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hersfelder Urekblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 141.

Dienstag, den 29. November

1910.

Amtlicher teil.

Cassel, den 18. November 1910.

Nach Ziffer 258 der Au-führungsanweisung zur Gewerbe­ordnung vom 1. Mai 1904 (ReichS-Gesetzblatt 1900 Seite 871 und Sonderbeilage zum Amtsblatt Nr. 24, Jahrgang 1904) sind die Katasterblätter von den OrtSpolizeibehörden den Gewerbeinspektoren zum 1. November jeden Jahre-, nicht erst am 1. Dezember zu übersenden.

Da die- auch von den Katasterblättern über Bäckereien gilt, so ersuche ich die Verfügung vom 27. Oktober d. Jr. A. II. Nr. 9535 entsprechend zu berichtigen. (A. II. 10024/10.) Der RegierungS-Präfident. gez.: Bernstorss.

*

Her-feld* den 24. November 1910.

Abschrift teile ich den Ort-polizeibehörden deS Kreise- mit Bezug aus meine Verfügung vom 4. d. Mt». I. I. Nr. 11363 Kreisblatt Nr. 132 zur Kenntnisnahme und Be- achrung mit.

I. 12209. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, KreiSfekretär.

Herkseld, den 24. November 1910.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 23. März 1880 Nr. 3135 KreiS- blatt Nr. 24, betreffend die Instandsetzung und Ausräumung der Flutgräben, noch im Rückstände sind, werden hieran mit einer 5tägigen Frist erinnert. I. I. Nr. 12091. Der Landrat.

3. ».:

Wessel, KreiSfekretär.

HerSfeld, den 26. November 1910.

Die Herren Bürgermeister bezw. Gut-vorsteher in Aua, Allendorf, Bengendorf, Bingarte-, Gittersdors, Hattenbach, Heringen, Oberförsterei Heringen, Hillart-haujen, LanderS- baufen, Leimbach, Lenzer», Meckbach, Mecklar, Meifebach, Niederaula, Oberförsterei Niederaula, ObergeiS, Peter-berg, ReiloS, Rohrbach, Roßbach, Sicglo», Tann, Unterbaun und Wippershain haben mir die Verzeichnisse über die Biehfeuchen» Abgube bis jetzt noch nicht eingereicht.

Ich ersuche, unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 18. Oktober und 10. November d. JS. Nr. 10628 fKreis- blatt Nr. 126 und 134) die Verzeichnisse nunmehr bestimmt bß spätestens zum 1. Dezember d. JS. mir ein- zujcnden.

I. 10628. Der Landrat.

I. A.: _______________________________Wessel, «rei-sekretär.

HerSseld, den 24. November 1910.

Die unter dem Echwcinebcstande deS Landwirt- Carl

Roman von E. v. W i n t e r s e l d - W a r n o w.

(Forffetzung.)

Tu mir den Gefallen und hol mir nur den Schreier nicht. Ich kann die Quacksalber nicht au-stehen! Erzähl« mir lieber ein bißchen, dann kommt man aus ander« Ge­danken. Und warte, ich hole Dir ein GlaS Madeira und eine Zigarre."

Er stellte beide» vor den Freund hin und drückte ihn in einen Sessel. Er selbst behielt sein Marschtempo bei, sprach aber dabei immerfort.

Weißt Du, ist eigentlich nett, daß du gekommen bist! Langweilte mich schon sterblich und wäre wohl noch heute abend ms Kasino gekommen. Na, und nun erzähle! War» lustig gestern abend? Ihr habt den kleinen Rieger fortgefeiert, waS?"

Die klugen Augen bei Hauptmonn» von Reichenbach blickten ihn ernst an. Da war etwa- nicht richtig. Diese forcierte Lustigkeit war Unnatur bei einem Menschen wie Tessow.

Na, er würde ei schon herau-bekommen!

Und so erzählte er denn umständlich von gestern abend, von dem Liebetmahl, gab kleine Witze zum besten, sprach von den Vorgesetzten, vom Kommandeur. Dabei hatte er aber die felsenfeste Ueberzeugung, daß bet Freund kein Wort verstand von allem, was er redete.

Endlich sagte er:Hör mal, mein Junge, könntest du deinen Dauerlaus nicht ein bißchen einstellen? Man wird ja ganz dösig von dem ewigen Hin und her."

Ja, gewiß, ja, ich setze mich schon.»

Er warf sich in den zweiten verfügbaren Polsterstubl seiner Wirtin und starrte vor sich hin. Er grübelte immerfort über eine Einkleidung seiner Frage, der Frage, die er stellen mußte, von der, wie er jetzt fühlte, auch für ihn Wohl und Wehe, Leben und Sterben abhing.

Da endlich kam Reichenbach von selbst daraus zu sprechen

Freund zu ObergeiS au-gebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

I. 12231. Der Landrat.

I. A.:

Wessel, Krei-sekretär.

Gefundene Gegenstände.

Ein Pserdc-Futtersicb. Meldung deS Eigentümer- bei dem Ort-vorstand in Arbach.

zugelaufen.

