der Reichsregierung veröffentlichte vorläufige Ueberblick über den E t a t s e n t w u r s für das Jahr 1911 hat zu mannigfachen Preßerörterungen Anlaß gegeben, und namentlich sind die Gegner derReichssinanzreform eifrig bei der Arbeit, aus dem Etat daS Fiasko der Finanzreform herauszulesen. Derartige Versuche aber müssen als total miß­glückt bezeichnet werden. Zunächst ist eS falsch, wenn behauptet wird, die Erträge auS den neuen Steuern feien seiner Zeit aus 500 Millionen Mark veranschlagt worden. DaS ist nicht der Fall. Diese Erträge sind vielmehr nur auf 417 Millionen Mark geschätzt worden. Die Vertreter der Regierung haben aber weiterhin ausdrücklich erklärt, daß auch diese Summe erst im Beharrungszustande zu erwarten sei und jedcnsallS in der nächsten Zeit noch nicht erreicht werden würde. Wenn

sausten wir mit Schnellzugsgcschwindigkelt durch die gerade nicht sehr belebten Straßen der Stadt R. dahin. Nach ein paar Minuten ließen wir auch die letzten Häuser hinter uns, und glitten nun in dem Schlitten auf einem Landweg dahin, der nach einem sich vor uns ausbreitenden Walde hinjührte. Ich sah nach meiner Taschenuhr, ich konnte eben noch er­kennen, daß sie die fünfte Nachmittagsstunde zeigte; wenn die Schneeverhältnisse aus der weiteren Fahrt günstige waren, so konnten wir nach meiner Berechnung mit diesen ausgezeichneten Pferden etwa um sieben Uhr abends in Woly- czinska sein.

Ich machte eine hierauf bezügliche Bemerkung zu meinem Begleiter, welcher, wie eS mir vorkam, aufmertfam in der Richtung nach dem Walde zu blickte. Bei meinen Worten wandle er sich mir zu und äußerte:

Sie könnten Recht haben, Herr Malkwitz, ja wir sind wahrscheinlich bei der guten Schlittenbahn schon etwa einhalb sieben Uhr in WolyczinSka, zumal Stephan die Pserde tüchtig ausgreifen läßt. Ich wünschte allerdings wir wären schon zu Hause, denn mit kommt dieser Wald, obwohl er zu den Be­sitzungen meines VaterS gehört, nicht ganz geheuer vor!"

Wie, Herr von W.", entgegnete ich' betroffen, sollten wir wirklich etwa» von Räubern zu besürchten haben? Das wäre nicht übel, ich führe gerade eine größere Summe Geld bei mir, da ich keine Zeit mehr hatte, sie in R. zur Post zu geben!"

Räuber?" sagte nun der junge Edelmann,nein, von solchem Gelichter hat man in hiesiger Gegend noch nichts gehört, aber eS gibt hier mindestens ebenso schlimmeres, vier- süffiges Gelichter, nämlich Wölse. Spuren dieser Raubtiere sind in dem Walde vor unS von dem alten Förster Stanis- laus, einem der Forstbeamten meines Vaters, schon vor ein paar Tagen entdeckt worden. Wir kommen nachher bei seinem Hause vorbei, das zugleich als Schenke für die Wald­arbeiter, Fuhrleute usw. hier herum dient, und können ihn selber fragen, wie eS mit den Wölfen steht. Uebrigens bin ich nicht ganz unvorbereitet auf ein Zusammentreffen mit diesen unheimlichen Gesellen, denn sehen Sie Herr von W. zog bei diesen Worten ein längliches Ledersutteral unter

daher die für 1911 veranschlagten Erträgnisse auS den neuen Steuern noch hinter der Summe von 417 Millionen zurück- bleiben, so kann deshalb doch von einer Enttäuschung oder einem Fiasko keinesfalls die Rede sein. Die durch die Finanz- reform bewilligten neuen Steuern haben vielmehr bereit- in günstigster Weise aus die Ordnung bei Reich-hau-haltS ein- gewirkt und werden dieser ihnen obliegenden Ausgabe, wie sich zuversichtlich erwarten läßt, auch für die Zukunft in noch erhöhtem Maße Genüge leisten.

In unserm verbündeten Nachbarreiche O e st e r r e i ch hat die österreichische Delegation mit großer Mehrheit dm Etat deS Ministeriums deS Auswärtigen genehmigt und damit in formeller Weise ihre Zustimmung und ihr Vertrauen zur Führung der auswärtigen Politik durch den G r a f e n A e h r e n- t h a l ausgesprochen. Graf Aehrenthal nahm nochmals Ver­anlassung, sich über den Wert der Bündniffe mit Deutschland und Italien zu äußern und zu betonen, daß er unerschüttnlich an der seit lange erprobten BündniSpolitik Oesterreich-UngarnS festhalten werde. Mit aller Entschiedenheit trat er sodann den Angriffen des sozialdemokratischen Delegierten Renner und deS Delegierten Udrzal aus Kaiser Wilhelm entgegen. Seine Erwiderung gestaltete sich zu einer warmherzigen Anerkennung und Lobpreisung der Bündnistreue und Friedensliebe unsers Kaiser«. Die Aussührungen bei MinisterS wurden mit leb­haftester Zustimmung begleitet und werden sichnlich auch in Deutschland krastvollen Widerhall finden.

