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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 150, Dienstag, den 20, Dezember 1910,
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Berlin, den 17. Dezember.
Se. Königliche Hoheit Dr. Prinz August $8 iIj» Helm von Preußen bestand heute vormittag vorder ordentlichen Prüfungskommission für Referendare am Kammergericht sein Referendarexamen mit „Gut." — Wie bekannt, studierte der Prinz vier Semester in Straßburg und Bonn Rechts- und Staatswiffenschasten, fand nach seiner Ueber- siedlung nach Pvtsdam bei der Königlichen Regierung zu Potsdam praktische Verwendung und hat sich dann entschlossen, sein juristisches Studium ordnungsmäßig zu vollenden. Der Prinz nahm noch fünf Semester Vorlesungen, und zwar unter spezieller Leitung von Professor Stampe- Greifswald. Die Oberleitung hatte Regierungspräsident v. der Schulenburg und Oberregierungsrat Dr. v. Gröning. In Berlin erhielt der Prinz Vorlesungen von den Prosesforen Kahl, Kipp und Martin Wolff. Aus Greifswald haben außer Professor Stampe noch Professor Sment und Privat- dozent Boehmer in Potsdam Privatvorlesungen gehalten. Mit dem Prinzen gleichzeitig studierte sein Adjutant von Mackensen.
Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge wird der Preußische Landtag auf den 10. Januar 1911 einberusen werden.
Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Die britische Regierung hat sich nunmehr in der Frage der deutschen Schadenersatzansprüche aus dem britisch- südasrikanischen Kriege geäußert. Sie lehnt ein Eingehen aus alle Reklamationen, die seinerzeit den in Britisch- Südafrika eingesetzten britischen Kommissionen unterbreitet worden sind, ab, und ist hinsichtlich dieser Reklamationen auch nicht bereit, dem deutschen Antrag aus Ueberweisung der Angelegenheit an den Ständigen Schiedshof im Haag zu entsprechen. Nur für einige Fälle, welche den Kommissionen in Britisch-Südafrika nicht vorgelegen haben, erkennt sie an, daß es sich dabei um eine Rechtsfrage handelt und will diese dem Haager Schiedshof unterbreiten. DaS Auswärtige Amt hat die beteiligten Deutschen mit Nachricht versehen. ES gedenkt die Angelegenheit bei der britischen Regierung weiter zu verfolgen und wird näheres darüber mitteilen, sobald die englische Regierung von den beabsichtigten Schritten unterrichtet sein wird.
Der BundeSrat hat in seiner am 16. Dezember abgehaltenen Plenarsitzung die Gesetzentwürse, bett,die Verfassung Elsaß-Lothringens und betr. die Wahlen zur Zweiten clsaß-lothringischen Kammer, im wesentlichen in der Regie- rungsjassung angenommen; die von Sachsen, als dem referierenden Bundesstaate, gestellten Abänderungsanträge wurden abgelehnt. Der Entwurf deS VerfassungSgesetzes verleiht dem ReichSlande eine größere Selbständigkeit, als es solche bislang besaß. Sie äußert sich namentlich in der Bestimmung, daß Landesgesetze für Elsaß-Lothringen nur noch vom Kaiser unter Zustimmung deS künftigen reichsländischen Landtages erlassen werden können, womit also Bundesrat und Reichstag als Faktoren der reichsländischen Gesetzgebung ausscheiden. An den staatsrechtlichen Beziehungen des Kaisers zum Reichslande wird indessen nichts geändert, er übt nach wie vor als Vertreter der Gesamtheit der deutschen Bundesstaaten die oberste Staatsgewalt in Elsaß-Lothringen auS. Ebenso bleiben die teils landesherrlichen, teils ministeriellen Befugnisse der Statthalterschaft unverändert. Nur bedarf die Ernennung des Statthalters der Gegenzeichnung durch den Reichskanzler. Im übrigen bleibt es dabei, daß Elsaß-Lothringen eine Vertretung mit beschließender Stimme im Bundetrate noch nicht erhalten kann. Der Gesetzentwurf über das zukünftige elsaß-lothringische Parlament bringt daS Zweikammer-System. Der Ersten Kammer sollen eine Anzahl hoher staatlicher und kirchlicher Beamten deS Landes kraft ihres Amtes, sowie eine Anzahl berussständischer Vertreter, die auS indirekten Wahlen hervorgehen, angehören. Weitere Mitglieder der Ersten Kammer werden vom Kaiser auf Vorschlag des Bundesrates berufen. Die Zweite Kammer wird aus Grund des neuen Wahlgesetzes für das Reichsland auS allgemeinen und direkten Wahlen mit geheimer Abstimmung und unter mäßiger Anwendung deS Alterswahlrechtes hervorgehen. Die Zahl der Abgeordneten der neuen Zweiten Kammer ist auf 60 sestgesetzt. Mehrere Wahlkreise bilden jede der Städte Straßburg, Metz, Kolmar und Mühlhausen. Ergibt sich bei der Hauptwahl in einem Wahlkreise keine absolute Mehrheit für einen der Kandidaten, so hat sieben Tage später eine Nachwahl stattzufinden, bei welcher derjenige Kandidat, dem die meisten gültigen Stimmen zusallen, als gewählt proklamiert wird. — Die genannten elsaß-lothringischen Vorlagen werden dem Reichstag unverzüg- Wd) zugehen.
