Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, Na
Der Anjeigenpreis beträgt für ben Raum einer ein- gespaltenen Stile 10 Pfg., im amtlichen Teile 20 Pfg. Reklamen die Seile 25 Pfg. Bei Wiederholung«« wird «in entsprechender Rabatt gewährt.n»nan»n»
Herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und.Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 147.
Dienstag, den 13. Dezember
1910»
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe IV Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten 3Vs vormals 4 prozentigen Staatsanleihe von 1881 über die Zinsen für die zehn Jahre vom 1. Januar 1911 bis 31. Dezember 1920 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werden vom 1. Dezember d. I s. ab ausgereicht, und zwar
durch die Kontrolle der Staat-papiere in Berlin S. W. 68, Oranienstraße 92/94,
durch die Königliche Seehandlung (Preußischen Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrasenstraße 46 a,
durch die Preußische Zentralgenossenschastskafse in Berlin C 2, am Zeughause 2,
durch sämtliche preußische Regierungshauptkafsen, Kreiskassen, Oberzollkassen, Zollkassen und hauptamtlich verwaltete Forstkassen,
durch sämtliche Reichsbankhaupt- und Reichsbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehene Reichsbankneden- stellen, sowie
durch diejenigen Ober-Postkassen, an deren Sitz sich keine Reichsbankanstalt befindet.
Formulare zu den Berzeichniffen, mit welchen die zur Abhebung der neuen Zinsscheinreihe berechtigenden Erneue- rungsscheine (Anweisungen, Talons) den Ausreichungsstellen einzuliefern sind, werden von diesen unentgeldlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind. (I. 2754.) Berlin, den 19. November 1910.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez. v. Bischofsshausen.
* * ♦
Cafsel, den 28. November 1910.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die erforderlichen Formulare von der hiesigen Regierungshauptkasse, den Kreiskassen und hauptamtlich verwalteten Forstkassen des Bezirks verabreicht werden. (K. Nr. 1723.) Königliche Regierung, gez. von Rieß. * ♦
Hersseld, den 12. Dezember 1910. Wird veröffentlicht.
I. 12726. Der Landrat
von Grunelius.
Bekanntmachung.
Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der 3 prozentigen deutschen Reichsanleih« von 1901 mit Januar-Juli-Zinsen über die Zinsen für die zehn
Roman von E. v. Winterfrid-Warnow.
(Fortsetzung.)
In dem frühen Dunkel des Dezembertage- marschierte eine Abteilung Soldaten unter Führung deS Leutnants von Tefsow nach dem überschwemmten Gebiet hinaus. Das ganze Flachland zwischen Wumme und Weser war in Gefahr. Man hoffte jedoch bis zum letzten Augenblick, von Borgfeld noch nach Kuhfiel zu kommen, um die Menschen aus den überschwemmten Gehösten zu retten. Unvermutet, unerwartet hatte es einzelne getroffen. Seit den Jahren 1845 und 1855 hatte hier kein Deichbruch stattgefunden. Hochwaffer in ihren Wiesen erlebten die Bewohner fast in jedem Jahr. Das schreckte sie nicht. Es machte im Gegenteil ihre Wiesen frucht- bar. So waren sie noch am Vorabend mit einem fast leichtsinnig zu nennenden Gefühl der Sicherheit zur Ruhe gegangen, bis ihnen dann am anderen Morgen der erste Blick durch die geöffneten Laden lehrte, daß Gefahr im Verzug« war. Freilich kam dies« Erkenntnis fast allenthalben zu spät. Die Leute sahen sich rings vom Wasser umringt, das immer noch stieg und schwoll und jede Möglichkeit, sich in Sicher- heit zu bringen, obschnitt. Ein Haus stand besonders exponiert, den gesährdeten Leben in diesem Hause drohte in erster Linie der Untergang. Diesem Haufe galt aber auch in erster Linie die von Leutnant von Tefsow geführte Hilss- expedition.
Im fahlen Monblicht und nur hin und wieder durch eine vorüberziehende Wolke verdunkelt, sah man einen weiten user- losen Wasserspiegel mit mattglänzendem Schein: die von der Weser überschwemmten Wiesen.
Die seltsamsten Dinge schwammen daraus herum: Balken, Reisig, eine verlassene Hundehütte, dort sogar ein leerer Kinderwagen, hier kämpste ein Kalb, in wilder Verzweiflung um sich schlagend, den letzten aussichtslosen Kamps gegen die Wellen.
Es erwies sich als sehr schwierig, den gesährdeten Häusern
an Orten ohne , Reichs- bank- an- stalt.
