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herrMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 5.
Donnerstag, den 13. Januar
1911.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 5. Januar 1911.
Diejenigen Herren Bürgermeister deS KreiseS, welche die Postkarten über die im Jahre 1910 vorgekommenen Hochwasser- und UeberschwemmungSschäden noch nicht eingereicht haben, werden hieran mit Frist b i S zum 12. d. M t S. erinnert.
I. 211. Der Landrat
von GruneliuS.
HerSfeld, den 9. Januar 1911.
In Verfolg meiner Verfügung vom 3. Dezember 1910 I. 12690, Kreisblatt Nr. 146 — bestimme ich noch, daß bei der Ablieferung der Gebühren für Führerscheine und ZulassungSbescheinigungen zwecks Vervollständigung der hier geführten Kontrolle stets auch die Nummer deS Führerscheines oder der Zulassung-bescheinigung anzugeben ist. I. 380. Der Landrat.
1 I. A.:
Wessel, KreiSsekretär.
HerSfeld, am 9. Januar 1911.
Die Rotlaufseuche unter dem Schweinebestande des Maurer- Adam Möller in Heringen ist erloschen.
I. 13824/10. Der Landrat.
I. 81.:
Wessel, KreiSsekretär.
Zugelaufen.
Ein schwarzgrauer männlicher Jagdhund. Meldung deS Eigentümers bei dem OrtSvorstand in SchenklengSseld.
nichtamtlicher teil.
Die Eröffnung des Landtages.
Die vierte Session der 21. Legislaturperiode des preußischen Landtages ist am DienStag, dem 10. Januar, mittags 12 Uhr im Weißen Saale des Königlichen Schlosses in Vertretung des Kaisers durch den Ministerpräsidenten Dr. von Bethmann Hollweg mit einer Thronrede eröffnet worden. Wie zu erwarten stand, hat die Thronrede diesmal keinerlei Ueberraschung gebracht und keine Ankündigung von Vorlagen politisch bedeutsamern Charakter- enthalten.
Mit Befriedigung wird im Eingänge der Thronrede die fortschreitende Besserung der preußischen Staatsfinanzen fest- gestellt. Sowohl im abgelaufenen Rechnungsjahr 1909 wie im laufenden Etatsjahr 1910 haben sich die Einnahmen und namentlich der bei den StaatSeisenbahnen erzielte Reinüberschuß
Gehetztes Wild.
Roman von E. v. W i n t e r f e l d - W a r n o w.
(Fortsetzung.)
Leonie hatte mit größter Zuvorkommenheit und gewissenhaft dieses jeder englischen Haussrau heilige Amt versehen.
Florry kniete währenddessen vor einem Körbchen, in dem ein schneeweißes Hündchen lag. Ihr „Beauty". Der Korb war mit blauer Seide auSgeschlagen. DaS Hündchen trug ein blauet Bündchen um den Hals.
Wenn Beauty ausging, hatte er ein Mäntelchen um von weißer Wolle mit blauer Stickerei.
Dieser Beauty war ihr mindestens ebenso wichtig, wie ihr Pferd, ihre Lady.
Alle bewunderten Beauty. Er war sehr faul und hatte gar keine Lust, sich bewundern zu lassen. Aber nachdem seine kleine Herrin ihn mit einem Stückchen Zucker munter gemacht hatte, zeigte er seine kleinen Künste. Er konnte ein Stück Zucker suchen, das man im Zimmer versteckt hatte, und konnte bitten und sich tot stellen, er faß mit dem Stück Zucker aus der Nase und nahm es nicht, wenn man ihm sagte: „Beauty, trust!"
Lauter Künste waren eS, welche zeigten, daß wenigsten- bei der Hundedressur seiner jungen Herrin nicht die nötige Geduld fehlte.
Der Lord rief jetzt: „Florry, play a little!" (Spiele ein wenig.)
„Ach, Pa, ich mag nicht!"