In England erscheint die innerpolitische Krisis gegen­wärtig aufs äusserste zugespitzt. Die sogenannte Vetokonjerenz, die bestimmt war, eine Einigung in bet OberhauSsrage zwischen Liberalen und Konservativen heibcizusühren, ist ergebnislos verlaufen. An die Stelle^« EinigungSverhandlungen tritt daher von neuem der offene Kamps. Die Iren, von deren Unterstützung das liberale Kabinel in seiner Existenz ab­hängig ist, verlangen die Zusicherung eines PairSschubS, der eS möglich machen würde, daß die im Frühjahr vom Unter- Hause angenommene Resolution, die dem Obcrhause daS Mit- bestimmungSrecht in Finanzsachen nimmt und ihm nur noch ein ausschiebendes Veto läßt, Gesetz werde. Eine derartige Zusicherung dürste der Ministerpräsident nunmehr erlangt haben, da bereits die Vornahme von Neuwahlen sür das Unterhaus beschlossen worden ist. Diesen Wohlm wird voraussichtlich ein Wahlkamps von unerhörter Heftigkeit und Erbitterung vorausgehen. Aus liberaler Seite wird mit dem ganzen Apparat demokratischer Zciiforderungen, die sich gegen die Beibehaltung eines aristokratischen Elements in der Versassung richten, gekämpst werden. Die Konsnvativen aber werden gegen die Abhängigkeit Englands von den Iren den tiefgewUrzeiten englischen Nationalstolz und den alten Jrenhaß nach Möglichkeit wachzurusen suchen. ES wäre müßig, übn den Ausgang diese- KampfeS bereit- Voraussagen machen zu wollen. Soviel ober ist sicher, daß England an einen hoch- bedeutsamen Punkte feiner geschichtlichen Entwicklung angelangt ist, und die außerbritische Welt bad mit berechtigter Spannung

der Schlitteni>ccke hervor und zeigte es mir,daS Ding birgt zwei Lesaucheuxgewehre meines Vaters, bie ich heute gelegent­lich meiner Anwesenheit in R. von dem Büchsenmacher, bei dem sie zur Reparatur neulich abgegeben waren, wieder ab- geholt habe. Eine Anzahl dazu paffender Patronen führe ich auch bei mir; wir wollen die Gewehre, wenn wir bei StanislauS ankommen, gleich laben, ich hoffe doch, Sie können schießen, Herr Malkwitz, wenn wir wirklich ein Rencontre mit den Mölken haben sollten?"

Ich versetzte einfach, daß ich Soldat gewesen sei, worauf mein Begleiter befriedigt nickte und sich in seine Ecke zurück- lehnte. Wir hatten mittlerweile den Wald erreicht, der sich dunklen Linien in einiger Entfernung rechts und links vom Weg hinzog. Angestrengt jpähte ich, so gut dies in bet Dämmerung des Wintertages möglich war, in die gespenstisch an uns vorbeihuschenden Waldmaffen hinein, doch nicht bai geringste Verdächtige war zu bemerken, eS regte sich überhaupt nichts in dem Walde. Nichts war zu vernehmen, als daS Schellengeklingel und daS Schnauben der Roffe, sowie die sie anfeuernben Zuruse deS Kutschers. Nach etwa viertelstündiger Fahrt seit unserm Eintritt in den Wald hielt der Schlitten vor einem kleinen dicht am Weg liegenden Gedöst, auf welchem aus einen lauten Ruf Stephans hm ein schon be­jahrter, aber noch recht rüstiger Mann heraustrat, und am Schlitten angelangt, eine tiefe Verbeugung vor Herrn von W. machte.

Guten Abend, StanilauS I" sagte der junge Edelmann. Du kannst uns hoffenlich mit einem Glase warmen Rum bei dieser Kälte auswarien ja? Schön! Host Du übrigens etwa- von den aufgespürten Wölsen gesehen!"

Nein, gnädiger Herr," gab der Förster zur Antwort, aber das besagt weiter nichts, diese verdammten Bestien sind mit einem Male da, wenn man sie garnicht erwartet! Viel­leicht verziehen sie sich aber aus unserer Gegend wieder und nehmen die dichten Forsten deS Grasen Z. an; da- find ja auch die eigentlichen WolsSreviere."

Der Alte eilte jetzt nach dem Hause zurück und erschien bald darauf mit dem bestellten warmen Rum, den wir un­gut schmecken ließen; natürlich bekam auch Stephan seine