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herrselder Kreisblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 8.
Donnerstag, den 19. Januar
1911.
Amtlicher teil.
Her-feld, den 16. Januar 1911.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des kiesigen Kreises, die meine Verfügung vom 3. d. Mt«. I. A. Nr. 5, im KreiSblatt Nr. 4, Einreichung der Kreishunde- steuer-Zugangsliste rc. für die Monate Oktober, November und Dezember 1910 betreffend, immer noch nicht erledigt haben, werden hierdurch nochmals ersucht, dies nunmehr b i 8 spätesten« zum 25. d. Mts. zu tun.
Der Vorsitzende des kreisausschusses:
I. ^. Nr. 5. v o n G r u n e l i u S.
Nachrichten für diejenigen jungen Leute, welche in die Unteroffiziervorschulen einzutreten wünschen.
1. Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unteroffizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das wehrpflichtige Alter kostenfrei derart auszubrlden, daß sie für den künftigen Beruf tüchtig werden. Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse so weit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick aus den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Beamtenstande wünschenswert ist. — Daneben wird der körperlichen Entwicklung und Ausbildung, unter vor- zugsweiser Berücksichtigung der Anforderung des Militärdienstes, besondere Aufmerksamkeit zugewendet.
2. Der Aufenthalt in der Unteroffiziervorschule dauert im allgemeinen zwei Jahre.
3. Die Aufnahme in eine Unteroffiziervorschule ist von folgenden Bedingungen abhängig:
Die Aufzunehmenden dürfen nicht unter 15, aber nicht über 17 Jahre alt sein und sollen eine Körpergröße von mindestens 151 cm und einen Brustumfang von 70 bis 76 cm haben.
Sie müssen sich tadellos geführt haben, vollkommen gesund, im Verhältnis zu ihrem Alter kräftig gebaut, sowie frei von körperlichen Gebrechen und wahrnehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein, ein scharfes Auge, gutes Gehör, und fehlerfreie (nicht stotternde) Sprache haben.
Sie müssen leserlich und im allgemeinen richtig schreiben, gedrucktes (in deutscher und lateinischer Druckschrift) ohne Anstoß lesen können und in den vier Grundrechnungsarten bewandert sein.
4. Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14^2 Jahre alt geworden ist, begleitet von seinem gesetzlichen Vertreter bei dem für seinen Aufenthaltsort zuständigen Bezirkskommando oder bei einer Unteroffizierschule (in Biebrich, Ettlingen, Marienwerder, Potsdam, Treptow a. R. und Weißenfels) oder Unteroffiziervorschule (in Annaburg, Barrenstein, Greifenberg i. Pomm., Jülich, Neubreisach, Weilburg und Wohlau) vorzustellen und hierbei folgende Schriftstücke vorzulegen:
a) ein GeburtSzeugniS (A. V. Bl. 1892 S. 182 Nr. 212),
b) den Konfirmationsschein oder einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,
c) ein Unbescholtenheitszeugnis der Polizeiobrigkeit,
d) etwa vorhandene Schulzeugnisse,
e) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
5. Insoweit Stellen frei sind, erfolgt die Einberufung durch Vermittlung des Bezirks komm andos, nachdem der Anwärter das 15. Lebensjahr vollendet hat. Haupteinstellungstage sind der 15. April und der 15. Oktober.
Die Einziehung geschieht unentgeltlich. Die ausführlichen Bestimmungen können bei den Bezirksfeldwebeln eingesehen werden.
Nachrichten für diejenigen Freiwilligen, welche in die Unteroffizierschulen eingestellt zu werden wünschen.
1. Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmung, junge Leute, die das wehrpflichtige Alter erreicht haben, und die sich dem Militärstande widmen wollen, kostenfrei zu Unteroffizieren heranzubilden.
2. Der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert im allgemeinen drei Jahre. In dieser Zeit erhalten die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und Unterricht, der sie befähigt, bei sonstiger Tüchtigkeit auch die bevorzugten Stellen des Unteroffizierstandes (Feldwebel usw.) und des Beamtenstandes lZahl- meister usw.) zu erlangen.
Der Unterricht umfaßt: Lesen, Schreiben und Rechnen, deutsche Sprache, Anfertigung aller Arten von Dienstschreiben, Geschichte, Erdkunde, Naturlehre, Stenographie, Hand- und Planzeichnen, sowie Gesang.
Die gymnastischen Uebungen bestehen in Turnen, Bajonettfechten und Schwimmen.
3. Die Unteroffizierschüler gehören zu den Militärpersonen des Friedensstandes, stehen daher wie jeder andere Soldat unter den militärischen Gesetzen und haben beim Eintritt den Fahneneid zu leisten.
4. Der in die Unteroffizierschule einzustellende muß das wehrpflichtige Alter erreicht haben, also mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.
Er muß mindestens 154 cm groß, vollkommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen, sowie wahrnehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauchbarkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.
