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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-^nschlutz Nr. 8

Air. V.

Dienstag, den IV. Januar

1911.

Amtlicher CeiL

Hersseld, den 10. Januar 1911.

Der Herr Minister für Landwirtschast, Domänen und Forsten hat zur Erleichterung der Ausbildung tüchtiger Baumwärter an der Obstbauanstalt der Landwirtschaftskammer in Oberzwehren einen Staatszuschuß als Beihilfe zu den Kosten der Ausbildung geeigneter Personen, die später im öffentlichen Obstbau tätig sein sollen, bewilligt.

Die Höhe des mit den verjügbaren Mitteln zu ermög­lichenden Zuschusses für eine Person beträgt durchschnittlich 80130 Mk., je nach den Kosten, welche den Teilnehmern für Aufenthalt und Reise erwachsen. Berücksichtigt können insgesamt jährlich etwa 1012 Gesuche w rden.

Die Zubilligung der Beihilfe geschieht durch einen mit der LandwirtschastSkammer abzuschließenden AusbildungSveltrag, unter der Bedingung, daß von der Stelle, für welche oder in deren Auftrag die Ausbildung geschieht, also Kreis- oder Gememdevelwaltung bezw. Obstbauverein, mindesten- die gleich hohen Zuschüsse gegeben werden. Etwaige Gesuche sind bis spätestens zum 15. Februar, von 1912 ab bis zum 1. Februar, bei der Obstbauanstalt der Landwirtschofiskammer in Ober­zwehren einzureichen.

I. 14105/10. Der Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 11. Januar 1911.

AuS gegebener Veranlassung mache ich die Ort-polizeibe- hörden des KreiseS darauf aufmerksam, daß mit dem Jnkraft- treten des Fleifchbeschaugesetzes vom 3. Juni 1900 und in­folge der eingeführten Fleijchbeschaustatistck die Verfügung vom 15. April 1898 I. Nr. 1967 KreiSblatt Nr. 46 außer Krast getreten, also eine Berichterstattung nicht mehr notwendig ist. Der Terminkalender ist zu berichtigen, salls dies inzwischen noch nicht geschehen sein sollte.

I. Nr. 531. Der Landrat.

I. A.:

W e s s e l, Kreissekretär.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Der Reichstag setzte am Freitag die zweite Lesung der Vorlage, betr. Abänderung verschiedener Bestimmungen des Strasgesitzbuches, fort, vermochte jedoch wieder alle- Erwarten auch an ihrem zweiten Tage diese Beratung noch nicht zum Abschluß zu bringen. Die Freitag-sitzung wurde durch eine längere Geschäftsordnung-debatte eingeleitet, weil die Sozial- demokraten noch einen Ergänzungsantrag zum Beleidigung-» Paragraphen einbringen wollten, obwohl letzterer, wenigstens

Gehetztes Wild

Roman von E. v. Winterfeld -Warnow.

(Fortsetzung.)

Wermsfeld lachte höhnisch. Aha, der Hieb saß! Aber es mußte noch besser kommen. Lolo, die süße Lolo, mußte sein werden, und nicht von TesiowS Braut.

Dafür wollte er sorgen.

Er machte mit Absicht eine längere Pause, die um so qualvoller für Tessow wurde, da er sich vergeblich bemühte, der ganzen Sache eine harmlose Wendung zu geben.

Aber sein Gewissen ließ es nicht zu. Es war daS Gespenst jener Stunden, das wieder riesengroß vor ihm ausstieg.

Da fing Wermsfeld wieder an, und halblaut, höhnisch, wie nur der Haß es eingibt, zischte er zwischen den Zähnen hervor:Da sehen Sie's, wieviel Courage der hat 1 Schweigt einfach still, und wird nachher ebenso feige davon- gehen, wie damals von dem betörten Weibe, das seinetwegen Schmach und Untersuchungshaft ertragen hat!"

Herr!"

Tessow stand aus und schrie e- in Verzweiflung. Wild beugte er sich über den Tisch hinüber.Sie werden mir" Pah!"

Langsam hob sich Wermsfeld au- der bequemen Stellung, nahm langsam seine Beine vom Stuhl und stand auf. Höh. nisch sagte er:Was werde ich? Gar nichts werde ich! Mit Ihnen mich schießen?"

Er zuckie die Achseln mit einer so wegwerfenden Be­wegung, daß Tessow einen Augenblick atemlos stand. Dann stürzte er mit Blitzesschnelle um den Tisch herum, und mit einem gurgelnden Laut wollte er dem Langen an die Kehle springen.

Schuft!" stöhnte er.Schuft!"