Jahre vom 1. Januar 1911 bis 31. Dezember 1920 nebst ben Erneuerung-scheinen für die folgende Reihe werden vom
1. Dezember d. Js, ab ausgereicht und zwar
durch die Königlich Preußische Kontrolle der Staat-papiere in Berlin S. W. 68 Oranienstraße 92/94,
durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrasenstraße 46 a,
durch die Preußische Zentralgenossrnschastskasie in Berlin C. 2, am Zeughause 2,
durch alle Reichsbankhaupt, und Reichsbankstellen und alle mit Kasseneinrichtung versehenen Reich-banknebenstellen, durch alle preußischen Regierung-Hauptlasten, Kreiskassen, Oberzollkassen, Zollkassen, und hauptamtlich verwalteten Forstkassen,
durch diejenigen Oberpostkafsen, an deren Sitz sich keine Reichsbankanstalt befindet,
ferner in Bayern durch die Königliche Hauptbank in Nürnberg und ihren sämtlichen Filialen,
in Sachsen durch die Königlichen Bezirkssteuer- einnahmen,
in Württemberg durch die Königlichen Kameral» ämter,
in Baden durch die Mehrzahl der Großherzog- lichen Finanz- und Hauptsteuerämter.
in Hessen durch dir Grobherzoglichen Bezirk-kassen
und Steuerämter,
in Sachsen-Weimar durch die Großherzoglichen
Rechnungsämter,
in Elsaß-Lothringen durch die Kaiserlichen Steuer- kafsen,
in den übrigen Bundesstaaten durch verschiedene
von ihnen bekannt gegebene Kassen.
Formulare zu den Verzeichnissen, mit welchen die zur Abhebung der neuen Zinsscheinreihe berechtigenden Erneuerungs- scheine (Anweisungen, Talons) einzuliefern find, werden von den vorbezeichn«ten Ausreichungsstellen unentgeltlich abgegeben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Er- nruerungSscheine abhanden gekommen find.
Berlin, den 14. November 1910.
Reichsschuldenverwaltung. gez. v. Bischoffshausen. e *
Hersfeld, den 8. Dezember 1910.
Wird veröffentlicht.
I. 12943. Der Landrat.
von Grunelius.
Hersseld, am 8. Dezember 1910.
Der Kreisarzt und Vorsteher des Königlichen Medizinal- untersuchungsamtrs in Stade Dr. med. Karl Opitz hat im Verlage von Richard Schortz in Berlin unter dem Titel „Brunnendygiene" eine Anleitung zum Bau der gesundheitlich einwandfreien Brunnen erscheinen lassen. Das mit zahl-
Hilfe zu bringen. Der Landgendarm, der sich den Soldaten angeschlossen hatte, mußte die Führung übernehmen. Glücklicherweise wurde sofort ein Boot gefunden. Es war ein altes, morsches Ding, ein wahrer „ Seelenverkäufer", aber immer besser als gar nichts.
Tefsow stieg mit dem Gendarm und sechs von seinen Leuten ein. Die übrigen blieben als Reserve zurück. Man mußte sehr vorsichtig rudern, denn selbst hier schwammen vereinzelt große Eisschollen, denen es auszuweichen galt, sollte nicht der Fall rintreten, daß das Boot durch einen wuchtigen Anprall zertrümmert wurde.
„Sehen Sie, Wachtmeister, was kommt denn dort?"
Der Mond war gnade hinter Wolken verschwunden. Im Augenblick war nicht» zu sehen. Dann aber tauchte deutlich neben dem Stumpf einer gespenstisch übn das Wasser hervor, ragenden Weide eine große, treibende Planke auf, aus der etwas saß, daS zu leben schien.
Ein langgezogener heulender Ton erklang. Den Leuten im Boot schlug da« Herz ein wenig schneller. Plötzlich aber brach Tefsow in fröhliches Lachen au».
„Das ist ja ein Hund, ein großer, weißn Schäferhund. Arme» Tier, dich wollen wir retten."
Wieder daS langgezogene klägliche Heulen.
Sie ruderten jetzt direkt daraus zu. Das ganz verängstigte Tier wich ansangs noch weiter auf den Rand seiner Planke zurück. Da drängte der Gendarm da» Boot dicht an di« Planke. Dann ein Griff in das zottige Haar, nun faßten auch andere Hände zu. Ein Schwung, und daS Tier lag im Boot. Es zitterte am ganzen Körper. Aus TessowS beruhigendes Zureden schmiegte es sich endlich ängstlich zu seinen Füßen nieder.
Jetzt stießen sie ab von der Weid« und ruderten weiter in der Richtung nach Süd-Ost. In dieser Richtung ungefähr mußte nach der Schätzung des Gendarmen der am meisten gesährdrtr Hof des Kleinbauern Beling liegen.