„Ja, bitte, Miß Florry, spielen Sie doch etwa-", hieß e- von allen Seiten.
Unschlüssig überlegt, sie.
Da sah sie Leonie- Augen auf sich gerichtet mit einem bittenden Au-druck, und sie begriff, weshalb diese es auch wünschte. Sie stand von der Erde auf, wo sie noch bei dem Hunde gekniet hatte, und holte ihre Violine.
durchaus günstig entwickelt. Die Einnahmen für das Rechnungsjahr 1911 konnten daher entsprechend höher ver- anjchlagt werden. Wenn trotzdem auch dieser Etat noch wieder einen Fehlbetrag aufweist, so liegt daS daran, daß die im vorigen Jahr beschlossene Neuordnung deS Eisenbahnetat- den für 1911 veranschlagten Reinüberschuß der Staatseisenbahnen nicht mehr voll für allgemeine Staat-au-gaben bereitstellt. Immerhin aber konnte der Fehlbetrag doch so weit herabgemindert werden, daß er noch hinter der zur Auf- süllung der Au-gleich-fondS der Eisenbahnverwaltung vor- gesehnen Summe zurückbleibt.
War sodann die Ankündigung von GesetzeSvorlagen betrifft, so wird zunächst ein Entwurf über die Bildung von Zweckverbänden in AuSsicht gestellt. Es soll durch diese Ausgestaltung deS kommunalen Verband-wesens den Schwierigkeiten abgeholsen werden, welche der Ersüllung größerer kommunaler Ausgaben in einheitlichen Wirtschasts- gebieten auS der großen Zahl der Mannigfaltigkeit der beteiligten Gemeinden erwachsen, und welche neuerdings immer schärfer hervorgetreten sind. Im engsten Zusammenhang« hiermit steht ein Gesetzentwurf, welcher für daS Bahn- und Baufluchtwesen sowie zur Erhaltung einer Wald- und Wiesen- gürtelS die Schaffung eines Verbandes Groß-Berlin auf der Grundlage freier Selbstverwaltung vorsieht.
Ein weiterer Passus der Thronrede beschäftigt sich mit der V e r w a l t u n g S r e f o r m. Es wird der zu ihrer Vorbereitung berufenen Jmmediackommission ein anerkennende- Zeugnis ausgestellt und berichtet, daß auf Grund ihrer Tätigkeit zunächst eine vereinfachte Geschäftsordnung für die Regierungen erlassen worden ist. Einem weiteren Borschlage der Kommission entsprechend wird voraussichtlich noch in der laufenden Tagung ein Gesetzentwurf vorgelegt werden können, der die Rechnungsprüfung durch die Oberrechnungtkammer vereinfachen soll.
Das aus wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnissen erwachsene Werk der inneren Kolonisation schreitet fort. Unter Auswendung erheblicher Staatsmittel sind neuerdings auch in den Provinzen Brandenburg und Pommern gemeinnützige Organisationen geschaffen worden, die sich die Vermehrung deS bäuerlichen BesitzeS und die Geßhaftmachung von Arbeitern zur Aufgabe stellen. ES find Verhandlungen darüber im Gange, inwieweit diese kolonisierende Tätigkeit durch besondere Maßnahmen der Gesetzgebung gesördert werden kann. Auch die Erschließung der noch nicht kultivierten Moore und der sonstigen Ordländereien wird sernerhin in verstärktem Maße in Angriff genommen werden.
Der letzt« Teil der Thronrede endlich bezieht sich aus Jugendpslege und Fortbildung-schulwesen. Um die körperlichen und sittlichen Kräfte der schulentlassenen Jugend zu entwickeln und für da- Leben zu festigen, hat sich die Staat-regierung entschlossen, eine planmäßige Ausgestaltung der Jugendpflege einzuleiten. Zur Durchsührung dieser Ausgabe sind im StaatshauShaltSetat für 1911 besondere Mittel
„Dann mußt du mich aber begleiten, Pal Allein klingt eS nach gar nichts."