Ein Hund. Meldung det Eigentümer- bei dem Ort», vorstand in Unterneurode.

Reichstag.

Im Reichstage ging am Freitag die Interpellation-debatte betreff- der Fleischteuerung nach dreitägiger Dauer zu Ende, wesentlich neue» zu dem vorliegenden Thema zeitigte indessen dieser letzte Verhandlung-tag nicht mehr. Als erster Redner in der Freitag-diskussion trat der Sozialdemokrat Hildenbrand aus, der sich schaff gegen die Regierung und die agrarische Mehrheit deS Reichstage- wegen ihrer Haltung in der Fleisch» teuerung-srage wandte und betonte, daß die deutsche Arbeiter­schaft bei den nächsten Reichstag-wahlen diese Haltung quittieren werde. Im sonstigen verbreitete sich Abg. Hildenbrand über die sanitäre Seite des Fleischtransportes. Der Staatssekretär bei Reich-amte- bei Inner«, Dr. Delbrück, der hieraus bei Wort ergriff, führte au», daß die ReichSregierung auS sanitär- polizeilichen Erwägungen sich nicht aus die vielfach geforderte Milderung der Bestimmungen bei FleischbeschaugesetzeS ein­lassen könne, er bekämpfte ferner die Behauptung, daß dir Agrarpolitik der Regierung daS deutsche Volk schädige. Der Nationalliberale Wachhorst be Wente trat hauptsächlich für innere Kolonisation ein und stimmte der energilchen Durchführung bei FleischbeschaugesetzeS zu. Vom neuen Vizepräsidenten Dr. Schnitz holte sich übrigens der nationalliberale Redner einen Ordnungsruf, weil er einen Zwischenruf von der rechten Seite deS Hause- als eine Gemeinheit bezeichnet hatte. In humoristi­scher Weise beleuchtete Abg, Kobelt (Fortfchr. Vp), welcher in seinem bürgerlichen Berufe Fleischermeister ist, die Fleisch- teuerung. Im weiteren Verlaufe der Sitzung sprachen noch die Abg. Linz (Reichsp.), Wölz (nat.-lib.), Dr. Hahn (konj.), welcher vom Standpunkte bei Bunde» der Landwirte aui gegen die Darlegungen deS Abgeordneten Wochhorst be Wente betreffs der inneren Kolonisation polemisierte, Emmel (foz.), Fegter (Fortschr. Vp.) und Löscher (Reichtp.) Mit persönlichen Bemerkungen endete diese Interpellation», dcbatte.

Der Reichstag bot am Sonnabend ein nicht alltägliche»

Du, heute morgen hast du auch was versäumt, die Schwurgericht-Verhandlung wegen ber Berg, weißt du, vom Palafthotel. Donnerwetter, ist die Frau schön!»

Na, und wie ist'- geworden?» fragte Teflow. Seine Stimme klang heiser.Ist sie verurteilt?"

Verurteilt? Nein! Ob sie'- tat? Weiß ich nicht. E- war eine kolossal interessante Geschichte! Da- reine Drama!»

Also freigesprochen wegen mangelnder Beweise?»

I bewahr«! Der Vater ist verurteilt. Er stellte sich ja selbst."

WaS tat er?"

Teffow sprang aus und warf in seinem Ungestüm deS Freunde- Weinglas um.

Und verurteilt, sagst du?"

Na, Gott, ja! Du bist wiiklich heute surchtbar nervös, mein Junge. WaS ist denn dabei ? Mir ist ja auch die ganze Geschichte ein wenig schleierhaft; aber schließlich, er sagt's doch selbst, daß eri getan hat. Na, und zum Vergnügen läßt sich doch keiner vier Jahre einsperren. Sie sind ja noch milde genug mit ihm verfahren, aber sein tadelloser Leu- mund kam ihm zu gute. Und dann die ganze verzwickte Ge­schichte! Jedensall- hat er sich bei dem Urteil znsrieden ge­geben."

Ein Seufzer löste sich von TessowS Lippen. Ein Zug von Erleichterung ging über fein Gesicht. Aber jetzt, wo die rasende Spannung nachließ, wurde ihm fast schwach, und ein Gefühl wie eine Ohnmacht wandelte ihn an.

Er fühlte plötzlich, daß er sich doch gemeldet hätte, wenn sie verurteilt worden wäre. E- wäre ja auch feige und ehrlo« gewesen, wenn er dann noch geschwiegen hätte. So aber war ei ihm erspart worden. Gott fei Dank I Er atmete tief auf, sank zurück aus den Stuhl und bedeckte die Augen mit der Hand.

Verzeihe", murmelte er,mir ist wirklich nicht gut heute."

Reichenbach war besorgt aufgestanden.

Dar sehe ich! Komm' mal her, mein Junge! Trink' mal!"

®iL\ Tribünen und Logen find dicht besetzt und die Frequenz der Abgeordneten läßt nicht- zu wünschen übrig. Die Inter­pellation über die Kaiserreden und ihre Besprechung üben ihre Anziehung-kraft aui, obwohl sich jeder von vornherein sagen konnte, daß der Verlauf ein wesentlich anderer sein würd« ali vor zwei Jahren.