5. Der Einzustellende muß sich"tadellos geführt haben, lateinische und deutsche Schrift mit einiger Sicherheit lesen und schreiben können und in den vier Grundrechnungsarten bewandert sein.
6. Die Einberufenen müssen für die Reise zu der Unteroffizier- schule ausreichend mit Schuhzeug, Kleidung und Wäsche und mit 9 Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein.
7. Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich beim Bezirkskommando seines Aufenthaltsortes oder bei einer Unteroffizierschule (in Biebrich, Ettlingen, Jülich, Marienwerder, PotSdam, Treptow a. R. und Weißenfels) oder Unteroffiziervorschule (in Annaburg, Bartenstein, Greifenberg i. Pomm., Neubreisach, Weilburg und Wohlau) persönlich zu melden und hierbei folgende Schriftstücke vorzulegen:
a) einen von d em Zivilvorsitzend en d erErsatzkommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldeschein,
b) den Konfirmationsschein oder einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,
c) etwa vorhandene Schulzeugnisse,
d) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
Eine Einstellung findet nur bei den Unteroffizierschulen in Biebrich, Ettlingen und Marienwerder statt und nicht bei den Unteroffizierschulen in Jülich, Potsdam, Treptow a. R. und Weißenfels, da diese sich aus Unteroffiziervorschülern ergänzen.
8. Wünsche der Freiwilligen um Zuteilung an eine der Unter
offizierschulen in Biebrich, Ettlingen und Marienwerder werden, soweit angängig, berücksichtigt.
9. Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder findet im Monat Oktober, in die Unteroffizierschule in Ettlingen im Monat April statt.
10. Unteroffizierschüler, die sich durch mangelhafte Führung oder durch zu geringe Leistungen als nicht geeignet für den Unteroffizierberuf erweisen, werden aus den Unterofftzierschulen entlassen.
11. Während ihrer Dienstzeit in der Unteroffizierschule erhalten bei guter Führung Unteroffizierschüler, die in die Heimat beurlaubt werden, eine einmalige Reiseentschädigung; auch haben die Unterofftzierschüler bei Beurlaubungen auf die den Kapitulanten zustehenden Vergünstigungen Anspruch.
nichtamtlich^
Die Kaiserkrönung zu Umailks.
(18. Januar 1871.)
Im Prachtschloß zu Versailles,
Im großen Splegelsaal,
Versammelt sind die Fürsten, Die Helden ohne Zahl.
In einem Wald von Fahnen,
Die stet« den Sieg geschaut,
DeS Kaisers harr'n die Helden,
Des Bräur'gamS harrt die Braut.
Germania, die hehre,
Geendet hat ihr Leid;
Sir prangt im Hochzertskstide,
Sie strahlt im Brautgcschmerd'.
Wer ist der kühne Freier,
Der sich solch Weib erkürt,
Im Schlachtendonnerwetter
ES heim als Braut gesührt? —
Wilhelm, König von Preußen,
So heißt der wackre Held,
Wohl als den SiegeSrerchen Rühmt >hn die ganze Welt.
Schaut ihn, den Drachentöter!
Germania ist befreit!
Erstanden ist aufs neue
DeS Reiches Herrlichkeit.
Jetzt ruft der Fürst von Baden,
Mit ihm die Helden zugleich:
„Hoch lebe Wilhelm von Preußen,
Der Kaiser vom Deutschen Reich 1" —
Nun donnern die Kanonen
In- Land: „Victoria!"
Und aller Herzen jauchzen:
„Heil Dir, Germania!"
Hermann H a a s e - Gelnhausen.
Gehetztes Wild.
Roman von E. v. W i n t e r f e l d - W a r n o w.
(Fortsetzung.)
In demselben Restaurant waren sie neulich, Teffow und Leutnant Wermsseld, schon einmal ein wenig aneinander geraten. Wermsseld suchte ihn ja zu reizen, wo er konnte. Die Sache wurde beigelegt. Aber der Kellner mochte zufällig etwas davon erlauscht haben. Er sah, wo seine Kenntnis Interesse finden würde, und er benutzte diese Er- sahrung.
Die Rache war kleinlich und schlecht, wie der ganze Bursche schlecht war. DaS hatte Leonie Berg schon vor langer Zeit in St. erkannt gehabt.
So faßte ein Glied der Kette in daS andere. Nur der Schluß fehlte noch. — Teffow war wieder in- Grübeln gekommen. Er ergriff LeonieS Bild und betrachtete es lange. Armes Weib ! Wie schön sie war! Wie wunderschön! Und doch, wieviel hatte sie schon getragen! Mit dröhnendem Klänge schlug die Kirchenuhr zwei. — Er schrak zusammen.
Noch ein langer Blick.
Dann zerriß er daS Bild, schichtet« die Papiersetzen zu einem Häuflein und steckte eS in Brand.
