■ ■.■■-.■■Biwi-»»"iunui»jo.-i -ii । l.A..'!5s=rrx^3cagaaggB'uuu Jinn—-im > n Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt BTontag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Husgabt. Der Bezugspreis beträgt für herrseld vierteljährlich
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herrftl-er Ureirblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 11.
Donnerstag, den 26. Januar
1911.
Amtlicher teil.
$«if»Ib, den 19. Januar 1911.
In einer Anzahl der Landgemeinden deS Kreise- sind Personen vorhanden, die im hiesigen Landkrankenhau- an einem Kursu- in der Krankenpflege sowie in der ersten Hülfe- leistung bei Unglück-fällen Teil genommen haben und in der Regel namentlich dann bei Verletzten die Anlegung der ersten Verbände besorgen, wenn ein Arzt nicht schnell zu erreichen ist
ES ist hierbei alS ein Mangel empfunden worden, daß ei häufig in den Gemeinden an Verbandsstoffen etc. fehlt, ohne die eine sachgemäße Hülseleistung nach eingetretenen Unfällen nicht möglich ist.
Ich nehme deshalb Veranlassung, den Herren Ort-vorständen des Kreise- die Anschaffung dek nötigsten Verband-zeuge-, da- in einem besonder- hierzu eingerichteten verschließbaren Schränkchen oder Kasten sauber und an leicht zugänglicher Stelle auszubewahren ist, zu empfehlen. Im Bedarfsfälle find diese Verbandsstoffe gegen Erhebung deS Selbstkostenpreises an Jedermann zu verabreichen.
Der Vorsitzende des Kreisausschuffes:
A. 401. von GruneliuS
Landrat.
Die Termine der durch da- Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe deS Husbeschlagg,werbet werden hierselbst an den Sonnabenden deS 11. März, 10. Juni, 9. September, 9. Dezelttber d. J. in der Schmiede bei SchmiedemeisterS Hellwig, Wörthstraßt 4, vormittags 9 Uhr abgrhalten werden.
Meldungen zu diesen Prüfungen find unter Porto» und bestellgeldsreirr Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mk. bi- spätesten- den 25. Februar, 27. Mai, 26. August und 25. November d. I. an den Unterzeichneten zu richten.
Mit der Meldung zugleich find einzureichrn: 1. der Geburtsschein, 2. etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.), 3. eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung ersolglot unterzogen hat.
ES werden nur solche Schmiede zugelaffen, die daS 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen NachweiS erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirke Caffel sich aufgehalten haben.
Schmiede, die die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelaffen werden.
Caffel, am 3. Januar 1911.
Der Vorsitzende der staatlichen Huffchmiedr-PrüfungSkommiffion der Regierungsbezirks Caffel:
Veterinärrat Buch, Hohenzollernstraße 14. * *
Wird veröffentlicht. Her-feld, den 20. Januar 1911.
I. 485. Der Landrat.
J. «.:
effel, KreiSfekretär.
Roman von E. v. W i n t e r f e l d - W a r n o w.
(Fortsetzung.)
Man sprach von Schloß Horstmonceux, von den Schnitzel- jagden, von interessanten Pirschgängen. Bald waren die Herren so vertieft in ihr Gespräch, daß die Damen anfingen, sich allein zu unterhalten.
Lolo sprach von den schönen Kirchen in Lugano und fügte hinzu: „Sie hatten noch eine Dame bei sich."
„Ja, meine Gesellschafterin! Ist sie nicht wunderschön? Und so lieb und sanft. Wollen wir ein wenig ant Wasser gehen. Die Herren find ja gut aufgehoben."
Sie spazierten eine ganze Strecke am Kai entlang und plauderten von allem Möglichen. Auch von Onkel Reichen- bach, wie gut er sei und wie fröhlich.
«Ja, aber auch so streng und energisch!"
ES dauerte nicht lange, da hatte Lolo erraten, daß d«r „Onkel" Reichenbach für die kleine Florry eine sehr wichtige Persönlichkeit fei.
Am nächsten Morgen hatt« ei geschneit. Schnee ist in Lugano immer eine Seltenheit. Um fo freudiger wird er begrüßt.
Allerdings verging er in der warmen Sonne schon in wenigen Stunden. Im Schattrn aber blieb er liegen, und als gegen Mittag die Fremden herau-kamen, da sahen sie bai seltene Schauspiel, daß sich die kleinen Luganer Straßenjungen schneeballten.
DaS wirkt« ansteckend.
Lolo, die eben Florry und ihren Vater begrüßt hatte, konnte der Versuchung nicht widerstehen. Sie nahm rasch eine Hand
tz)sliz<i»V«rsrdnuiig.
Auf Grund der § 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen Landerteilen und bei § 143 deS Gesetze- über die allgemeine LandeSverwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung der Gemeinde-Vertretung jür den Gemeindebezirk Tann folgende Polizei-Verordnung erlassen:
§ 1.