„Wenn doch die verflixten Wolken nicht immer wieder dazwischen kommen wollten", murrte der Gendarm. „Man kann rein gar nicht« sehen."
reichm Abbildungen ausgestattete, im Buchhandel für 2 Mark käuflich« Buch verfolgt nicht nur den Zweck, die beim Brunnenbau beschäftigten Gewerbetreibenden in gedrängter gemeinverständlicher Form über die wichtigsten Forderungen der Brunnenhygiene zu unterrichten, sondern will auch den Organen der ländlichen Verwaltung da ein sachverständiger Beirat sein, wo sie sich selbst ein Urteil über ein» Wasserversorgungs- anlage bilden wüsten.
Ich mache aus das Erscheinen des Werkes aufmerksam und empfehle dessen Anschaffung.
I. 12941. Der Landrat
von Gruueliu«.
Hnssckb, den 7. Dezember 1910.
Aus den in Nr. 48 des Regierungs-Amtsblatts vom laufenden Jahre abgedruckten Nachttag vom 3. November d. I«. zu der Geschäjts-Anwnsung für die katholischen Kirchen» Vorstände und Gemeindevertretungen in der Provinz Hesten- Nassauvom 4. Februar 1902 (Regierungsamtsblatt Nr. 10/1902) wird hin gewiesen.
I. 12046. Der Landrat
von Grunelius.
Am Montag, den 19. Juni 1911, vormittag« 8 Uhr, und an den folgenden Tagen soll in den Räumlichkeiten der hiesigen Königlichen Kunßgewerbe» und gewerblichen Zeichen- schule, sowie der Königlichen Kunstakademie eine Prüfung für Zeichenlehrer und Zeichenlehrerinnen gemäß der Prüfungsordnung vom 31. Januar 1902 abgeholten werden.
Anmeldungen zu dieser Prüfung find unter Angabe des demnächstigen Wohnortes und unter Beifügung der vorgeschriebenen Schriftstücke spätestens bis zum 1. Mai nächsten Jahres an uns einzureichen.
Die vorzulegenden Studienblätter usw. find bis zu demselben Zeitpunkte von auswärtigen Prüflingen unmittelbar dem Direktor der hiesigen Königlichen Kunstgewerbeschule, Herrn Prosefsor Schick, zuzustellen. (S. 16064.)
Eafsel, am 12. November 1910.
Königliches Provinzial-Schulkollegium.
J. V.: gez. Kaiser.
Hersseld, den 8. Dezember 1910. Wird veröffentlicht.
I. 12272. Der Landrat
von Bruneliut.
Hersseld, den 8. Dezember 1910.
Die unter dem Schweinebestande des Ernst Heinrich Schmidt in Wölftr-hausen autgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 12936. Der Landrat
von Grunelius.
Da zerriß der Wolkenschleier, und inmitten der Gewässer sahen sie das Gehöft liegen. Scheune und Haus standen noch, beide sittlich bis zur halben Höhe unter Wasser gefetzt.
Die Obstbäume des Gartens, die tiefer standen, ragten nur noch mit den letzten Spitzen der Arste und Zweige hervor.
Und rings überall, wohin da» Auge blickte, überschwemmtes Land. Eines wenigsten» wirkte beruhigend in in dieser gleichmäßig au-gebretteten RiÜ.egenbeu Wasser- wüst«; man hatte die treibenden Eisschollen nicht mehr zu sürcht«n.
„Wollen wir nicht erst mal rufen, ehe wir ganz hin» fahren?" . meinte Unteroffizier Degmkolb. „Vielleicht ist der Hof schon gestern bei Tage verlassen worden und wir kommen aufs leere Rest."
„Ich glaube nicht!" warf Gendarm Holzapfel ein. „Die Leute find ja nun mal so bodenlos leichtgläubig und leichtsinnig. Die denken nicht eher an die Gefahr, biS sie da ist! Aber wir können ja mal rufen."
Er legte die Hände an ben Mund und rief: „Holla, ho! Gebt Antwort!"
Tiefe Stille über dem Wafsermerr.
Er rief noch einmal.
All« horchten.
Da sagte der eine der Soldaten: „Herr Leutnant, ich höre etwas! Es klingt wie: Hilft!"
Wiedrr horchten alle.
„Rufen Sie noch einmal!"
Nochmals ertönte daS: „Holla — ho!"--über das Wasser.
Da! Wirklich! Et war ein leiser Ton aus weiter, weiter Fern«. „Hilfe I" — und dann noch einmal, schwäch«?, klang es: -Hilfe!"
Wirklich, das war eine menschliche Stimm«, dir um Hilfe rief.
„Aus, Leute, schnell, nun hrißt es vorwärts l" komman- vierte Leutnant Tefsow.
Es gab einen harten Kamps mit der Strömung, di«