Lord Horstfield trat zum Klavier.
„Gut denn, kleine Hexe, was wollen wir spielen?"
„Die „Melodie" von Schumann."
Florry stimmte ihre Geige.
Und dann setzte sie mit unendlich weichem Ton ein. ES war eine Süßigkeit in ihrem Ton und dabei eine Fülle des Klänge-, die man diesen kleinen Händen gar nicht zugetraut hätte.
Leonie vergaß Reichenbach; vergaß alles Andere, und lauschte entzückt. Dann folgte da- bekannte „Abend- lied" von Schumann. Niemand rührte sich. Alle saßen schweigend.
Da hatte leise eine Hand Leonie- Arm berührt. Sie erschrak und blickte sich ganz verwirrt um. Reichenbach verschwand soeben in der Tür zur Halle.
Leonie fühlte sich wie unter einem Bann. Sie stand leis« auf und ging ihm nach. Niemand hatte e- bemerkt als nur die Spielerin. Sie nickte kaum merklich.
Reichenbach stand vor einem großen Adler, anscheinend in aufmerksamer Betrachtung versunken, doch als er Leonie rin- treten sah, blickte er ihr wartend entgegen.
Unsicher begann sie: „Herr von Reichenbach, ich weiß nicht —"
„Ja, meine gnädige Frau, ich ging absichtlich hierher. Ich danke Ihnen, daß Sie gekommen sind.
Ich wollte Ihnen sagen, daß ich mich von Herzen freue, Sie in diesem Hause zu treffen. Möchten Sie hier frohe und glückliche Zeiten verleben, und möchten Sie unsere kleine Florry so zu leiten verstehen, daß all das Gold, das in dieser Natur wohnt, und da- so oft unter Schlacken verborgen ist, rein unter demselben hervorgeht."
„Da- hoffen Sie von mir? DaS glauben Sie von mir? O, Herr von Reichenbach, da- ist eine Ehrenrettung von dem ersten Bekannten der alten Zeit, den ich treffe, seit ich Deutschland verließ. Ein anderer hat mich verleugnet, und der hätte an mich glauben sollen! Eher als Sie! Herr von Reichenbach, können Sie mir noch einen
vorgesehen. Sie sollen vor allem dazu dienen, die bestehenden, auf freiwilliger Grundlage beruhenden Einrichtungen der Jugendpflege auszubauen und zu erweitern und die auf diesem Gebiete bisher schon bewährten Kräfte zusammenpaffend zu unterstützen. Dem gleichen Zwecke soll die weitere Au-- gestaltung deS Fortbildung-schulwesen- dienen, und eS ist dieserhalb ein Gesetz in AuSsicht genommen, durch daS die Errichtung von PflichtsortbildungSschulen für die männliche Jugend in den Gemeinden mit mehr alS 10 000 Einwohnern sichergestellt werden soll. Auch soll der in der vorigen Tagung deS Landtage- nicht erledigte Entwurf über die Verpflichtung zum Besuche ländlicher Fortbildungsschulen in den Provinzen Brandenburg, Pommern, Lachsen und Westsalen, in der Rheinprovinz und den Hohenzollernschen Landen dem Landtage erneut zur Beschlußsassung vorgelegt werden, und ein weitere- gleichartige- Gesetz für SchleSwig-Holstein ist in AuSsicht genommen.