Dar Hemmen ohne Hemmschraube oder Hemmschuh an Fuhrwerken ist aus sämtlichen Fahrwegen in hiesiger Gemarkung, ausgenommen in der Zeit bei starkem Froste, verboten.
§ 2.
Die Wendewege dürfen nur von den angrenzenden Grundstücksbesitzern zum Zwecke der Bewirtschaftung (Zu- und Abfuhr) benutzt werden.
§ 3.
Da- Beschädigen der Wege einschließlich der Wendewege und Gräben beim Ackern mit Ackergerätschaften ist verboten.
§ 4.
Dar Verunreinigen der Gräben, sowie da- Befahren derselben an den Wegen, außerhalb der vorgesehenen Ueber- fahrten, ist verboten.
8 5.
DaS Befahren der Wirtschaft-wege der hiesigen Gemarkung mit Fuhrwerken jeglicher Art ist für alle diejenigen, welche nicht Grundbesitzer der hiesigen Gemarkung sind, verboten. Ausnahmen von dieser Bestimmung können von der OrtS. Polizeibehörde gestattet werden.
Zuwiderhandlung gegen vorstehende Polizei-Verordnung, welche mit dem Tage der Bekanntmachung in Kraft tritt, werden mit einer Geldstrafe von 1 bis 9 Mark, oder entsprechender Hast bestraft.
Tann, den 23. Januar 1911.
Sie SrtspolizeibehSrde.
Wr«gand.
nichtamtlicher Ceil.
Reichstag.
Der Reichstag fetzte am Dienstag unter schwacher Beteiligung seiner Mitglieder die Lesung der WertzuwachSsteuer fort. Ein Antrag Dr. Weber (nattb.) verlangt gemeinsame Beratung der §§ 49 (Entschädigung der Gemeinden für die Verwaltung und Erhebung der Steuer) und 49 a, 50 (Fest- jetzung bet Zuschläge), ein Antrag deS Zentrum-, den Abg. Dr. Trimborn begründet, fordert zu § 49 eine Hinzufügung, wonach 31 durch bai Rayongesetz beschränkte Festung-städte auS dem Ertrag der Steuer einen Anteil von 60 v. H. (statt 40 v. H.) erhalten sollen. Ein Antrag der Abgg. Cuno und Gen. (Vp.) will dem Reich nur 40 (statt 50), den Gemeinden aber 50 (statt 40) v. H. zr'gewiesen wissen, während ein sozialdrmokratijcher Antrag 30 v. H. für bai Reich, wovon ei für Krieg-veteranen jährlich sechs Millionen
voll Schnee, machte sich einen Ball daraus und warf Florry damit.
Jubelnd ging diese aus den Scherz ein.
Sie warf wieder und traf gut.
E- entwickelte sich eine regelrechte Schneeballschlacht.
„Alexander, hilf mir!" rief Lolo lachend.
„Verry well!" tönte ei herüber. „HelfenSie nur! Ich halte auS!"
Mitten in dem Lachen und Treiben erscholl Lolo-Stimm«: „Sieh nur, ein Röschen neben dem Schnee! Nein, wie entzückend. Wenn ich daS nach Hause schreibe, dat glaubt kein Mensch."
ES waren die reizenden rosa RS-chen, die unseren Mairosen glrichen. Sie blühen hier säst den ganzen Winter über.
Teffow trat zu ihr und wandte dadurch dem HauSein- gang sein Gesicht zu. Klang da nicht ein leiser Schrei von der Schwelle?
Dort stand Leonie Berg, groß, schlank, schön wie immer aber ihr Antlitz glich dem der Medusa, so starr, so entstellt sah sie auf.
Und Teffow?
Er legte, wie noch einer Stütze suchend, die Hand schwer aus einen der Gartenstühle neben sich. Die andere Hand faßte nach dem Herzen.
Dann wankte er. Rasch sprang Lolo hinzu.
„Aber Liebster, waS ist dir? Nein, wie unverständig ich bin! DaS kommt von dem törichten Schneebällen! Du hast dich überanstrengt. Komm, laß dich führen, du mußt dich erst ein wenig hinlegen."
Er schüttelte den Kopf.
„Doch, doch, nur einen Augenblick aus die Chaiselongue. Komm!"
zu geben habe, 10 v. H. für die Bunde-stoaten und 60 v. H. jür die Gemeinden fordert. Auch von anderen Parteien liegen Abänderung-anträge vor. StaatSjekretär im Reich-- schatzamt Wermuth erblickt in der geringeren Zuwendung an daS Reich, die in den Anträgen der Sozialdemokratie und der forljchrittlichen Volkspartei gewünscht wird, eine gefährliche Schädigung deS Reiches; die Veteranenfürsorge werde unabhängig von den Erträgen der ZuwachSsteuer etatSmäßig geleistet werden.
Abgeordnetenhaus.