Aussehen auch in weiteren Kreisen erregt die zwischen dem Vatikan und dem Prinzen Max von Sachsen, der bekanntlich katholischer Priester ist, spielende Affäre. Der Prinz hatte in der vom Abte Pellegrini in Grotta Ferrata
in Italien herausgegebenen Zeitschrist „Rom und Orient" einen Artikel über das Projekt einer Vereinigung der römisch- katholischen Kirche mit der griechisch-katholischen Kirche gebracht und in ihm scharfe Kritik an dem Verhalten der römisch-katholischen Kirche bei diesen VereinigungSbestrebungen und weiter auch an mehreren Dogmen der Kirche ausgeübt. Der Artikel des Prinzen Max hat in vatikanischen Kreisen stark verstimmt. Auf Befehl des Papstes wurde die Nummer der Zeitschrift „Rom und Orient" mit dem Artikel deS Prinzen Max vernichtet, außerdem mußte der Abt Pellegrini den Artikel als ketzerisch im „Osservatore Romano" verdammen. Ferner soll Prinz Max vom Papste behufS Abgabe eines Widerrufes nach Rom zitiert worden fein In Dresdener katholischen Kreisen sürchtct man, daß die ganze Angelegenheit zu einem ernsten Konflikt, vielleicht gar zu einem Bruche zwischen dem sächsischen KönigShause und dem Vatikan sühren werde.
Ueber die Beschäftigung jugendlicher Fabrikarbeiter beiderlei Geschlechts und von Fabrikarbeiterinnen im Jahre 1909 werden in der Statistik des Deutschen Reichs folgende Angaben gemacht: Im Jahre 1909 wurden in 95 304 Fabriken jugendliche männliche und weibliche Arbeiter und in 88 889 Anlagen erwachsene Arbeiterinnen beschäftigt. Die Zahl der Jugendlichen betrug 458 085, darunter waren 11542 Kinder unter 14 Jahren, und zwar 6186 Knaben und 5736 Mädchen.
Eine sensationelle Mitteilung geht der Korrespondenz „Heer und Politik" aus Lustschifferkreisen zu, die Meldung von der Verhaftung eines französischen Offiziers, der in Friedrich-Hafen bei Spionage ertappt worden ist. Der französische Hauptmann Lux besand sich nach dieser Mitteilung seit einigen Tagen in Friedrichshasen, um der großen Zeppelinwerft einen Besuch abzustatten. Hier wird jetzt das Luftschiff gebaut, über dessen Ankauf durch daS Reich die Verhandlungen schweben. Es ist jenes Luftschiff, das gegenüber den bisherigen Systemen eine viel größere Eigengeschwindigkeit haben wird, wie sie von der Heeresverwaltung als unumgänglich notwendig gefordert wurde. Es ist natürlich auf das Strengste verboten, irgendwelche Zeichnungen von Teilen eines Luftschiffes zu machen, besonders, wenn es sich um ein Luftschiff der Heeresverwaltung handelt. Der französische Hauptmann Lux ist nun von einigen Werstarbeitern dabei getroffen worden, wie er Zeichnungen von einigen Teilen deS neuen Luftschiffes geheim anfertigte. Da er über den Zweck dieser Zeichnungen keiner- lei Auskunft geben konnte, so wurde er sofort wegen dringenden Verdachtes der Spionage verhaftet. Eine Untersuchung dieser höchst seltsamen Angelegenheit wurde eingeleitet.