Langsam verzehrte die Flamme die Papierrestchen, bis nur noch ein winziger Rest Asche zurückblieb. — Auch seine Lampe war am Verglimmen. Er löschte sie vollends auS, dann ging er zu Bett und schlief fest und ruhig, bis sein Bursch« ihn weckte.
Ein kalter, rauher Novembertag.
Im Stau, dem waldartig herangewachsenen Teil drS VurgerwaldeS, waren die Wege flucht und schlüpfrig. Wenn es auch nicht gerade geregnet hatte, so empfand man doch die feuchte, naßkalt« Lust.
An den kahlen Zweigen saßen die Tropfen, und an jeder Tannennadel hing ei wie eine winzige Träne.
Dort die Waldlichtung war belebt. Man sah Gestalten sich bewegen.
EtwaS entfernt aneinander hielten zwei Droschken.
Auf den Tannen vorn saßen Krähen. Plötzlich flogen sie mit heiserem Gekrächze aus, nnd in demselben Augenblick tönte ein kurzer, scharfer Knall.
DaS Rauchwölkchen verzog sich und man sah, daß nicht weit von jener Tanne, auf der die Krähen gesessen, eine Grupp« Männer zusammengetreten war.
Dann ging man hin und her, und endlich trug man einen der Männer zum Wagen, in den er vorsichtig hineingehoben wurde.
Die anderen stiegen nach.
Die Droschke rollte davon.
Bald darauf fuhr auch die zweite in anderer Rich- tung fort.
Und dann lag die Waldlichtung wieder still und verlassen. Ein leiser Regen stellte sich ein. All die Tröpfchen, die an den Resten gehangen hatten, lösten sich und fielen zur Erde.
Die Krähen flogen wieder hinzu und setzten fich auf die Tanne.
Und der Regen fiel dichter.
Er richtete die niedergetretenen Gräser wieder auf, er verwischte die seltsamen roten Spuren.
Und endlich lag die Waldwiese unberührt, unbewegt, wie vor einer Stunde da, und di« Bäume fragten sich, ob sie daS alle- nur geträumt hätten.
Vor Lolo Lüning, die totenblaß in einem Sessel sitzt, steht Hauptmann von Reichenbach. Sie sieht ihn flehend an.
„Also, Herr von Reichenbach, war ist mit meinem Bräutigam? Schon drei Tage habe ich ihn nicht gesehen. Er schrieb mir, er sei nicht ganz wohl, er könne nicht kommen. Und mein Bruder Fritz war so eigentümlich ernst. Fritz kann sonst nur lachen und Dummheiten mit mir machen. Und jetzt war er so seltsam, so herzlich, al- ob ich ihm leid täte, und als ob er sich doch zwingen wollte, vergnügt zu sein.
Und dann ist er abgerrist, trotzdem er eigentlich bis zu unserer Verlobung-gesellschaft bleiben wollte. Er behauptete, er hätte durchaus keine Zeit mehr. Und nun kommen Sie, und sehen so ernst au-! WaS ist Alexander passiert?"
„Mein gnädiger Fräulein, mein Freund Teffow ist allerdings nicht ganz wohl. Er schrieb eS Ihnen ja schon. Ich komme, da ich auf der Durchreise hier zum Besuch bin, um Ihnen da- mitzuteilen, und um Die zu bitten, ihn in den nächsten Tagen nicht zu erwarten."
„Und warum bringen Sie mir diese Botschaft selbst? Weshalb sagen Sie mir daS allein? Herr von Reichenbach, ich bin kein Kind mehr. Ich möchte die Wahrheit wissen Alexander ist schwerkrank oder noch Schlimmere-"—sie stockte und sah ihn angstvoll an.
„Nun denn, ja, gnädige- Fräulein, ich habe Ihnen mehr zu sagen. Teffow ist"--
„Tot?" schrie sie auf.
„Nein, Gott sei Dank, er lebt. Aber er ist sehr krank. Der Arzt gibt aber Hoffnung auf volle Genesung, nur ziemlich lange wird e- dauern."
„Und war?"
Reichenbach zögerte, doch «- half ja nicht-, wissen mußte sie er
„Mein Freund Teffow wünscht, daß ich feiner Braut aller sagen soll. Er wünschte, daß sie alles weiß, und dann stellt er ihr frei, zu tun, was sie will."
Verständnislos sieht Lolo ihn an.
Plötzlich steht sie langsam auf. Sie sängt an, zu begreifen.
Leise sagt sie: „Ach, jetzt versteh« ich, de-halb war Fritz so — nicht wahr, ein Duell?"
Und all er nickt, jährt sie plötzlich auf: „Doch nicht mit Fritz?"
„Nein, nein, Ihr Herr Bruder ist in Hannover. Er ist ganz unbeteiligt. Der Name deS Gegners tut auch nichts zur Sache. Aber der Name einer Frau ist hinein- gezogen worden, einer Frau, die Teffow liebte, ehe er Sie kannte,
Si« und Teffow- Lieb« zu Ihnen, m«in gnädige- Fräulein