Im preußischen Abgeordnetenhause gab der freikonservative Abgeordnete v. Stengel am Montag vor Eintritt in die Tagetordnung eine Erklärung betreff- der in der Sitzung vom 30. Januar stattgefundenen Beleidigung bei Präsidenten v. Kröcher seitens deS sozialdemokratischen Abgeordneten Hoff- mann ab. Laut dieser Kundgebung weisen alle bürgerlichen Parteien deS Hause- diese Beschimpfung bei Präsidenten durch den Abgeordneten Hoffmann auf daS nachdrücklichst« zurück. Dann folgt« eine kurze rein geschäftsmäßige Auseinandersetzung zwischen dem sozialdemokratischen Abgeordneten Hirsch und dem Präsidenten v. Kröcher nach, woraus bai HauS die Spezialberatung deS Etat- begann. Sie würd« in genannter Sitzung bis zum Etat bei LandwirtschaftS» ministerium- gesührt. Am Schlüsse der Sitzung erklärte der Abgeordnete Hirsch, die sozialdemokratische Fraktion könne sich der Kundgebung bei Abgeordneten v. Stengel nicht anschlteßen, da die Fraktion in dem Auftreten bei Abgeordneten Hoffmann nur einen Akt der Selbstverteidigung erblicke.
DaS preußische Abgeordnetenhaus hat einet seiner Mitglieder durch den Tod vM t u, den polnischen Abgeordneten v. JazdzewSki. Er verstarb am Montag vormittag ganz plötzlich in Zimmer Nr. 6 deS AbgeordnetenhautgebäudeS, wo die polnische Fraktion eine Sitzung abhielt, am Herzichlage. Der Verstorben^ hat ein Alter von 72 Jahren erreicht, er war Prälat in seiner Heimatprovinz Posen und vertrat bereit- seit 1873 den Wahlkreis Jarotschin—Krotoschin— Pirschen im Abgeordnetenhaus«. Der gleiche Wahlkreis hatte Herr v. JazdzewSki auch wiederholt in den Reichstag gesandt; 1906 legte Herr v. JazdzewSki sein ReichStagSmandat definitiv nieder.
Am Dienstag sührte die allgemeine Besprechung bei landwirtschaftlichen Etat- zu der Erörterung der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft. Vom Abg. von Kessel (kons.) wurde eine besonder- hohe Rentabilität ihrer Betriebe in Abrede gestellt und auch mit einer Statistik aufgewartet, auS der die hohe Besteuerung deS ländlichen Grundbesitzes hervor» ging. Noch umfassender waren die Ausführungen deS Abg. von Kardorff (fifonf.). Er äußerte sich etwas skeptisch über die Frage, ob auch in Zukunft im Reich-tage eine Mehrheit für die Schutzzollpolitik vorhanden sein würde, worauf ihm von nationalllbcralrr Seite mit der mit Heiterkeit auf» genommenen Antwort begegnet wurde, die Rechte möcht« nur alS beste Gewähr dieser Wirtschaftspolitik dafür Sorge tragen, daß recht viele Nationulliberale gewählt würden. Im übrigen freilich bestanden zwischen den letzteren und den AuSsührungen der recht-ständigen Redner eine Reih« von
Sie reichte ihm den Arm und zog seinen hindurch. So führte sie ihn in- HauS.
Leonie trat meLanijch zur Seite.
Ein Blick traf ihn, so voll Weh, voll ängstlicher Frage, daß er die Augen niederschlug.
Und so ging er an ihr vorüber, geführt alS Kranker von seinem jungen Weibe. Wer ihm da- vor zwei Jahren gesagt hätte, alS er Leonie siegestrunken in feine Arme riß!
Floriy rief, sie möchte komm«n, eS sei herrlich hier. Leonie hörte nicht.
Der Lord fragte nach ihrem Befinden.
Sie gab keine Antwort.
Sie fühlte nur einS: daß er hier gewesen, daß derselbe jugendkräftige Mann, dem einst ihre Liebe gegolten, hier eben blaß, abgemagert, elend an ihr vorbeigegangen war, begleitet von einem jungen, liebreizenden Gejchöps, feinem Weibe!
Wie sie endlich zu Florry gekommen, waS sie gesprochen, getan hatte, si« wußte eS später nicht mehr.
♦ *
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Teffow- hatten Lugano verlassen. Er behauptete, die Lust dort dekäme ihm nicht. Er sei noch zu rauh für feine kranke Lunge.
So waren sie weitergefahren nach Bavero am Logo Maggiore. Man hat ihnen gesagt, eS fei ein zauberisch gelegener Ort. Hier wie in dem nahen Pallanza beginnt schon italienische Urwüchsigkeit, italienilcher Schmutz sich zu entfalten, Lärm, unaulhöilicheS, monotone- Gebimu el der Kuchenglocken, zudringlich« Bettler und noch zudringlicher« Infekten müssen mit in den Kauf genommen werden. Aber auch italienische Poesie mit all ihrem Reiz tritt dort dem Fremden entgegen.