Wie aus dieser Uebersicht ersichtlich und wie auch bereit! eingangs hervorgehoben, werden in der Thronrede die-mal keine Vorlagen von besonderer politischer Tragweite und Bedeutung angekündigt. Damit aber wird auch daS Hinzu- tragen neuen Zündstoffes zur Schürung deS Parteih-der- vermieden, und daS ist in einem Wahljahr und angesichtS ber schon bestehenden Zerrissenheit und gegenseitigen Erbitterung nur sreudigst zu begrüßen. Im übrigen aber entbehren auch die gesetzgeberischen Ausgaben, welche die Thronrede dem Landtage stellt, keineswegs ihrer tieferen Bedeutung und können, wenn sie ruhig gelöst werden, sehr wohl von segensreichster Wirkung auf den Gang der innern Entwicklung unseres preußischen Vaterlandes sein. Daß die- geschehen möge, ist der Wunsch und^die Hoffnung, mit denen wir den Landtag bei Beginn ,.....» neuen Tätigkeit-abschnitte- begrüßen.
Reichstag.
Im Reichstag eröffnete gestern der Präsident Gras Schwerin-Löwitz die erste Sitzung nach den Ferien mit herzlichen Glückwünschen zum neuen Jahr. Sodann gedachte er der seit ber Vertagung verstorbenen Abgeordneten, in erster Reihe des früheren Präsidenten Grasen Ballestrem, dessen große Verdienste er kurz würdigte. Die Mitglieder deS HauseS ehrten da- Andenken des Verewigten in üblicher Weise, indem sie sich von ihren Plätzen erhoben. Es folgte die freisinnige Interpellation wegen Aushebung deS ZündwarensteuergesetzeS. Nachdem sich der Staatssekretär des ReichsschatzamteS Wermuth zur sofortigen Beantwortung bereiterklärt hatte, ergriff da- Wort zur Begründung der Abgeordnete Enders. Er wie- auf die schwere Belastung der ärmeren Bevölkerung durch die Steuer, aus die Schädigungen der Industrie und die dadurch hervorgerufene Notlage der Arbeiter hin. Er richtete dabei an die Regierung die Frage, warum sie dem vom Reichstag einstimmig geäußerten Wunsche, die brotlo- gewordenen Arbeiter
Trost bringen? Können Sie mir etwa- von meinem Vater sagen?"
„Ich hörte, daß er sich tadellos führen soll. Man glaubt, daß ihm vielleicht ein Jahr im Gnadenwege erlassen werden könnte, wenn er so bleibt."
„Und" — sie flockte — „und hörten Sie, ob Vater ge- sund ?" —
Reichenbach zögert« mit der Antwort.
Aengstlich fragend spähten Leonies Blicke in Reichenbach- Zügen. Arme Frau! Sie fühlte, daß hier die Antwort nicht erlösend lauten konnte.
Er nahm ein seltene- Gehörn von der Wand und betrachtete e- angelegentlich, hob auch den Blick nicht, al- er antwortete: „O nein, Ihr Vater ist wohl nicht krank. Ich hörte wenigstens nichts dergleichen, also wird er gesund sein. Ich habe auch da- erstere nur durch Zusall erfahren."
Leonie brannte noch eine Frage auf den Lippen; ein Name war ihr in den Sinn gekommen, und dieser Name übte noch immer seine magische Gewalt. Von nebenan tönte, süß und weich, schmeichelnd und kosend, die „Träumerei" herüber.
Und ganz unter dem Einfluß dieser Töne fragte sie, flüsterte sie: „Sie hatten — auch — einen Freund" —
„Jawohl."
Reichenbach fiel rasch ein, als ob er diesen Einwurs erwartet hatte: „Leutnant von Teffow? Ja, ja, denken Sie, man sagt, er habe sich gut eingelebt in der Stadt der Hanseaten. Sie wissen doch, daß er versetzt ist. Ja, ja, entschieden: Bremen ist eine hübsche Stadt, die dienstlichen Verhältnisse find angenehm, und die gesellschaftlichen glänzend."
Leonie griff nach einer Stütze.
Mit der Hand ersaßtc Leonie eine Säul« d«S hohen Büfett-, krampfhaft hielt sie sich daran fest.
„Also man sagt"--
TonloS klang es.
„Ja, denken Sie" — Reichenbach zwang sich zu einer Lustigkeit, die ihm innerlich fremd war — „man spricht