Und da traf seine Hand mit schwerem Schlage WermS- felds Gesicht.

nach der Ansicht des Präsidenten, schon in der vorange» gangenen Sitzung zur Erledigung gelangt war. Die Debatte endete schließlich damit, daß die Mehrheit de- Hause- den genannten sozialdemokratischen Antrag für unzulässig erklärte. Dann wandte man sich der Erörterung der verschärften Be­stimmungen über den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu. Die Diskussion hierüber gestaltete sich ziemlich ver­wickelt, dies namentlich infolge der vielen sich kreuzenden Zusatz- und Abänderungsanträge zu diesem und jenem Punkte. In der Hauptsache drehte sich die Beratung um daS Sch-tz» alter für Kinder und Jugendliche, wobei zuletzt der Kommission-beschluß, da- Schutzalter von 16 aus 18 Jahre zu erhöhen, aufrecht erhalten wurde; die beantragte Zucht­hausstrafe für besonders grausame und boshafte Behandlung von Kindern und Jugendlichen lehnte indes daS Haus ab. Für Sonnabend stand neben der Fortsetzung dieser Debatte noch dir dritte Lesung der Militärstrafprozeßnovelle auf der Tagesordnung des Reichstages.

Die Budgetkommission deS Reichstage- berät augenblicklich den Marineetat, wobei u. a. auf Antrag von fortschrittlicher Seite die neugeforberten Stellen für drei Registratoren und v er KanzlerjekrelSren im Relchsmarureamt abgelehnt wurden.

Die Budgetkommission hat j tzt durch den A- geordneten Beck-Heidelberg den Bericht über den Entwurf der neuen Fernsprechgebührenordnung erstattet. Die wiederzusammen- getretene Kommiffsin für die Reich-versicherungSordnung erledigte am vergangenen Freitag die Abschnitte über die besonderen Ort-krankenkassen und die Innung-krankenkassen in zweiter Lesung. Die Reichstag-kommission für den Gesetz, entwurs über die Errichtung^ eines Kolonial- und Konsular- gerichtshoses hat mit Stimmenmehrheit die Erriet tung dieses Gerichtshofs in Hamburg beschlossen. Der Regierungsvertreter erklärte indessen, Hamburg als Sitz deS Kolonial- und Konsulargerichtshose- sei für die Reich-regierung unannehmbar. Vermutlich wird sich nunmehr die Kommission für Berlin oder Leipzig entscheiden.

Abgeordnetenhaus.

Die neue Session deS Abgeordnetenhauses begann am Sonnabend unter wenig günstigen Auspizien. DaS Haus war nicht beschlußsähig. Diese überraschende Tatsache kam bei der Präsidentenwahl zutage, die als erster Punkt auf der Tagesordnung stand. Der Abg. Stengel (sikons.) hatte beantragt, den Präsidenten durch Zurus wiedcrzuwählen, doch der Adg. Hirsch (Sozd.) erhob namen- seiner politischen Freunde Widerspruch gegen dies abgekürzte Verjähren, in der Absicht, den seit der vorigen Session bestehenden Groll gegen Herrn von Kröcher zum Ausdruck zu bringen. So mußte zur Zettelwahl geschritten werden, die im Abgeordnetenhaus in der Weise vor sich geht, daß jede- Mitglied ausgerufen wird und dann seinen Zettel abgibt. Er wurden im ganzen 213 gültige Zettel abgegeben; da jedoch da- preußische

Ein wildes Durcheinander folgte.

Alle waren aufgesprungen.

Mühldörffer fiel Wermsfeld in den Arm und hielt ihn fest.

Referendar Lüning faßte Tessow- Hände, der sich wie ein Rasender wehrte.

Hauptmann von Langenbeck, ein älterer Offizier, trat ba- zwischen und redete Tessow beruhigend zu. Es gelang ihm, die erregten Parteien zu trennen mit der Versicherung, daß er den Fall dem Ehrenrat vortragen werde.

Alle waren plötzlich so nüchtern geworden, d"ß einer nach dem andern den Säbel umschnallte und sich zum Fortgehen rüstete.

Finster lehnte Tessow in einer Fensternische und starrte zu seinem Feinde hinüber, dem noch immer ein höhnische- Lächeln um die Lippen spielte.

So hatte der eS ja gewollt!

Nun konnte da- Geschick oder die Geschicklichkeit ent- scheiden, aus wessen Seite der Sieg blieb. Eins aber war sicher, nach diesem Skandal gab der Senator seine Tochter ihm nicht!

Da ertönte noch einmal Hauptmann von Langenbecks Stimme:Es ist selbstverständlich, meine Herren, daß wir strengste Diskretion bewahren über diesen Vorsall. Da der Name einer Dame hineingezogen wurde, so ist es Ehrenpflicht, daß nicht- davon in die LXffcntlichkeit bringt. Also Ehren­wort, nicht wahr?"

Selbstverständlich!" ertönte eS von allen Scit.m.

Dann trennte man sich und ging nach verschiedenen Rich­tungen auseinander.

Mühldöiffer war bei Teffow geblieben und begleitete diesen jetzt nach Hause.

Haben Sie einen speziellen Wunsch wegen des Duell- oder wegen der Sekundanten?"

Ja, wenn Sie mir den Dienst erweisen wollten?"

Versteht sich. Da- dachte ich auch. Und sonst?"

Ich möchte an meinen Freund Reichenbach telegraphieren. Er war in England, doch wird er wohl zurück sein. Er kommt bestimmt, wenn er in St. ist."

