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HerrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-anschlutz Nr. 8
Nr. 148
Donnerstag, den 15. Dezember
1910
Amtlicher teil.
HerSseld, den 7. Dezember 1910.
Den Herren Standesbeamten des Kreises überfende ich in den nächsten Tagen die Formulare zu den gemäß § 46,7 der Wehrordnung anzufertigenden AuSzügen auS den Civil- standSregistern. Die Auszüge sind alSbald anzufertigen. Diejenigen auS den Geburt Sregistern sind den Ortt - Vorständen der betreffenden Gemeinden bis zum 15. Januar 1911 zu übersenden. Die AuSzüge aus den Sterberegistern sind mir einzureichen.
Es ist für jeden einzelnen Sterbesall ein besonderer AuS- zug anzufertigen. Der Geburtstag deS Verstorbenen ist in Spalte „Bemerkungen" einzutragen, fällt das Datum, welches auS dem Sterberegister nicht hervorgeht, anderweit bekannt geworden ist.
M. 2540. Der Landrat
von GruneliuS.
Hersfeld, den 10. Dezember 1910.
Die unter dem Schweinebestande des Heinrich Riebold zu Lautenhausen ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 13051. Der Landrat
von GruneliuS.
Hersseld, den 10. Dezember 1910.
In Rößbach ist der Schweinerotlaus amtlich festgestellt worden.
I. 13066. Der Landrat
von GruneliuS.
JIn der Königlichen Lehranstalt für Mein-, Obft- und Gartenbau zu Geteeenbeim a/Rbein finden im Jahre 1911 folgende Unterrichtskurse statt: 1. Reb- lauSkursus vom 16. bis 18. Februar. 2. Obstbaukurjus vom 16. Februar bis 8. März. 3. BaumwärterkursuS vom 16. Februar bis 8. März. 4. ObstbaunochkursuS vom 17. bis 22. Juli. 5. BaumwärternachkursuS vom 17. bis 22. Juli. 6. ObstverwertungskursuS für Frauen vom 31. Juli bis 5. August. 7. ObstverwertungskursuS für Männer vom 8. bis 19. August. 8. Analysenkursus vom 1. bis 12. August. 9. Hefekursus vom 14. bis 26. August.
Das Honorar beträgt: für Kursus 1 nichts, für Kursus 2 und 4 für Preußen 20 Mk., für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 Mk. Preußische Lehrer sind frei. Personen, die nur am Nachkursus (Nr. 4) teilnehmen, zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk., für Kursus 3 und 5 Preußen sind frei; Nichtpreußen zahlen 10 Mk. und wenn sie nur am Nachkursus (Nr. 5) teilnehmen 5 Mk., für Kursus 6 für Preußen 6 Mk., für Nichtpreußen 9 Mk., für KursuS 7 für Preußen 10 Mk., für Nichtpreußen 15 Mk., für Kursus 8 und 9 für Preußen je 20 Mk., für Nichtpreußen je 25 Mk., wozu noch 20 Mk. für Gebrauchsgegenstände und 1 Mk. für Bedienung kommen.
Roman von E. v. Winterseld-Warnow.
(Fortsetzung.)
„Hier! Ansassen, Leute, ausgepaßt!"
Ein Dutzend muskulöser Fäuste griff zu und bald saß der alte, jetzt bitterlich schluchzende Mann auf dem Boden bei Bootes. Dann folgte Katharina, die sich willig helfen ließ. Zuletzt sollte daS junge Mädchen an die Reihe kommen. Aber die schien nur Gedanken für ihre Ziege zu haben. Schließlich zerrte sie das ganz verängstigte Tier am Halsband herbei und drängte eS gegen daS Fenster.
„Die Ziege muß mit!" rief sie beherzt. „Bitte, bitte!" Im nächsten Moment war auch die Ziege geborgen.
Dann schwang sie sich selbst behende durch die erweiterte Oeffnung. Ihr nach als letzter kehrte Leutnant von Tessow in das Boot zurück.
Es war die höchste Zeit. ES galt, so rasch alS möglich aus dem Bereich deS wankenden HauseS zu kommen. Alle Hände griffen zu den Riemen. Im schnellsten Tempo schlugen die Ruder taktmäßig in daS Wasser. Wie ein Pfeil flog daS Boot dahin. Gottlob, aus der Umgebung des HauseS, daS in kürzester Zeit stürzen mußte, waren sie hinaus! Aber wohin nun? Rings Wasserfluten, und nur hier und da ein paar Weidenbäume.
Und darüber ein Himmel mit treibenden, jagenden Wolken, die alle Augenblicke die ganze Gegend mit tiefster Finsternis überzogen.
Sie ruderten aufs Geradewohl; hier stieß man an eine treibende Planke, dort an ein schwimmendes Waschfaß, einen Tisch, einen Stuhl.
Gendarm Holzapfel murmelte halblaut: „DaS ist ja eine tolle Geschichte I Ich habe keinen Schimmer mehr, wo wir sind."
Plötzlich trieben sie mit scharfem Ruck gegen eine SiS- schölle.