Bei der Landtagsersatzwahl in S chrimm- Schroda wurden insgesamt 473 Stimmen abgegeben. Hiervon erhielt Rechtsanwalt v. TrampozynSki-Posen (Pole) 372 und Landschaftsrat v. Günther-Grybno (Reichsp.) 101 Stimmen. Ersterer ist mithin gewählt. Der bisherige Vertreter Dr. . Szumann hatte bei der letzten Wahl 383 Stimmen, der deutsche Kandidat, ebenfalls Herr v. Günther, 110 Stimmen erhalten.
Aus Haiderabad (Dekkan), 17. Dezember, wird gemeldet : Seine Kaiserliche Hoheit der K r o n p r i n z ist heute hiecr eingetroffen. Aus dem Bahnhose, der mit Flaggen in den Farben Deutschlands, Englands und des Nizamjchen Reiches geschmückt war, hatten sich zum Empfang eingesunden der Nizam, der englische Ministerrefident, daS gesamte Ministerium, zahlreiche eingeborene und englische Offiziere sowie Würdenträger, alle in weißer Gala. Der Kronprinz wurde von dem englischen Residenten begrüßt, der ihn mit dem Nizam bekannt machte. Sämtliche Anwesende wurden vorgestellt. Der Kronprinz und der Nizam schritten die Front der Ehrenkompagnie ab, die von einer englischen und einer Nizamtruppe gestellt war, wobei die Musik „Heil Dir im Siegerkranz", die „Wacht am Rhein" und andere deutsche Lieder spielte. Daraus bestiegen der Kronprinz und der Nizam den ersten Wagen; auf dem Rücksitz nahm der englische Ministerresident Platz. In den nächsten Wagen fuhren die Gefolge und die Würdenträger. Englische und Nizamsche Kavallerie stellten die Eskorte. Der ganze Empsang bot ein Schauspriel glanzvoller orientalischer Prachtentfaltung. Die Uniformen, die Livreen der zahllosen Dienerschaft sowie die grellfarbigen Kostüme der Volksmenge, die zu Taufenden die Straßen umsäumte, boten bei dem strahlenden Sonne», schern ein überaus malerisches Bild. Die Stadt ist festlich geschmückt. Der Kronprinz wohnt im Falakumapalast. Abends wird die Stadt illuminiert. Zahlreiche Deutsche auS allen Teilen Indiens sind hier eingetroffen, die den Krön- Prinzen bei der übermorgen stattfindenden Parade begrüßen werden. — Bei dem Empsang bei dem deutschen Konsul in Bombay hat der Kronprinz jeden einzelnen den über hundert Erschienenen ins Gespräch gezogen und lebhaftes Interesse für die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse, besonders für die Beteiligung der Deutschen am wirtschaftlichen Leben in Bombay bezeigt.
Die revolutionären Wirren in Mexiko sind noch immer nicht abgeschlossen. AuS der Stadt Guerrero kommt die Nachricht, daß dort heftige Kämpfe zwischen den RegierungStruppen und den Rebellen stattgefunden hätten,
Hinbei seien die Rebellen zunächst zurückgeschlagen worden und hätten große Verluste erlitten; doch hätten sie inzwischen Verstärkungen erhalten und es stünden daher neue Kämpfe bevor. Es wurde in den bisherigen Gefechten mit großer Erbitterung gekämpft, die Verwundeten wurden von den Soldaten der Gegenpartei vielfach mit den Bajonetten durch, bohrt. — Es ist auffällig, daß die Regierung deS Präsidenten Porfirio Diaz des Ausstandes in Nordmexiko noch immer nicht Herr zu werden vermag; sollten die Rebellen insgeheim von der Union aus Unterstützung erhalten?
Der Beduinenaus st and in Palästina scheint doch eine recht ernste Gefahr zu bedeuten. Wie auS Kon- stantinopel mitgeteilt wird, schildern Meldungen des Komman- danten des 5. Armeekorps die Lage zwischen Dschesred und Ma'an an der Hedschasbahn als äußerst kritisch. Die Hed- schasbahnlinie soll von Ma'an aus auf eine Strecke von 63 Kilometern in der Gewalt der Beduinen sein. Der Feldzug der Beduinen werde auf einen Racheakt zurückgeführt, da einer ihrer Führer in die Hände der türkischen Behörden gefallen und hingerichtet worden sei. Wie noch aus der türkischen Hauptstadt gedrahtet wird, werden von gut unterrichteter Seite die von einigen Blättern gebrachten Nachrichten über die Niedermachung von Christen im Gebiete der Hedschasbahn als unrichtig bezeichnet. Nachrichten auS Kerak zufolge handelt es sich lediglich um einige Soldaten, die von den Beduinen getötet worden seien. Im übrigen sollen die türkischen Truppen bereits Kerak besetzt haben.