Vielleicht trug dieser Situation der Abg. Ledebour (6ojb.) Rechnung, indem er die Interpellation mit ungewohnter Ruhe und Mäßigung begründete, so daß er feine fünfviertel Stunden dauernden Ausführungen ohne jeden Zwischenfall zu End« sühren konnte. Lebhafter wurde die Stimmung während der kurzen Rede deS Reichskanzler» von Bethmann Hollweg, der erst auf die Begründung Ledebour» und dann auf bie Inter­pellation selbst antwortete, beide- mit so großer Entschiedenheit, daß aus der rechten Seite und in der Mitte rauschender SeifeU laut wurde.

Verhielten sich während der Rede bei Kanzler- die Sozial- demokraten noch ruhig, so änderte sich ihre Haltung während der folgenden Ausführungen bei Zentrumsführert Frhrn. von Hertlein und bei Konservativen v. Heydebrand und der Safe, die mit Angriffen gegen die äußerste Linke nicht sparten. Ihre Zwischenrufe häuften sich so sehr, daß der langmütige Präsi­dent Gras v. Schwerin-Löwitz sich schließlich genötigt sah, ein- zugreisen.

Die Interpellation Albrecht und Genoffen lautet:Bai gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun in Ausführung der im November 1908 vom Fürsten Bülow ali verantwortlichem Reichskanzler und zugleich im Namen bei Kaiser- dem Reichs­tage abgegebenen Erklärungen, die durchbrochen worden find durch die in diesem Jahre in König-berg i. Pr. und in anbeten Orten vom Kaiser über seine staatsrechtliche Stellung abge­gebenen Erklärungen?**

Die neue Milttarvorlage.

Der Gesetzentwurf über die Frieden-präsenzstärke wird in der vom Bundesrat festgestellten Fassung, wie der L. 8. hört, die durchschnittliche JahreSstärke des deutschen Heere- vom April nächsten James an derart steigern, daß sie im Jahre 1915 die Zahl von 515 321 Gemeinen, Gefreiten und Obergesreiten erreicht. Aus dieser Höhe bleibt die Truppenzahl bis zum Ablauf dr- neuen Quinquennat-, also biS zum 1. April 1916, bestehen. Von der angegebenen Gesamtzahl entfallen aus Preußen und die ihm angcjchloffenrn Kontingent der kleineren BundeSstaaten 399,026 Mann.

Jnsolge der Steigerung der Friedenspiäfenz greift auch eine Vermehrung der Zahl der Formationen Platz, so daß nach völliger Ausbildung der in Autsicht genommenen neuen Organisationen bestehen sollen: bei der Infanterie 634 Ba­taillone, bei der Kavallerie 510 Etkadron», bei der Feld­artillerie 592 und Fußartillerie 49 Bataillone, Pioniere 29, Veikehr-truppen 17 und Train 23 Bataillone.

Die veranschlagten Mehrkosten infolge der OrganifationS-

Er schenkte ihm von dem Madeira ein und hielt ihm daS Glar hin.Und dann leg' dich mal ein bißchen hin. Ich lese hier eine Weile, wenn du den Doktor nicht willst."

Nee, nec, laß man", wehrte er, ali Teffow Einwendungen machen wollte.Dat ist ganz selbstverständlich. Ich wette, du schläfst dich aus und dann ist alle- wieder gut. Und nun komm."

Und Teffow ließ sich wiiklich bereden, ging ini Schlafzimmer und legte sich nieder. Er war so müde, daß er fast sofort in festen Schlaf fiel.

Reichenbach schüttelte den Kops.

Der Teffow war doch emschieden krank.

Na, warten wir mal ab. und e- ist nicht ander- in ner Stunde holen wir den Schreier."

Leise ging er wieder in- andere Zimmer und sah sich aus dem Schreibtisch nach Zeitungen um. Da fiel sein Blick auf da- Bildchen.

Donnerwetter, daS war doch--Unmöglich! Ihr Bild ? Hier bei Teffow ? Und doch war sie'-, schön wie ein Engel.

Reichenbach pfiff ganz leise durch die Zähne. Deshalb die Aufregung bei Freunde»! Da» erklärte ja die ganze Situation. Und die Frau? Diese schöne, berauschend schöne Sünderin? Welcher Leichlsinn von dem Tessow, baß Bild hur liegen zu lassen! Aber freilich, in seinem momentanen Gemütszustand« war c- begreiflich! Gut, daß da» kein Anderer gesunden hatte! Daran- hätte man ja den beiden, dem Teffow mit, einen guten Strick bieten können 1

Da- Ding wollen wir mal fortlegen."

Er versuchte, die Lade auszuziehen. Sie war unverschloffen und er schob da- Bild hinein. Alle Wetter, die Entdeckung hatte ihn ganz heiß gemacht. So ein infamer Schlmgek, der Teffow, machte sich an die schönste Frau in der ganzen Stadt von der ei immer hieß, sie fei schön wie Venus, aber kalt wie Stein 1

Und was sollte er, Reichenbach, nun tun? Sollte er zu