„Aha I Endlich I Da ist der Deich in der Nähe. Nun
Anmeldungen find zu richten, bezüglich der Kurse 2 bis 7 an die Direktion der Königlichen Lehranstalt, bezüglich des KursuS 8 an den Vorstand der önochemischen Versuchsstation und bezüglich des KursuS 9 an den Vorstand der pflanzen- physiologischen Versuchsstation.
Wegen Zulassung zum ReblauSkursuS (Nr. 1) wollen sich Preußen an den Herrn Ober-Präsidenten der Provinz ihres Wohnsitzes, Nichtpreußen an ihre Landesregierung wenden.
Weitere Auskunft ergeben die von der Anstalt kostenfrei zu beziehenden Satzungen.
Der Direktor Professor Dr. Wortmann, Geh. Reg. Rat.
* *
HerSfeld, den 8.*Dezember 1910. Wird veröffentlicht.
I. 12871. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 9. Dezember 1910.
Der Herr Ober-Präsident in Cossel hat dem Prämienmarkt- Komitee hier zu der am 19. Juli 1911 beabsichtigten Verlosung von Pferden, Rindvieh, Geflügelstämmen, Fahr- und Reit- geräten, landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten zum Besten der Hebung der Viehzucht im Kreise HerSseld die Genehmigung erteilt.
Der Vertrieb der Lose findet in den Kreisen HerSfeld, Homberg, Hünfeld, Fulda und Rotenburg a/F. statt.
Die Ort-polizeibehörden des KreiseS werden angewiesen, dafür zu sorgen, daß dem Vertriebe der Lose hier im Kreise keine Hindernisse bereitet werden.
I. Nr. I. 12986. Der Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher Ceil.
Reichstag.
Bei der am Montag fortgesetzten allgemeinen EtatSdebalte des Reichstages sprach zunächst der Staatssekretär deS Reichr- justizamtes Dr. LiSco, um sich gegen eine vom sozialdemokratischen Abgeordneten Schridemann in der letzten ReichStag-sitzung ausgestellte Behauptung zu wenden. Hieraus ließ sich Abg. Lattmann von der Wirtschaftlichen Vereinigung vernehmen, feine Ausführungen trugen indessen im wesentlichen nur den Charakter einer parteipolitischen Polemik gegen die Liberalen und die Sozialdemokraten. Dann ergriff der neue Staatssekretär deS Reichsamt«- deS Auswärtigen v. Kiderlen—Wächter daS Wort, um sich hauptsächlich über die marrokanischen Angelegenheiten zu verbreiten. Er versicherte hierbei, die deut- schen Interessen in Marokko würden nicht zu kurz kommen; weiter verhieß er eine Resorm bei Auswärtigen AmteS und schloß mit einem Appell an den Reichstag, ihm Vertrauen zu schenken. Direkt nach Herrn v. Kiderlen—Wächter kam auch
mal los! Hier müssen wir quer durch. Könnt ihr auch noch, Jungens? Wart, du da, laß mich mal ran ans Ruder! Will dich mal ein bißchen ablösen."
Er ergriff daS Ruder und schob den Soldaten beiseite. Tessow saß am Steuer und versuchte mit möglichst« Vorsicht an den treibenden Planken, an allerlei Hausrat und den sich mehrenden Eisschollen vorbeizusteuern. Die Geretteten hatten bi- jetzt ganz still gesessen. Da entstand ihnen und den Rettern eine neue Gefahr dadurch, daß der alte Beling plötzlich ganz wild und aufgeregt wurde. Er wollte unter allen Umständen aus dem Boot heraus und sich in die Wellen stürzen.
„Ick will nah HuS, nah mienem HuS!" rief und jammerte er. „Wenn bat unnergeiht, will ick mit unnergahn I Lat mi rut, lat mi tut! Dor is mien Willem storben, dor will ick ok bliewen!"
Zwei Mann mußten ihn mit Gewalt auf feinen Sitz niederdrücken; immer wieder strebte er über den Rand des Bootes hinaus. Schließlich warf sich ihm die Enkelin zu Füßen, und während sie feine Knie umklammerte, flehte sie:
„Vatting, Großvatting, du kannst dor doch nicht hen! Wat willst du dor?" — —
Plötzlich unterbrach sie sich.
„Horch! Was war das?"
Ein seltsamer Ton.
Ein krachendes, dumpfe- Getöse, dem lautlose Stille folgte.
Auch der Alte hatte den Sturz und da» Ausschäumen bei Wassers gehört. Wie eine schwere Erschütterung ginge-durch seinen Körper.
„Mien Hof!" schrie er aus. Dann versank er in dumpfes teilnahmloses Brüten und ließ von da an alles mit sich ge- schrhen.
Auch daS Mädchen hatte einen Schrei ausgestoßen. Dann saß ei zitternd still und blickte mit angstvollen entsetzten Augen in der Richtung bei HoseS zurück.