Parlament erst bei der Anwesenheit von 222 Abgeordneten beschlußsähig ist, so verlies die Präsidentenwahl ergebnislos, ein wohl bisher einzig dastehender Fall. Herr v. Klöcher schloß hieraus die Sitzung und beräumte um 121/» Uhr eine neue an. Die Präsidentenwahl wurde von der Tagesordnung abgesetzt. So konnte denn in der zweiten Sitzung die erste Lesung de- Etats beginnen.

Aus ]n* und Ausland.

Berlin, den 15. Januar.

Se. Majestät der Kaiser hörte heute die Vorträge des Staat-sekretär- deS ReichSmarineamt-, Admirals v. Tirpitz, und des Ehess des Marinckabruet-, Admiral- v. Müller.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Ueber die schwebenden deutsch-russischen Verhandlungen zum AuS- gleich der Jnteicssen beider Kreise in Nordpersien b iben sich während der abgelaufenen Woche die Blätter in Paris und London viel den Kopf zerbrochen. In einem Londoner Abendblatt war ein Artikel mit Angaben über Ein­zelheiten der zwischen Deutschland und Rußland beabsichtigten Verständigung erschienen. Französische und englische Zeitungen wollten wissen, daß diese Veröffentlichung dem Inhalt einer russischen Note an Deutschland entspreche. DaS mag aus sich beruhen bleiben. Die Behauptung einer Berliner Depesche der Newoja Wremja aber, der Artikel der Evening Times stamme aus Berlin, müssen wir als absurd zurück» w-isen.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Dem Wiederbeginn der Reichstagsverhandlungen sind in der Presse Andeutungen voraufgegangen, als beabsichtige die Regierung, den Reichs­tag vorzeitig aufzulösen und daS Land mit der unerwartet frühen Vornahme der Neuwahlen zu überrumpeln. Wir können mitteilen, daß nicht- hinter diesen Gerüchten ist, die offenbar nur agitatorischem Bedürfnis ihr Entstehen verdanken. Die Regierung muß Wert daraus legen, daß der Reichstag hinreichend Zeit gewinnt, um die wichtigen ihm noch obliegenden Ausgaben in aller Ruhe und Sorgfalt zum Abschluß zu bringen. Die Regierung hat keineswegs dem Reichstag eine Reihe anerkannt wichtiger Vvilagen gemacht und diese im Verein mit dem Reichstag schon zum Teil weit gesördert, um diese Arbeiten nun mitten auf dem Wege stehen zu lassen.

In Markowitz, Kreis Strelno, ist die letzte deutsche Besitzung in polnische Hände übergegangen; sie hat eine Größe von 367 Morgen. Damit ist aus einem Dorfe, daS vor 20 Jahren überwiegend deutsch war, der letzte deutsche Besitzer verschwunden und der Ort mit feinem vor­züglichen Boden vollständig in den Besitz der Polen über­gegangen. Der Fall ist umso bedauerlicher, alS auch nicht der geringste Zwang für den deutschen Besitzer vorlag, zu vcr-

Soll ich die Depesche gleich mitnehmen?"

Bitte! Ich schreibe sie aus."

* *

*

Der Ehrenrat hatte alles geordnet. Rcichenbach war auch schon eingetroffen. DaS Duell sollte am andern Tag morgeni früh flattfinben.

Nun saß Alexander von Teffow am Vorabend vor seinem Schreibtisch. Den Kops hatte er in beide Hände gestützt. Vor ihm lagen zwei Briefbogen.

Er wollte schreiben.

Der eine Bries sollte an seine Schwester Roscl sein. Sie hatte ihm stets am nächsten gestanden. Sie war ein frisches, energisches Mädchen. Sollte das Schlimmste eintreten, so war sie am ersten geeignet, den Eltern vorsichtig die Schreckensnachricht beizubringen. Ursel, die zweite Schwester, war viel zu weich und gesundheitlich zu zart. Rofel würde ihn auch betrauern, tief und aufrichtig, aber in erster Linie würde sie die Eltern zu trösten suchen. Ursula war außerdem selbst verlobt, der durste er nicht die Sorge auf» bürden.

Trotzdem er sich daS alles überlegt hatte, konnte er den Ansang nicht finden. Er saß und grübelte.

Es war doch entsetzlich schwer, an den Tod zu denken, wenn man jung und lebenslustig und gesund ist. Und Bräutigam noch obendrein! Er war nicht feige. Aber WermSseld war ein brillanter Schütze und hatte den ersten Schuß.

Langsam kroch ihm ein Gefühl den Rücken herauf, daS ihn erschauern machte vom Kopf bi« zu den Füßen.

Furcht? 9Mn ! Und doch!

DaS Leben war gerade jtßt so schön gewesen I Und Lolo?

Oh, nur nicht daran denken!

Überhaupt, er mußte sich jetzt endlich zum Schreiben zwingen. Die Uhr ging auf Mitternacht, und er saß schon seit zwei Stunden so.

Und Reichenbach hatte doch gesagt:AuSschlafen auf oll« Fällt; sonst hat man keine ruhige Hand." Er