In Spanien geht man jetzt an eine Vermehrung des Aktivbestandes der Armee. Die Deputiertenkammer genehmigte einen Gesetzentwurf, welcher die Erhöhung der HeereSpräfenz- stärke auf 135 000 Mar ausspricht, was eine Vermehrung um 25000 Mann beOeuM.
Hur Provinz u. Nachbargebiet.
* Die anhaltend milde Witterung ist eine Folge der über ganz Mittel- und Westeuropa unaufhörlich wehenden südlichen bis südöstlichen Winde. Seit zehn Tagen lagert ein barometrisches Tiesdruckgebiet bei den britischen Inseln, das während des größten Teiles dieses Zeitraumes ganz außergewöhnlich tief (unter 725 Millimeter) war, das aber den gewohnten Weg nach Osten oder Nordosten versperrt fand durch ein im Nordosten Europas vorgelagertes Maximum, dessen Ausläufer auch Osteuropa größtenteils bedeckten. In der näheren Umgebung des Minimums, d. h. in Westeuropa sowie in den Alpenländern fanden die bei solcher Wetterlage üblichen starken NiederschlSge statt, und diese waren infolge der lange unverändert bleibenden Luftdruckverteilung von ungewöhnlicher Dauer und entsprechender Ergiebigkeit; die in den letzten Tagen noch so häufigen Nachrichten von Hoch- wassern und ungeheuren Schneemaffen im Alpengebiet hingen damit eng zusammen. Deutschland hingegen blieb von stärkeren Niederschlägen verschont, obwohl die große Feuchtigkeit der warmen Südwinde sich auch in häufigen Nebeln bemerkbar machte. In Nordeuropa war zeitweilig schon recht scharfer Frost eingetreten, der in Haparanda das Thermometer bis auf — 25 Grad herabsinken ließ. Doch hat die Kälte nicht Gelegenheit gehabt, sich südwärts über den Finnischen Meer- busen hinweg merklich auszubreiten, und gegenwärtig ist sie auch im hohen Norden wieder im Schwinden begriffen.
* (Juristische Personalien.) Dem Ersten StaatS- anwalt Savels beim Landgericht zu Marburg ist der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen. Der Gerichtsasfessor Dr. Köppel in Hanau wurde, außerhalb des Bezirkes des Ober- landeSgerichtS zu Caffel, zum Amtsrichter in BreSlau ernannt.
g. Hersfeld, 19. Dezember. (Bor Weihnachten.) Bald ist Weihnachten! So rufen die Kinder, und lächelnd nicken Vater und Mutter ihnen zu, der eigenen Jugend gedenkend, da auch sie die Tage und Wochen zählten, die sie noch von dem schönsten Fest des Jahres, von Weihnachten trennten. Der Vater kann eS nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit gleich erzieherisch auf seinen Nachwuchs einzuwirken, indem er mit wichtiger Miene sagt: Na, Kinder, dann seid aber immer hübsch artig, denn sonst bringt der Weihnachtsmann nichts, und einen Christbaum gibt es dann am heiligen Abend auch nicht! Solche und ähnliche Worte bleiben denn auch gewöhnlich nicht ohne den gewünschten Effekt. Die Kinder sind während der Zeit von unheimlicher Folgsamkeit, denn der Gedanke, zu Weihnachten vom Christkindlein etwa nicht bedacht zu werden, ist doch ein gar zu schrecklicher I Und da beträgt sich die kleine Welt doch lieber einmal musterhaft, — wenn's auch schwer fällt! Nach Weihnachten können wir ja dann wieder unartig sein. Mit diesem Trostgrunde, der plötzlich in den schwarzen Seelchen auftaucht, geben sich schließlich auch die wildesten Rangen zusrieden. Sie üben sich einmal im Bravsein. Fritzchcn und Lieschen haben schon ihre Sparbüchse in der das Kupfergeld bedenklich dominiert, einer gründlichen Revision unterzogen. Sie überlegen, waS sie von diesem, ihnen unerschöpflich scheinenden Schatz für die lieben Eltern kaufen wollen, und es dauert gewöhnlich ziemlich lange, biS sie sich durch verschiedene Umfragen in den Geschäften davon über- zeugt haben, daß ihre finanziellen Kräfte doch nicht nur zur