Dachte sie daran, was auS ihnen geworden wäre, wenn nicht im letzten Augenblick noch Hilfe gekommen, wenn nicht
der neue Staatssekretär deS KolonialamteS v. Lindequist zum Wort. In längeren Darlegungen beleuchtete der in zuversichtlicher Weise die Lage in den deutschen Kolonien und zollte zugleich seinem Amt-vorgänger Dernburg, beffen Wirksamkeit vom Abgeordneten Lattmann abfällig kritisiert werben war, wärmste Anerkennung. Im weiteren Verlaufe der Montag-sitzung traten noch als Redner auf die Abgeordneten V. Brudzewo—MielzynSki (Pole), Werner (Reformp.) und Erzberger (Zentr.), sowie regierungsseitig der preußische Kriegsminister v. Heeringen und erneut Staatssekretär v. Lindequrst. — Am Dienstag führte der Reichstag diese Verhandlung weiter.
Aus In- und Ausland.
Berlin, den 13. Dezember.
S e. Majestät der Kaiser wohnte am Montag der Hauptversammlung bei, welche die Deutsche LandwirtschaftS- gejellschast anläßlich der Jubelfeier ihres 25jährigen Bestehen- im Gebäude deS preußischen Abgeordnetenhauses am Montag nachmittag abhiclt. Der Reichskanzler und ein glänzende» militärisches Gefolge begleiteten den Monarchen. Der gegenwärtige Präsident der LandwirlschaflSgeselljchast, Landgraf Chlodwig von Hessen-Phil ppSthal, becnüfjte den Kaiser und brächte ein Hurra auf ihn aus, worauf der Kaiser eine Ansprache verlaS. In ihr gedachte er der hervorragenden Leistungen der Jubclgejellfchajt im Interesse der deutschen Landwirtschaft, und sprach ihr seine Glückwünsche zu ihrem Jubiläum und zugleich auch seine besten Wünsche für ihre weitere Zukunft auS. Dann beglückwünschten der Reichskanzler namenS der verbündeten Regierungen die Festverfammlung, hierbei hervorhebend, wie die Arbeiten und Bestrebungen der Deutschen Landwirtschaft-gesellschaft über daS Gebiet bei landwirtschaftlichen Berufslebens hinaus auch dem gesamten deutschen Butts dienten. Es nahmen zu weiteren Ansprachen noch daS Wort der preußische Landwirtschaft-minister Freiherr V. Schorlemn- Lieser, der ReichStagSpräsident Gras Schwerin-Löwitz, Oberbürgermeister Dr. Kirfchner-Berlin, der Rektor der landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Geheinnat Wittmarck, und der Vorsitzende vom Vorstand der Jubelgeselljchast, v. Freier. Im weiteren Verlaufe der Festsitzung hielt Prof. Dr. BehrenS- Dahlen einen Vortrag über den derzeitigen Stand der Boden- bakteriologie. Der Kaiser verweilte bis zum Schluß der Versammlung und verließ sie unter rauschenden Akklamationen der Anwesenden.
Staatssekretär a. D. Dernburg wendet sich in einer Zuschrift an das „B. T." gegen verschiedene ihm in der ReichStag-debatte gemachten Vorwürse. Er weist zunächst an der Hand der Tatsachen die Behauptung zurück, daß er unmittelbar nach dem Abschluß der Diamantenverträge seinen Abschied genommen habe, und legt dann dar, daß die Rein-
der junge Offizier mit seinen Leuten so energisch ein gegriffen hätte?
Die alte Kathrine daneben saß furchtsam in sich versunken; sie zog ihr Kopftuch tiefer inS Gesicht und murmelte unverständliche Worte vor sich hin, die wie Gebete und Stoßseufzer klangen.
Endlich schien man die gefährlichste Stelle passiert zu haben. Der Anprall der Schollen und Planken ließ nach; auch sah man deutlich einzelne Lichter, und darüber, rötlich am trüben Himmel glühend, die sphärische LichtauSstrahlung der Stadt Bremen.
Nach zwei langen, langen Stunden erreichte man endlich eine Landung-stelle, spürte man wieder festen Grund unter den Füßen.
Beim AuSsteigen ergriff die Enkelin des alten Beling TeffowS Hand mit ihren beiden Händen und drückte einen heißen Kuß darauf.
Erschrocken schob er sie zurück.
„Aber Kind! Liebes Fräulein! Ich tat doch nur meine Pflicht! Und nun ins Warme! Wo ist hier das nächste WirtShauS?"
Da wußte Holzapsel Bescheid. Er nahm sich deS alten Beling an, der ganz in sich zusammengesunken war, zog einfach den Arm des Alten unter den seinen durch, und so setzte sich langsam der kleine, aus so verschiedenen Elementen gebildete Zug in Bewegung.
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Die Flut stieg unaufhaltsam weiter.
Tagelang war kein Nachlassen, kein Abläufen zu bemerken. Der Verkehr im UeberjchwemmungSgebiet konnte nur notdürftig aufrechterhalten werden. Anfangs suchte man sich noch durch Bretterstege in den Außenorten zu behelfen, bis schließlich auch die letzte Verbindung mit den verlassenen menschlichen Wohnungen aufgegeben werden mußte — bai Wasser war überall.
Eines TageS war auch Lolo Lüning mit ihrem Bat« hinauSgefahren ins UeberjchwemmungSgebiet. AlS Senator war natürlich der alte Herr an der Beobachtung der Hoch-